Newsletter Nr. 27 vom 16.08.2013

Mit Herz gesehen: Ausgrenzung und Tod in Leipzig

In der letzten Woche erfuhren wir vom Tod von Hisham Yazbek, einem Asylsuchenden aus dem Libanon, in einem großen Leipziger Asylbewerberheim.

Die Nachricht, dass ein junger Mensch mit 34 Jahren stirbt, ist an sich schon schlimm genug. Noch tragischer ist jedoch, dass sein Leichnam mehrere Wochen unentdeckt im Heim lag.

Wie konnte es zu dieser Tragik kommen?

Viele junge Flüchtlinge kommen zu uns, um sich aus der Not zu befreien, und weil sie bei uns die Chance auf ein neues Leben suchen. Sie sind voller Energie und wollen ihrem Leben Sinn geben. Deutschland wirbt in aller Welt für sich als Land des Wohlstands, der persönlichen Freiheit und der Chancen für alle. Wir geben Geld für solche Imagekampagnen aus. Die Medien illustrieren dieses Image täglich mit ihren Programmen von Werbung bis Vorabendserien.

Sobald die Flüchtlinge bei uns ankommen, entdecken sie, dass ihre Realität völlig anders ist. Solange sie nicht als Flüchtling akzeptiert sind - und das kann sich über viele Jahre hinziehen - sind sie aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen. Sie leben meist in Gemeinschaftsunterkünften, haben keinen Zugang zu Sprachkursen und dürfen größtenteils nicht arbeiten.

Sie merken, dass sie nicht dazu gehören. Es spielt keine Rolle, ob sie am Morgen um sieben oder erst nachmittags um vier Uhr ihr Frühstück einnehmen. Sie sind offiziell zum Nichtstun verpflichtet. Wenn man jahraus, jahrein in dieser Situation lebt, ist es erklärbar, dass Alkohol, Drogen oder sogar illegale Betätigung als Ausweg erscheinen, obwohl sie alles nur schlimmer machen. Hisham Yazbek ist in diese Falle geraten und ihr nach zwölf Jahren in der Leipziger Unterkunft zum Opfer gefallen – 34 Jahre, nachdem er in Berlin zur Welt gekommen war und in denen er Deutschland immer als seine Heimat betrachtet hat.

Was heißt es eigentlich, in dem betroffenen Heim zu wohnen? In unserem öffentlichen „Heim-TÜV 2011“ Bericht haben wir die Unterkunft wie folgt beschrieben:

„Das Heim befindet sich in einem großen Plattenbau im Gewerbegebiet der Stadt und steht vor dem Abriss. Es ist stark abgewohnt, renovierungsbedürftig, ungepflegt und von Schädlingen schwer befallen. Es gibt keine Aktivitäten für die Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft. Für die Sozialarbeit ist nicht der Betreiber, sondern ein Verein zuständig. Die Bewohner berichten von Spannungen und Hierarchien zwischen den Nationalitäten. Die Gemeinschaftsunterkunft soll im Jahr 2012 geschlossen werden.“

Wir regten für diese Unterkunft unter anderem an, die „Anzahl der Sozialarbeiter gemäß dem Betreuungsschlüssel (1:100) bereitstellen, um der Zahl der Bewohner gerecht zu werden.“ Die Stadt Leipzig hat diese Anregung teilweise aufgegriffen und auf eigene Kosten Beratungsangebote im Heim zur Verfügung gestellt.

Der tragische Fall ist ein Symptom für ein systemisches Problem. Wir sollten ihn zum Anlass nehmen, jetzt etwas zu tun – als lernende Gesellschaft, die ihre Fehler nicht wiederholen will. Was gibt es für uns daraus zu lernen?

