Newsletter Nr. 11 vom 16.03.2012

Mit Herz gesehen – Sorgen in Sachsen 

Aus meinem Postfach:

Sehr geehrter Herr Martin Gillo,

der heutige "Bild"-Artikel "Ausländer willkommen heißen" hat uns schon ganz schön zu schaffen gemacht insofern, als Sie "für eine noch stärkere Öffnung der Gesellschaft für Ausländer werben, wir müssen eine Willkommensgesellschaft werden"... Was soll denn nur das???

Bedeutet es, dass Ihnen weiterhin Ausländer g e n e h m sind? Uns nicht! Teile unserer Stadt bevölkern sich zunehmend - außer Türken - nun schon längst mit Russen, Osteuropäern, Asiaten etc., die auf Straßen "herumlungern", die Nacht zum Tag machen, so dass Vermieter es mit Recht ablehnen, sie aufzunehmen, Forderungen auf Ämtern stellen und dreist werden. Lehrerpersonal hat Probleme mit Sprache und Schrift der Ausländerkinder, da die Eltern keinen Kontakt suchen und keinen Wert darauf legen. Die Schule wird's schon regeln etc., etc. Lehrermangel ist zunehmend darauf zurückzuführen. Unterhalten Sie sich bitte mal mit dieser Berufsgruppe. All' diese Behauptungen basieren auf Geschehnissen!

Muslime (Ausnahmen genehmigt!) gehören und passen nicht zu uns, kann das endlich mal jemand kapieren oder akzeptieren?!

Schon längst müsste es ein Kopftuch-Verbot geben und, wenn dies nicht eingehalten wird, sollen sie in ihren Heimatländern bleiben bzw. zurückgehen und uns nicht noch beschimpfen, sowie auf der Tasche liegen. Wir möchten nicht wissen, wie viele Ausländer sich dazu noch illegal in unserem schönen Land aufhalten.

Wir wollen keinesfalls verislamisiert werden, was aber zunehmend geschieht, denn unsere Politiker sind sehr hörig geworden und lassen sich viel zu viel gefallen. Unser Nachwuchs tut uns einfach Leid, was irgendwann mal auf sie zukommen wird. Sie müssten sich ganz einfach mal die Meinungen aus dem Volk einholen.

Das wollten wir ganz einfach einmal loswerden, auch wenn Ihnen unsere Zeilen nicht so zusagen werden. Mit freundlichen Grüßen …

Und hier die Antwort: Liebe Frau und Herr ...,

vielen Dank für die E-Mail. Der erste Schritt zum Lernen ist immer die Kommunikation.

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Es gibt nicht mehr genügend Fachkräfte im eigenen Land. Wir müssen sie aus dem Ausland zu uns holen, so wie es in den 60er Jahren in Westdeutschland notwendig war, Gastarbeiter aus anderen Ländern zu uns zu holen.

Warum brauchen wir Ausländer? Ihre Rente, liebe Familie … wird von den heute Beschäftigten und den Unternehmen durch Steuern bezahlt. Wenn Sie nicht wollen, dass Ihre Renten wie gegenwärtig in Griechenland stark gekürzt werden, dann wollen Sie, dass viele Menschen aus dem Ausland bei uns arbeiten. Die Unternehmen müssen die benötigten Fachkräfte auch im Ausland gewinnen können.

Sie beklagen sich über die Ausländer, die bei uns um Asyl nachsuchen und von unserer Solidarität leben. Wissen Sie, dass es in Westdeutschland Menschen gibt, die sich darüber aufregen, dass die Ostdeutschen angemessene Renten bekommen, wo doch die Renteneinzahlungen in der DDR ein Witz waren im Vergleich zu den jetzigen Renten? Ich stehe zur Solidarität in beiden Fällen, und ich fände es traurig, wenn die einen Solidaritätsempfänger die anderen bekämpfen.

