Newsletter Nr. 35 vom 18.10.2013

Mit Herz gesehen - Akkulturationslotsen für sächsische Asylbewerberheime!

Die Not in der Welt steigt. Der arabische Frühling ist zu einer Eiszeit verkommen. Südlich der Sahara gibt es Länder, die sich schon so lange im Krieg befinden, dass sie wirtschaftlich zusammengebrochen sind. Das hat Auswirkungen auf die Fluchtbewegungen in Richtung Europa.

Nach langen Jahren von stetigem Rückgang der Flüchtlingszahlen nach Deutschland hat sich jetzt der Trend umgedreht. In den letzten drei Jahren haben sich die Flüchtlingszahlen nach Deutschland verdreifacht.

Unser Umgang mit Flüchtlingen sollte immer eine Balance herstellen zwischen einem menschenwürdigen Umgang mit den angekommenen Flüchtlingen und einer ordnungsstaatlichen Eindämmung der Zahl derer, denen wir hier bei uns helfen können. Beides gehört zusammen.

Die ordnungsstaatliche Eindämmung geschieht vor allem an der EU Außengrenze; denn Deutschland hat keine effektive Landesgrenze innerhalb der EU. Eindämmung heißt also, die Grenzen so zu sichern, dass illegale Einwanderung nicht den Umfang übersteigt, mit dem wir leben können.

Vor Ort heißt Ordnungsstaatlichkeit, dass wir bei Ablehnung eines Asylantrages die Ausreisepflicht auch tatsächlich vollziehen, soweit sich das aus der Perspektive der allgemeinen Menschenrechte rechtfertigen lässt. Innerhalb dieses Rahmens ist uns daran gelegen, die bei und mit uns lebenden Menschen so zu behandeln, wie wir das gerne auch mit uns geschehen lassen würden.

Wir sind ein Land der Einheit in Vielfalt. Bei uns leben Menschen aus allen Kulturen und Religionen konstruktiv und mit gegenseitigem Respekt zusammen. Das tun wir auf der Basis der Rechtstaatlichkeit und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Dürfen wir aber erwarten, dass Neuankömmlinge unsere Regeln und Werte von sich aus erkennen und akzeptieren?

Was ist mit den Flüchtlingen, die aus schwierigsten, vielleicht sogar kriegerischen Verhältnissen kommen, die von Demokratie nichts wissen? Was ist mit Menschen aus den Ländern, in denen unterschiedliche Religionen nicht friedlich koexistieren, sondern in denen sich sogar einzelne Gruppen derselben Religion auf Leben und Tod bekämpfen? Wie können wir erwarten, dass sich Menschen aus Ländern, die bisher noch nie miteinander Kontakt hatten und die auch nicht die gleiche Sprache sprechen, auf engstem Raum von jetzt auf gleich miteinander zu Recht kommen?

Das konstruktive Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ist kein Selbstläufer! Nehmen wir das Grundrecht der Gleichheit von Mann und Frau – eine absolute Selbstverständlichkeit in unserem Land. In vielen anderen Regionen ist es das nicht. In anderen Ländern dürfen nichtverwandte Männer und Frauen gar nicht oder nur dann miteinander sprechen, wenn ein männlicher Angehöriger der Frau mit dabei ist.

Wie lernen Männer aus diesen Ländern, dass bei uns jeder jede ansprechen darf, und das niemand dafür angegriffen werden darf? Dass ein Ansprechen kein Angriff ist, gegen den Mann seine Frau verteidigen muss. Wie machen wir deutlich, dass Gewalt in keinem Fall – zum akzeptierten Verhalten in unserer Gesellschaft gehört?

Meine Antwort auf diese unterschwelligen Herausforderungen heißt: Kulturlotsen in unsere Kultur.

Es ist in unserem eigenen Interesse, Neuankömmlinge in unsere Kultur zu akkulturieren. Akkulturation heißt nichts anderes als Wertevermittlung und Werteverfestigung. Akkulturation heißt Verständlich machen, nach welchen Regeln das Zusammenleben in unserer Kultur funktioniert. Das geht letztlich nur über den Zugang zur deutschen Sprache für alle; denn jede Kultur wird über die dazugehörige Sprache vermittelt.

