Newsletter Nr. 30 vom 06.09.2013

Mit Herz gesehen - Ein Leserbrief zu „Ausgrenzung und Tod in Leipzig“

Vor zwei Wochen habe ich über die tragischen Umstände nach dem Tod des libanesischen Asylbewerbers in Leipzig berichtet. Daraufhin erreichte mich ein Leserbrief, der lesenswert ist:

„Ich habe gestern mit Aufmerksamkeit Ihr Statement zum Tode des libanesischen Asylbewerbers in Leipzig verfolgt. Ich stimme Ihnen unbedingt zu, dass es wichtig ist, allen Asylbewerber_innen Zugang zum Erwerb der deutschen Sprache und Beschäftigung zu ermöglichen. Es gibt nicht wenige unter ihnen, die einen Beruf haben oder ein Studium absolvierten und über sprachliche Kompetenzen verfügen…

Ich gestatte mir eine Anmerkung, die mir bereits seit langem auf der Seele liegt, die ich mehrfach dem Sozialamt und auch der Polizei gegenüber geäußert habe: In den Heimen, die ich betreue, nehme ich wahr, dass die neu ankommenden Asylbewerber sehr schnell von der sog. Community aufgesucht werden. Sie werden mit Hilfe der Verhaltensmuster aus der Heimat beeinflusst, zu Beschaffungskriminalität gedrängt, zu Drogenkonsum verleitet und abhängig – auch von den sog. Freunden – gemacht.

Dabei habe ich selbst versucht, auf einige junge Männer, die bis dahin motiviert die Sprachschule besuchten, meinerseits Einfluss zu nehmen (nicht ganz ungefährlich – sowohl für mich als auch die jungen Männer - wie ich feststellen musste). Es ist bei einigen nicht gelungen. Die Schule wurde geschmissen, ständig war ein „Freund“ an der Seite der jungen Männer und ich musste zusehen, wie sie abstürzten.

Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man präventiv arbeiten könnte. Ich freue mich aber, wenn auch an anderen Stellen die Relevanz und Konsequenzen der Problematik aufgegriffen und Maßnahmen entwickelt werden, die helfen, ein ruhiges Klima in den Heimen zu schaffen, das es gestattet, den Heimbewohnern die Angebote für Lernen, Beschäftigung, ehrenamtliche Betätigung, Kontakte mit Deutschen und sinnvolle Freizeit nahe bringen zu können.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, wenn generell eine regemäßige Kontrolle in den Heimen erfolgt, nachdem das Heimpersonal in den Feierabend gegangen ist. In vielen Gesprächen haben sich das auch die Heimbewohner gewünscht. Sie sind mit diesen Kontrollen einverstanden, damit Fremde nicht kommen, übernachten und sie mit kriminellen Gedanken beeinflussen können.

Es geht soweit, dass die Heimbewohner aufgefordert werden, die Reinigung zu boykottieren und es wird ihnen vorgemacht (habt keine Angst, die haben keine wirklichen Sanktionsmöglichkeiten!). Die Kontrolle ist auch eine Geldfrage und vielleicht ist es möglich, dass sie eben grundsätzlich (und nicht zusätzlich) dazu gehört, also auch finanziert wird.

Als Sozialbetreuerin in … finde ich Zugang zu den Menschen. Allerdings kommen bei der „Akquise“ der Community noch andere Facetten der Mentalität, Gewohnheiten und Verhaltensmuster ins Spiel: z. Bsp. „Ich bin schon lange hier, ich kenne mich aus, ich bin für dich wie ein großer Bruder, Onkel (was sofort eine hierarchische Abhängigkeit erzielt)“ usw.

(Dazu gehört auch) Gastfreundschaft, die eine Übernachtung nicht abschlägt, auch wenn es nicht erlaubt ist und, um die Fremden zu schützen, mit dem Hausmeister zu streiten oder zu lügen. Das wird alles abgerufen und getestet.

Daher denke ich, dass es helfen kann, wenn die Sozialarbeit auch von Migranten_innen mit dem kulturellen und sprachlichen Hintergrund der Heimbewohner geleistet wird, um die Balance zwischen der eigenen und neuen Kultur üben zu können.

Nach meiner Wahrnehmung kommen die meisten Asylbewerber mit einer guten Erziehung und guten Manieren zu uns. Sie zeigen Respekt, Offenheit und sind kooperativ. Durch die äußeren Einflüsse relativiert sich das bei einigen schnell und es kostet viel Zeit und Kraft, wieder ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Die vielen Verfahren durch die Staatsanwaltschaft und der Einzug in das Gefängnis schrecken nicht ab.

Sie verunsichern viele, weil sie für die Betroffenen eine Schande bedeuten, die ihnen immer anhängen wird und sie sich davon nicht mehr befreien können. Daher sind die meisten bereit, eine Chance zu ergreifen, in der ihnen wieder Vertrauen entgegen gebracht wird. Auch über solche Verfahren sollte aus meiner Sicht mit Polizei und Staatsanwaltschaft gesprochen werden können.