Im Übrigen bekennen sich mittlerweile über 2 Mio. Deutsche zum Islam. Vor dem Gesetz gehört denen Deutschland genauso wie Ihnen und mir. Wir sollten alles tun, um konstruktiv zusammenzuleben. „Einigkeit in Vielfalt“, zu diesem Prinzip hat sich auch unsere Bundeskanzlerin vor einigen Wochen bei der Trauerfeier für die Opfer der Neonazi-Morde in Berlin bekannt. Sie haben die Übertragung im Fernsehen sicherlich miterlebt.

Der französische Philosoph Blaise Pascal sagte einmal: Vielfalt ohne Einheit ist Chaos. Einheit ohne Vielfalt ist Tyrannei. Ich hoffe, Sie sehen das auch so. Und Kopftuch tragende Frauen gehören in Westdeutschland zum täglichen Erscheinungsbild. Solange sie das aus eigenem Anstoß tun, soll uns das doch recht sein. Wir sollten uns einig sein, dass wir von allen Menschen bei uns ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung erwarten. Doch unter diesem breiten Dach ist viel Raum für eigene Vorstellungen darüber, wie man glücklich werden kann.

Was die Freundlichkeit der Ausländer uns gegenüber angeht, so werde ich an den Satz erinnert: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.

Da wir in Sachsen nur einen Ausländeranteil von 2,7 Prozent haben und er selbst in Dresden die Marke von fünf Prozent nicht erreicht, sollte das Zusammenleben mit Ausländern in Sachsen leichter sein als in Baden-Württemberg, wo der Ausländeranteil bei über 12 Prozent liegt. Doch die Praxis ist ganz umgekehrt. Je weniger Ausländer wir haben, desto mehr hat unsere Bevölkerung Angst.

Am größten ist diese Angst in unseren ländlichen Regionen, wo der Ausländeranteil oft noch unter einem Prozent liegt. Im Erzgebirge liegt der Anteil der Menschen mit türkischem Hintergrund bei 0,03 Prozent der Bevölkerung. Doch in keinem Landkreis habe ich so viele Ängste über die Türken gehört wie dort.

Warum ist das so? Es könnte daran liegen, dass so wenige Sachsen ausländische Bekannte haben. Ohne solche Kontakte kann man seine Ängste nicht überprüfen. Gibt es ausländische Bekannte in Ihrem Freundeskreis? Kennen Sie persönlich Muslime? Das würde mich interessieren.

Nochmals vielen Dank für Ihren Mut, Ihre Meinung offen zu sagen. Ich habe versucht, ebenso offen zu antworten. Vielleicht ergibt sich ja einmal die Gelegenheit zu einem Gespräch.

Martin Gillo

NIMS: „Soziale Inklusion von Asylsuchenden steht auf der Tagesordnung“

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Am Montag, den 12.3.2012 fand das erste Netzwerktreffen des Jahres in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden im Martha-Fraenkl-Saal des Hygiene-Museums statt.

Das Museum plant für das kommende Jahr eine Ausstellung zum Thema „hin und weg. Momentaufnahmen aus der Migrationsgesellschaft“. Die Ausstellungsplaner stellten das Konzept der Ausstellung vor und holten sich von den Integrationsakteuren weitere Impulse für ihre Arbeit.

Inhaltlicher Schwerpunkt des Netzwertreffens war das Thema „Soziale Inklusion von Asylsuchenden“. Die Akteure tauschten sich über wichtige Handlungsfelder, bereits laufende und geplante Aktivitäten und bestehende Hürden aus. Einen externen Impuls gab Gudrun Kirchhoff von der Schader-Stiftung, die das Projekt „Integrationspotenziale in kleinen Städten und Landkreisen“ vorstellte.

Soziale Inklusion als übergreifendes Thema

Staatlich geförderte Integrationsmaßnahmen zielen in der Regel nur auf Migranten, die daueraufenthaltsberechtigt sind – also auf lange Sicht bei uns leben werden. Studierende, Fachkräfte oder Forscher, die nur für eine bestimmte Zeit bei uns leben, kommen nicht in den Genuss von staatlich geförderten Integrationsangeboten, ebenso wenig wie Asylsuchende. Die einen, weil unterstellt wird, dass sie es nicht brauchen – weil sie ja nicht dauerhaft bei uns leben sollen - und die anderen, weil man nicht will, dass sie sich integrieren, bevor ihr Aufenthaltsstatus gesichert ist.