Eine Reihe von Dingen können und sollten jetzt getan werden. An erster Stelle steht die Bereitstellung von qualifizierter Sozialarbeit. Hier liegt die Verantwortung beim Freistaat Sachsen. Die menschenwürdige Unterbringung von Asylsuchenden ist seine Aufgabe. Er überträgt sie als Pflichtaufgabe an die Landkreise und Kreisfreien Städte und vergütet sie über das Flüchtlingsaufnahmegesetz. Durchgängige und qualifizierte Sozialarbeit ist bisher nicht als Teil dieser Pflichtaufgabe festgeschrieben. Das muss sich ändern, besonders wenn man bedenkt, dass nach Schätzungen von Experten bis zu ein Drittel aller Flüchtlinge traumageschädigt sind.

Der Freistaat sollte das Flüchtlingsaufnahmegesetz und die entsprechende Verwaltungsvorschrift dahingehend ändern, dass die Landkreise und kreisfreien Städte qualifizierte Sozialarbeit verbindlich anbieten müssen, um die menschenwürdige Unterbringung der Asylsuchenden und ein kooperatives Miteinander abzusichern. Damit würde er diese Leistung allerdings auch finanzieren müssen, wie das in der Landkreisordnung vorgesehen ist.

Als zweites sollte der Freistaat die Landesdirektion damit beauftragen, die Zustände in den Heimen in regelmäßigen Abständen auch hinsichtlich der Sozialarbeit und der menschenwürdigen Unterbringung zu überprüfen. Dazu bietet sich der von uns entwickelte Heim -TÜV an, aber es kann durchaus andere Wege der Überprüfung geben.

Auf Bundesebene sollten wir uns dafür einbringen, dass alle Asylsuchenden sofortigen Zugang zur deutschen Sprache bekommen. Die Integrationsministerinnen und –minister der Bundesländer haben das bereits im April 2013 in Dresden einstimmig so befürwortet. Damit sollte eine Bundesratsinitiative schnell zu Ergebnissen kommen können. Des Weiteren sollten alle Asylsuchenden nach sechs Monaten Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen, wie das auf Bundesebene schon vielfach diskutiert wird.

Das alles ist nicht nur im Interesse der Asylsuchenden, sondern entspricht auch unserer Selbstverpflichtung zu den Menschenrechten.

Darüber hinaus dient es dem Eigeninteresse unserer Gesellschaft. Spannungen in Heimen führen schnell zu Spannungen mit unserer Bevölkerung. Illegalität in den Heimen breitet sich auch in unserer Gesellschaft aus. Drogen in den Heimen finden ihren Weg in unsere Nachbarschaften. Qualifizierte Sozialarbeit kann hier wesentliche Verbesserungen erreichen.

Geben wir unserem Herzen einen Ruck! Tun wir das Richtige für die Asylsuchenden - und für uns.

Martin Gillo

Kandidatenforum für die Bundestagswahl in Dresden

Der Ausländerrat Dresden hat für Mittwoch, den 28. August, die Dresdner Kandidatinnen und Kandidaten zur Bundestagswahl zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Dabei sollen sich die potentiellen Bundestagabgeordneten mit ihrem Programm vorstellen. Thematisiert werden Fragen einer gleichberechtigten Teilhabe von Migranten am gesellschaftlichen Leben und die Vorstellungen der Kandidaten zu einer wirksamen Bekämpfung von rassistischen Ideologien.

Veranstaltungsort ist die Jüdische Gemeinde zu Dresden, Am Hasenberg 1, 01067 Dresden. Beginn ist 19 Uhr. Die Moderation liegt bei Marc Lalonde.

Gäste auf dem Podium:
Arnold Vaatz MdB (Direktkandidat CDU)
Johannes Lohmeyer (Direktkandidat FDP)
Ines Vogel (Direktkandidatin SPD)
Tilo Kießling (Direktkandidat Die LINKE)
Stephan Kühn MdB (Direktkandidat Bündnis 90/ Die GRÜNEN)

Neue Ansprechpartner für Migration und Integration bei der Bildungsagentur

Der Freistaat Sachsen unterstützt die schulische Integration von Kindern mit Migrationshintergrund auf vielfältige Weise. Unter anderem bieten die Koordinatoren für Migration/Integration der Regionalstellen professionelle Begleitung für Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund und gestalten den individuellen Eintritt der Kinder in die Schule.

