Newsletter Nr. 20 vom 31.05.2013

Mit Herz gesehen: Sächsisch-türkisches Familienglück

Zu Pfingsten waren meine Frau und ich bei einer jungen Familie zum Kaffee eingeladen. Er ist angestammter Sachse, sie eine in Deutschland geborene deutsche Türkin. Die beiden haben zwei kleine Kinder. Die waren zum „abknuddeln“ süß, wie meine Mutter immer zu sagen pflegte.

Sie und er sie haben sich beim Studieren getroffen und expandieren hier einen Familienbetrieb, der nach sächsischen Verhältnissen ein Mittelstandsbetrieb ist. Sie sind beide sehr kreativ, haben schon ein eigenes Patent angemeldet und sind in ihrem Feld geschäftlich sehr innovativ und erfolgreich - hier bei uns in Sachsen.

Nachdem sich die Frau in Sachsen bei den Behörden angemeldet hatte, bekam sie nach kurzer Zeit eine zweite Vorladung der Meldebehörde.

Bei diesem Besuch eröffneten ihr die Mitarbeiter, dass sie sicher sein wollten, ihre Information auch richtig aufgenommen und damit alles korrekt gemacht zu haben. Also fragten sie noch einmal, ob sie nicht „Asylantin“ sei. Sie verneinte. Dann kam die Frage, ob sie in Sachsen nicht studieren wollte. Sie verneinte ebenfalls. Als eine verheiratete deutsche Türkin mit perfektem Hochdeutsch, guter Bildung und türkischem Pass will sie einfach bei uns ihr Familienglück finden. Das kannten die Behörden in Sachsen bisher nicht.

Im Kindergarten ging es dann darum, dass die Kinder aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen sollten. Diese Anforderung passierte dem Kindergarten zum ersten Mal. Und mit gutem Willen kam man dann auch schnell auf die Lösung: Essen für Allergiker, das ebenfalls ohne Schweinefleisch zubereitet wird.

Ein sächsisch-türkisches Familienunternehmen ist hier kreativ und erfolgreich. Wünschen wir ihm auch weiterhin langfristigen Erfolg bei uns. Hoffen wir, dass sie Vorbild für so viele andere bi-nationale und bi-kulturelle Familienunternehmen werden, und dass unsere Behörden das in naher Zukunft als Routinefall ansehen werden und es keinen zweiten Behördenbesuch braucht, um das noch einmal zu bestätigen.

Jeder von uns würde davon profitieren.

Und wenn wir jetzt der jungen Frau auch noch die doppelte Staatsangehörigkeit anbieten würden …

Martin Gillo

Einbürgerungsfest im Sächsischen Landtag am 8. Juni

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Am 8. Juni findet das diesjährige Einbürgerungsfest im Plenarsaal des Sächsischen Landtags statt. Zu der Feier wurden alle im Jahr 2012 in Sachsen Eingebürgerten persönlich vom Sächsischen Innenminister und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten eingeladen. 
Dr. Matthias Rößler, Präsident des Sächsischen Landtages, wird ab 10.30 Uhr alle Gäste im Freistaat Sachsen willkommen heißen.

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Im Anschluss daran sprechen der Sächsische Staatsminister des Innern, Markus Ulbig, sowie der Sächsische Ausländerbeauftragte, Prof. Dr. Martin Gillo, zu den neuen Staatsbürgern. Bülent Arslan, Bundesvorsitzender des „Netzwerks Integration“ der CDU, hält die Festansprache zur politischen Partizipation von Migranten. "Beteiligt Euch! Warum wir Migranten in der Politik brauchen." ist das Motto der Festrede.

Für die musikalische Umrahmung sorgt das Streichorchester „Bogenschützen“ des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden. Traditionell werden alle Gäste gemeinsam die Nationalhymne singen. Neben den Ausländer- und Integrationsbeiräten der Städte Dresden, Chemnitz, Leipzig und Zittau und der Landeszentrale für politische Bildung stehen verschieden Abgeordnete zum Gespräch zur Verfügung. Im Jahr 2012 wurden 1094 Menschen in Sachsen eingebürgert, die meisten von ihnen (402) in Leipzig.

Schon 19 Beiträge für Sondernewsletter

Im Rahmen des 1. Deutschen Diversity-Tages am 11. Juni veröffentlicht der Sächsische Ausländerbeauftragte einen Sondernewsletter „Willkommen in Sachsen: Chancen durch Vielfalt“. Bislang stellen 19 sächsische Unternehmen, Organisationen, Vereine und Initiativen ihr Engagement für Vielfalt und für ein weltoffenes Sachsen vor.

Wer außerdem diese Chance nutzen möchte, kann seinen Beitrag noch bis zum 6. Juni an die Geschäftsstelle des Ausländerbeauftragten senden:

E-Mail: saechsab@slt.sachsen.de

Stellen Sie dar, wie Ihre Organisation Vielfalt wertschätzt, zum Beispiel durch eine bewusste Personalpolitik, gezielte Veranstaltungen, Jugendkulturarbeit oder interkulturelle Workshops. Um die öffentliche Wahrnehmung und Vernetzung zwischen den Akteuren zu fördern, werden Verlinkungen und Ansprechpartner gern in den Newsletter aufgenommen.