Das damit verbundene Integrationsverständnis geht davon aus, dass die wesentliche Integrationsleistung beim Ausländer liegt, der sich hier integrieren und anpassen muss – beispielsweise über das Erlernen einer Sprache. Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch die aufnehmende Gesellschaft muss „integrationsbereit“ sein und weniger auf Anpassung, denn auf Akzeptanz von Vielfalt setzen.

Auch in einem zweiten Punkt verlangen neue Realitäten neue Perspektive auf Integration. Wir werben in Sachsen derzeit um internationale Fachkräfte und Forscher, die zunächst auf Zeit zu uns kommen – aber ihre Familien und Kinder mitbringen. Wir sollten sie – auch in unserem eigenen Interesse - dabei unterstützen, hier heimisch zu werden, damit sie auch dauerhaft bleiben – „werbende Integrationsangebote“ sind ein zukunftsweisender Weg.

Es geht darum, die soziale und kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft zu bejahen und zu gestalten: Der Ansatz der Sozialen Inklusion setzt dabei auf ein konstruktives Zusammenleben aller bei uns lebenden Menschen, ob das nun dauerhaft oder vorübergehend sein mag.

Soziale Inklusion von Asylsuchenden

Auch Asylsuchende sind von den meisten Integrationsmaßnahmen ausgeschlossen.

Trotzdem haben sie Rechte und Pflichten in unserer Gesellschaft. Sie haben das Recht auf Einhaltung der Menschenrechte und der Menschenwürde, auf Schul- und Bildungszugang bis zu einem gewissen Alter, auf einen beschränkten Arbeitsmarktzugang.

Auf der anderen Seite haben sie auch Pflichten: Wir erwarten von ihnen die Einhaltung von Recht und Gesetz, wir erwarten, dass sie sich gemäß unserer Alltagsregeln verhalten, und wir haben die Verpflichtung, ihnen den Zugang zu diesen Dingen zu vermitteln.

Handlungsfelder sozialer Inklusion

Gleichzeitig sind Asylsuchende auch im Alltag unsere Mitmenschen: sie sind unsere Nachbarn, die „Miteltern“ unserer Kinder in der Schule, Mitglieder in den Vereinen, Ratsuchende in Behörden und Beratungsstellen, sie stehen mit uns beim Einkaufen und teilen sich mit uns öffentliche Räume. In all diesen Feldern geht es um ein konstruktives Miteinander aller hier lebenden Menschen – und dieses Miteinander braucht aktive Gestaltung: Sowohl von Seiten der Zivilgesellschaft (Vereine, Projekte, kommunale Initiativen) als auch von Seiten des Staates (z.B. Bildungsbereich).

Das Netzwerk arbeitete im Treffen mehrere Handlungsfelder heraus: Unterbringung von Asylsuchenden, Unterstützung beim Spracherwerb, Begleitung der schulischen Integration, Fortführung der mitgebrachten Bildung, Unterstützung beim Übergang von Schule zu Beruf, Integration in den Arbeitsmarkt, Konfliktvermittlung, Begleitung durch soziale Arbeit, Gesundheit und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Einbindung.

Die Handlungsfelder Unterbringung, Spracherwerb, schulische Integration, Fortführung der mitgebrachten Bildung und Arbeitsmarktintegration wurden in weiteren Workshops intensiver bearbeitet.

Unterbringung von Asylsuchenden

Der „Heim-TÜV“ für Gemeinschaftsunterkünfte des Sächsischen Ausländerbeauftragten wurde in einem Workshop als Kursbuch für eine menschenwürdigere Unterbringung von Asylsuchenden vorgestellt.

