Newsletter Nr. 18 vom 17.05.2013

Mit Herz gesehen: Diversität ist unsere Stärke

Die Zeit nimmt uns mit auf eine Reise mit vielen Veränderungen. Die Welt wächst zusammen. Das wird unser Leben grundlegend verändern? Die Globalisierung wird stärker, die Menschen rücken näher aneinander. Der Migrationsanteil in allen Ländern der Welt wächst. In Deutschland wird das bedeuten, dass ab dem Jahr 2035 die Menschen mit Migrationshintergrund bei uns die Mehrheit der Gesellschaft darstellen.

Diese wachsende Vielfalt bringt sowohl Chancen als auch Risiken. Es liegt ganz an uns, ob wir uns auseinanderdividieren wie der Libanon oder die Chancen der Vielfalt wahrnehmen wie in Kalifornien oder Kanada.

Am 2. Mai 2013 stellte ich im Innenausschuss die Jahresberichte des Sächsischen Ausländerbeauftragten für 2011 und 2012 vor, eine gute Gelegenheit, um über die Veränderungen der letzten Jahre nachzudenken. Und dabei entdeckten wir schnell, wie sehr wir uns im positiven Sinne gewandelt haben.

Vor nicht allzu langer Zeit hieß es: „Deutschland ist kein Einwanderungsland“, „Kinder statt Inder“, und Unterschriftensammlungen gegen doppelte Staatsbürgerschaft gewannen in Hessen eine Landtagswahl. Mit anderen Worten, wir versuchten, die reellen Veränderungen nicht wahrzunehmen und Millionen von Mitbürgerinnen und Mitbürgern auszugrenzen.

Die Psychologen sprechen hier über Verdrängung, die erste Phase des Umgangs mit grundlegenden Veränderungen. In der Verdrängung tun wir so, als ob sich nichts geändert hätte. Vogel Strauß Prinzip. So wiederholten wir den Satz: "Wir sind kein Einwanderungsland." wie eine Dauerwerbesendung für Waschbretter, die keiner mehr braucht.

Die zweite Phase heißt Widerstand. Hier sucht man nach Gründen, warum das Rad der Geschichte unbedingt zurückgedreht werden muss. Einige Kreise in unserer Gesellschaft sind immer noch in dieser Phase gefangen. Sie werden plötzlich zu Kritikern jedes Wandels, den die Veränderungen auslösen. Ich bekomme z. B. regelmäßig E-Mails von Gruppen, die sich als Islamwarner ertüchtigen. Alles am Islam ist schlecht. Gotthold Ephraim Lessings Nathan der Weise scheint irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein.

Wir beschäftigen uns mit Fragen, die schlicht absurd sind, z. B. ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht. Bei vier Millionen Muslimen in Deutschland ist diese Frage total absurd und passt genau zur Phase des Widerstandes.

Die dritte Phase heißt Exploration. Dort machen wir uns nach neuen Lösungen auf die Suche, die sinnvoller und vorteilhafter sind als das, was wir bisher getan haben und nicht mehr geht. Zur Exploration gehört die Ermutigung zu den Prinzipien der Weltoffenheit, der interkulturellen Kompetenz und der Willkommensgesellschaft.

In den vergangenen Jahren haben wir schon Einiges ausprobiert: Als erstes wurde der Begriff Integration schmackhaft gemacht. Doch er ist missverständlich; denn viele halten ihn nur für ein anderes Wort für Assimilation. Assimilation funktioniert natürlich nicht. Wir haben auch die Leitkultur als Begriff eingeführt. Die Packung haben wir also schon, aber sie ist bisher weitgehend leer geblieben. Definiert wurde bisher nur die europäische Leitkultur.

Im Positiven sind wir uns mittlerweile einig, dass Integration symmetrisch und ein gesamtgesellschaftlicher Prozess ist, der alle Menschen in unserem Land einschließt und ein Generationenprojekt darstellt. Der Name wird sich sicherlich noch wandeln, doch der Inhalt ist uns klar.

Was ich in den letzten drei Jahren mit Freude beobachten konnte, ist ein wachsender parteiübergreifender Konsens über den neuen Weg unserer Gesellschaft, der da heißt Einheit in Vielfalt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es so ausgedrückt: „Deutschland, das sind alle Menschen, die mit uns leben.“

Ich sehe das so: Trotz aller Verschiedenheit der Menschen und ihrer Kulturen oder Religionen eint uns mehr als uns trennt. Dieses Verständnis der Gemeinsamkeiten bildet die neue Grundlage für unsere Öffnung zur Vielfalt. Von dieser Grundlage aus sind wir alle jetzt aufgefordert, auf unsere Mitmenschen aus anderen Kulturen zuzugehen und sie kennen, respektieren und wertschätzen zu lernen. Jede Kultur, jede Religion hat nämlich einmalige Stärken, die für unser Zusammenleben wertvoll sind, wenn wir sie nutzen.

