Newsletter Nr. 5 vom 01.02.2013

Gillo vermittelt im Parlament zu Abschiebestopp

In der 69. Sitzung des Sächsischen Parlaments am 30. Januar 2013 nahm der Ausländerbeauftragte von seinem Rederecht im Plenum Gebrauch und Stellung zum Tagesordnungspunkt 9:

Antrag der Fraktionen GRÜNE, DIE LINKE und SPD

„Abschiebestopp von Roma, Ashkali und Balkan-Ägyptern in die Staaten der Balkanhalbinsel"

Drucksache 5/11064

Marin Gillo appellierte an die Fraktionen, die Situation differenziert zu betrachten und zu einer überparteilichen Meinungsbildung zu kommen. Als Beauftragter des Parlaments habe er Verständnis für beide Positionen, die zum einen die Durchsetzung geltenden Recht und zum anderen die Lebensbedingungen im Abschiebeland berücksichtigen. Er plädierte dafür, den Antrag 5/11064 vorerst zurückziehen und zur Beratung in den Innenausschuss des Landtages zu verweisen. Er regte an, sich vor Ort ein aktuelles Meinungs- und Situationsbild der Lebensbedingungen auf dem Balkan zu machen. Weiterhin solle Einfluss auf Bund und EU zum menschenwürdigen Umgang mit Minderheiten genommen werden.

Der Vorschlag und das Vermittlungsangebot des Sächsischen Ausländerbeauftragten wurden vom Plenum gebilligt.

Die Videoaufzeichnung der Debatte kann unter folgendem Link abgerufen werden:

69. Sitzung – Videoaufzeichnung – TOP 9

Die Plenarprotokolle werden in den nächsten Tagen von der Landtagsverwaltung an gleicher Stelle online zur Verfügung gestellt.

Migrationsbericht 2011 - Deutschland ist ein Einwanderungsland

Am Mittwoch verabschiedete das Bundeskabinett den Migrationsbericht 2011, der vom Bundesminister des Innern vorgelegt wurde. Dem Bericht zufolge zieht Deutschland Zuwanderer an. Fast 960.000 Menschen sind im Jahr 2011 zugezogen, 680.00 haben das Land verlassen. Damit gab es 280.000 mehr Zu- als Fortzüge. Besonders in den Blick rückt die verstärkte Zuwanderung von Menschen aus EU-Mitgliedsstaaten. 62,1 Prozent aller Zuwanderer nach Deutschland kamen 2011 aus einem anderen EU-Land. Die wichtigsten Herkunftsländer waren Polen, Rumänien und Bulgarien. Gestiegen ist auch die Zahl der Zuzüge aus EU-Ländern, die besonders von der Finanzkrise betroffen sind. So kamen aus Griechenland 12.700 Personen, aus Spanien 8.200 Personen und aus Italien 7.300 Personen.

Neben den allgemeinen Wanderungsdaten zu Deutschland und einer detaillierten Darstellung der verschiedenen Migrationsarten enthält der Bericht einen europäischen Vergleich zum Migrationsgeschehen und zur Asylzuwanderung. Er behandelt das Phänomen der illegalen Migration und informiert über die Struktur der ausländischen Bevölkerung sowie der Bevölkerung mit Migrationshintergrund.

Die Zahl der Fortzüge von Deutschen ist im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 leicht gesunken und die Zahl der Zuzüge leicht angestiegen. Insgesamt blieb der Wanderungssaldo von Deutschen jedoch negativ mit einem Minus von 23.500 Personen.

Von den ausländischen Staatsangehörigen, die in Deutschland leben sind knapp ein Viertel Türken mit 23,2 Prozent bzw. ca. 1,6 Millionen Personen. Etwa gleich viele Personen haben die Staatsangehörigkeit eines der west- und mitteleuropäischen EU-Staaten. Darunter ist die Gruppe der Italiener mit etwas über einer halben Million Personen am größten. Die Zahl der Staatsangehörigen aus den osteuropäischen EU-Staaten hat sich seit dem Vorjahr auf 951.000 Personen erhöht.