Stellen wir Akkulturationslotsen ein und machen wir sie dafür verantwortlich, den Neuankömmlingen unsere Kultur zu vermitteln. Stellen wir ihnen Deutschlehrer an die Seite, die unsere Sprache vermitteln. Und befähigen wir sie dazu, dass sie interkulturelle Konflikte vermitteln können – zwischen ihnen und uns, aber auch zwischen den Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern.

Der Rahmen für die Lösung dieser Konflikte ist klar – es sind unsere Werte und Normen des Zusammenlebens auf Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. So ermöglichen wir das konstruktive Zusammenleben aller in unserer Gesellschaft.

Ihr Martin Gillo

Perspektivwechsel für neue Lösungen – Gillo spricht im Landtag zum Umgang mit Flüchtlingen

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Am Mittwoch regte Martin Gillo in der Plenardebatte der 84. Sitzung einen Perspektivwechsel beim Umgang mit Flüchtlingen auf europäischer und auf deutscher Ebene an. Solidarität gibt es nicht zum Nulltarif, deshalb sollten die Mittel so eingesetzt werden, dass sie sowohl den humanitären Belangen der Flüchtlinge als auch der aufnehmenden Gesellschaft zu Gute kommen.

Der Ausländerbeauftragte plädierte außerdem dafür, den Asylsuchenden aktiv die geltenden Werte und Regeln unseres Gemeinwesens zu vermitteln. Das sei zugleich eine ordnungsstaatliche Präventionsmaßnahme wie eine Orientierungshilfe für die Asylsuchenden.

Den vollständigen Redebeitrag finden Sie im Internet unter: http://www.landtag.sachsen.de/dokumente/sab/131016-84-Plenum_zum_NPD-Antrag_Asylflut_stoppen.pdf

Eine Videoaufnahme des Plenums bietet der Internetauftritt des Landtags unter:
http://www.landtag.sachsen.de/de/aktuelles/videoarchiv/top.do/84/7/nd8553/20097

KAIB-Treffen: Sozialarbeit und Kommunikation bei der Unterbringung angesichts steigender Zahlen

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Steigende Asylbewerberzahlen und die damit verbundenen aktuellen Herausforderungen in den Kommunen standen im Mittelpunkt des Herbsttreffens der kommunalen Ausländer- und Integrationsbeauftragten (KAIB) am 14. Oktober 2013. Eingeladen hatte der Sächsische Ausländerbeauftragte.
Zentrales Thema war der Kommunikationsprozess, mit dem die Aufnahme von Flüchtlingen in die Kommunen begleitet werden muss. Der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, berichtete im Rahmen des Projektes „Kommune im Dialog“ über den derzeit laufenden Prozess bei der Neuerrichtung eines Asylbewerberheims im Raum Riesa. Albrecht Engelmann vom Unterausschuss Migration der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege stellte ein Konzept zur Sozialen Arbeit mit Flüchtlingen vor. Ziel der LIGA sei es, einen Qualitätsrahmen für diese Arbeit zu schaffen.

Interkultureller Kalender 2014 eingetroffen

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Der Interkulturelle Kalender 2014 kann ab sofort in der Geschäftsstelle des Sächsischen Ausländerbeauftragten bestellt werden. Es entstehen keine Kosten. Der Wandkalender ist im Format A2 und gut beschreibbar. Er informiert über Feiertage, Schulferien und Plenartage in Sachsen. Berücksichtigt und erläutert werden ausgewählte Feiertage und Zeiten der größten religiösen und ethnischen Gruppen.

Vortrag bei Weiterdenken: Flüchtlinge unerwünscht? Asyl in Europa

Am 25. Oktober 2013, um 19 Uhr spricht der Europareferent von Pro Asyl, Karl Kopp, im Gewerkschaftshaus am Schützenplatz 14 in Dresden. Er wird an diesem Abend Einblicke in die aktuelle Arbeit der Organisation auf europäischer Ebene geben und die konkreten politischen Forderungen von Pro Asyl vorstellen. Schwerpunkt dabei sind die Europawahlen 2014. Der Eintritt ist frei.