Jede Kultur hat natürlich auch Schwächen. Es sind meist die Kehrseiten der Stärken. Gründlichkeit ist z. B. eine der deutschen Stärken, auf die wir stolz sein können. Aber die Kehrseite ist unsere Angst, etwas falsch zu machen. Und so kann es oft kommen, dass wir bei wichtigen Fragen zu lange zaudern, um rechtzeitig zu handeln.

Indem wir andere Kulturen kennenlernen, lernen wir dann auch unsere eigene kennen, so wie der neugeborene Wal das Wasser erst beim Luftholen erkennt. Das ist wichtig, weil wir normalerweise nur die Schwächen der Anderen und unsere eigenen Stärken gut sehen. Die Kenntnis der Stärken der Anderen und unserer eigenen Schwächen müssen wir uns erst erarbeiten.

Die Chancen in unserem immer vielfältiger werdenden Land sind übrigens nicht auf ein friedliches Zusammenleben beschränkt. Wenn wir es richtig machen, lernen wir, aus unserer Diversität eine weitere Stärke zu machen.

Genau diesen Perspektivwandel hat die Stadt Toronto in Kanada schon vollzogen. Torontos Motto ist: „Diversität ist unsere Stärke“.

Die vierte und letzte Phase großer Veränderungen heißt Bekenntnis. Toronto lebt es uns schon vor. Ich träume von der Zeit, wo wir das mit Stolz auch über Sachsen sagen können: Diversität ist unsere Stärke.

Martin Gillo

Wie vielfältig ist Sachsen? Sondernewsletter zum 1. Diversity-Tag am 11. Juni 2013

Am 11. Juni 2013 findet der 1. Deutsche Diversity-Tag statt. Er wird von der Charta der Vielfalt initiiert und soll zeigen, wie vielfältig Organisationen in Deutschland heute schon sind.

Ziel für diesen Tag ist es, Aktionen für Vielfalt zu veranstalten oder Pressearbeit rund um das Thema Diversity zu betreiben.

Das Büro des Sächsischen Ausländerbeauftragten wird an diesem Tag einen Sondernewsletter herausgeben, in dem sächsische Organisationen (Unternehmen, Vereine, Initiativen, Verwaltungen) die Gelegenheit haben, ihr Engagement für Vielfalt vorzustellen.

Gleichzeitig wollen wir die Vernetzung zwischen den Akteuren fördern und nehmen deshalb gern Verlinkungen und Ansprechpartner in den Newsletter auf.

Wir haben uns für diese Form entschieden, weil es nicht allen Organisationen möglich sein wird, am 11. Juni eine Sonderveranstaltung ins Leben zu rufen. Trotzdem wird gute Arbeit geleistet und die wollen wir zeigen.

Steigende Zuwanderung, der demografische Wandel, Fachkräftemangel und die Globalisierung sind aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderungen. Sie verlangen neue Ideen, neue Strukturen und neue Konzepte. Wer interkulturell aufgeschlossen ist und Barrieren beseitigt, verringert Reibungen, verbessert das Miteinander und damit die Qualität der Arbeit.

Diversity-Management wird einer Kultur der Vielfalt gerecht und garantiert Zukunftsfähigkeit. Das kann in einem Unternehmen eine bewusste Orientierung der Personalpolitik bedeuten, in einem Verein aber auch die interkulturelle Schulung der Trainer oder Mitgliederwerber. Der öffentliche Sektor profitiert von ethnischer Vielfalt und vergrößert damit die Bürgernähe.

Stellen Sie dar, was Ihre Organisation auszeichnet - und wie Sie Vielfalt wertschätzen. Wir freuen uns sehr, wenn Sie mit dabei sind!

Beiträge können bis zum 29. Mai 2013 über saechsab@slt.sachsen.de mit dem Betreff „Diversity-Tag“ eingereicht werden. Sie sollten 1500 Zeichen (mit Leerzeichen) bzw. 20 Zeilen A4 nicht überschreiten. Ein aussagekräftiges Foto könnte die Authentizität Ihres Beitrages noch unterstreichen.

Inhalte und Dimensionen von Diversity sowie zahlreiche Projektbeispiele und Anregungen für eigene Veranstaltungen finden Sie unter: http://www.charta-der-vielfalt.de/diversity.html.

Eigene Projekte können unter diesem Link angemeldet werden und erscheinen bundesweit auf einer Landkarte.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Bundesamt stellt Jahresbericht Migrationsforschung vor

Der Jahresbericht 2012 der Forschungsgruppe Migrations- und Integrationsforschung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist ab sofort verfügbar.