20 Prozent aller Zuzüge von Nicht-EU-Bürgern im Jahr 2011 wanderten aus familiären Gründen zu. Knapp 18 Prozent wollen ein Studium aufnehmen oder kommen zur Ausbildung oder für Sprachkurse. 14 Prozent der Zuzüge von Nicht-EU-Bürgern in 2011 erfolgten zum Zweck der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Es wurden 36.000 Aufenthaltserlaubnisse zur Ausübung einer Beschäftigung erteilt. Das ist gegenüber 2010 ein Anstieg um 27,4 Prozent. Fast zwei Drittel haben eine qualifizierte Beschäftigung aufgenommen.

Den Migrationsbericht 2011 finden Sie hier: 

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2013/Migrationsbericht_2011_de.pdf?__blob=publicationFile

Psychotherapeutisches Pilotprojekt für Folteropfer

Die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer macht auf ein Pilotprojekt zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Opfern von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen aufmerksam.

Flüchtlinge sind häufig schweren Menschenrechtsverletzungen und Gewalt ausgesetzt und leiden deshalb häufig unter posttraumatischen Belastungsstörungen und depressiven Störungen. Die Mitgliedstaaten der EU sind seit 2003 verpflichtet, für diese Personen Behandlung zu ermöglichen. In den neuen Bundesländern sind die Versorgungsstrukturen als unzureichend einzustufen, so die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer.

Die Behandlung traumatisierter Flüchtlinge stellt auch qualitativ besondere Anforderungen. Mit dem Pilotprojekt soll zuerst das Versorgungsdefizit erfasst werden, um danach mit niedergelassenen Psychotherapeuten nachhaltig zu kooperieren. Ziel ist es, einen regionalen Austausch zu etablieren und das Versorgungsnetz zu vergrößern. So soll eine stabile Basis für die langfristige Zusammenarbeit und gegenseitige Vermittlung geschaffen werden. Das psychosoziale Zentrum Caktus e.V. in Leipzig realisiert mit anderen Zentren ein spezielles Beratungsangebot. Das Leistungsspektrum umfasst dabei Gespräche, Clearing, psychosoziale Beratung, Therapien und Gespräche mit Hilfe von Dolmetschern und Integrationsmittleren. Weiterhin werden Stellungnahmen zu Rechtlagen und sozialen Fragen sowie die Anleitung zur Selbsthilfe gegeben.

Weitere Informationen erteilt das
Familien und Gesundheitszentrums Caktus e.V.
Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge Leipzig
Riemann Straße 32
04107 Leipzig
Telefon 0341 2254544
E-Mail Beratungsstelle@caktus.de

Friedenspreisverleihung in der Semperoper

Der 4. „Dresden-Preis“ geht an den ehemaligen sowjetischen Offizier Stanislaw Petrow. Er wird am 17. Februar 2013 in der Semperoper Dresden geehrt.

Petrow war der verantwortliche Diensthabende im Luftüberwachungszentrum nahe Moskau, als in der Nacht vom 25. zum 26. September 1983 der Computer den Abschuss von fünf amerikanischen Raketen Richtung Sowjetunion anzeigte. An Petrow war es, diese Meldung zu bewerten. Er meldete sie dem Generalstab als Fehlalarm, obwohl die Chancen 50 zu 50 standen, ob Irrtum oder Ernstfall. „Ich wollte nicht schuld sein am 3. Weltkrieg“, begründet er seine Entscheidung. Niemals sei die Welt der atomaren Vernichtung näher gewesen als in dieser Nacht, sagte Bruce Blair, US-Abrüstungsexperte, Co-Gründer von Global Zero und Chef des World Security Institute. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird jährlich in der Semperoper vergeben. Die Verleihung ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Organisation Friends of Dresden Deutschland und der Semperoper.

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland stellt aus

Die Ausstellung „Homestory Deutschland“, entwickelt von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. – ISD-Bund e.V., ist seit 2006 national sowie international auf Tour und kann von interessierten Menschen gebucht und betrachtet werden. Sie beschreibt sich selbst als ein kollektives Selbstporträt, welches afrikanische, afrikanisch-amerikanische und schwarze deutsche Erinnerungs-traditionen aufgreift. Mit der Zusammenschau von siebenundzwanzig visuell aufbereiteten Biografien Schwarzer Männer und Frauen aus drei Jahrhunderten wird der eigene Gestaltungswillen und die Auseinandersetzung mit der weißen Mehrheitsgesellschaft bezeugt.

