Newsletter Nr. 11 vom 15.03.2013

Treffen der kommunalen Ausländer- und Integrationsbeauftragten

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Am 11. März 2013 fand im Anschluss an die Pressekonferenz des Sächsischen Ausländerbeauftragten das Vernetzungstreffen der kommunalen Ausländer- und Integrationsbeauftragten (KAIB) im Sächsischen Landtag statt. Die Kommunen berichteten von ihren Plänen für 2013, die sich von der Umsetzung der Integrationskonzepte bis zur Einrichtung von Welcome-Centern erstrecken. Der neu in das Amt gewechselte Referatsleiter im Sächsischen Innenministerium, Reinhard Boos, stellte sich vor. Er leitet das Referat 24, Ausländerangelegenheiten und Staatsangehörigkeit, das sich in die drei Aufgabenbereiche Zugewinn, Humanität und Sicherheit teilt.

Boos berichtete über das Projekt Akzess, welches gute Erfolge zeige. So würde in rund 90 Prozent der Fälle eine Aufenthaltserlaubnis innerhalb von vier Wochen erteilt. Eine weitere Ausdehnung des aufwändigen Projektes sehe er nicht, da die notwendigen Fallzahlen fehlten.

Prof. Dr. Martin Gillo betonte, dass es noch immer eine Finanzierungslücke für die qualifizierte soziale Begleitung von Flüchtlingen gibt. Abschließend wurden die Ziele des Sächsischen Ausländerbeauftragten für das Jahr 2013 vorgestellt: Der „Heim-TÜV“ wird fortgesetzt und erweitert. Die Geschäftsstelle begleitet die Umsetzung des Sächsischen Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (SächsBQFG) und will die interkulturelle Öffnung in Verwaltung und Politik voranbringen.

Fachtagung in Freiberg zur Schulsozialarbeit

Am Freitag, dem 26. April 2013, findet in Freiberg eine Tagung zum Thema „Was will, was kann Schulsozialarbeit? Ist gute soziale Arbeit auch interkulturelle Arbeit?“ statt. Dazu laden Landrat Volker Uhlig gemeinsam mit der Ausländerbeauftragten Ilse Rose und Christoph Wielepp von der Friedrich-Ebert-Stiftung alle an der Schulsozialarbeit/interkulturellen Schulsozialarbeit Interessierte ein.

Interkulturelles Lernen wird im städtischen, aber auch im ländlichen Raum künftig eine immer größere Rolle spielen, da sich Zuwanderer mit ihren Familien auch in kleinen Städten und Gemeinden niederlassen werden. Die Kinder sind, weil sie der Schulpflicht unterliegen, von Anfang an in das deutsche Bildungssystem zu integrieren. Um diesen Integrationsprozess den Kinder und deren Eltern zu erleichtern, benötigen sie oft Hilfe, auch aus den Bildungseinrichtungen. Ob interkulturelle Schulsozialarbeit dazugehört und wie diese aussehen kann, wird in zwei Vorträgen und einer Podiumsdiskussion thematisiert.

Referenten sind Dr. Herbert Bassarak, Professor für Sozialarbeit, Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg und Dr. Cengiz Deniz, Professor a. D. für Sozialwissenschaften, Frankfurt/Main und der Sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo. Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellt die Studie „Die Mitte im Umbruch“ vor.

Die Tagung beginnt um 9 Uhr im Städtischen Festsaal im „Ratskeller“, Obermarkt 16 in 09599 Freiberg und endet gegen 16 Uhr. Der Teilnahmebetrag beträgt zehn Euro und ist bei Veranstaltungsbeginn in bar zu entrichten. Anmeldung bis zum 19. April 2013 per E-Mail oder telefonisch.

Information und Anmeldung
Landratsamt Mittelsachsen
Ausländerbeauftragte
Ilse Rose
Frauensteiner Straße 43
09599 Freiberg
Telefon 03731 7993240
E-Mail ilse.rose@landkreis-mittelsachsen.de

Migranten beim Start in die Selbstständigkeit unterstützen

Das IQ Gründungszentrum Dresden unterstützt mit einem Modellprojekt Migrantinnen und Migranten, die eine Existenzgründung beabsichtigen oder die seit maximal einem Jahr selbstständig sind und Unterstützung benötigen. Eine selbständige Erwerbstätigkeit ist nach wie vor einer der populärsten Wege zum Arbeitsmarkt für Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen und allen anderen ostdeutschen Bundesländern. EXIS Europa e. V. hält eine solide Gründungsvorbereitung für wichtig und sieht auch in der frühzeitigen Situationsanalyse der Gründungsinteressierten die Chance, über die Einschätzung und Anerkennung der mitgebrachten beruflichen Qualifikationen andere, zeitgemäß dem Fachkräftebedarf förderliche Arbeitsmarktzugänge, zu schaffen.

EXIS Europa e. V. realisiert das Projekt bis zum 31. Dezember 2014 in Dresden. Es ist Teil des bundesweiten Netzwerkes „Integration durch Qualifizierung (IQ)“. Die Unterstützung erfolgt in fünf Schritten.

