Newsletter Nr. 38 vom 30.11.2012

Mit Herz gesehen - Gleiche Chancen für Migranten

In vielen Bundesländern war es eine traurige Tradition, dass sich Migranten bei der Jobsuche hinten anstellen mussten. Bei der Vergabe von Arbeitsgelegenheiten wurde den Kandidaten vor Ort der Vorzug gegeben, oder Kandidaten, die über Bekanntschaften an den Job kamen. Das galt für die Arbeit in der Wirtschaft ebenso wie für Einstellungen im öffentlichen Dienst. Wie sonst kann man sich erklären, dass in Regionen, in denen Migranten über zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, der Prozentsatz der Migranten im öffentlichen Dienst weit niedriger ist?

Wir Politiker brauchen da gar nicht erst den Finger des Vorwurfes heben: Seit 2010 sind 20 Prozent der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund. Doch wie sieht dieser Prozentsatz bei den Bundestagsabgeordneten aus?

Der Sächsische Landtag hat derzeit 134 Sitze. Nach Schätzungen des Leipziger Leibnitz-Instituts stellen Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen etwa vier Prozent der Bevölkerung. Und wie hoch ist der Prozentsatz bei den Landtagsabgeordneten?

Um im Bereich des Arbeitslebens zu mehr Fairness zu kommen, empfiehlt es sich, bei Stellenangeboten immer zu signalisieren, dass auch Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund gewünscht sind. Die Stadt Dresden macht genau das vor. Bei allen Ausschreibungen steht immer dabei: „Wir freuen uns über Bewerbunen von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund.“

Es wäre schön, wenn alle öffentlichen Ausschreibungen im Freistaat diesen Satz enthalten würden. Und natürlich auch, wenn er bei allen Stellenausschreibungen der Wirtschaft in Sachsen verwendet würde.

Wo das nicht genügt, entscheiden sich Institutionen bei Einstellungsverfahren für Kandidaten bzw. Kandidatinnen mit Migrationshintergrund, wenn ein Migrant und ein Nicht-Migrant gleich qualifiziert sind.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass in Extremfällen von historischer Diskriminierung zum Beispiel in den USA Einstellungen nach Quote geschehen, um die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit zu überwinden. Das käme der deutschen Diskussion um Frauenquoten bei Einstellungen gleich. Ich könnte mir jedoch gut vorstellen, dass nach erfolgreicher Einführung von Frauenquoten auch der Ruf nach Migrantenquoten erhoben würde.

Davon sind wir in Sachsen meilenweit entfernt. Die Stadt Dresden zeigt uns, wie ein empfehlenswerter Ansatz in Sachsen aussehen kann: „Wir freuen uns über Bewerbungen von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund.“

Nachahmen ausdrücklich gewünscht.

Ihr Martin Gillo

Heute Abend wird der Sächsische Integrationspreis verliehen

Heute Abend um 17 Uhr wird der Sächsischen Integrationspreis 2012 im Sächsischen Landtag vergeben. Der Preis wurde gemeinsam von der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Christine Clauß, und dem Sächsischen Ausländerbeauftragen Professor Martin Gillo ausgelobt. In diesem Jahr stand das Engagement von Migrantinnen und Migranten im Mittelpunkt, die sich für ein respektvolles Miteinander und eine sächsische Willkommensgesellschaft engagieren. Die vier Preisträger wurden von einer siebenköpfigen Jury ermittelt und werden ein Preisgeld von je 1.500 €. Insgesamt bewarben sich 24 Projekte, Initiativen und Einzelpersonen.

AKZESS ermutigender Anfang im neuen Umgang mit Ausländern in Sachsen

Sachsen braucht für seine Zukunft auch ausländische Fachkräfte, die hier ihr Leben gestalten und ihre Talente einbringen wollen. Diese neue Perspektive muss natürlich auch mit neuen, kundenfreundlichen Vorgängen in den sächsischen Behörden einhergehen. Ausländer kennen meist unsere Sprache noch nicht und brauchen daher das Verständnis der Mitarbeiter der Behörden.