Zahlreiche Forschungsprojekte werden vorgestellt und geben einen Überblick über die aktuellen Tätigkeitsschwerpunkte des Bundesamtes.

Hervorzuheben ist die erste bundesweite sozialwissenschaftliche Studie zum Einbürgerungsverhalten von Ausländern. Auf Grundlage der Novellierung des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts wurden Kriterien für oder gegen die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft analysiert.

Weitere Schwerpunkte bilden Studien zur Erwerbsmigration, zur Integration zugezogener Ehepartner sowie zu islamischen Lebenswelten.

Der vollständige Bericht ist als Broschüre oder zum Download erhältlich unter: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Broschueren/jahresbericht-forschungsgruppe-2012.html?nn=1367522.

Die Migrations- und Integrationsforschung generiert Datengrundlagen und evaluiert laufende Maßnahmen. Gleichzeitig werden Einflussfaktoren und Potentiale künftiger Migrationsbewegungen untersucht. So kann politischer Handlungsbedarf aufgezeigt werden.

Lesestart-Set hilft nicht nur Kindern beim Spracherwerb

Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelte die Stiftung Lesen die frühkindliche Leseförderungsinitiative „Leseart – Drei Meilensteine für das Lesen.“ In drei Etappen sollen Kleinkinder und ihre Eltern an das (Vor-)Lesen herangeführt und gefördert werden. Besonders Kinder aus einem bildungsbenachteiligten Umfeld profitieren davon.

Die kostenlosen Sets sind in 14 Sprachen erhältlich und beinhalten altersgerechte Bilderbücher, ein Lesestart-Tagebuch, Buchtipps und Ratgeber für Eltern.

Auch Migranten mit bislang ungesichertem Aufenthaltsstatus kommt das Lesestart-Set zugute. In Kombination mit den Handreichungen „Deutsch für alle – 99 Wege zur deutschen Sprache“ bietet sich Zuwanderern, die bislang kein Anrecht auf Deutschkurse haben, die Möglichkeit, schnell und unkompliziert Deutsch zu lernen.

Das Lesestart-Material ist in allen Bibliotheken und Grundschulen oder zum Download unter www.lesestart.de erhältlich.

Die Broschüre „Deutsch für alle – 99 Wege zur deutschen Sprache“ können Sie kostenfrei beim Sächsischen Ausländerbeauftragen unter www.offenes-sachsen.de / Publikationen beziehen.

RESQUE PLUS integriert Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt

Sachsenweit wird Bleibeberechtigten und anderen Flüchtlingen (mit Zugang zum Arbeitsmarkt) durch das Netzwerk RESQUE PLUS (Hilfe für Flüchtlinge zur Qualifizierung und Vermittlung auf den Arbeitsmarkt) Unterstützung angeboten.

Die Netzwerkpartner sitzen in Chemnitz, Dresden, Leipzig und sind je nach Bedarf und Absprache in ganz Sachsen unterwegs.

Die Arbeit geschieht im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten und speziell für diese Zielgruppe aufgelegten ESF-Bundesprogramms „XENOS - Arbeitsmarktliche Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge II“.

Wichtige Kenntnisse rechtlicher Rahmenbedingungen und persönlicher Lebenssituationen aus langjähriger Beratung der Zielgruppe im Rahmen der Arbeit der verschiedenen operativen Netzwerkpartner stärken und ergänzen damit die Bemühungen der Jobcenter bzw. Agenturen für Arbeit, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Angebote wurden gemeinsam mit den Grundsicherungsstellen und kommunalen Trägern erarbeitet, ergänzen deren Angebote und sind bereits mit festen Verfahrensabsprachen untersetzt.

Die eingesetzten Instrumente aus der ersten Förderrunde (seit 2008 Leipziger Netzwerk „RESQUE“) werden in Chemnitz und Dresden sowie in den sächsischen Landkreisen angewandt.

Flankiert durch ein individuelles Unterstützungsmanagement, durch verbesserte Vermittlungsstrategien sowie durch eine engmaschige, sozialpädagogische Beratung und Mediation wurden bereits viele Teilnehmer aus der Zielgruppe in Arbeit, Ausbildung oder andere Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt und begleitet.

Schulungen für Mitarbeiter, Multiplikatoren, Unternehmen, interessierte Netzwerker werden auf Nachfrage (handlungs- und praxisorientiert) angeboten und zielen darauf ab, Öffnungsprozesse in den Regelinstitutionen und anderen relevanten Einrichtungen zu begleiten sowie eine Fortführung und Ausweitung der Angebote für die Zielgruppe auch über die Projektlaufzeit hinaus anzuregen.

Ansprechpartner:
Stadt Leipzig
Referat für Migration und Integration
04092 Leipzig
Tel. 0341 12326-90 / -94
E-Mail migration.integration@leipzig.de