Newsletter Nr. 34 vom 11.10.2013

Mit Herz gesehen - Deutschpflicht für Alle!

Wie weit wir doch schon gekommen sind: Die Asylgesetze von 1993 sehen vor, dass Asylsuchende mindestens ein Jahr warten sollen, bevor sie Zugang zur deutschen Sprache bekommen. Ich sage bewusst: mindestens; denn Geduldete ohne Aufenthaltsgenehmigung sollen eigentlich überhaupt keinen Zugang bekommen.

Das gehört zur Vergrämungsabsicht dieses von allen im Bundestag 1993 vertretenen Parteien verabschiedeten Gesetzes. Die nicht anerkannten Flüchtlinge sollten damit in andere europäische Länder abgedrängt werden. Die Idee war, dass die bei uns relativ schlecht behandelten Flüchtlinge ihren Angehörigen sagen würden: „Bleibt bloß aus Deutschland weg!“.

Wir wissen heute, dass das nicht stimmt. Die von den Verhältnissen in unseren Asylbewerberheimen geschockten Flüchtlinge wurden meist mit dem Geld ihrer Verwandtschaft nach Deutschland geschleust. Und sie würden es nie wagen, ihren Angehörigen die Wahrheit zu sagen. Stattdessen fühlen sie sich meist gezwungen, ihren Zurückgebliebenen trotz ihrer Misere ein falsches Glück vorzutäuschen.

Dennoch erwarten wir von allen Miteinwohnern, dass sie unsere Werte kennen und respektieren. Wenn wir vielen Bewerbern den Zugang zu unserer Sprache und Kultur verweigern, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn sie die auch nie kennen- und schätzen lernen.

Als Sächsischer Ausländerbeauftragter setze ich mich seit vier Jahren für den Zugang zur deutschen Sprache unter dem Titel „Deutsch für alle“ ein; anfänglich gegen den Unwillen vieler Politiker.

Glücklicherweise ist mittlerweile 20 Jahre nach dem Gesetz allen Parteien bewusst geworden, wie wichtig Deutsch für alle ist. Ich verweise dazu auch auf den einstimmigen Beschluss der Integrationsministerkonferenz der Bundesländer im April in Dresden.

Doch Resolutionen verpuffen im Nichts, wenn sie nicht in Gesetzentwürfe verwandelt werden. Und so bereitet ein westdeutsches Bundesland eben solch eine Bundesratsinitiative vor. Ich würde mich riesig freuen, wenn sich auch der Freistaat an dieser Initiative beteiligen würde.

Am Wochenende sprach ich mit meiner Frau über dieses Thema, und uns beiden wurde klar, dass wir nicht nur ein Recht, sondern auch eine Deutschunterrichtspflicht bis zum Niveau B2 (Umgangssprache) brauchen, genauso wie es eine Schulpflicht gibt. Und wer sich dem Unterricht verweigert, wird gebührenpflichtig ermutigt, ihn doch zu besuchen. Die Kinder sind wegen ihrer Schulpflicht davon nicht betroffen. Die Eltern und Alleinstehenden sind es sehr wohl.

Mehr deutsch lernende Flüchtlinge bieten Chancen. Die Kurse werden effizienter und können passgenau geplant werden – nach Leistungsniveau und kultureller Herkunft. Für den Anfang können sogar geschlechtlich getrennte Klassen sinnvoll sein. Denn Frauen und Männer aus diversen Kulturkreisen müssen erst lernen, dass man gemeinsam um Lernziele wetteifern kann und dass Fehler keine Schwäche sind.

Der Deutschunterricht würde natürlich gleichzeitig unsere kulturellen und gesellschaftlichen Werte vermitteln und so die Neuankömmlinge an unsere attraktive Gesellschaft gewöhnen.

Natürlich gehört dann auch die Alphabetisierung dazu; denn viele Frauen und Mädchen kommen aus Ländern zu uns, in denen ihnen die Bildung als unwichtig verweigert wird. Solche Hindernisse gehören bei uns beseitigt.