Die Stiftung Weiterdenken will an diesem Abend die Brennpunkte im Bereich Flucht und Asyl diskutieren und fragen, wie eine verantwortungsvolle EU-Flüchtlingspolitik aussehen muss. Die Diskussion ist die Auftaktveranstaltung zur Netzwerktagung „Asyl in Sachsen“ am 26. Oktober 2013.

www.weiterdenken.de

Fest der Kulturen zum elften Mal in Freiberg

Das 11. Fest der Kulturen findet am Sonntag, dem 10. November 2013, in der Alten Mensa statt. „Entdecke die Vielfalt ...“ ist das Thema. Um 15 Uhr geht es auf der Peterstraße 5 in Freiberg los. Neben kulinarischen Genüssen gibt es wieder ein Kulturprogramm. Aktiv teilnehmen sollen Freiberger, Migranten, Studenten und Vereine. Der Arbeitskreis „Eine Welt und Integration“ ruft als Veranstalter zum Mitmachen auf und bittet um Meldungen unter:
Telefon 03731 202332

Gute Praxis – Migrantenkinder lernen bei Gefahr zu handeln

Bei der Aktion Feuerwehr 112 erhalten Kinder, die in einem Mittweidaer Asylbewerberheim leben, eine interkulturelle Brandschutzerziehung. Am 29. November 2013 werden sie in der Fichte-Schule einen Brandfall in der Schule üben und auch lernen, wie man sich im Brandfall zu Hause verhält. Außerdem geht es um Löschmittel im Haushalt und die Ausrüstung eines Feuerwehrmannes.

Für den Organisator Andreas Schmidt aus Penig ist es wichtig, dass die Kinder auch ihren Eltern Brandschutzverhalten erklären können. Feuerwehrmann Schmidt verspricht sich zudem mehr Interesse an der Jugendfeuerwehr.

Gemeinsame Elternerklärung zwischen Migrantenorganisationen und Kultusministern verabschiedet

Eine gemeinsame Erklärung wurde durch die Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossen. Im Rahmen der 343. Sitzung der KMK wurde die "Gemeinsame Erklärung der Kultusministerkonferenz und der Organisationen von Menschen mit Migrationshintergrund zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern" verabschiedet. Die Erklärung hebt die große Bedeutung von Eltern und Schule für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hervor.

Eltern sollen sich aktiv in die Bildungs- und Erziehungspartnerschaften einbringen. Das fördert die Bildungschancen aller Kinder, so der Präsident der Kultusministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh.

Kultur des Willkommens entwickeln – Migranten in die Schulgremien

Eine entscheidende Voraussetzung für eine gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft sei, dass die Schulen eine von Respekt und Wertschätzung getragene Kultur des Willkommens und der Anerkennung für alle Eltern, Schülerinnen und Schüler entwickeln. In den Schulgremien wird eine angemessene Vertretung der Eltern mit Migrationshintergrund angestrebt. Für Eltern, die aus ihrer persönlichen Schulerfahrung oder aus sprachlichen Gründen zurückhaltend sind, sollen konkrete Beratungs- und Mitwirkungsangebote geschaffen bzw. ausgebaut werden. Das schließt im Bedarfsfall mehrsprachige Informationsangebote ein. Für den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen seien regelmäßige Kontakte und Beratungen, insbesondere bei Bildungsübergängen, bedeutsam.

In der Erklärung vereinbart werden konkrete Maßnahmen wie Implementierungskonzepte, Angebote in der Lehreraus- und Fortbildung, Informationsveranstaltungen der Verbände bis hin zu Informationsbroschüren für Eltern und die Begleitung von Eltern zu Elternsprechtagen durch die Vertreter der Verbände.

Die Erklärung finden Sie unter:
http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/bildungs-und-erziehungspartnerschaft-von-schule-und-eltern.html

Positionspapier der Caritas zu EU-Mobilität mit Schwerpunkt Bulgarien und Rumänien

Der Deutsche Caritasverband (DCV) hat ein Positionspapier zur EU-Mobilität und insbesondere zur Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien herausgegeben. Mit dem Positionspapier möchte der DCV einen Beitrag zur Debatte und zu einem sorgfältigeren und differenzierten Umgang mit dem Thema leisten. Dabei werden Handlungsbedarfe auf EU-, Bundes-, Landes- und der kommunalen Ebene ebenso aufgezeigt wie die eigenen Handlungsoptionen. Das Papier listet aktuelle Entwicklungen auf, schlägt Lösungen vor und gibt einen Überblick über Zahlen und Beratungsverhalten.

Laut Caritas stehen die öffentlichen und freien Träger vor der Aufgabe, Angebote für Bürger der Balkanländer zu machen. Die konkreten Probleme ließen sich mit migrations- oder integrationsspezifischen Angeboten allein nicht lösen. Wie der Deutsche Städtetag fordert auch der Deutsche Caritasverband „Lösungen durch Bund, Länder und EU“. Der Deutsche Caritasverband begrüßt, dass durch den Städtetag die öffentliche und politische Aufmerksamkeit für die prekäre Situation mancher Zuwanderer und mancher Kommunen geweckt wurde.