Die Netzwerkteilnehmer gaben dabei wesentliche Impulse für eine weitere Verbesserung der Situation in den Kommunen und Landkreisen in den Bereichen Sicherheit, Sozialarbeit, Bildung und dezentrale Unterbringung.

Die Chance des Gestaltens

Martin Gillo plädierte für eine Anerkennung der Realitäten. Für die Kommunen sei das Miteinander von Mehrheitsgesellschaft und Asylsuchenden Lebensrealität – die im eigenen Interesse gestaltet werden müsse. Außerdem halte die rechtlich beförderte Separierung der Realität von Alltagskontakten nicht stand: in der Schule seien Asylsuchende zunächst einmal Eltern und auch im Alltag könne man nicht unterscheiden, ob es sich um Fachkräfte oder Flüchtlinge handele. Es sei deshalb besser, die Handlungsfelder aktiv zu gestalten, als sie dem Selbstlauf zu überlassen.

Weitere Arbeit

Die Ergebnisse der einzelnen Workshops sind demnächst auf der Internetseite des Sächsischen Ausländerbeauftragten zu finden

www.offenes-sachsen.de

Das nächste Netzwerktreffen findet am 15.10.2012 statt und wird sich dem Thema „Vernetzung“ stellen. Vorschläge für die Gestaltung und einzelne Inputs sind herzlich willkommen!

Menschenwürde messbar machen: „Heim-TÜV“ Faktor 6

Im Dezember 2011 haben wir unseren Bericht „Mitmenschen im Schatten: ‚Heim-TÜV‘ 2011 über das Leben in sächsischen Gemeinschaftsunterkünften“ veröffentlicht und alle sächsischen Unterkünfte nach einem Ampelsystem bewertet.

Dieser „Heim-TÜV“ prüft die menschenwürdige Unterbringung von Asylsuchenden im Freistaat Sachsen anhand von zehn Faktoren. Heute geht es um die

Bildungsangebote

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Zur Bildung gehören deutsche Sprachkenntnisse. Sie sind sowohl für den Umgang der

Bewohner untereinander als auch für die Kommunikation mit Nachbarn und Behörden

wichtig. Amtssprache ist Deutsch. Deshalb beziehen wir in unsere Bewertung auch ein, ob den Bewohnern in

der Gemeinschaftsunterkunft oder im Umfeld Sprachlernangebote über Vereine oder Menschen mit zivilgesellschaftlichem Engagement gemacht werden, und ob sie darüber regelmäßig informiert werden.

Einen weiteren Fokus legen wir auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 18 und 27 Jahren. Diese haben entsprechend der Sächsischen Konzeption zur Integration von Migranten vom 1. August 2000 die Chance auf Fortführung ihrer mitgebrachten Bildung und Ausbildung.

An Beruflichen Schulzentren werden spezielle Vorbereitungsklassen mit berufspraktischen Aspekten eingerichtet, die die sprachlichen Grundlagen für die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung oder die Erlangung eines Schulabschlusses vorbereiten. Deshalb haben wir den Anteil derjenigen in dieser Altersklasse erhoben, die ein Berufliches Schulzentrum besuchen. Außerdem haben wir erfasst, inwieweit sie über die Angebote informiert, und ob und wie sie bei den Wegen zu den Beruflichen Schulzentren unterstützt werden.

Kinder erlernen die deutsche Sprache meist schnell im Schulunterricht und im Kontakt mit ihren deutschen Mitschülern. Dennoch haben sie als Fremdsprachler mehr Schwierigkeiten als deutschsprachige Kinder. Da ihre Eltern oft keinen Zugang zu regulärem Deutschunterricht erhalten, sind sie ihren Kindern dort unterlegen und können sie nicht unterstützen. Wenn Kinder gutes Deutsch sprechen, aber die Eltern nicht, kann es zu einer gefährlichen Verschiebung des Einflusses in der Familie kommen.

Den Faktor Bildungsangebote in Gemeinschaftsunterkünften haben wir entlang von drei Fragen untersucht:

Welche Sprachangebote gibt es für Personen, die keine schulische Ausbildung erfahren?

