Newsletter Nr. 21 vom 01.06.2012

Mit Herz gesehen: Benachteiligt Sachsen seine Forscherkinder?

Die bisher größte Zuwanderungskonferenz in Deutschland fand am 15. Mai 2012 in Dresden statt. Die Staatsregierung hatte eingeladen und über 350 Teilnehmer kamen. Dabei waren Mitarbeitende aus Ministerien, kommunale Ausländerbeauftragte, Vereine, Initiativen und Wirtschafts- und Forschungsunternehmen.

In Vorträgen, auf Podiumsdiskussionen und in Gruppenarbeit stellten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Fragen, wie wir die Zuwanderung von Talenten aus aller Welt erfolgreich unterstützen können.

Bei den Zuwanderungsgesetzen hat sich auch durch das sächsische Engagement viel getan. Ebenso wichtig ist die Öffnung unserer Bevölkerung gegenüber Menschen aus anderen Ländern, die bei uns leben. Die Anerkennung und der Respekt im Umgang mit allen bei uns lebenden Ausländern gehören ebenso dazu. Doch auch das genügt nicht. Auch viele Regelungen in Sachsen spielen eine wichtige Rolle. Diese Regeln müssen wir durchforsten.

Ein Beispiel sind die Bildungsempfehlungen, die in Sachsen schon im vierten Schuljahr darüber entscheiden, ob ein Kind auf das Gymnasium darf oder nicht. Eine Bildungsempfehlung erhält ein Kind in Sachsen nur, wenn es sowohl in Deutsch als auch Mathematik eine „Zwei“ erhält.

Was hat dieses „bewährte“ System nun mit Zuwanderung von ausländischen Fachkräften zu tun? Ganz einfach: Die Sprachentwicklung von bilingualen Kindern ist bis ins Teenager-Alter langsamer als die einsprachiger Kinder. Das liegt an der Schwierigkeit, gleichzeitig zwei Sprachen auf Muttersprachenbasis zu erlernen. Ein Forscher beschrieb auf der Konferenz, welche Probleme das schaffen kann. Sein ältester Sohn bekam in der Grundschule eine Drei in Deutsch und die Lehrer verweigerten ihm „völlig korrekt“ die Bildungsempfehlung für das Gymnasium.

Was tat der Forscher, um seinem Sohn dennoch das Gymnasium und das spätere Studium zu ermöglichen? In seiner Not ließ er die Intelligenz seines Sohnes an der TU Dresden feststellen. Die war sehr hoch. Mit dieser Bescheinigung bekam der Sohn dann doch die Bildungsempfehlung. Wir sehen also, dass unser System der Bildungsempfehlungen bei bilingualen Kindern scheitert.

Was ist zu tun? Forscher mit Kindern werden versuchen, ihre Kinder in die beiden internationalen Schulen in Dresden und Leipzig zu schicken, mit entsprechenden Schulgebühren. Doch was macht ein Forscher mit Familie, der ein Angebot nach Chemnitz oder Zittau hat? Muss er – oder sie – notgedrungen mit der Familie in die Nähe der internationalen Schulen in Dresden oder Leipzig ziehen und täglich zur Arbeit mit dem Auto fahren?

Auf der Konferenz empfahl der Forscher längeres gemeinsames Lernen bis zur sechsten Klasse – damit die bilingualen Kinder Zeit haben, aufzuholen. Gute Ergebnisse im Intelligenztest als Alternative zur deutschen „Zwei“ wären ein zweiter Ansatz. Es gibt sicherlich noch viele andere Optionen. Finden wir sie. Eine erfolgreiche Fachkräftezuwanderungspolitik braucht die Abstimmung mit allen Ministerien. Auf geht’s.

Ihr Martin Gillo

Nach Erfolg plant Chemnitz zweite Integrationsmesse für 2013

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Am 18. April 2012 fand im Chemnitzer Kulturkaufhaus „Das TIETZ“ die Erste Integrationsmesse für Migrantinnen und Migranten in Chemnitz und Umgebung statt. Die Organisatoren schätzten die Veranstaltung als überaus erfolgreich ein. Deshalb haben sie bereits begonnen, die zweite Auflage für 2013 vorzubereiten.

Insgesamt besuchten etwa 350 Besucher die Präsentationen der 35 Aussteller. Sprachlotsen boten ihre Hilfe für acht verschiedene Sprachen an. Der Schwerpunkt der Aussteller war die Information über Bildungsangebote einschließlich Sprachförderungen, die Integrationsförderung über freie Träger und die Möglichkeiten der Anerkennung von Berufsabschlüssen. Veranstalter war das Sozialamt Chemnitz, das von der DuvierConsult GmbH, den Bildungsunternehmen und freien Trägern unterstützt wurde.

