Newsletter Nr. 5 vom 07.02.2014

Mit Herz gesehen: Ist Schweigen der Preis des Friedens in Europa?

Ein guter Freund und ich saßen neulich Abend gemütlich beisammen und sprachen über die existentiellen Dinge des Lebens. Ein Thema umschrieb er mit den Worten: „Ich wollte nie Deutscher sein. Ich wollte immer Europäer sein. In der DDR konnte ich das nicht.“ Jetzt, im wiedervereinigten Deutschland, kann er darauf hoffen. Doch warum kein Deutscher sein? Er ist doch schon einer!

Nach den Gründen gefragt, brachte er die schlimme Geschichte des 20. Jahrhunderts zur Sprache. Er verwies auf die Rolle, die die Deutschen dabei gespielt haben, nicht nur in der Nazi-Zeit, sondern auch schon beim Auslösen des ersten Weltkrieges, dessen Beginn sich jetzt zum hundertsten Male jährt.

Dann fragte ich ihn nach dem, was er an Europa gut fände. Er zählte auf: Demokratie, Aufklärung, Humanismus, Menschenrechte, Laizismus, also die Unabhängigkeit des Staates von den Kirchen, Zivilgesellschaft und andere Errungenschaften.

Als echter Sparring-Partner fragte ich gleich nach, ob die Europäer, denen er sich so nahe fühlt, denn das auch wüssten und darauf stolz wären. Sprechen wir darüber? Betonen unsere Europapolitiker die Werte, die die Basis unserer gemeinsamen Union sind? Ich habe den Eindruck, dass wir Europäer das nicht tun. Wir sprechen über immer neue bürokratische Errungenschaften. Wir sprechen über Wirtschaftsbeziehungen und vieles andere mehr. Aber was uns als Europäer von den Werten her auszeichnet, darüber herrscht scheinbar Funkstille.

Millionen von Menschen kommen nach Europa in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Aber niemand sagte oder sagt ihnen, wo sie angekommen sind: Kein Europapolitiker, kein nationaler Politiker, kein regionaler Politiker, als ob es ein Tau wäre. Wenn sie sich später Gedanken machen, ob sie die Staatsbürgerschaft eines der europäischen Länder annehmen sollen oder nicht, wer sagt ihnen denn, für welche Werte wir bereit sind, einzustehen und sie zu verteidigen?

Ich finde es interessant, dass es ein deutscher Soziologe mit Migrationshintergrund war, der als erster die europäische Leitkultur definierte: Bassam Tibi. Mein Kompliment, Professor Tibi.

Ein bisschen Provokation gehört zu jedem Gespräch mit einem guten Freund. Und so sagte ich ihm, dass dieses Schweigen über die europäischen Grundwerte eine der größten Herausforderungen für Europa werden könnte. Nicht nur wir Deutschen weigern uns nämlich, im Positiven über unsere eigenen Tugenden und Werte zu sprechen und sie zu vermitteln. Die meisten unserer europäischen Nachbarn schweigen ebenfalls. Der US Autor Christopher Caldwell hat sogar die These aufgestellt, dieses Schweigen wäre der Preis für den europäischen Frieden nach zwei Weltkriegen. Hat er Recht?

Ja sicher, in unserer Geschichte war es leider oft so, dass wir unsere nationalen Identitäten auf Kosten anderer Völker hochgelobt haben. Goethe schrieb über den "rechten Deutschen", der zwar den französischen Rotwein, aber nicht den Franzosen möge. Frankreich wiederum freute sich so sehr über Deutschland, dass es über Jahrhunderte alles tat, um möglichst viele deutsche Länder in Europa zu erhalten.

All das haben wir hinter uns gelassen. Aber schütten wir nicht das Kind mit dem Bade aus, wenn wir über die vielen attraktiven Seiten Europas schweigen?

Die Natur hasst jedes Vakuum. Wenn wir nicht über unsere Identität sprechen, dann werden wir kurz über lang nur mehr über andere Identitäten sprechen. Jede Pflanze braucht Sonnenschein. Auch unser europäisches Selbstverständnis. Reden wir über unsere Tugenden. Erinnern wir uns und unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, was die besten der europäischen Vorfahren uns und der Welt an Positivem geschenkt haben und was uns zu dem macht, was wir sind! Stehen wir dazu.

Oder?

Martin Gillo

Neue Gemeinschaftsunterkunft in Hoyerswerda nimmt erste Flüchtlinge auf

Am Mittwoch zogen erstmals nach 20 Jahre wieder Asylbewerber in ein Flüchtlingsheim in die sächsische Stadt. Die 36 Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Libanon, Indien, Pakistan und Marokko, teilte das Landratsamt Bautzen am Mittwoch mit. Darunter seien zehn Kinder. Das zuständige Landratsamt Bautzen will rund 120 Asylbewerber in dem Heim unterbringen. Das Heim – ein älterer Plattenbau - war früher eine Förderschule und wurde seit Herbst umgebaut. Bei einem Tag der offenen Tür am vergangenen Freitag hatten sich hunderte Besucher ein erstes Bild von der Unterkunft gemacht.

