Newsletter Nr. 17 vom 03.05.2013

Mit Herz gesehen - Wie man in den Wald hineinruft…

Ende April nahm ich in einem unserer Landkreise an einer Veranstaltung teil. Es ging um unseren Umgang mit Asylsuchenden im Freistaat Sachsen. Wir tauschten uns über die Fragen der dezentralen Unterbringung sowie über das Leben in den Asylbewerberheimen aus. Das Gesetz sieht beide Möglichkeiten vor. Für dezentrale Unterbringung sprechen humanitäre und Gesundheitsgründe, sowie Kostenbetrachtungen. Mit anderen Worten, wenn es billiger ist, Asylsuchende dezentral unterzubringen, dann hat die Behörde auch das Recht dazu.

Wie gehen die Behörden mit diesen Möglichkeiten um? Sie können das Gesetz sehr restriktiv auslegen und möglichst viele in Heimen unterbringen. Oder sie können mit den betroffenen Menschen im Blick die gesetzlich vorgesehenen Spielräume nutzen und immer dann dezentral unterbringen, wo das sinnvoll und erlaubt ist.

In Sachsen wird die Kategorie „humanitär“ mittlerweile so ausgelegt, dass Familien und Alleinerziehende mit Kindern, sowie alleinstehende Frauen dezentral untergebracht werden sollten, es sei denn, das Heim steht praktisch exklusiv dieser Gruppe zur Verfügung. Das wird auch mehrheitlich so umgesetzt.

Der Ansatz ist goldrichtig. Und wir sollten dieses Prinzip zukünftig auch auf alleinstehende Männer anwenden, wenn sie sich über einen Zeitraum hinweg konstruktiv, integrierend und gesetzestreu verhalten. Warum ich das schreibe? Heime, selbst solche, die im Sächsischen „Heim-TÜV“ als grün, also erstrebenswert, eingestuft sind, eignen sich nicht für jahrelange Unterbringung.

Wer von den männlichen Lesern unter uns schon einmal ein Jahr oder mehr Kasernenleben hinter sich hat, wird sich erinnern können, wie ihm dieses Leben ohne jede Privatsphäre mit der Zeit aufs Gemüt gegangen ist. Er kann deshalb auch nachempfinden, wie schlecht sich Menschen fühlen müssen, die so über Jahre, ja sogar über zehn Jahre so gelebt haben.

Heime schränken Menschen ein. Sie treiben sie in die Enge. Sie verletzen sie über lange Zeit. Heime vermitteln keine Kontakte mit unserer Gesellschaft. Sie geben kaum Möglichkeiten, unsere Welt, unsere Werte, unsere Prinzipien kennenzulernen. Wie sollen sie dann unsere Gesellschaft respektieren und wertschätzen?

In der Veranstaltung sprach ein mit seiner Familie jetzt dezentral lebender Asylsuchender über seine Erlebnisse in seinem früheren Heim. Seine Frau würde heute noch in Tränen ausbrechen, wenn die Unterhaltung auf die Situation in den Heimen und das Leben ihrer Bekannten dort käme.

Der Asylsuchende brachte auch ein besonders prägnantes Beispiel für unseren widersinnigen Umgang mit ihnen zur Sprache. Die Bewohner dieses Heimes erhielten von der Heimleitung keinen Zugang zu deutschen Fernsehkanälen, um dort z. B. über KiKa Deutsch lernen zu können. Stattdessen haben die Bewohner den (glücklicherweise kostenlosen) Satellitenempfang zu ausländischen Sendern und Hasspredigern. Wollen wir wirklich so den etwa 70 Prozent der Asylsuchenden, die auf Dauer in Deutschland bleiben werden, unsere Werte näherbringen?

Asylsuchende hoffen auf ein Leben mit Sinn und Würde in Deutschland, egal aus welcher Not sie zu uns gekommen sein mögen. Sie wollen sich bei uns nützlich machen. Sie wollen auf ihren Beitrag hier auch ein bisschen stolz sein können. Wenn wir ihnen den Weg dazu versperren, wenn wir sie systematisch in die Ecke drängen, wenn wir sie durch Zermürbung seelisch tief verwunden, sollten wir uns dann noch wundern, wenn sie sich in unserer Gesellschaft nicht immer so verhalten, wie wir uns das wünschen?