Es droht weder „eine Zuwanderungswelle“ noch sei der „soziale Frieden in höchstem Maße gefährdet“. Steigende Zuwanderungszahlen seien im Gegenteil in Folge des aktuellen und kommenden Arbeitskräftemangels erwünscht. Es gelte aber Maßnahmen zu ergreifen, um der Verelendung eines Teils der derzeit zuwandernden EU-Bürger entgegen zu wirken. Thematisiert werden das Recht auf Freizügigkeit als Bürgerrecht, die europarechte Gestaltung der Rahmenbedingungen, der Arbeitsmarkt und die Gesundheitsversorgung.

Das vollständige Positionspapier finden Sie unter:
http://www.caritas.de/fuerprofis/presse/stellungnahmen/09-16-2013-positionzureu-mobilitaetundzu

Die IKW im Rückblick - Wer offen ist kann mehr erleben

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Unter diesem Motto fand die diesjährige bundesweite Interkulturelle Woche (IKW) in rund 500 Orten statt.
Es war erneut eine vielfältige, bunte und gelungene Interkulturelle Woche, in der die Organisatoren gemeinsame Gottesdienste und Feiern, sportliche Aktionen, Tage der Offenen Tür und kulturelle Veranstaltungen anboten. Auch brisante politische Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit stellten sie in den Fokus.

Der bundesweite Auftakt zur IKW wurde am 21. September 2013 in Kiel begangen: Vor einem ökumenischen Gottesdienst beteiligten sich etwa 600 Aktive an einem bunten und kreativen interkulturellen Umzug durch die Kieler Innenstadt. Zeitgleich führten dort jugendliche Flüchtlinge eine öffentliche Bauaktion zum Thema „Rassismus entsteht im Kopf. Offenheit auch.“

Die Google-Map präsentiert eine Vielzahl der Orte, an denen die Interkulturellen Woche 2013 stattgefunden hat. Über Symbole gelangt man an das Programm und die Veranstalter der jeweiligen Stadt. Auch nachträglich kann das eigene Programm der Stadt oder Gemeinde an den Vorbereitungskreis gesendet werden.

Die Veranstaltungskarte der IKW 2013 finden Sie unter:
http://www.interkulturellewoche.de/veranstaltungsmap

Mehr Asylbewerber aus Russland

Die Zahl der Asylbewerber aus Russland liegt im Jahr 2013 deutlich über der des Vorjahres. Das antwortete die Bundesregierung () auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (17/1479517/14713) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (). So stellten im Jahr 2012 in Deutschland 3.202 russische Staatsangehörige einen Asylerstantrag, darunter 2.255 Asylbewerber, die nach eigenen Angaben tschetschenischer Volkszugehörigkeit sind sowie 420 Asylbewerber, die sonstige, dem Nordkaukasus zuzuordnende Volkszugehörigkeiten angaben. Von Januar bis August 2013 stellten demgegenüber den Angaben zufolge 12.672 russische Staatsangehörige einen Asylerstantrag, darunter 11.587 Asylbewerber tschetschenischer Volkszugehörigkeit sowie 384 Asylbewerber mit sonstigen, dem Nordkaukasus zuzuordnenden Volkszugehörigkeiten.

Terminankündigungen 2014

IKW-Vorbereitungstagung in Erfurt

Von Freitag, dem 14. Februar, bis Samstag, dem 15. Februar 2014, findet in Erfurt die kommende bundesweite Vorbereitungstagung zur Interkulturellen Woche (IKW) statt. Ende November/Anfang Dezember informiert der Vorbereitungsausschuss über die Tagung auf www.interkulturellewoche.de

X. Jahrestagung Illegalität in Berlin

Vom 19. bis 21. März 2014 findet in der Katholischen Akademie in Berlin die
X. Jahrestagung Illegalität statt. Das Thema der Tagung wird sein: „Irreguläre Migration im Wandel“. Ein detailliertes Programm zur Jahrestagung wird noch veröffentlicht. Wenn Sie per Post oder elektronisch über die Jahrestagung informiert werden möchten, dann senden Sie eine E-Mail mit Ihrer Anschrift an:
forum-illegalitaet@web.de