Die Initiative „Hoyerswerda hilft mit Herz“ hat die Ankunft der Bewohner mit vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Hoyerswerda vorbereitet. Es wurden Kleiderspenden gesammelt, Sprachkurse organisiert und in Kooperation mit einer Schule ein mehrsprachiger Stadtplan erstellt. Bei der Eröffnung der Unterkunft waren die Vertreter des Bündnisses mit vor Ort, um die Fragen der Bürger zu beantworten und Möglichkeiten der Mitarbeit vorzustellen.

Zweites Bürgerforum zum Asylbewerberheim

Vorangegangen war am 30. Januar das zweite öffentliche Bürgerforum zum Asylbewerberheim. Wie schon beim ersten Forum im November moderierte Oberbürgermeister Stefan Skora die Veranstaltung und stand gemeinsam mit Vertretern des Landkreises, der Betreibergesellschaft des Heimes und insbesondere auch des Bürgerbündnisses „Hoyerswerda hilft mit Herz“ Rede und Antwort. Skora dankte allen Engagierten und rief dazu auf, das bürgerschaftliche Engagement noch weiter auszubauen und zu festigen.

Stadt Leipzig bietet neue Ratgeber an

Elternratgeber Erstsprache und Zweitsprache – Wie helfe ich meinem Kind gut Deutsch zu lernen

Das Referat für Migration und Integration hat einen Ratgeber für Eltern mit und ohne Migrationshintergrund vorgelegt. Er will Eltern unterstützen, damit sie ihre Kinder beim Erlernen des Deutschen und ihrer Muttersprache oder mehrerer Sprachen besser begleiten und helfen können. Autorin ist die Sprachwissenschaftlerin Dr. phil habil. Yvonne Adler. Bei der Vorstellung betonte der Leipziger Integrationsbeauftragte Stojan Gugutschkow die Bedeutung der Sprache für die Identitätsentwicklung von Kindern und das familiäre Bindungssystem. Mit dem Spracherwerb erfahren Kinder auch Traditionen, Werte und Verhaltensregeln. Der Ratgeber richtet sich auch an pädagogisches Personal. Die Broschüre ist kostenlos im Referat für Migration und Integration erhältlich oder im Internet abrufbar.
www.leipzig.de/migranten

Neuauflage des Wegweisers „Leipzig interkulturell“

In der 11. Auflage des Wegweisers sind knapp 170 Organisationen aufgelistet, die einen interkulturellen Bezug haben. Dazu gehören Beratungsstellen für Migrantinnen und Migranten, interkulturell tätige Vereine und Einrichtungen, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Anlaufstellen in der Stadtverwaltung. Abgedruckt sind Kontaktdaten und eine Kurzbeschreibung. Der Wegweiser ist als Nachschlagewerk für Behörden, Beratungsstellen, Medien, Bildungseinrichtungen und weitere Institutionen angelegt. Im Internet abzurufen unter:
www.leipzig.de/migranten

Hochschulperle für „Sprache ist Brücke“

Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hat die Initiative „Sprache ist Brücke“ mit der „Deutschen Hochschulperle“ für den Monat Januar 2014 ausgezeichnet. Die Initiative organisiert Angebote zur Sprachförderung für ausländische Studierende und Wissenschaftler. Die Akteure sind Ehrenamtliche aus Freiberg und Umgebung. Hochschulperlen sind innovative, beispielhafte Projekte, die in einer Hochschule realisiert werden.

Bereits im November erhielt die Freiberger Initiative den Preis des Auswärtigen Amtes für exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen.

„Sprache ist Brücke“ umfasst unter anderem die Programme Sprachpaten, Sprachtutoren und Sprachtandem. In allen Teilen entwickeln sich persönliche Kontakte, die zum gegenseitigen Verständnis – ob sprachlich oder kulturell – beitragen. Speziell für diesen generationsübergreifenden und interkulturellen Ansatz sowie für die einzigartige Betreuung internationaler Studierender lobt die Stifterverbands-Jury die Initiative: „Wenn sich an der Hochschule Rentner mit ausländischen Studierenden austauschen, dann ist das Integration in mehrfacher Hinsicht.“

„Sprache ist Brücke“ ist eine gemeinsame Initiative des Arbeitskreises Ausländische Studierende der TU Bergakademie Freiberg (AKAS), der Freiwilligenbörse im Freiberger Lichtpunkt e. V. und dem Internationalen Universitätszentrum der TU Bergakademie Freiberg (IUZ). Rund 250 Personen – Studierende, Promovierende, und Freiberger Bürger – sind zurzeit beteiligt. Ein Vorläuferprojekt von „Sprache ist Brücke“ war 2010 Preisträger des Sächsischen Integrationspreises.