Das kostet natürlich Geld. Teurer wäre es für uns nur, das nicht zu tun. Es ist unsere gesellschaftliche Pflicht, allen Menschen in unserer Gesellschaft zu helfen, in unserer Gesellschaft konstruktiv mitzumachen, solange sie bei uns leben. Und diejenigen, die in ihre Heimat zurückkehren, tun das als Botschafter für Deutschland und seine Menschlichkeit.

Die Alternative wäre, dass eine immer größere Zahl von Menschen immer gesellschaftsferner unter uns leben und auf ewig von unseren Sozialkassen ausgehalten werden müssen. Sie können ja ohne Deutsch nicht für sich selbst aufkommen.

Also: Unterrichtspflicht für Deutsch bis zum B2 für alle. Das wird eine der besten Investitionen in unsere eigene Zukunft.

Ihr Martin Gillo

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür

Grafik 2

Auf viel Interesse stieß der Stand des Sächsischen Ausländerbeauftragten beim „Tag der offenen Tür“ im Sächsischen Landtag. Zum 20. Mal hatte der Landtag am Nationalfeiertag die Türen geöffnet. Am Stand des Ausländerbeauftragten überwog nach manch anfänglicher Skepsis das „Dashätschnigedacht!“ (Das hätte ich nicht gedacht!), wenn es um transparente Zahlen, Wissen zu Rechten und Pflichten und Fortschritten bei der Willkommensgesellschaft ging. Professor Gillo nahm sich Zeit, um mit vielen Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Diakonie Sachsen schult Mitarbeiter gegen Rechtsextremismus

Die Diakonie Sachsen schult Diakonie-Mitarbeitende gegen Rechtsextremismus. Mit der Schulung sollen Mitarbeitende in den Kindertagesstätten, in der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch im ambulanten Dienst geschult und gestärkt werden.

Oft sind diese mit Menschen konfrontiert, die sie mit einer gruppenbezogenen oder rassistischen Menschenfeindlichkeit und extremistischen Einstellungen herausfordern. Das neue Kursangebot der Diakonie Sachsen wurde gemeinsam mit der Diakonischen Akademie für Weiterbildung entwickelt.

In den Kursen sollen Mitarbeitende lernen, den auftretenden rechtsextremen Einstellungen und Redeweisen argumentativ zu begegnen. Was kann man beispielsweise als Erzieher tun, wenn sich rechtextremistische Eltern als Elternsprecher aufstellen lassen? Oder, wie soll sich eine Familienpflegerin verhalten, wenn sie bei einem Hausbesuch Nazisymbole vorfindet? Oder was ist, wenn der neue Kollege zunehmend „Farbe“ bekennt? Oder plötzlich ein Auto-Aufkleber „Todesstrafe für Kinderschänder“ auf dem Diakonie-Parkplatz auftaucht?

In den Kursen sollen „Demokratiestifter“ ausgebildet werden, die sich dann in der Lage sehen, in Gesprächen und Konflikten couragiert und bewusst mit dem Thema umzugehen. Sie können Rassismus und Vorurteilen kompetent entgegentreten und bei Einzelanfragen beraten. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenfrei. Sie erstrecken sich in zweitägigen Modulen über ein Jahr.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesinnenministerium im Rahmen des Bundesprogramms "Zusammenhalt durch Teilhabe". Kooperationspartner sind unter anderem die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, das Kulturbüro Sachsen und die AG Kirche für Demokratie.

Weitere Informationen:
Julia Meike
Diakonische Akademie für Fort- und Weiterbildung e. V.
Bahnhofstraße 9
01468 Moritzburg
Telefon 035207 84346

www.diakademie.dewww.diakonie-sachsen.de

Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz bittet um Mitarbeit beim Aufbau eines ZIK-Beirates

Im ZIK-Sondernewsletter vom 4. Oktober bittet das zuständige Fachreferat um die Meldung von interessierten Vertretern von Migrantenselbstorganisationen bis Ende Oktober, die an der Konzeption eines ZIK-Beirates mitwirken wollen. Die Grundkonzeption wurde im August 2013 vorgestellt und um Hinweise für eine Geschäftsordnung gebeten. ZIK ist das Zuwanderungs- und Integrationskonzept des Freistaates Sachsen.

Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Referat 43 – Integration nach Zuwanderung
Soziales Entschädigungsrecht, Opfer des SED-Unrechts
Albertstraße 10
01097 Dresden
Telefon 0351 564-5509
E-Mail integration@sms.sachsen.de

Zuwanderungs- und Integrationskonzept (ZIK)
http://www.willkommen.sachsen.de/24463.htm

Dresdner Unternehmen wollen junge Migranten begeistern

Die 3. Johannstädter Praktikanten- und Lehrstellenbörse richtet sich ausdrücklich auch an Jugendliche mit Migrationshintergrund. Dazu wurden Anzeigen in fremdsprachigen Zeitungen geschaltet und Kontakte zu Ausländerinitiativen gesucht. Zu den 45 Unternehmen, die Jugendliche für eine Ausbildung interessieren wollen, gehören die Wohnungsgenossenschaft, die Dresdner Verkehrsbetriebe, das Herzzentrum und die Polizei. Die Veranstalter haben auch an einen Dolmetscherdienst gedacht. Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) unterstrich, dass mit der Veranstaltung das Potential der Mitbürger mit Migrationshintergrund ausgeschöpft werden und jeder Jugendliche eine passende Ausbildung finden soll. Die Börse in der Johannstadthalle steht unter dem Motto „Dein Beruf – Deine Zukunft“ und findet am 12. Oktober ab 10 Uhr statt. Im Vorjahr wurden etwa 400 Gespräche verzeichnet. Träger der Veranstaltung unter sind das Ortsamt Altstadt und der Verein JohannStadthalle e. V. Sie wird unter anderen auch von der Dresdner Ausländerbeauftragten unterstützt.

Energieworkshop und Afrikawochen in Dresden

Mit der 9. Afrika-Woche holt power4africa ein Stück Afrika nach Dresden. Die Afrikawochen sind vom 19. bis 27. November 2013 im O.D.C. Einkaufszentrum auf der Reicker Straße 60 in 01219 Dresden. Der erste Bundestagsabgeordnete afrikanischer Abstammung, Dr. Karamba Diaby, wird ebenfalls als Gast erwartet.

Das kulturelle Ereignis präsentiert afrikanische Aussteller mit ihrer afrikanischen Handarbeitskunst, wie Malerei, Schmuck, Trommeln, Textilien und Körben sowie typischen afrikanischen Gewürzen. Neben täglichen Trommelkursen, afrikanischer Musik und Percussionkonzerten wird es Tanzaufführungen sowie Fotoausstellungen zu Reisen in Afrika geben.

Im Rahmen der Afrika-Woche findet außerdem am 21. November 2013 im Technologie Zentrum Dresden ein Energieworkshop zum Thema „Wie der politische Wandel in Nordafrika die Energiepolitik im Sub-Sahara Afrika vorantreibt" statt.

Nähere Informationen zu den Vorträgen sowie das Anmeldeformular finden Sie unter:
www.power4africa.de

www.wipro-dresden.de/energieworkshop

Der „Vielfaltfinder" erleichtert Journalisten die Suche nach Ansprechpartnern

Viele Menschen mit Migrationshintergrund kommen in den Medien nur bei Integrationsfragen zu Wort. Oft sind sie jedoch Experten für unterschiedlichste Bereiche. Journalisten können mit dem Angebot „Vielfaltfinder" der Neuen deutschen Medienmacher ohne großen Aufwand Experten finden, die für die ethnische Vielfalt in der Gesellschaft stehen. Die Recherche-Datenbank will neue Köpfe, neue Perspektiven, interkulturelle Kompetenz und vielfältiges Fachwissen an Medien und Institutionen vermitteln. Der Zugang zur Datenbank ist kostenfrei und nur für akkreditierte Journalisten und Institutionen möglich.

