Newsletter Nr. 15 vom 13.04.2012

Newsletter des Sächsischen Ausländerbeauftragten

Nr. 15/12 vom 13. April 2012

Mit Herz gesehen - Wie viele Migranten verträgt unser Land?

Immer wieder spreche ich mit Menschen in Sachsen über unsere Zukunft. Zu dieser gehört auch das konstruktive Miteinander mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen. Spätestens beim zweiten Bier taucht dann meistens die Frage auf: „Wie viel Zuwanderung verträgt eigentlich unser Land?“ Hinter diesem Denken verbirgt sich die Besorgnis, dass es irgendeine obere Grenze geben könnte, über die der Ausländeranteil nicht steigen darf, ohne dass sich unsere Gesellschaft auflöst.

Wie merkwürdig doch diese Frage ist. Als ob unsere geistigen und moralischen Fähigkeiten nach oben begrenzt seien. Das sind sie natürlich nicht. Ähnliche Ängste existierten schon öfters in unserer Geschichte. Als die Eisenbahn erfunden wurde, sorgten sich viele „Experten“ darum, dass die hohen Geschwindigkeiten  - ich glaube, sie lagen bei etwa 25 km/h - die Reisenden krank machen könnten. Heute fliegen wir beinahe mit Schallgeschwindigkeit, und wir leben gesünder als früher. Keiner der Unkenrufe erwies sich als wahr. Das Reisen in alle Welt hat uns bereichert und gebildet.

Ähnlich ist es bei der Zuwanderung. Es geht nicht darum, wie viele Menschen zu uns kommen. Es geht darum, dass wir uns ihnen öffnen und sie herzlich bei uns aufnehmen. Je mehr uns das gelingt, desto leichter fällt es den Zuwanderern, sich bei uns wohl zu fühlen und hier ihre neue Heimat zu finden. Ganz automatisch werden sie auf diesem Wege unsere kulturellen Werte und Gesetze respektieren und schätzen lernen. Wenn wir schon heute genau hinschauen, werden wir erkennen,  dass wir auf viele von ihnen stolz sein dürfen.

Meine Frau sah neulich in der Stadt an einem Laternenpfahl einen Aufkleber zum deutschen Bier und fotografierte ihn spontan. Nichts ist so deutsch wie unser Bier. Und doch wurde es ursprünglich im Irak erfunden. Es ist zu uns eingewandert, und wir haben es lieb gewonnen - zu Recht. Als mir meine Frau ihr Foto zeigte, war ich begeistert.

Genauso, wie Produkte aus aller Welt unser Leben bereichern, genauso werden das Menschen aus aller Welt tun, wenn wir ihnen eine Chance dazu geben. Wir machen uns doch auch keine Sorgen über eine Obergrenze für die Menge an Kaffee oder Tee, die wir nach Deutschland bringen. Machen wir uns also keine Sorgen über eine Obergrenze an Menschen aus anderen Ländern, die Sachsen zu ihrer Heimat wählen.

Wenn es eine Obergrenze gibt, dann ist sie in unseren Köpfen. Es liegt dann an uns, diese Ängste in unseren Köpfen zu durchbrechen. Wie können wir das tun? Lernen wir die Menschen aus anderen Ländern kennen. Machen wir sie zu unseren Freunden. Entdecken wir, wie sie unsere Gesellschaft bereichern. Dann erkennen wir auch, dass sich unsere frühere Besorgnis langsam wie der Schaum im Bier auflöst.

Martin Gillo

Menschenwürde messbar machen: „Heim-TÜV“ Faktor 10

Im Dezember 2011 haben wir unseren Bericht „Mitmenschen im Schatten: ‚Heim-TÜV‘ 2011 über das Leben in sächsischen Gemeinschaftsunterkünften“ veröffentlicht und alle sächsischen Unterkünfte nach einem Ampelsystem bewertet.

Dieser „Heim-TÜV“ prüft die menschenwürdige Unterbringung von Asylsuchenden im Freistaat Sachsen anhand von zehn Faktoren. Heute geht es um

Gesellschaftliche Einbindung

Asylbewerber und Geduldete sind unsere Mitmenschen und haben entsprechende universale soziale Inklusionsrechte und -pflichten. Wir wollen, dass sie unsere Wertegemeinschaft kennen- und respektieren lernen. Das ist im sozialen Vakuum nicht möglich. Dazu bedarf es der gesellschaftlichen Einbindung.

Angebote von Vereinen in den Gemeinschaftsunterkünften sind hier ein erster und wichtiger Schritt. Dabei handelt es sich meist um beratende Angebote, aber auch um kulturelle oder um Bildungsangebote wie z. B. Sprachkurse, Hausaufgabenhilfe oder Bildungspatenschaften.