Grün: Sprachangebote werden regelmäßigt und verbilligt mit Unterstützung der Verwaltung oder des Betreibers in oder außerhalb der Unterkunft angeboten.

Rot: Es gibt keine Angebote in der Unterkunft.

Wie hoch ist der Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der in Berufliche Schulzentren eingebunden ist?

Grün: Der Bedarf wurde identifiziert und über 30 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird vermittelt.

Rot: Weniger als 10 Prozent sind in ein Berufliches Schulzentrum eingebunden.

Werden Fahrtkosten zu Schule und Ausbildungsstätte subventioniert?

Grün: Die Eigenbeteiligung beträgt 25 Prozent des Taschengeldes.

Rot: Es gibt keine Unterstützung durch öffentliche Stellen.

In den von uns grün eingestuften Heimen wurden die Berechtigten in Berufliche Schulzentren vermittelt. Ausschlaggebend dafür ist eine gute Kooperation zwischen Stadt- bzw. Landkreisverwaltung und der Sächsischen Bildungsagentur. Teilweise werden die kommunalen Ausländerbeauftragten oder die Jugendmigrationsdienste miteinbezogen. Eine gute Kooperation gewährleistet nicht nur einen zügigen Zugang zur sogenannten „besonderen Bildungsberatung“, die in Sachsen allen Kindern mit Migrationshintergrund bis 27 Jahren angeboten wird, sondern erleichtert auch den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Integration in Berufliche Schulzentren.

Grün eingestufte Heime gewährleisten außerdem den Transport zu den Beruflichen Schulzentren entweder im Rahmen der allgemeinen Schülerbeförderung oder durch verbilligte Monatskarten bzw. den Betreiber.

Den gesamten Bericht können Sie im Internet bestellen oder online laden

www.offenes-sachsen.de.

Projekt Integrationspotenziale – Interessensbekundung für Kommunen endet im März

Die Schader-Stiftung führt ab Januar 2012 das Forschungs-Praxis-Projekt „Integrations- und Entwicklungspotenziale in strukturschwachen ländlichen Regionen“ durch. Es knüpft an das Projekt „Integrationspotenziale in kleinen Städten und Landkreisen“ an, das im Dezember 2011 abgeschlossen wurde und an dem der Vogtlandkreis und die Stadt Plauen erfolgreich teilgenommen haben.

Das neue Projekt wendet sich explizit an Kommunen in strukturschwachen ländlich geprägten Regionen. Es läuft drei Jahre. Das Projekt will die Angebots- und Steuerungsstruktur kommunaler Integrationspolitik untersuchen, die Chancen für die Generierung neuer Zuwanderergruppen ausloten (Potenzialanalyse) und die Kommunen für einen potenzialorientierten Umgang mit Zuwanderern und kultureller Vielfalt befähigen.

Die Schader-Stiftung ist als Projektträger für die Koordination und Projektsteuerung verantwortlich. Beteiligt sind das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Hessische Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, der Deutschen Landkreistag und der Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Nähere Informationen zum Vorläuferprojekt finden Sie unter

http://www.integrationspotenziale.de/

Eine Bewerbung zum neuen Projekt ist formlos bis spätestens 30. März 2012 zu richten an:

Deutscher Landkreistag

Dr. Klaus Ritgen

Lennéstr. 11

10785 Berlin

E-Mail klaus.ritgen@landkreistag.de

Telefon 030 – 590 097 309

oder

Deutscher Städte- und Gemeindebund

Ulrich Mohn

Marienstr. 6

12207 Berlin

E-Mail ulrich.mohn@dstgb.de

Telefon 030 7730 7246

Zu den Rahmenbedingungen einer Teilnahme können Sie sich informieren unter:

http://www.schader-stiftung.de/docs/interessenbekundung_kommunen_projektteilnahme_06-02-2012.pdf

Bundesagentur für Arbeit wirbt für ausländische Fachkräfte

Die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA) macht ausdrücklich auf fehlende Arbeitskräfte aufmerksam. Ab 2014 werden mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, als junge nachrücken, heißt es in einem aktuellen Rundschreiben. Diese Lücke müsse ausgeglichen werden, so die BA. Der sächsische Arbeitsmarkt bietet jetzt und in Zukunft gute Chancen für ausländische Fachkräfte. Bis zum Jahre 2025 werde die Zahl der 15- bis 65-Jährigen in Sachsen um fast 500.000 zurückgehen. Damit gehe jede Menge Know-how verloren, welche die sächsische Wirtschaft benötige.