Im Angebot werden ausgewiesene Fachleute aller Wissensgebiete sowie Protagonisten mit Migrationsgeschichte ausführlich vorgestellt. Diese können sich jederzeit anmelden und ihr individuelles Profil gestalten. Durch die Registrierung im Vielfaltfinder erlangen sie mediale Aufmerksamkeit, kommen zu Wort, können ihr Fachwissen verbreiten, ihre Arbeit darstellen und ihre Perspektiven darlegen.

Die Fachleute mit Migrationshintergrund sollen selbstverständlich sichtbar werden mit ihren Leistungen in unserer Gesellschaft, als Fachleute mit Expertise und Erfahrung, in unterschiedlichen Ämtern und Tätigkeiten und als Experten in Wissenschaft und Forschung.

www.vielfaltfinder.de

Rat für Migration (RfM) fordert institutionelle Reformen in der Integrationspolitik

Über sechzig Wissenschaftler und weitere Erstunterzeichner haben in einem offenen Brief an die künftige Bundesregierung und die Parteien im Bundestag gefordert, die Integrationspolitik institutionell zu reformieren. Die Zuständigkeit soll nicht mehr beim Innenministerium liegen. Zudem wurde eine Onlinepetition erstellt.

Der Rat begründet seine Forderungen vor allem damit, dass bereits mehrere Generationen von Einwanderern die Einwanderungsgesellschaft prägen. Strukturen und Lebensformen haben sich – auch beschleunigt durch den Druck des demografischen Wandels – verändert. Migration und Integration sind Schlüsselthemen von Gegenwart und Zukunft, die fast alle Politikbereiche durchdringen. Nötig seien dazu umfassende und langfristig ausgerichtete gesellschaftspolitische Gestaltungsperspektiven.

Auf der Bundesebene lähme eine Vielfalt von konkurrierenden Kompetenzen. Das Bundesministerium des Innern (BMI) verstehe sich als Integrationsministerium, die Federführung für Fragen der Arbeitsmigration liege beim Bundesarbeitsministerium und die Visavergabe erfolge durch das Bundesaußenministerium. Außerdem seien weitere Ministerien mit Integrationsfragen befasst. Im Bundeskanzleramt sitzt das Amt der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Sie hat aber keine Zuständigkeit für das in Nürnberg residierende Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das zugleich mit seinen Integrationskursen eines der wichtigsten Gestaltungszentren für Integrationsförderung ist, aber dem Bundesinnenministerium zugeordnet wurde. Kommunikation, Zuständigkeiten und Kompetenzen konkurrierten auf Bundes- und Landesebene.

In der Online-Petition fordert der Rat für Migration: Die Zuständigkeit für Migrations- und Integrationspolitik soll künftig nicht mehr beim BMI liegen, sondern in einem Querschnitts-Ministerium, das aus dem bisherigen Bundesministerium für Arbeit und Soziales hervorgehen kann.

Die gesamte Argumentation, den offenen Brief, die Unterzeichner und die Petition finden Sie unter:
www.rat-fuer-migration.de/

Fachtagung zu interkultureller und interreligiöser Kompetenz in der Pflege

Die Fachtagung an der Universität in Tübingen richtet sich an alle, die mit interkulturellen und interreligiösen Herausforderungen in der Pflege zu tun haben.

Pflegekräfte versorgen im Krankenhaus, im Pflegeheim und in der ambulanten Pflege zunehmend Menschen, die eine andere Prägung haben als sie selbst. Gerade religiöse Prägungen können in krankheitsbedingten Krisensituationen zum Tragen kommen. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an Pflegekräfte und auch an Unterrichtsinhalte und didaktische Konzepte in der Aus- und Weiterbildung.

Inhalte der Fachtagung am 15. November sind:

Überblick zum Projekt „Ethische Bildung in der Pflege“

Kompetenzorientierung und Kompetenzvermittlung

Ethische Aspekte der Pflege im interkulturellen Kontext

Ethik und Kultur als Elemente einer aufgewerteten Pflege

Nähere Informationen zum Programm
www.eibor.de

Kontakt
Heinrich Merkt
Eberhard Karls Universität Tübingen
Liebermeisterstraße 12
72076 Tübingen
Telefon +07071 29-78066
www.kibor-tuebingen.de