Das Hauptelement der Ausstellung „Die Wall of Fame“, eine aus drei Modulen zusammengefügte Wand, ist mit Drehtafeln versehen, auf deren Vorderseiten Porträtfotografien der präsentierten Personen aufkaschiert sind und auf deren Rückseiten sich die entsprechenden Biografien befinden. Ein Ausblick ist in das dritte Wandmodul integriert, auf dem kurze Statements von Schwarzen Jugendlichen zu lesen sind, denen als neuer Generation das »letzte Wort« zusteht. Zusätzliche Filme, Videos sowie zur Einsicht ausliegende literarische und akademische Veröffentlichungen sollen zu einer weiterführenden Beschäftigung mit dem Thema anregen.

Neben dem beschriebenen Ausstellungsformat existiert die Homestory Deutschland Ausstellung in einer mobilen Version, in der die Ausstellungsmodule durch Wandtafeln ersetzt wurden. Ergänzt mit englischen und französischen Texten war die Homestory Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, international zu sehen. Sie wurde bereits in Senegal, Elfenbeinküste, Malawi, Tansania, Südafrika und Uganda präsentiert. Beide Ausstellungsformate können gebucht werden.

http://www.homestory-deutschland.de/


Für weitere Informationen zu den Buchungskonditionen wenden Sie sich bitte an:
E-Mail: isdbund@isdonline.de

Beratungshandbuch „Aufenthaltliche Illegalität 2013“ erschienen

Die Caritas und das Deutsche Rote Kreuz haben gemeinsam das Beratungshandbuch „Aufenthaltliche Illegalität“ herausgegeben. Es bietet Hilfestellung für Beratungsstellen, Beschäftigte in Kindertageseinrichtungen und Schulen, in Schwangerenberatungsstellen, in öffentlichen und privaten Krankenhäusern, in Standesämtern und anderen Behörden. Dies sei wichtig, so die Herausgeber, da die Betroffenen nicht nur die auf ihre Situation vorbereiteten Migrationsdienste besuchen.

Das Buch liegt in der dritten vollständig aktualisierten Auflage vor. Es skizziert die Rechtslage und Handlungsoptionen der Menschen, wenn es um ihre Versorgung bei Krankheit, Schwangerschaft, Geburt, um den Zugang der Kinder zu Schulen und Kitas sowie um Arbeit und Wohnen geht.

www.caritas.de/handbuch

Weiterbildung Projektentwicklung durch IQ-Consult

Die finanzielle Förderung von Projekten mit öffentlichen oder privaten Mitteln ist das Thema der Fortbildungsreihe „Promico – Projekte in den Migrantencommunitys“.

Migrantenorganisationen werden bei der Entwicklung und Durchführung von Projekten unterstützt. Die Angebote richten sich an Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich in oder für Migrantenorganisationen arbeiten. Die nächste Seminarreihe findet im März in Köln statt.

2. März 2013
Projektförderung 1 für Migrantenorganisationen
Grundlagen und Projektskizze
Weitere Informationen und Anmeldung

3. März 2013
Projektförderung 2 für Migrantenorganisationen
Zielbestimmung und Indikatoren
Weitere Informationen und Anmeldung

16. März 2013
Projektförderung 3 für Migrantenorganisationen
Finanzplan: Ausgaben und Einnahmen
Weitere Informationen und Anmeldung

17. März 2013
Projektförderung 4 für Migrantenorganisationen
Mittel, Budgets, Belege
Weitere Informationen und Anmeldung


Die Kostenbeteiligung beträgt 15 Euro je Person und Seminar, bei Teilnahme an zwei Terminen eines Wochenendes 20 Euro für beide zusammen.

Eine Übersicht über alle Seminare ist hier
Promico Angebote

Kontakt:
Stefan Klement
Projektmentoring
IQ-Consult gGmbH
Telefon 0211 43 01 -196
E-Mail st.klement@iq-consult.de

Stellenausschreibung beim RAA Sachsen e.V.

Der RAA Sachsen e.V. sucht zum 1. März 2013 eine Bereichsgeschäftsführerin oder einen Bereichsgeschäftsführer für das Projekt: Beratungsstellen für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. Erwartet wird ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Bewerbungsschluss ist der 3. Februar 2013. Die vollständige Ausschreibung ist unter folgender Adresse einzusehen:

http://www.raa-sachsen.de/newsbeitrag/items/stellenausschreibung.html