Bitte beachten Sie die neuen Kontaktdaten der Koordinatoren für Migration/Integration in den Regionen:

Frau Dorothea Winkler
Sächsische Bildungsagentur, Regionalstelle Bautzen
Postfach 4444
02634 Bautzen
Sitz: Otto-Nagel-Straße 1, 02625 Bautzen
Telefon 03591 621145
Telefax 03591 621102
E-Mail dorothea.winkler@sbab.smk.sachsen.de

Frau Gudrun Enger
Sächsische Bildungsagentur, Regionalstelle Chemnitz
Postfach 1334
09072 Chemnitz
Sitz: Annaberger Straße 119, 09120 Chemnitz
Telefon 0371 5366252
Telefax 0371 5366491
E-Mail gudrun.enger@sbac.smk.sachsen.de

Herr Lothar Güttel
Sächsische Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden
Postfach 230120
01111 Dresden
Sitz: Großenhainer Straße 92, 01127 Dresden
Telefon 0351 8439480
Telefax 0351 8439301
E-Mail lothar.guettel@sbad.smk.sachsen.de

Frau Dr. Christine Mäkert
Sächsische Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig
Postfach 100653
04006 Leipzig
Sitz: Nonnenstraße 17 a, 04229 Leipzig
Telefon 0341 4945725
Telefax 0341 4945614
E-Mail christine.maekert@sbal.smk.sachsen.de

Frau Marisa Fischer
Sächsische Bildungsagentur, Regionalstelle Zwickau
Postfach 200942, 08009 Zwickau
Sitz: Makarenkostraße 2, 08066 Zwickau
Telefon 0375 4444272
Telefax 0375 4444 5555
E-Mail marisa.fischer@sbaz.smk.sachsen.de

Bundesamt berät Angehörige und Lehrer bei Radikalisierung

Seit Januar 2012 gibt es beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Beratungsstelle Radikalisierung. An sie können sich alle Personen wenden, die sich um die Radikalisierung eines Angehörigen oder Bekannten sorgen und zu diesem Themenbereich Fragen haben. Eltern, Angehörige, Freunde und Lehrer sind oft die ersten, denen die Radikalisierung eines jungen Menschen auffällt und gleichzeitig häufig die letzten, zu denen dieser trotz zunehmender Isolierung Kontakt hält.

Die Beratungsstelle steht in engem Kontakt zu verschiedenen Beratungseinrichtungen. Sie kennt Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Netzwerke für die spezielle Thematik in allen Bereichen. Im Einzelfall vermittelt sie persönliche Beratung und Betreuung durch eine geeignete Stelle und stellt direkten Kontakt zu Spezialisten in allen Bereichen her. Sie vermittelt den Kontakt zu anderen Betroffenen in ähnlicher Situation und/oder Selbsthilfeinitiativen.

Das Angebot der Beratungsstelle ist für alle Bürgerinnen und Bürger kostenfrei. Beratungsstelle ist Montag bis Freitag 9 - 15 Uhr erreichbar

Telefon 0911 943 4343
E-Mail beratung@bamf.bund.de

Vier Prozent der Bundestagskandidaten mit Migrationshintergrund

Vier Prozent aller Kandidaten für die Bundestagswahl 2013 haben einen Migrationshintergrund. Das berichtet der Mediendienst Integration nach einer Umfrage bei allen 16 Landesgeschäftsstellen der SPD, CDU/CSU, FDP, Grünen und Linken im Juni 2013. Demnach kandidieren insgesamt 81 Kandidaten aus Einwanderungsfamilien. Schätzungen zufolge haben 15 bis 20 Kandidaten die Chance, in den Bundestag einzuziehen. In diesem Fall hätten drei Prozent aller Bundestags-Abgeordneten einen Migrationshintergrund. In Deutschland haben ca. 19 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund.