Um diesen neuen Umgang systemisch umzusetzen, hat die Sächsische Staatsregierung das Projekt AKZESS in den Städten Chemnitz, Dresden und Freiberg auf den Weg gebracht. AKZESS ist ein standardisiertes, koordiniertes und transparentes Verwaltungsverfahren. Es ermöglicht ausländischen Fachkräften und Absolventen einen schnelleren Zugang zum sächsischen Arbeitsmarkt. Seit dem 1. September 2011 sind insgesamt 1.770 Aufenthaltstitel durch die Ausländerbehörden erteilt worden. Die anderen Regionen Sachsens sollen folgen.

Innenminister Markus Ulbig lobte diese Erfolge und betonte dabei nochmals, wie wichtig der mitmenschliche Umgang der Ausländerbehörde mit ausländischen Fachkräften sei. Der präge nämlich entscheidend das Image und sei ein Faktor für die Standortwahl im regionalen Wettbewerb.

Und wie sehen das die betroffenen Ausländer? Welchen Eindruck haben sie von den Behörden? Kommunikation beweist sich in dem, was bei den Menschen ankommt.

In der Studie des Sächsischen Ausländerbeauftragten „Das Leben ausländischer Forscher in Dresden. Eine explorative Studie mit Annotationen zur aktuellen Situation in Sachsen“ kamen noch viele Sorgen zutage, die nicht nur die Erteilung des Aufenthaltstitels, sondern auch den Umgang mit Fragen des täglichen Lebens betreffen. Eine weitere Studie wird Anfang des nächsten Jahres folgen, und sie zeigt ähnliche Hinweise auf grundlegende Verbesserungen.

AKZESS ist ein guter Ansatz, der auf alle Ausländerbehörden in Sachsen ausgeweitet werden und für alle Ausländer und die sie betreffenden Angelegenheiten gelten sollte. Das Sächsische Innenministerium ist auf dem richtigen Weg. Er wird lang sein - und er wird sich lohnen.

Die Studie finden Sie unter http://www.landtag.sachsen.de/dokumente/12-09-17-Jackson_Endfassung_DIN_A5-Internet.pdf

Soko Rex künftig in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Görlitz und Zwickau

Innenminister Markus Ulbig hat am Donnerstag das neue Operative Abwehrzentrum (OAZ) zur Bekämpfung des Rechtsextremismus vorgestellt. Die Soko Rex wird dem OAZ unterstellt. Mit dem Operativen Abwehrzentrum soll der polizeiliche Kampf gegen den Rechtsextremismus noch konsequenter und zielgerichteter werden, so Ulbig. Menschenfeindlichkeit dürfe in Sachsen keinen Platz haben. Der Rechtsstaat werde darauf mit aller Konsequenz antworten.

Seminar Mehrsprachigkeit in Erziehung, Bildung und Methodik

Mehrsprachigkeit als Brücke und Ressource zur Integration in Bildung und Beruf thematisiert das Seminar „Erfahrungen des Deutsch-Russischen Hilfswerks zur Heiligen Alexandra e. V. zum Thema Mehrsprachigkeit“. Nadja Oppenländer spricht zu Erziehung und Bildung, Besonderheiten der Mehrsprachigkeit und Methoden der bilingualen Kindererziehung. Der Termin ist am Freitag, dem 7. Dezember um 11.00 Uhr in der Dresdner Straße 82 in 04317 Leipzig.

Weitere Informationen:
Telefon 0341 256-64-81
www.heiligealexandraev.com

Vortrag für Familien mit Migrationshintergrund und Behinderung in Leipzig

Der Caritasverband Leipzig e.V. veranstaltet am 12. Dezember einen Vortragsabend für Betroffene, Akteure und Interessierte. Gastrednerin ist Prof. Dr. Marianne Pieper vom Projekt „Netzwerk Partizipation mehrfach diskriminierte Menschen“ der Universität Hamburg. Beginn ist 19 Uhr im Elisabethsaal des Caritasverbandes Leipzig auf der Elsterstraße 15.

Positionspapier der Caritas zur Arbeitskräftemigration: Legale Zuwanderung ermöglichen

Nach Auffassung des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg reicht es nicht aus, nur Hochqualifizierten neue Möglichkeiten zu eröffnen. Nötig seien nicht partielle Veränderungen, die ein komplexes System noch unübersichtlicher machen, sondern eine grundsätzliche Neuausrichtung der Migrationspolitik. Der Deutsche Caritasverband fordert, die Möglichkeiten für legale Arbeitskräftezuwanderung zu erweitern. Dazu legte der Verband Eckpunkte zur Arbeitskräftemigration vor. Ziel sei, den Interessen der Ziel- und Herkunftsgesellschaften und der Migrant(innen) gleich gerecht zu werden.

