Newsletter Nr. 2 vom 01.02.2017

Öffentlicher Vortrag von Richard Schröder am 8. Februar im Sächsischen Landtag

Der Theologe und Philosoph Richard Schröder spricht am 8. Februar um 19 Uhr im Plenarsaal des Sächsischen Landtags im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Was wir schaffen wollen." Schröder hatte sich im vergangenen Jahr mit einem Artikel in der FAZ „Was wir Migranten schulden – und was nicht“ in der Zuwanderungsdebatte zu Wort gemeldet.

Prof. Dr. Dr. Richard Schröder ist emeritierter Hochschullehrer für Philosophie in Verbindung mit der systematischen Theologie an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. 1988/89 arbeitete Richard Schröder bei der „Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ in der DDR. 1990 wurde er zum Mitglied der Volkskammer gewählt und war Fraktionsvorsitzender der SPD. Von 1990 bis 2001 war er Mitglied der Grundwertekommission der SPD. Seine Professur nahm er 1991 an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin wieder auf. Er war Mitglied beim Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland von 1991 bis 1997 und von 1993 bis 2009 Verfassungsrichter des Landes Brandenburg. Mitglied des Nationalen Ethikrates war er von 2001 bis 2007.

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Die Veranstaltungsreihe „Was wir schaffen wollen - Beiträge zur Zuwanderung" findet auf Einladung des Präsidenten des Sächsischen Landtags Dr. Matthias Rößler und des Sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth statt. Mit der Veranstaltungsreihe sollen kulturelle, soziologische, juristische, religiöse und religionswissenschaftliche sowie praktische Aspekte der Integration vorgestellt werden. In der Reihe sprachen bisher Ahmad Mansour, Stephan J. Kramer und Pater Frido Pflüger SJ.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist aus Sicherheitsgründen notwendig unter
https://eveeno.com/Das-wollen-wir-schaffen-080217

oder über die Geschäftsstelle des Sächsischen Ausländerbeauftragten.

Im Jahr 2016 kamen 14.860 Asylbegehrende nach Sachsen

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Die meisten Asylbegehrenden kamen aus Syrien (2.787), Afghanistan (1.977) und dem Irak (1.568).

Nachdem im Januar 2016 noch 3.000 und im Februar rund 2.000 Personen registriert wurden, sank die durchschnittliche Zugangszahl in den Folgemonaten auf 960. Vergleichsweise hatte Sachsen im Jahr 2015 69.900 Asylbegehrende, also etwa 5.800 pro Monat, aufgenommen.

Vollziehbar ausreisepflichtige anwesende Ausländer gab es 6.988 zum Stichtag 31.12.2017. Von ihnen waren 1.363 geduldet. Eine Übersicht über die monatlichen Rückführungen und freiwilligen Ausreisen in den Jahren 2015 und 2016 gibt die Landesdirektion Sachsen auf ihrer Internetseite.

Quelle: Zentrale Ausländerbehörde, Landesdirektion Sachsen, 30. Januar 2017 https://www.lds.sachsen.de/asyl/?ID=12069&art_param=720

Pater Frido Pflüger SJ fordert Respekt auf Augenhöhe in Deutschland und einen Plan gegen Fluchtursachen in Afrika.

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Menschlichkeit und Nächstenliebe gehören für den Referenten Pater Pflüger zwingend zur Flüchtlings- bzw. Zuwanderungsdebatte. Im vollen Plenarsaal setzte er sich für eine Kommunikation auf Augenhöhe und respektvollen Umgang mit Menschen, Traditionen und Prägungen ein. „Wir müssen den einzelnen Menschen im Flüchtling erkennen.“, so der Jesuit. Im Hinblick auf das Thema der Veranstaltungsreihe „Was wir schaffen wollen" sagte Pflüger: „Wir vermasseln das, wenn wir uns von Angst hindern lassen.“ Angst sei manchmal nachvollziehbar, aber durchaus durch Begegnung, Interesse an- und Wissen voneinander abzubauen, so Pflüger. Mit vielen Bildern teilte er mit dem Publikum seine Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens bei der Arbeit mit Geflüchteten gesammelt hat. Schwerpunkte seiner Arbeit für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst waren Flüchtlingslager im Sudan und Südsudan. Mit ausgewählten Zahlen relativierte er die Dimensionen der Flucht in Deutschland, Europa und weltweit. Ende 2015 waren 65,3 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, heute seien es noch mehr. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder. Als Hauptfluchtgründe nannte Pflüger Krieg, Verelendung, Militärdiktaturen, Anschläge und Menschenrechtsverletzungen. In Afrika mangele es an allem, außer an Waffen. Und: Deutschland sei beispielsweise der drittgrößte Waffenlieferant weltweit.

Pflüger sprach sich für gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung der Fluchtursachsen wie den avisierten Marshallplan des Entwicklungsministeriums aus: „Afrika braucht keine Geldgeschenke. Afrika braucht faire Handelsbeziehungen.“

Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland (Jesuit Refugee Service, JRS)
www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de

Informationen zu Flucht und Asyl auf Russisch

Das Kulturbüro Sachsen e. V. hat eine Informationsmappe zu den Themen Flucht und Asyl in russischer Sprache herausgegeben. Angeregt hatte dies der Bundesverband russischsprachiger Eltern (BVRE) e. V. Die Informationsmappe dient beispielsweise als Wissensgrundlage für Workshops, um sich vertieft mit den Themen Flucht und Asyl auseinanderzusetzen.