Martin Gillo

„Zukunft statt Herkunft“ – Leipziger Integrationsmesse

Die sechste Leipziger Integrationsmesse findet in diesem Jahr am 16. Mai 2013 unter dem Motto „Zukunft statt Herkunft – Arbeitsmarktstärkung durch Migranten“ statt. Zuwanderer, Arbeitgeber, Bildungsträger und Interessierte sind eingeladen, sich zu informieren, zu präsentieren und neue Kontakte zu knüpfen. In Workshops und Vorträgen widmen sich die Aussteller aktuellen Themen wie der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und der dualen Berufsausbildung. Wie das Know-how der Migranten besser genutzt werden kann, wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion erörtert.

Zur Verbesserung der beruflichen Integration von Zuwanderern kommt der Vernetzung der unterschiedlichen Akteure eine große Bedeutung zu, so die Veranstalter. Aufgrund des Fachkräftemangels und der Altersstruktur profitiert der deutsche Arbeitsmarkt insbesondere vom Potential der Migranten. Organisiert durch das Netzwerk „Integration – Migranten in Leipzig“ und die Handwerkskammer Leipzig, steht die diesjährige Messe unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Burkhard Jung, SPD.

Zwischen 10:00 und 15:00 Uhr laden die Veranstalter in die Obere Wandelhalle des Neuen Leipziger Rathauses am Martin-Luther-Ring 4 – 6, ein.

Weitere Informationen finden unter:
http://www.migranten-leipzig.de

BAMF-Projekt zur Willkommenskultur in Ausländerbehörden

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) plant ab dem zweiten Halbjahr 2013 das Projekt „Ausländerbehörden - Willkommensbehörden“ und ruft potentielle Projektträger auf, Interessenbekundungen abzugeben. Im Rahmen des Projektes sollen Ausländerbehörden interkulturell geöffnet und serviceorientierter gestaltet werden.

Das BAMF greift damit die Praxisempfehlungen des Runden Tisches „Aufnahmegesellschaft“ vom März 2013 auf. Ziel ist die Verbesserung der Servicequalität durch optimierte Organisationsstrukturen, Personalentwicklung und eine stärkere Vernetzung mit den beteiligten Institutionen. Die Entwicklung eines Modellprozesses soll als Vorbild und Orientierung für andere Behörden dienen und kann bundesweit übertragen werden.

Dem Projektträger obliegt die Durchführung des zweijährigen Projektes in Zusammenarbeit mit dem BAMF. Er berät, führt Monitoring und Projektevaluationen durch. Interessenbekundungen sind bis zum 29. Mai 2013 an das Bundesamt zu richten. Die vollständige Ausschreibung finden Sie unter:

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Integrationsprojekte/ausschreibung-willkommensbehoerden-2013.pdf;jsessionid=487569FA52AE84B2B468DE83787C2DA5.1_cid294?__blob=publicationFile

Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche

Als Initiatoren der Interkulturellen Woche 2013 sprachen sich die Leitungen der katholischen, evangelischen und griechisch-orthodoxen Kirchen für eine Gesellschaft in Vielfalt und Offenheit aus. „Rechtsextremes oder rassistisches Denken und Handeln sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Die Kirchen rufen dazu auf, den Opfern von Rassismus ein Forum zu geben.

Die Würde des Menschen sei migrationspolitisch nicht zu relativieren. Mit dieser Erklärung entsprachen die drei Vorsitzenden auch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2012, die die Geldleistungen für Asylbewerber als evident unzureichend beurteilte.

Mit Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf im Herbst appellierten sie an die Politiker, ihre Wortwahl zu überdenken, um Rassismus begünstigende Äußerungen zu vermeiden. Gleichzeitig wurde ein Umdenken in der deutschen Aufnahmegesellschaft gefordert.