Beiträge sollten 1500 Zeichen (mit Leerzeichen) bzw. 20 Zeilen A4 nicht überschreiten, ein aussagekräftiges Foto könnte zudem die Authentizität Ihres Beitrages unterstreichen.

Inhalte und Dimensionen von Diversity sowie zahlreiche bundesweite Projektbeispiele und Anregungen finden Sie unter:
http://www.charta-der-vielfalt.de/diversity.html

Ausstellung „Gegensätze“ im Justizministerium

Im Rahmen des Europäischen Jahres der Bürgerinnen und Bürger stellt das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Europa mit der Ausstellung „Gegensätze“ ein vielfältiges Spektrum europäischer Kunst vor. Auf Einladung des Europaministers Dr. Jürgen Martens werden in einer einmonatigen Ausstellung vom 29. Mai bis zum 26. Juni 14 europäische Künstlerinnen und Künstler ihre unterschiedlichen Wurzeln, Identitäten und Traditionen darstellen und dieses spannungsreiche Erlebnis interessierten Besuchern zugänglich machen. Die Ausstellung auf der Hospitalstraße 7 ist montags bis freitags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Kuratiert wird die Ausstellung von Justus Jager und Dr. Elmar Zorn. Der „Verein Förderer Dresdner Kunst, kultureller Bildung und Ihrer Orte e. V.“ begleitet die Ausstellung.

Ausstellende Künstler sind:

Beate Bilkenroth (Deutschland)

Joanna Gleich (Polen)

Philipp Gloger (Deutschland)

Candace Goodrich (Amerika/Italien)

Fabian Heublein (Deutschland)

Justus Jager (Deutschland)

Anita Kontrek (Kroatien)

Johannes Makolies (Deutschland)

Ljiliana Mihaljevic (Kroatien)

Igor Ruf (Kroatien)

Josha Steffens (Deutschland)

Paulina Semikovic (Polen)

Iliana Lewitan (Deutschland/Israel)

Josip Zanki (Kroatien)

Asiatische Journalistinnen informieren sich über das Dresdner Integrationskonzept

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Am Mittwoch besuchte eine Gruppe von Journalistinnen aus asiatischen Ländern das Dresdner Rathaus. Die Dresdner Integrations- und Ausländerbeauftragte Dr. Uta Kruse informierte über das Dresdner Konzept zur Integration von Migrantinnen und Migranten. Die Frauen sind Teilnehmerinnen einer Informationsreise im Rahmen eines zweimonatigen Austausch- und Hospitationsprogramms vom Verein Internationale Journalisten-Programme e. V. (IJP) und besuchen in diesem Rahmen neben Dresden und Berlin auch noch Weimar und München.

Verein der Binationalen auf kolonialer Spurensuche

Einen Stadtrundgang zu kolonialen Spuren in Leipzig organisiert der Leipziger Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V gemeinsam mit „EnWi“ (Engagierte Wissenschaften - ein Arbeitskreis von Nachwuchswissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen an der Universität Leipzig). Zusätzlich wird ein Workshop angeboten.

Auch in Leipzig gebe es noch zahlreiche Spuren des deutschen Kolonialismus, die jedoch weniger bekannt seien. „Engagierte Wissenschaften“ hat zu kolonialen Spuren in der Stadt Leipzig recherchiert und bietet allen Interessierten einen Stadtrundgang an. Treffpunkt am Freitag, dem 31. Mai ist 18 Uhr die Fontäne vor der Sachsenbrücke - Anton-Bruckner-Allee/ Clara-Zetkin-Park - der Stadtrundgang endet in der Innenstadt.

Der Workshop „Verdammt lang her? Koloniale Vergangenheiten und Gegenwarten in Leipzig“ thematisiert Fragen zum Zusammenhang zwischen Kolonialismus und gegenwärtigen Rassismen in Werbung, Nachrichten und Sprache. Er findet am Samstag, dem 1. Juni von 10 bis 15 Uhr in der Geschäftsstelle Leipzig - Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V. statt. Um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt
Özcan Karadeniz
Verband binationaler Familien und Partnerschaten iaf e.V.
Geschäfts- und Beratungsstelle Leipzig
Kurt-Eisner-Straße 40
04275 Leipzig
Telefon 0341 6880022
Telefax 0341 2112052
E-Mail
karadeniz@verband-binationaler.dewww.leipzig.verband-binationaler.de

„Einwanderung ist Chance und Bereicherung“ - der 6. Integrationsgipfel

Am Dienstag, dem 28. Mai traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Vertretern von Bundesregierung, Ländern, Kommunen, Verbänden und Wirtschaft zum 6. Integrationsgipfel in Berlin. Thematischer Schwerpunkt des Treffens war die Eingliederung von Migranten in den Arbeitsmarkt. Dieses Thema gewinnt an Brisanz angesichts der kürzlich veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit, nach der Zuwanderer häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Menschen ohne Migrationshintergrund.