In der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift „neue Caritas“ werden Hintergründe und Erläuterungen publiziert.

http://www.caritas.de/neue-caritas

Das Eckpunktepapier zum Download finden Sie hier www.caritas.de/fuerprofis/presse/stellungnahmen/08-01-2012-arbeitskraeftemigrationlegale

Onlineangebot des Bundes zum Anerkennungsgesetz erfolgreich

Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes haben Bundesbildungsministerin, Annette Schavan, und der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans-Heinrich Driftmann, eine positive Bilanz gezogen. Darauf macht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aufmerksam. Die Zugriffszahlen auf das Online-Angebot „Anerkennung in Deutschland“ belegten ein großes Interesse an den neuen Verfahren, so Schavan. Seit der Freischaltung am 1. April hatte das Anerkennungsportal des Bundes über 180.000 Besucher und rund 1,5 Millionen Seitenaufrufe; 43 Prozent der Nutzer griffen aus dem Ausland auf die Seite zu. Die Informationsseiten zu den einzelnen Berufen wurden über 80.000mal angeklickt.

Besonderes Interesse gebe es an den reglementierten Berufen, so bei Ärzten und Krankenschwestern. Allerdings liegen für diese Berufe, in denen die Länder für den Vollzug des Bundesgesetzes zuständig sind, erst Anfang 2013 Verfahrenszahlen vor.

Bei den IHK-Berufen wurden bisher rund 1500 Anträge gestellt und fast 270 positive Anerkennungsbescheide erteilt.

Ausführliche Informationen lesen Sie unter http://www.bamf.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/20121024-0023-pressemiteilung-bmbf.html

Deutlich mehr Asylerstanträge im Vergleich zum Vorjahr

Im Oktober 2012 stieg die Zahl der Asylerstanträge im Vergleich zum Vormonat von 6.691 auf 9.950 Anträge. Damit wurden im bisherigen Jahr 2012 insgesamt 50.344 Erstanträge vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entgegen genommen. Das entspricht einem Zuwachs von 37,6 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Vergleich zum Vormonat September stieg die Anzahl um 48,7 Prozent.

Wie bereits im Vormonat sind Serbien mit 2.673 Antragstellern und Mazedonien mit 1.351 Antragstellern die Hauptherkunftsländer, gefolgt von Syrien mit 879 und Afghanistan mit 695 Erstanträgen. Die höchste Steigerung mit fast einer Verdoppelung der Antragszahlen wurde für Bosnien und Herzegowina (+ 194 Prozent auf 630 Erstanträge) verzeichnet. Damit kommen mehr als die Hälfte der Antragsteller im Oktober aus Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo.

Quelle: BAMF

DGB-Tagung zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung

Anlässlich des UN-Tages der Menschenrechte lädt das DGB Bildungswerk BUND zu einer Tagung unter dem Motto: „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung – Mehr als nur PR“ ein. Diese findet im Rahmen des XENOS-Projektes veris statt, das Verwaltungen interkulturell stärken will. Tagungsort ist das Hans-Böckler-Haus in Düsseldorf am 10. Dezember von 10.30 bis 16.00 Uhr.

Als Referentinnen, Referenten und Diskutierende sind genannt:

Prof. Dr. Katrin Möltgen, Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW
Prof. Dr. Veronika Fischer, Fachhochschule Düsseldorf
Sabine Beine, Kreis Lippe, Integrationsbeauftragte
Martina Bramm-Eichhorn, Landeshauptstadt Stuttgart, Teamleiterin
Personalentwicklung, Aus- und Fortbildung
Regine Gudat, Stadt Waldkirch, Integrationsbeauftragte
Dilek Usta, Zukunftsbüro der Stadt Kassel, Integrationsbeauftragte

Programm, Anmeldung und Hintergründe unter

http://migration-online.de/beitrag._aWQ9ODQ4NQ_.html