Das Problem der Langzeitgeduldeten lösen

Mehr als 100.000 Asylbewerber lebten mit einem ungesichertem Aufenthaltsstatus und permanenter Angst vor Abschiebung. Ein sicherer Aufenthaltsstatus stelle das Schlüsselelement für eine erfolgreiche Integration dar. Ohne eine echte Perspektive können Asylbewerber kaum ihre Persönlichkeit entfalten und ihre Fähigkeiten in unsere Gesellschaft einbringen, heißt es in der Erklärung. Die Kirchen treten für eine stichtagsunabhängige Bleiberechtsregelung ein, die aus humanitären Gründen auch für alte, kranke und traumatisierte Menschen gilt. Für sie und andere, die immer wieder um die Verlängerung ihres Aufenthaltstitels bangen müssen, sollten die Hürden beseitigt werden, die das Aufenthaltsrecht ihrer Integration entgegenstellt. Wörtlich heißt es: „Die Kettenduldungen müssen endlich abgeschafft werden!“

Das Gemeinsame Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche finden Sie unter:
http://www.interkulturellewoche.de/hefteintrag/2013/gemeinsames-wort-der-kirchen/gemeinsames-wort-der-kirchen-zur-interkulturellen

Interkulturelle Woche im September

Unter dem Motto „Wer offen ist, kann mehr erleben“, findet die diesjährige Interkulturelle Woche vom 22. bis 28. September 2013 statt. Bundesweit können sich Bürgerinnen und Bürger in mehr als 4.500 Veranstaltungen in über 500 Orten informieren und einbringen. Wie immer wird im Rahmen der Interkulturellen Woche der Tag des Flüchtlings am 27. September 2013 begangen.

Informationen zur Interkulturellen Woche gibt es unter:
www.interkulturellewoche.de

Klinik mit transkulturellem Therapiekonzept für Abhängige

Die Hellweg-Klinik Oerlinghausen, eine stationäre Einrichtung zur Entwöhnungsbehandlung in Nordrhein-Westfalen, ist auf Männern mit einer Abhängigkeitserkrankung spezialisiert. Das bestehende Therapiekonzept wurde auf ein transkulturelles Entwöhnungsbehandlungskonzept ausgeweitet. Die Klinik nimmt gerne Patienten mit Zuwanderungsgeschichte auf.

Voraussetzung dafür ist die Kostenzusage zur Entwöhnungsbehandlung seitens der Rentenversicherung, Krankenkasse oder in den meisten Fällen bei Asylbewerbenden oder Geduldeten durch das jeweilige Versorgungsamt. Auch Privatpatienten können behandelt werden. Da die Behandlungen in vollstationärer Form ablaufen, ist der Wohnsitz ohne Belang.

Für weitere Fragen und Kontakt
Frau Melanie Berg
Telefon 0521 98927833

Hellweg-Klinik Bielefeld
Ganztägig ambulante Rehabilitation
suchtkranker Menschen
Königsweg 5
33617 Bielefeld
www.hellweg-kliniken.de

Neue Promico-Seminare für Migrantenorganisationen

In Stuttgart startet im Juni eine neue Seminarreihe, die Migrantenorganisationen bei der Entwicklung und Durchführung von Förderprojekten unterstützen soll. Viele Migrantinnen und Migranten haben sich mit großem Engagement in Organisationen zusammengefunden, um ihre Interessen zu vertreten und Aktivitäten durchzuführen. Oft sind Ideen mangels Finanzierung nicht umzusetzen. Eine Lösung kann Projektförderung mit öffentlichen oder privaten Mitteln sein. Hier setzt das Projekt „Promico – Projekte in den Migrantencommunitys“ an. Es richtet sich an Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich in oder für Migrantenorganisationen arbeiten.

01.06.2013 Projektförderung 1 für Migrantenorganisationen
Fördermodelle, Mittelgeber, Projektskizze

02.06.2013 Projektförderung 2 für Migrantenorganisationen
Zielbestimmung und Evaluation

15.06.2013 Projektförderung 3 für Migrantenorganisationen
Finanzplan: Ausgaben und Einnahmen

16.06.2013 Projektförderung 4 für Migrantenorganisationen
Mittel, Budgets, Belege

Die Kostenbeteiligung beträgt 15 Euro je Person und Seminar. Bei der Anmeldung sollte die Migrantenorganisation oder der Integrationsrat angegeben werden.

http://www.iq-consult.de/cms/index._cGlkPTUzMQ_.html

Promico Angebote
Daniel Weber
Projektmentoring IQ-Consult gGmbH
Telefon 0211 4301191
E-Mail daniel.weber@dgb-bildungswerk.de