Ausländerbeirat Chemnitz feiert zehnten Geburtstag mit „Picknick für Vielfalt“

Der Ausländerbeirat Chemnitz lädt alle Freunde, Mitstreiterinnen und Mitstreiter der Migrationsarbeit, für Freitag, dem 13. Juli 2012, zu einem „Picknick für Vielfalt!" in den Interkulturellen Garten ein. Beginn ist 17.00 Uhr auf der Franz-Mehring-Straße 39 auf dem Kaßberg. Gemeinsam soll gespeist und musiziert werden. Menschen aus vielen verschiedenen Ländern der Erde können sich unterhalten, sich fröhlich und vorurteilsfrei begegnen und auf diese Weise für Weltoffenheit und Respekt werben. Anmeldung der Teilnahme und die Information zu einem Beitrag zum Buffet oder kulturellen Beitrag bitte bis spätestens 30. Juni 2012 an:

Frau Etelka Kobuß

E-Mail: auslaenderbeauftragte@stadt-chemnitz.de

Deutsch-Russisches Hilfswerk in Leipzig lädt im Juni zu Bildung und Kultur ein

Das Deutsch-Russische Hilfswerk zur Heiligen Alexandra e.V. macht auf mehrere Angebote im Juni aufmerksam. Herzlich wird eingeladen zum Kinderkonzert am Samstag, dem 2. Juni 2012 um 12.00 Uhr in das Kulturcafe Krone zu Musik, Liedern, Tänzen und Spielen. Am 15. Juni 2012 gibt es um 17.00 Uhr eine Buchvorstellung des Romans „Dolce Vita oder das Ende des Glamours“ von Nika Nikaleo.

„Bildungs-Brücken: Aufstieg!“ ist ein Seminar am 28. Juni 2012 um 10.00 Uhr überschrieben, dass sich an Eltern und Großeltern wendet. Thema ist Empowerment und Aktivierung von Eltern. Das Jahreskonzert des Vereins ist am Samstag, dem
30. Juni 2012 um 15.00 Uhr. Mit dabei die Kindergruppe Rosinka, der Chor Slawia und die Tanzgruppe Phoenix. Alle Veranstaltungen sind in der Dresdner Straße 82 in 04317 Leipzig.

Weitere Informationen:

Telefon 0341 2566481

E-Mail: alexandra-e.vgmx.dewww.heiligealexandraev.com

Schwedischer Mediziner und Biologe wird mit "Heißer Kartoffel" geehrt

Der Direktor des Leipziger Max-Planck-Instituts Svante Pääbo (57) erhält den
20. Wirtschafts- und Kommunikationspreis "Heiße Kartoffel" des Mitteldeutschen Presseclubs. Die Vereinigung teilte am Dienstag mit, damit solle eine "herausragende Wissenschaftlerpersönlichkeit" geehrt werden. Der undotierte Preis soll im Herbst vergeben werden.

Rolf Westermann, der Präsident des Mitteldeutschen Presseclubs, wies darauf hin, dass die Öffentlichkeit zum Teil gar nicht wisse, welche hervorragenden Forscher Leipzig beherberge. Pääbo ist seit 1999 einer von fünf Direktoren der Abteilung Evolutionäre Genetik des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. 1984 gelang ihm bereits als Doktorand erstmals die Klonierung der DNA einer Mumie, was in der Fachzeitschrift "Nature" auf der Titelseite honoriert wurde.

Die "Heiße Kartoffel" wird seit 1993 an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderem Maß für die Region engagiert haben. Preisträger waren bislang unter anderem die früheren Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und Lothar Späth, Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder Dirigent Kurt Masur. Im vergangenen Jahr wurde VW-Chef Martin Winterkorn ausgezeichnet.

Leitungen deutscher Kirchen gegen versteckten Rassismus

Ein „Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2012“ haben Erzbischof Robert Zollitsch, Nikolaus Schneider und Metropolit Augoustinos am Dienstag vor Pfingsten veröffentlicht. In der gemeinsamen Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Orthodoxen Bischofskonferenz rufen die drei Vorsitzenden dazu auf, „jeder Äußerung von Menschenfeindlichkeit mit Zivilcourage entgegenzutreten“. Ein Schwerpunkt der Interkulturellen Woche 2012 liege deshalb darauf, dem offenen und versteckten Rassismus auf die Spur zu kommen und Gegenstrategien zu erproben, damit Deutschland sich als offene, freie und demokratische Gesellschaft weiterentwickeln kann.

Die Interkulturelle Woche soll nach Darstellung der Kirchen "Gelegenheit bieten, auch die alltäglichen Diskriminierungserfahrungen anzugehen und Migranten von ihren Erfahrungen berichten zu lassen". Die Woche steht unter dem Motto "Herzlich Willkommen - wer immer Du bist." Sie wird am 21. September 2012 in Potsdam mit einem ökumenischen Gottesdienst unter Beteiligung des evangelischen Bischofs Markus Dröge, von Kardinal Rainer Maria Woelki sowie einem Vertreter der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Deutschland bundesweit eröffnet. Der Tag des Flüchtlings ist am 28. September 2012. Geplant sind rund 4.500 Veranstaltungen in über 450 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland.

Die gemeinsame Pressemeldung und den Wortlaut der Erklärung finden Sie hier:

http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2108&cHash=e923cf63ff925d1799b8ce2c6ddba5fe