Um diese Lücke zu schließen, verfolge die Bundesagentur für Arbeit eine Doppelstrategie. Zum einen muss das inländische Potenzial mehr als bisher genutzt werden. Zu diesem Potential werden insbesondere Ältere, Arbeitsuchende mit Behinderungen aber auch die Langzeitarbeitslosen gerechnet. Zum anderen setzen die Arbeitsvermittler auf eine gezielte Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften. Grundvoraussetzung für eine berufliche Eingliederung ist, dass diese Zuwanderer der deutschen Sprache mächtig sind und sich mit Kollegen sowie Kunden verständigen können. Damit Sprachdefizite abgebaut werden, gibt es beispielsweise für Migranten Intensivseminare für die Sprachförderung.

Integrationsbeirat fordert Kündigung bei rassistischer Diskriminierung

Der Bundesbeirat für Integration hat ein 10-Punkte-Papier zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremer Gewalt beschlossen. Darin wird unter anderem eine fristlose Kündigung von Mitarbeitern gefordert, die aus rassistischen Gründen diskriminieren.

Die Vorsitzende des Beirates, Staatsministerin Maria Böhmer, und Mustafa Yaman, Türkisch-Islamische Anstalt der Religion e.V. (Ditib), stellten den Beschluss zum Abschluss der zweitägigen Beratungen des Integrationsbeirates in Berlin vor. Erarbeitet wurde das Papier von einer Arbeitsgruppe des Beirates unter Leitung von Mustafa Yaman, die unmittelbar nach Bekanntwerden der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle eingerichtet worden war. Es wurde am Dienstag, dem 13. März 2012 veröffentlicht.

Als ersten Punkt betont das 10-Punkte-Papier die Notwendigkeit entschlossener Aufklärung und effektiver Strafverfolgung im Fall der Mordserie. Dazu gehöre auch, etwaige Fehler und Nachlässigkeiten bei der Arbeit der Sicherheitsbehörden aufzudecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zum Schutz und zur Hilfe von Opfern rassistischer und rechtsextremistischer Gewalt sollen in Deutschland Anlaufstellen eingerichtet werden. Zudem sprach sich der Beirat dafür aus, die Erinnerung an rassistische und rechtsextreme Gewalttaten durch geeignete Formen des Gedenkens aufrecht zu erhalten, wie zum Beispiel durch Gedenkorte und Stiftungen.

Das vollständige 10-Punkte-Papier können Sie hier einsehen:

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/IB/2012-03-13-beirat-beschluss-rassismus.pdf?__blob=publicationFile&v=1

EU-Fonds aktuell ausgeschrieben

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat für das Förderjahr 2012 die Mittel der drei großen EU-Fonds ausgeschrieben. Bis zum 3. Mai können in einem neuartigen Antragsverfahren Projektideen vorgestellt werden, um eine Förderung zu bekommen. Anträge können beim Europäischen Integrationsfonds (EIF), beim Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF) und beim Europäischen Rückerfonds (ERF) gestellt werden