Einen weiteren wichtigen Aspekt stellte die Debatte um die doppelte Staatsangehörigkeit dar. Erfahrungsgemäß entscheide sich „der übergroße Teil für die deutsche Staatsbürgerschaft“. Das Staatsangehörigkeitsrecht sei daher nur ein Thema von vielen, so Merkel.

Stattdessen betonte die Bundeskanzlerin die Bedeutung der Zuwanderung für Deutschland in Zeiten demographischen Wandels und Fachkräftemangels. „Einwanderung ist Chance und Bereicherung“. Zuwanderer, die heute nach Deutschland kommen, seien so gut ausgebildet wie nie zuvor. Dieses Potential müsse stärker genutzt werden. Einen wichtigen Schritt stellte die Erleichterung der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse dar.

Unternehmer mit Migrationshintergrund dürften strukturell nicht mehr benachteiligt werden, wie z.B. bei der Kreditvergabe. Zudem sollen die interkulturelle Kompetenz des Wirtschaftsstandortes Deutschland verbessert und mehr Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst eingestellt werden.

Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit - vor allem in Südeuropa - forderte Merkel eine Annäherung der unterschiedlichen Sozialsysteme. „Ich glaube, dass es neben dem Binnenmarkt die nächste große Aufgabe ist, eine Arbeitsmarktmobilität zu haben, einen Binnenmarkt im Arbeitsmarkt zu entwickeln.“ Ein allgemeiner Konsens konnte gefunden werden in der Forderung nach der Abkehr von Vorurteilen gegenüber Migranten und der Bereitschaft, eine „bestimmte geistige Offenheit“ zu entwickeln: „Wir wollen ein Integrationsland sein.“, so die Kanzlerin.

Die Eröffnungsrede der Bundeskanzlerin Angela Merkel finden Sie unter: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2013/05/2013-05-28-integrationsgipfel.html

Zur Stellungnahme der Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer (CDU), zum Integrationsgipfel: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2013/05/2013-05-28-boehmer-Integrationsgipfel.html

Brandanschlag von Solingen vor 20 Jahren "Erst stirbt das Recht, dann stirbt der Mensch"

Heribert Prantl hat in der Süddeutschen Zeitung vom 29. Mai einen lesenswerten Artikel veröffentlicht. Er listet die Entwicklungen vor und nach dem Brandanschlag auf, vergleicht mit der heutigen Situation; vergleicht heutige politische Sichtweisen mit den alten Argumentationen, listet positive Tendenzen und immer gleiche Fehler auf.

http://www.sueddeutsche.de/politik/brandanschlag-von-solingen-vor-jahren-erst-stirbt-das-recht-dann-stirbt-der-mensch-1.1683458

Studie zum Arbeitsmarkt nach Migrationshintergrund

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht erstmalig einen Bericht zur Situation am deutschen Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung des Migrationshintergrundes. In einer freiwilligen Vollerhebung von Arbeitssuchenden, Arbeitslosen und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Grundsicherung (HartzIV-Empfänger) konnten bei 70 Prozent der Befragten Angaben zum Migrationshintergrund verwertet werden.

Die Studie zeigt den Stand vom Dezember 2012, wird fortgeführt und künftig quartalsweise veröffentlicht.

Es soll gezeigt werden, wo Menschen mit Migrationshintergrund häufiger Probleme am Arbeitsmarkt haben als Menschen ohne Migrationsgeschichte. Sie können oftmals nicht hinreichend erfolgreich am Erwerbsleben teilnehmen.

35 Prozent aller Arbeitslosen haben einen Migrationshintergrund.

Besonders in Deutschland sei Bildung maßgebend für die Arbeitsmarktchancen. Der Anteil Arbeitsloser ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die einen Migrationshintergrund haben, liegt mit 52 Prozent über dem derjenigen ohne mit 48 Prozent. Betrachtet man den Anteil Arbeitsloser mit abgeschlossener beruflicher oder schulischer Ausbildung, haben davon 18 Prozent einen Migrationshintergrund. Ganze 82 Prozent dieser Kategorie entfallen auf Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Gemessen an der Grundgesamtheit aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Grundsicherung (HartzIV-Empfänger), haben 42 Prozent einen Migrationshintergrund. Die regionale Verteilung fällt sehr unterschiedlich aus und reicht von lediglich 10 Prozent in Sachsen-Anhalt bis hin zu 60 Prozent in Hessen.

Bei der Interpretation der Daten ist jedoch zu beachten, dass die alleinige Tatsache des Migrationshintergrundes nicht als Ausdruck oder Ursache des Problems der Arbeitslosigkeit gesehen werden darf. Die Studie signalisiert, dass Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt weiterhin eine komplexe und aktuelle Herausforderung darstellt.

Detaillierte Statistiken und weitere Informationen finden Sie unter:
http://statistik.arbeitsagentur.de/nn_32022/SiteGlobals/Forms/Rubrikensuche/Rubrikensuche_Form.html?view=processForm&resourceId=210368&input_=&pageLocale=de&topicId=544668&year_month=201212&year_month.GROUP=1&search=Suche