Darüber hinaus haben wir bei diesem Faktor erfragt, inwieweit Möglichkeiten an die Heimbewohner herangetragen werden, sich ehrenamtlich zu engagieren, in Vereinen mitzuarbeiten oder beispielsweise in Sportvereinen mitzumachen. Möglichkeiten der aktiven Einbindung gibt es beispielsweise auch bei gesellschaftlichen Projekten, wie dem „Markt der Kulturen“ oder Sommerfesten.

Diese Möglichkeiten zeigen auch unserer eigenen Bevölkerung, dass Asylbewerber und Geduldete unsere Mitmenschen sind, dass wir sie als Menschen respektieren und dass wir erwarten, dass sie in gleichem Maße auch uns und unsere Gesellschaftsordnung respektieren. Wenn wir die Integrationsfähigkeit der Asylbewerber und Geduldeten über die häufig sehr langwierigen Asylverfahren hinweg erhalten wollen, dann kommt der gesellschaftlichen Einbindung eine besondere Bedeutung zu.

Deshalb haben wir diesen Faktor anhand von drei Fragen bewertet:

Welche Zugangsmöglichkeiten zur Mitarbeit in Vereinen haben die Heimbewohner?

Rot: Die Bewohner haben nur selten oder nie Zugangsmöglichkeiten zu Vereinen, bzw. ein Verein ist nur einmal im Jahr im Heim.

Grün: Die Heimbewohner haben regelmäßig wöchentlich Zugang zu Vereinen oder ein Verein ist einmal im Monat im Heim.

Gibt es Angebote für eine Mitwirkung im Gemeinwohldienst?

Rot: Den Bewohnern stehen nur selten oder überhaupt keine Angebote zur Verfügung.

Grün: Mit den Bewohnern wird individuell das Einbringen in den Gemeinwohldienst erörtert und dann werden Möglichkeiten für sie gefunden.

Inwieweit erhalten Heimbewohner die Möglichkeit, bei gesellschaftlichen Projekten (z.B. „Markt der Kulturen“) mitzuwirken?

Rot: Es gibt keine Möglichkeiten der Mitwirkung.

Grün: Die Bewohner bekommen mehrmals im Jahr die Möglichkeit, bei gesellschaftlichen Projekten mitzuwirken.

Wenn Bewohner in ein Ehrenamt vermittelt werden, wird deren persönliche Entwicklung gefördert und der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung aufgebaut. Dadurch kann die soziale Isolation vermieden und die Eigenständigkeit der Bewohner gesteigert werden.

Möglichkeiten der sportlichen Betätigung in Vereinen bieten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und fördern die Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung. Angst und Ablehnung auf Seiten der einheimischen Bevölkerung kann auch dadurch abgebaut werden, indem sich Heimbewohner in gesellschaftliche Projekte und Veranstaltungen einbringen können.

Der bewusst ermöglichte Zugang zu unserer Kultur und zur Sprache hilft Menschen das Positive und Lebensbejahende in unserer Kultur zu entdecken. Er hilft vor allem unsere Werte und Regeln zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen.

Deutlich erkennbar ist, dass in drei Landkreisen kaum eine Einbindung in das öffentliche Gemeinschaftsleben erfolgt. Insgesamt wurden zehn Heime rot, 14 gelb und sechs grün bewertet. Im Vergleich zu unseren letzten Besuchen wird aber zunehmend versucht, Vereine mit in die Gemeinschaftsunterkunft einzubeziehen, teilweise werden die Bewohner auch abgeholt.

Dresdens Integrations- und Ausländerbeauftragte beklagt ungenutzte Qualifikationen

Zwei Jahre nach ihrem Amtsantritt zog die Dresdener Integrations- und Ausländerbeauftragte Dr. Uta Kruse am vergangenen Mittwoch eine Zwischenbilanz. Sie sieht das berufliche Know-how von Zuwanderern viel zu häufig ungenutzt. Oftmals leisteten die Migranten mit Hochschulabschlüssen aus ihrer Heimat nur Hilfsarbeiten. Kruse sprach von "Ressourcenverschwendung". Die Anerkennung von Qualifikationen aus dem Ausland, vor allem von Spätaussiedlern, müsse geklärt werden, mahnte sie.

Vorrangige Aufgabe der Beauftragten und ihrer Mitarbeiter ist das Umsetzen und Weiterentwickeln des Integrationskonzeptes 2009 der Stadt Dresden. Seit März 2012 liegt ein aktueller Bericht zur Umsetzung des Konzeptes vor. Eine Steuerungsgruppe und vier Facharbeitsgruppen konkretisieren seit Mitte 2010 Ziele und erarbeiten Maßnahmen sowie konkrete Projekte.

„Der Bedarf an Projekten, die die Integration fördern, ist sehr hoch. Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Integration unterstützen, können nur in Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den Migrantenvereinen realisiert werden", so die Beauftragte.