In der Handreichung werden grundsätzliche Begriffe erklärt, auf die gesetzliche Lage von Geflüchteten eingegangen und Zahlen zu weltweiten Fluchtbewegungen aufgeführt. Im Kapitel „Fluchtursachen und Entscheidungsquoten“ wird über die Situation der zehn Herkunftsländer berichtet, aus denen 2015 die meisten Asylsuchenden nach Deutschland kamen. Außerdem werden die verschiedenen Schritte des Asylverfahrens in Deutschland erläutert. Im letzten Teil werden einige verbreitete Vorurteile ausgeräumt, zum Beispiel warum so viele junge Männer in Deutschland ankommen.

Die Informationsmappe ist zu finden unter
http://kulturbuero-sachsen.de/index.php/10-aktuell/210-informationsmappe-zu-den-themen-flucht-und-asyl.html

Onlinebefragung zu Ehrenamtsförderung in Sachsen – einfach teilnehmen

Wie kann die ehrenamtliche Integrationshilfe gestärkt werden? Wo liegt der Bedarf bei den Freiwilligen? Um zukünftig Antworten auf diese und mehr Fragen zu haben und um zielführende Maßnahmen einzuleiten, startete im Januar eine Befragung.

Auftraggeber ist das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz - Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration. Das Change Centre Consulting GmbH Managing Change in Business and Society führt in den kommenden Monaten diese Studie zum Fortbildungsbedarf der ehrenamtlichen Integrationshelferinnen und -helfer in Sachsen durch. Die Untersuchung soll zu einer Verbesserung der Freiwilligenarbeit beitragen. Informationen zur Studie finden Sie auf der Website
www.help-studie.de

Die Befragung dauert etwa sechs Minuten (die Redaktion). Das Institut bittet herzlich die Integrationshelferinnen und -helfer in Sachsen um Teilnahme an der Befragung unter folgendem Link
www.help-studie.de/mitmachen

Fünf Fortbildungsmodule für demokratieorientiertes Handeln zu Flucht und Asyl an der EHS

Im Februar und März 2017 ermöglicht das Kulturbüro Sachsen e. V. mit Unterstützung der Evangelischen Hochschule Dresden (EHS) Fortbildungen für Multiplikatoren zu demokratieorientiertem Handeln bei Flucht und Asyl.

Die Fortbildungen richten sich an Koordinatoren im Bereich Flucht und Asyl, an Flüchtlingssozialarbeiter, Integrationsbeauftragte, Studierende der Sozialen Arbeit, Ehrenamtler und interessierte Personen. Ort der Veranstaltungen ist die Evangelische Hochschule Dresden.

Module:

10.02.2017 Asylrecht und Teilhabe – Hintergründe und Vertiefung

17.02.2017 „Die Anderen“ oder die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität

24.02.2017 Gelingende Begleitung ehrenamtlicher Initiativen

03.03.2017 „Ich bin kein Nazi, aber…“

10.03.2017 „Wir schaffen das!“ – Möglichkeiten und Grenzen ehrenamtlicher Arbeit

Anmeldungen sind bis 6. Februar 2017 möglich unter
support@kulturbuero-sachsen.de

Informationen zu den Inhalten der Fortbildung finden Sie unter
http://kulturbuero-sachsen.de

Deutlicher Rückgang des Zugangs von Asylsuchenden

Die Zahl der tatsächlich einreisenden Asylsuchenden nach Deutschland ist im Jahr 2016 zurückgegangen. Darüber informiert das Bundesministerium des Innern. Demnach geht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) von etwa 280.000 Asylsuchenden aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es ca. 890.000 Asylsuchende.

2016 haben insgesamt 745.545 Personen in Deutschland formell Asyl beantragt. Etwa 36 Prozent dieser Asylbewerber kamen aus Syrien, 17 Prozent aus Afghanistan und 13 Prozent aus dem Irak.

Entscheidungsstatistik

36,8 Prozent aller Asylbewerber, das sind insgesamt 256.136 Personen, erhielten 2016 die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach Genfer Konvention. 153.700 Personen (22,1 Prozent) erhielten subsidiären Schutz und 24.084 Personen (3,5 Prozent) bekamen Abschiebungsschutz.

Die Zahlen aus dem Jahr 2016, vom Dezember 2016 und die Zugänge im EASY-System schlüsselt das Bundesinnenministerium nach den Hauptherkunftsländern auf. Diese können Sie im Einzelnen nachlesen unter http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/01/asylantraege-2016.html

Erste Erkenntnisse von Sachverständigenrat und Robert Bosch Stiftung: Was bewegt eigentlich die Flüchtlinge selbst?

