Newsletter Nr. 29 vom 02.09.2013

Mit Herz gesehen – Momente der Wahrheit

Mein Sohn wollte unbedingt in Kanada studieren. Und er wurde an einer kanadischen Uni aufgenommen. Samstag vor zwei Wochen flog er nach Toronto. Morgens noch die Verabschiedung in Dresden, bekam ich kurz vor Mitternacht einen Anruf. Mein Sohn war am Apparat.

Er wollte mir nur sagen, dass er gut angekommen sei. Ich fragte ihn, wo er gerade sei, und er erklärte mir, er wäre noch auf dem Flughafen in Toronto. Dort gäbe es in der Ankunftshalle einen Empfangsschalter für ausländische Studenten. Sie schenken den Ankömmlingen auch einen kostenlosen Anruf nach Hause, damit sie Bescheid geben konnten, dass sie gut angekommen seien.

Ich muss sagen, das hat mich vom Stuhl gehauen, nicht nur, weil ich als Vater natürlich wissen wollte, ob er gut angekommen war. Eltern bangen immer ein wenig, wenn ihre Kinder auf große Reisen gehen. Beeindruckt war ich vor allem davon, dass das offensichtlich auch der kanadische Staat weiß, dass er handelt und dass er diese Dienstleistung sogar kostenlos zur Verfügung stellt.

Die Wirtschaft kennt den Begriff „Momente der Wahrheit“. Das sind Augenblicke, in denen sich die wirkliche Einstellung einer Organisation gegenüber ihren Klienten bzw. Kunden offenbart. Auch dies war ein Moment der Wahrheit, nämlich über die Willkommensgesellschaft Kanada.

Welche „Momente der Wahrheit“ könnten wir in Sachsen schaffen, um den ausländischen Fachkräften und Studierenden zu zeigen, dass sie bei uns ehrlich willkommen sind?

Nachdenken lohnt sich.

Martin Gillo

Gillo ermutigt beim Einbürgerungsfest Neubürger und Parteien zum gemeinsamen Engagement

Grafik 2

Die neuen Bürgerinnen und Bürger in Sachsen sollen sich auch aktiv in die Politik einbringen. Dazu ermutigten Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo und Innenminister Markus Ulbig die Eingebürgerten in ihren Ansprachen beim Einbürgerungsfest am Samstag, dem 31. August 2013, im Sächsischen Landtag. Etwa 300 Deutsche aus aller Welt waren mit ihren Familien der Einladung in den Sächsischen Landtag gefolgt und feierten ihre neue deutsche Staatsbürgerschaft.

Innenminister Markus Ulbig hob in seiner Rede hervor, dass die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ihre neuen Rechte auch in Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen nutzen sollten. „Sachsen ist ein weltoffenes Land. Leute, die sich einbringen wollen, sind hier willkommen. Mit der Staatsbürgerschaft ist der Schritt zur Wahlurne geschafft, nutzen Sie die Chance zur Mitgestaltung!“

Wichtig sei außerdem, so Martin Gillo, sich aktiv in die demokratischen Parteien einzubringen. „Ein vielfältiges Land braucht auch eine vielfältige Politik. Ich kenne niemanden, von dem die Parteien besser lernen könnten, Vielfalt in Einklang mit unseren Grundwerten zu bringen, als Sie. Nutzen Sie diese Chance und helfen Sie unserer Gesellschaft, sich weiter zu öffnen.“

Martin Gillo warb außerdem dafür, dass alle demokratische Parteien bei der bevorstehenden Landtagswahl auch Kandidaten mit Migrationshintergrund für die Landesliste gewinnen sollten. Die Bundestagswahl setze hier erste Maßstäbe. Die Parteien sollten diese Chance zum Wachsen zu nutzen und den neuen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen einzubringen.

Die ehemalige Niedersächsische Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) nahm die neuen Staatsbürger zugleich in die Pflicht. „Beteiligt Euch! Jeder hat jetzt die Möglichkeit, Deutschlands Zukunft mit zu gestalten. Ergreift die Chance.", sagte die Politikerin in ihrer Rede. Dazu gehöre auch die Mitarbeit in einer Partei. Vielfalt mache eine Gesellschaft attraktiver für alle.

Grafik 4

Am Rande der Veranstaltung nutzte der Ausländerbeauftragte die Chance und dankte der ehemaligen Ausländerbeauftragten Mittelsachsens, Ilse Rose, für ihr jahrelanges herausragendes Engagement. Im Bild rechts Aygül Özkan, die Festrednerin aus Niedersachsen.

Der Sächsische Staatsminister des Innern und der Sächsische Ausländerbeauftragte laden in jedem Jahr alle Bürgerinnen und Bürger ein, die im Vorjahr die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Im Jahr 2012 wurden im Freistaat Sachsen 1094 Menschen eingebürgert.

Bayreuther Forschungsprojekt „Ausländische Akademiker und deutsche Behörden“

Das Fachgebiet Interkulturelle Germanistik der Universität Bayreuth veröffentlicht ein Zwischenresümee zum Projekt „Ausländische Akademiker und deutsche Behörden“. Die Autoren Friederike Barié-Wimmer und Bernd Müller-Jacquier legen dabei den Fokus auf die Arbeit von ausgewählten Ausländerbehörden. Insgesamt 14 Standorte wurden untersucht. Dabei standen typische Problemfälle wie ein Studienfachwechsel, der Studienabschluss, die Erteilung eines Aufenthaltstitels oder ein Rollenwechsel innerhalb der Forscherposition im Blick.

Untersucht wurde die Arbeitsweise der Ausländerbehörde, die Bindung an den Hochschulort und die Zusammenarbeit mit den Universitäten. Dazu flossen Interviews mit Studierenden, Akademikern und den Mitarbeitern von Behörden und Serviceeinrichtungen ein.

Als Hauptkritikpunkte wurden beispielsweise die übermäßige Kontrolle der Klienten und eine Abwehrhaltung gegenüber Ausländern, organisatorische, rechtliche und Kommunikationsprobleme oder die fehlende Entscheidungskompetenz der Sachbearbeiter in der Behörde benannt.

Die Studie kann unter folgendem Link eingesehen werden:
http://www.intergerm.uni-bayreuth.de/de/projects/Behoerdenkommunikation/Zwischenbericht-Behoerdenkommunikation/130409-Zwischenbericht-AB_pdf-18_04_2013.pdf