Der Europäische Integrationsfonds (EIF) zielt auf die Integration sogenannter Drittstaatsangehöriger, d.h. alle Menschen mit Migrationshintergrund ohne deutschen Pass, die aus nicht EU-Staaten stammen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf Projekten für Neuzuwanderer; es ist aber auch nachholende Integration möglich. Juristische Personen des Privatrechts, des internationalen oder öffentlichen Rechts sowie natürliche Personen können hier Anträge stellen. Bedingung ist, dass die Zuwendungssumme jährlich bei mindestens 50.000,00 € liegen muss. Zuwendungen erfolgen zu 50%. Bei spezifischen Prioritäten kann der Satz auf 75% erhöht werden. Die Projektlaufzeit kann für ein Jahr beantragt werden. Maßnahmenbereich für Pro-jekte sind unter anderem:

Vorintegration

Integration durch Bildung

Integration durch gesellschaftliche Teilhabe

Interkultureller Dialog

Monitoring und Evaluierung

Interkulturelle Öffnung

Der Europäische Flüchtlingsfonds (EFF) zielt insbesondere auf Projekte für Flüchtlinge (u.a. anerkannte Flüchtlinge, Asylsuchende und Geduldete). Juristische Personen des Privatrechts, des internationalen oder öffentlichen Rechts sowie natürliche Personen können beim EFF Anträge stellen. Projekte werden bevorzugt gefördert, wenn die Gesamtprojektkosten bei mindestens 60.000,00 € liegen. Auch in diesem Fördertopf erfolgen Zuwendungen bis zu 50% bzw. in Sonderbereichen zu 75%. Projektlaufzeiten können ein oder zwei Jahre betragen. Maßnahmebereiche für Projekte sind unter anderem:

Verbesserung der Aufnahmebedingungen

Verbesserung der Integrationsbedingungen

Monitoring, Evaluierung und Indikatoren

Strukturverbesserungen in der Asylpolitik, - verwaltung, -rechtssprechung

Der Europäische Rückkehrfonds (ERF) zielt auf Projekte, die Rückkehrer und Rückkehrwillige bei der Ausreise unterstützen bzw. in den Staaten, in die diese ausreisen. Anträge können juristische Personen des internationalen oder öffentlichen Rechts, eingetragene juristische Personen des Privatrechts und bedingt natürliche Personen stellen. Projekte werden bevorzugt gefördert, wenn die Gesamtprojektkosten bei mindestens 60.000,00 € liegen. Beim Europäischen Rückkehrfonds werden ein- und zwei-jährige Projekte gefördert. Maßnahmenbereiche für Projekte sind unter anderem:

Maßnahmen zur finanziellen und organisatorischen Unterstützung bei der freiwilligen Rückkehr

Innovative Projekte der Rückkehr- und Reintegrationsunterstützung

Ausführliche Informationen zu den Ausschreibungen finden Sie hier:

http://www.bamf.de/DE/Infothek/EU-Fonds/eu-fonds-node.html

Bund informiert über Jobs im öffentlichen Dienst

„Mach mit – gestalte Zukunft“ heißt das neue Internetportal des Bundes. Es informiert über Jobangebote im öffentlichen Dienst. Mit etwa 4,6 Millionen Beschäftigten ist er der größte Arbeitgeber in Deutschland. Allein 457.000 Menschen arbeiten in der unmittelbaren Bundesverwaltung. Ein unter Jugendlichen und Berufseinsteigern weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Bundesverwaltung nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit deutscher Staatsangehörigkeit in langweiligen Büroberufen beschäftigt. Doch in den Ministerien und den Bundesbehörden im Land wird in insgesamt über 90 Berufen ausgebildet. Die Chance, im öffentlichen Dienst eine Karriere zu beginnen, bietet sich Jugendlichen und Berufseinsteigern mit und ohne Migrationshintergrund. Doch was ist, wenn ich keinen deutschen Pass besitze? Kann ich mich beim Bund bewerben, wenn ich nicht in Deutschland geboren bin? Wo kann ich mich bewerben? Welche Behörden bilden aus? Und wo finde ich diese Behörden? Auf diese Fragen soll die Homepage den Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und ihren Eltern Antworten geben. Gesucht sind aufgeschlossene junge Menschen aller Nationalitäten, die dieses Land voran bringen wollen.

http://www.wir-sind-bund.de/WSB/DE/Startseite/startseite-node.html