Die Initiatoren von „Sprache ist Brücke“ suchen aktuell mindestens 15 neue Sprachpaten sowie mehrere neue deutschsprachige Sprachtandempartner für ausländische Studierende.

Kontakt:
Kirsten Hutte
Freiwilligenbörse, Lichtpunkt e. V.
Telefon 03731 765987
E-Mail freiboerse@web.de

Soziale Unternehmen bei „go for social!“ ausgezeichnet

Im Rahmen des Wettbewerbs „go for social!“ der IQ-Fachstelle Existenzgründung wurden am 21. Januar 2014 nach einem kriteriengestützten Bewertungsverfahren die Gewinner gekürt.

Neben der bettervest GmbH aus Frankfurt/Main und der Dialog macht Schule gGmbH aus Berlin zählte auch die „Über den Tellerrand kochen“ GbR aus Berlin zu den Preisträgern. Das gleichnamige Kochbuch entstand aus einer Initiative von vier Studenten, die gemeinsam mit Asylbewerbern 21 Rezepte und Geschichten zusammentrugen und veröffentlichten. Die Autoren Bontu Guschke, 20, und Carolin Strehmel, 21, studieren Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Ninon Demuth und Gerrit Kürschner, beide 24, studieren Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Das Projekt entstand im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Proteste gegen das Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf. Die Autoren zielen mit dem Buch auf ein besseres Kennenlernen, denn die wenigsten Menschen kennen Asylbewerber ganz persönlich. Gesammelt wurden nicht nur die Rezepte, sondern auch die Geschichten der Menschen dahinter. Künftig möchten die Autoren Kurse initiieren, bei denen Asylsuchende Interessierten ihre Heimatküche vorstellen.

Die IQ-Fachstelle Existenzgründung ist ein Baustein des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“. Sie zielt auf die verbesserte Arbeitsmarktintegration von erwachsenen Migrantinnen und Migranten und fördert gezielt deren berufliche Selbstständigkeit. Ein weiteres Anliegen ist es, die Akzeptanz der Selbstständigen mit Migrationshintergrund zu verbessern.

Das Kochbuch „Über den Tellerrand kochen" ist bestellbar über die Webseite
www.ueberdentellerrandkochen.de

Handreichung zu interkultureller Kommunikation in Verwaltungen

Die neue Handreichung des DGB-Bildungswerkes thematisiert die Rahmenbedingungen für interkulturelle Kommunikation von Verwaltungen. Dabei wird aus unterschiedlichen Perspektiven der Blick auf interkulturelles Verwaltungshandeln geworfen. Die Publikation wurde im Projekt veris erstellt, im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ umgesetzt und durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Download und Bestellmöglichkeit der Handreichung
http://www.arbeiteninvielfalt.de/hr_int_kommunikation

E-Buch-Tipp – Handbuch Projekttransfer

Im E-Buch „Gutes einfach verbreiten. Handbuch für erfolgreichen Projekttransfer.“ geben 56 Autorinnen und Autoren Antworten auf die Frage, wie sich ein gutes Projekt verbreiten lässt. Die Kapitel enthalten Artikel zu Strategien, Recht, Partnern, Qualität, Finanzen, Kommunikation, Wirksamkeit und Inspiration.

Die Inhalte wurden im Laufe des letzten Jahres auf der Plattform opentransfer und den openTransfer CAMPs erarbeitet. Die meisten Fallbeispiele, Videos, Interviews und Checklisten stammen von Praktikern, die selbst viel Transfererfahrung haben.

www.opentransfer.de

Buchtipp - Verständigungshilfe „Schul-tip“ für das Elterngespräch

Nachdem der Bild und Sprache e.V. bereits Anfang des vergangenen Jahres den „Baby-tip“ vorgestellt hat, folgt nun der zweite Teil des Projektes. Der „Schul-tip“ dient der Förderung der Verständigung mit fremdsprachigen Eltern. Damit soll ein niedrigschwelliger Zugang im Elterngespräch, in der Schule oder in Beratungsstellen ermöglicht werden.

Die Verständigungshilfe umfasst unter anderem die Bereiche Einschulung, Krankheit, Schulübergang, Umgangsformen, Konflikte, familiäre Situation und Elternabend. Die Bereiche werden mit anschaulichen Bildern dargestellt und in Deutsch, Türkisch, Russisch und Arabisch untertitelt.

Die Broschüre entstand in enger Zusammenarbeit mit dem kommunalen Integrationszentrum Bielefeld und wurde gefördert von den „Netzwerken für Bildungspartner e.V.“.

Verständigungshilfe „Schul-tip“
ISBN: 978-3-9814201-6-6
Setzer-Verlag
19,90 €
www.tipdoc.de