Kruse zufolge plant die Stadt vorbehaltlich eines Ratsbeschlusses Gutscheine für Deutschkurse. Sie sollen ab kommendem Jahr unter anderem auch an geduldete Flüchtlinge oder beschäftigungslose Zuwanderer vergeben werden. Sie rechne mit rund 300 Interessenten.

In Dresden entspricht der Anteil von Ausländern 7,4 Prozent. Ende 2011 lebten fast 40.000 Menschen mit ausländischen Wurzeln hier.

Zur Veröffentlichung der Dresdner Integrations- und Ausländerbeauftragten

www.dresden.de/de/02/035/01/2012/04/pm_030.php?lastpage=zur%20Homepage

Integrationsministerkonferenz spricht sich für Deutschkurse aus

Nach der Integrationsministerkonferenz (IntMK) am 21./22. März 2012 in Überherrn / Saarland zieht die rheinland-pfälzische Ministerin Irene Alt eine positive Bilanz. Neben einem deutlichen Zeichen gegen Rechtsextremismus und Rassismus hatten sich die Minister für eine weitere Umsetzung des Resettlement-Programms ausgesprochen. Die Mehrheit der Teilnehmer stimmte dafür, dass Asylsuchende, Geduldete und Flüchtlinge Zugang zu Deutschkursen bekommen sollen. Außerdem wurde eine länderoffene Arbeitsgruppe gebildet, die einen Vorschlag erarbeiten wird, wie gut integrierten, langjährigen Duldungsinhabern ein dauerhaftes, vom Einreisetag unabhängiges Bleiberecht zugebilligt werden kann.

Ausführliche Informationen:

http://mifkjf.rlp.de/aktuelles/presse/einzelansicht/archive/2012/march/article/irene-alt-zufrieden-mit-fachministerkonferenz/

Konferenzbericht mit Beschlussniederschrift:

http://www.saarland.de/SID-3E724395-809DC3CB/84653.htm

Projektanträge beim BAMF noch bis Anfang Mai einreichen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge macht auf seine Ausschreibungen zu Projekten zum Europäischen Flüchtlingsfonds, zum Europäischen Integrationsfonds und zum Rückkehrfonds aufmerksam. Die Projektanträge müssen bis zum 3. Mai 2012 eingereicht werden.

Die Jahresprogramme 2012 und die jeweiligen Ausschreibungstexte sind unter www.bamf.de unter Infothek, EU-Fonds veröffentlicht.

Die Anträge sind mit dem veröffentlichten Antragsformular bei der zuständigen Behörde einzureichen, auf Papier und elektronisch.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:

Stefano Weidner

Referat EU-Fonds - Zuständige Behörde

beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Dienstsitz: Regionalstelle Jena/Hermsdorf

Am Rasthof 2

07629 Hermsdorf

Telefon 036601 9336 - 124

Telefax 036601 9336 - 199

Email:
Internet: stefano.weidner@bamf.bund.dewww.bamf.de
Internet:

Deutscher Fußballbund schreibt Julius Hirsch Preis aus

Seit 2005 schreibt der DFB den Julius Hirsch Preis aus, der sich für Demokratie und Menschenrechte und gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Der mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Preis wendet sich an Einzelpersonen, Vereine und Initiativen, die sich im, um oder durch den Fußball gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus einsetzen.

Ein Vorschlags- und Bewerbungsformular, ausführliche Informationen zum Julius Hirsch Preis, u. a. filmische Portraits der bisherigen Sieger und der Preisverleihungen, finden Sie auf der Homepage des DFB:

http://www.dfb.de/index.php?id=501067

Bewerbungsschluss der diesjährigen Ausschreibung ist der 30. Juni 2012.

Der am 7. April 1892 geborene Nationalspieler Julius Hirsch gehörte vor dem ersten Weltkrieg zu den bekanntesten Fußballern Deutschlands. Als erstem Spieler in der Geschichte des DFB gelang es ihm, mit zwei verschiedenen Vereinen Deutscher Meister zu werden: 1910 mit seinem Heimatverein, dem Karlsruher FV, und 1914 mit der Spielvereinigung Fürth. Bereits im Alter von 18 Jahren debütierte er in der Nationalmannschaft und erzielte 1912 im Länderspiel gegen Holland vier Tore. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm war sein größter internationaler Erfolg. Mit dem Beschluss der süddeutschen Spitzenvereine, ab 1933 alle Mitglieder jüdischer Abstammung auszuschließen, begann der Leidensweg von Julius Hirsch. 1943 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Kontakt

Deutscher Fußball-Bund e.V.

Maren Feldkamp
DFB-Kulturstiftung

Otto-Fleck-Schneise 6
60528 Frankfurt / Main
Telefon 069 6788-519
Telefax 069 6788-6519

E-Mail maren.feldkamp@dfb.de