Detaillierte Informationen zur Aufschlüsselung nach Bundesländern und Parteien sowie zu den einzelnen Kandidaten finden sie unter:
https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Bundestagskandidaten_MDI.pdf

Fortbildung zur Behandlung von Traumafolgen

Die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge in Ostdeutschland bieten ab September in Zusammenarbeit mit der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) e.V. und der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer eine modulare Fortbildungsreihe für therapeutisch tätige Fachkräfte zu folgendem Thema an:

"Behandlung psychisch reaktiver Traumafolgen bei Flüchtlingen".

Die Auftaktveranstaltung mit Prof. Martin Sack, leitender Oberarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München, findet am 27. September im Seminargebäude der Universität Leipzig statt.

Um eine verbindliche Anmeldung bis zum 13. September 2013 per Post, E-Mail oder Fax wird gebeten.

Detaillierte Informationen zu Inhalten, Referenten und organisatorischen Fragen unter
http://www.caktus.de/de/baff-projekt.html

International verglichen haben Deutsche nur mäßigem Gemeinsinn und Vielfalt wird zu wenig akzeptiert

Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ist im internationalen Vergleich nur mäßig ausgeprägt. Zu diesem Ergebnis kam die am 16. Juli veröffentlichte Studie „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der Bertelsmann Stiftung. Die „Qualität des gemeinsamen Miteinanders“ wurde in 34 westlichen Ländern untersucht.

Deutschland liegt dabei im oberen Mittelfeld. Die Bevölkerung besitzt zwar hohes Vertrauen in gesellschaftliche und politische Institutionen. Sie profitiert von starken sozialen Netzen, fühlt sich gerecht behandelt und misst sozialen Regeln eine hohe Bedeutung bei. Gleichzeitig identifizieren sich aber nur wenige mit dem eigenen Land. Negativ fällt auch die geringe Akzeptanz von Vielfalt auf, die sich im Vorjahresvergleich sogar verschlechtert hat.

Die Stärkung der Akzeptanz von Vielfalt sei sehr wichtig für Deutschland, so Stephan Vopel, Programmleiter der Bertelsmann Stiftung. Als Grundlage moderner Gesellschaften muss Pluralität als Stärke begriffen und Inklusion gefördert werden. Zudem ist qualifizierte Zuwanderung maßgeblich für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Die vollständige Studie finden Sie unter
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-786752AD-7E5D5C4F/bst/hs.xsl/nachrichten_117316.htm

Anmeldestart Aktionswoche des bürgerschaftlichen Engagements 2013

„Engagement macht stark!“ – unter diesem Motto veranstaltet das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) vom 10. September bis 21. September zum neunten Mal die Woche des bürgerschaftlichen Engagements. Der Engagementkalender ist online und Veranstaltungen können eintragen werden.

http://www.engagement-macht-stark.de/engagementkalender/

Ausschreibung „Integration durch Musik“ endet Ende August

Mit der Ideeninitiative „Integration durch Musik“ möchte die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung das Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund fördern. Bis zum 31. August 2013 sind deutschlandweit Institutionen, Vereine, Verbände, Stiftungen sowie individuelle Initiativen und Akteure mit gemeinnütziger Zielsetzung eingeladen, musisch orientierte Projektideen für eine erfolgreiche Integration von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Die Umsetzung von maximal 15 der eingereichten Projektanträge unterstützt die "Ideeninitiative 'Integration durch Musik'" mit jeweils bis zu 5.000 Euro.

Angaben zum Bewerbungsverfahren und das Formular für Projektanträge unter
http://www.kultur-und-musikstiftung.de/64_65.htm

Kontakt
Nadine Sträter
Geschäftsführerin
Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung
Carl-Bertelsmann-Straße 256
33311 Gütersloh
Telefon 05241 81-81533
Telefax 05241 81-681533
E-Mail
straeter@kultur-und-musikstiftung.dewww.kultur-und-musikstiftung.de