Eine enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den Ämtern, Behörden, Polizei und Sozialarbeit, in der die Kompetenz der Partner anerkannt ist, kann ebenfalls präventiv wirken. In vielen Fällen gelingt … (dann auch) eine solche Kooperation.“

Dieser Leserbrief zeigt aus meiner Sicht, wie viel Interesse unsere Gesellschaft daran haben sollte, durch qualifizierte Sozialarbeit und gute Kooperation mit den Ämtern, Behörden und der Polizei ein konstruktives Verhalten der bei uns lebenden Asylsuchenden zu ermöglichen und zu ermutigen.

Martin Gillo

Montag ist Einsendeschluss für den Integrationspreis 2013

Bis zum 9. September 2013 müssen die Bewerbungen um den diesjährigen Sächsischen Integrationspreis unter dem Motto „Willkommensgesellschaft Sachsen: Chancen durch Vielfalt“ bei der Geschäftsstelle des Ausländerbeauftragten eingereicht werden. In diesem Jahr stehen Klein- und Mittelständische Unternehmen, Organisationen und Behörden im Fokus, für die Vielfalt und interkulturelle Öffnung eine Selbstverständlichkeit sind. Für den Sonderpreis können Einzelpersonen vorgeschlagen werden, die sich bereits seit langem für ein konstruktives Miteinander von Menschen aus verschiedenen Kulturen engagieren. geht an Im Rahmen des Wettbewerbes werden alle Bewerber mit begleitender Pressearbeit, Broschüre und Ausstellung bekannt gemacht.

Die Ausschreibung finden Sie hier unter:
http://www.landtag.sachsen.de/de/integration_migration/aktuelles_presse/veranstaltungen/9945.aspx

Stipendien für neun Schüler mit Migrationshintergrund

Am Mittwoch sind neun Jugendliche aus Sachsen offiziell in das START-Stipendienprogramm für engagierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund aufgenommen worden.

Die Aufnahmeurkunden übergab Kultusministerin Brunhild Kurth in Dresden. Unter 40 Bewerbern wurden sieben Mädchen und zwei Jungen ausgewählt, deren Familien aus Afghanistan, Benin, Kosovo, Libanon, Mosambik, Nigeria, Palästina und Vietnam stammen. Die Jugendlichen erhalten eine finanzielle Unterstützung von monatlich 100 Euro sowie einen Computer mit Internet-Anschluss. Außerdem können sie Seminare zu Persönlichkeitsbildung, Naturwissenschaften, Politik, Sport und Kunst besuchen.

Insgesamt werden in Sachsen derzeit 26 Jugendliche gefördert. Seit 2002 gelang 59 Schülern mit Migrationshintergrund in Sachsen ein erfolgreicher Abschluss. Voraussetzung für die Bewerbung um das Stipendium sind neben dem Migrationshintergrund der Schüler, Eltern oder Großeltern ein Notendurchschnitt von 2,5 und besser und gesellschaftliches Engagement.

START ist ein deutschlandweites Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die mit regional ansässigen Partnern zusammenarbeitet. In Sachsen sind das derzeit Deutsche Bank Stiftung, Landeshauptstadt Dresden, DREWAG - Stadtwerke Dresden GmbH, Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, Stadt Leipzig, Peter Herbst Stiftung, Sächsisches Staatsministerium für Kultus.

Zahl der Asylerstanträge stieg im Juli

Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mitteilte, wurden im Juli 2013 beim Bundesamt 9.516 Asylerstanträge gestellt. Im Vergleich zum Juli 2012 stieg die Zahl der Asylbewerber um 11,6 Prozent. Im Vorjahresmonat stellten 5.018 Personen erstmals einen Antrag.

Feuerwehrverband informiert Menschen mit Migrationshintergrund

Mit einer Kommunikationskampagne will der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) den interkulturellen Dialog der Feuerwehren mit Menschen mit Migrationshintergrund vertiefen. Dabei verfolgt er unter dem Titel „112 Feuerwehr – Willkommen bei uns!“ drei Informationsziele:

Der Aufbau des deutschen Feuerwehrsystems wird erläutert, denn in anderen Ländern gibt es kein vergleichbares System aus Freiwilliger Feuerwehr, Berufsfeuerwehr, Werkfeuerwehr und Jugendfeuerwehr. Weiterhin möchten die Feuerwehrleute über die verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten informieren. Denn langfristig will der Deutsche Feuerwehrverband Mitglieder aus den Reihen der Migrantinnen und Migranten gewinnen. Immer mit auf der Tagesordnung der Kampagne stehen natürlich das richtige Verhalten im Brandfall, die Brandvermeidung und die Prävention.

Weitere Informationen zum richtigen Verhalten im Notfall sowie zum Hintergrund der Kommunikationskampagne unter:

www.facebook.de/112willkommenwww.112-willkommen.de

Entscheiderbrief erklärt Infosystem zu Herkunftsländern

Der Entscheiderbrief BAMF 08/2013 gibt Tipps zur neuen Version 5.0 von MILo, dem Bundesamtssystem für Herkunftsländerinformationen. Das System ist zu großen Teilen extern zugänglich. Weitere Themen sind Visaanfragen an das Ausländerzentralregistern im Asylverfahren, die aktuelle Rechtsprechung sowie die Einführung eines Visaregimes durch die Republik Kosovo.

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Entscheiderbrief/2013/entscheiderbrief-08-2013.pdf;jsessionid=F66D9B9C7406B2A5FA673FEBE4F4C4F9.1_cid359?__blob=publicationFile