In den vergangenen beiden Jahren beschäftigte das Thema Flucht und Asyl die deutsche Bevölkerung wie kaum ein anderes. Dabei liegt der Fokus oft nicht bei den Belangen der Geflüchteten selbst, über die gesprochen und diskutiert wird.

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und die Robert Bosch Stiftung möchten bei ihren Forschungen die Sichtweise der Flüchtlinge in den Vordergrund rücken. Eine seit Februar 2016 laufende Studie soll wichtige Einblicke in die Lebenssituation von Flüchtlingen geben.

Bei der Studie werden Interviews mit Flüchtlingen aus verschiedenen Herkunftsländern geführt, die sich erst seit Kurzem in Deutschland aufhalten. Ein Schwerpunkt der Befragten liegt bei Menschen, deren Bleibeperspektive unklar ist. Dazu zählen Asylsuchende aus Afghanistan, Somalia und Pakistan.

Ein wichtiger Bestandteil der geführten Interviews ist, dass das Gespräch bewusst offen gehalten wird. So können die Befragten im ersten Teil frei über ihre Erfahrungen und über ihre aktuelle Lebenssituation in Deutschland erzählen. Erst im weiteren Verlauf des Interviews werden gezielt Fragen gestellt und Themen angesprochen.

Eine jetzt veröffentlichte Kurzinformation berichtet über den offenen Gesprächsteil der ersten Interviews. Und die ersten Ergebnisse zeigen: Flüchtlinge wünschen sich echte soziale Kontakte zu der ansässigen Bevölkerung. Eine zentrale Rolle für die entsprechende Umsetzung spielen die Kommunen, denn Integration muss vor Ort stattfinden.

Die Veröffentlichung der kompletten Studie ist im November 2017 geplant. Wie die Menschen selbst ihre Lebenslage hier in Deutschland wahrnehmen, können Sie in der Kurzinformation nachlesen unter
https://www.svr-migration.de/presse/presse-forschung/was-fluechtlingen-wirklich-wichtig-ist/

Anerkennungsverfahren werden gefördert

Fachkräfte, die eine berufliche Qualifizierung im Ausland erworben haben, können diese in Deutschland anerkennen lassen. Das Verfahren der Anerkennung ist jedoch mit diversen Kosten verbunden, welche insbesondere für Beschäftigte eine Hürde sind, die unterhalb ihrer abgeschlossenen Qualifizierung arbeiten und nur über ein geringes Einkommen verfügen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bietet nun eine neue Fördermaßnahme an, die Anerkennungssuchende finanziell unterstützt. Zuschüsse werden u. a. bei Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen, Gutachten, Verfahrensgebühren sowie für die Beschaffung relevanter Nachweise bewilligt.

Bei den IBAS-Beratungsstellen in Sachsen können sich Interessierte über den Anerkennungszuschuss beraten und beim Verfahren unterstützen lassen.

Alle nötigen Informationen finden Sie unter folgenden Links

www.anerkennung-sachsen.dewww.anerkennungszuschuss.de

Neues Bundesprogramm Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung

Die frühzeitige Teilhabe an Bildungsangeboten ist für Kinder aus Familien mit Fluchterfahrung sehr wichtig. Durch den alltäglichen Kontakt mit anderen Kindern wird beispielsweise das Erlernen der deutschen Sprache schneller ermöglicht. Auch die Familien der Kinder stabilisieren so ihre Lebenssituation und bringen die gesellschaftliche Integration voran, wenn den Kindern ein Platz in Kindertageseinrichtungen oder Tagespflegestellen zur Verfügung steht. Es zeigt sich allerdings, dass gerade diejenigen aus benachteiligten Familien die Angebote der Kindertagesbetreuung kaum wahrnehmen können. Das liegt daran, dass bestimmte Lebenslagen mit besonderen Zugangshürden einhergehen, welche die Teilhabe an früher Bildung erschweren.

Um dem entgegenzuwirken und einen positiven Start mit Bildungschancen für alle Kinder sicherzustellen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ein neues Bundesprogramm ermöglicht. Mit dem Programm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ soll der Einstieg in das deutsche System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung erleichtert werden. Gefördert werden konkrete niedrigschwellige Angebote für Kinder und Familien. Der Förderzeitraum erstreckt sich ab dem Frühjahr 2017 bis Ende 2020.

Antragsteller für das Programm sind die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Diese können noch bis zum 17. Februar ihr Interesse bekunden. Ob eine Beteiligung am Interessenbekundungsverfahren geplant ist, kann beim jeweiligen verantwortlichen Jugendamt in Erfahrung gebracht werden.

Weitere Informationen und das Formular zur Interessenbekundung finden Sie unter
http://www.fruehe-chancen.de/qualitaet/aktuelle-bundesprogramme/kita-einstieg/

Termine notieren – NIMS und KAIB

Das nächste Treffen des Netzwerkes Integration und Migration Sachsen (NIMS) ist für den 26. April 2017 im Sächsischen Landtag geplant. Eine Einladung mit Tagesordnung wird noch versandt.

Das nächste Treffen der Kommunalen Ausländer- und Integrationsbeauftragten (KAIB) in Sachsen ist für den 29. Mai 2017 im Sächsischen Landtag geplant.