In einem Erstgespräch werden die Unternehmensidee bzw. die unternehmerische Situation diskutiert und die bisherige Planung, das Ziele und der Bedarf analysiert. Im zweiten Schritt werden Seminare zur Existenzgründung und Unternehmensentwicklung angeboten, denen Fachberatungen und Fachveranstaltungen folgen. Dem Modellcharakter entsprechend können ergänzende Angebote erprobt werden, wie das Seminar „Gründungsbezogenes Deutsch“. Schließlich wird in einem Abschlussgespräch die erreichte Situation bewertet und weitere Schritte abgeleitet. Ein Einstieg ist jederzeit möglich.

Das Netzwerk „Integration durch Qualifikation (IQ)“ wurde durch den EXIS Europa
e. V. ins Leben gerufen, um primär Migrantinnen und Migranten bei einer Existenzgründung oder Entwicklung bezüglich Selbstständigkeit zu unterstützen. Für das erste Halbjahr 2013 wurde ein Fachaustausch „Gründungssituation für Zugewanderte in Dresden“ angekündigt.

Nähere Informationen erhalten Sie bei:
EXIS Europa e. V.
Frau Albrecht
Weißeritzerstraße 3
01067 Dresden
Telefon 0351 43707020
E-Mail albrecht@exis.de

www.netzwerk-iq-sachsen.de

Forschungsbericht: Medien berichten zu negativ über Muslime

Der Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat gemeinsam mit der Stiftung Mercator eine große Kluft zwischen dem negativen Medienbild von Zuwanderern und weitgehend positiver Alltagserfahrung in der Einwanderungsgesellschaft festgestellt. In einem am Dienstag veröffentlichten Policy Brief zum Medienbild von Muslimen wird zudem eine starke Übereinstimmung von Zuwanderern und Mehrheitsgesellschaft beschrieben. Beide Gruppen bewerten das Medienbild aller Zuwanderergruppen als zu negativ. Vor allem die Berichterstattung über Muslime finden über 70 Prozent auf beiden Seiten der Einwanderungsgesellschaft zu negativ.

Die Untersuchung „Muslime in der Mehrheitsgesellschaft: Medienbild und Alltagserfahrungen in Deutschland“ zeigt beispielsweise, dass Zuwanderer aus islamisch geprägten Staaten seit einigen Jahren auf ihr „Muslimsein“ und damit auf ihre – teilweise auch nur angenommene – religiöse Zugehörigkeit reduziert werden.

Der Policy Brief untersucht, ob Zuwanderer und Mehrheitsbevölkerung die mediale Darstellung von Muslimen unterschiedlich bewerten und ob die negative Darstellung Rückwirkungen auf das Zusammenleben im Alltag – insbesondere von Muslimen und Mehrheitsbevölkerung – hat. Damit liegt erstmals eine Umfrage zur Mediendarstellung von Muslimen vor, bei der auch Muslime selbst nach ihrer Wahrnehmung gefragt wurden.

Das vollständige Papier finden Sie unter:
http://www.svr-migration.de/content/wp-content/uploads/2013/03/Medienbild-Muslime_SVR-FB_final.pdf

Die Pressemitteilung des Forschungsbereiches finden Sie unter:
http://www.svr-migration.de/content/?p=4701

Memorandum "Flüchtlingsaufnahme in der EU"

Sieben Organisationen haben anlässlich der Tagung des Rates Justiz und Inneres der Europäischen Union am 7. und 8. März 2013 das Memorandum „Flüchtlingsaufnahme in der Europäischen Union: Für ein gerechtes und solidarisches System der Verantwortlichkeit“ vorgestellt. Zu dem Bündnis gehören PRO ASYL, Diakonie Deutschland, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Arbeiterwohlfahrt, Jesuiten-Flüchtlingsdienst, Deutscher Anwaltverein und Neue Richtervereinigung.

Die Erklärung will eine Debatte anstoßen, wie Europa künftig mit Flüchtlingen umgehen will und versteht sich als zivilgesellschaftlicher Impuls für eine grundlegende Neuausrichtung der EU-Flüchtlingspolitik. Sie schlägt einen Systemwechsel vor, dessen Kern das Prinzip der freien Wahl des Mitgliedstaates sein soll. Asylsuchende sollen also selbst bestimmen können, in welchem Land der EU sie den Antrag auf Schutzgewährung stellen und sie ihr Asylverfahren durchlaufen wollen.

Das Memorandum finden Sie hier:
www.proasyl.de/fileadmin/proasyl/fm_redakteure/STARTSEITE/Memorandum_Dublin_deutsch.pdf

Die Presseerklärung der Unterzeichner vom 7. März 2013 finden Sie unter:
www.proasyl.de/fileadmin/proasyl/fm_redakteure/STARTSEITE/Presseerklaerung_7._Maerz_2013.pdf

Deloitte-Stifftung schreibt Bildungswettbewerb „Hidden Movers“ aus

Zum vierten Mal schreibt die Deloitte-Stiftung den Bildungswettbewerb „Hidden Movers“ aus. Wie in den Vorjahren werden erfolgreiche und dennoch wenig bekannte Bildungsinitiativen für junge Migrantinnen und Migranten gesucht. Diesjähriges Thema ist „Teilhaben durch Bildung und Beruf“.

Bewerben können sich Bildungsprojekte, die jungen Menschen die Teilhabe an unsere Gesellschaft erleichtern und die Integration fördern. Beispiele sind Projekte, die fachliche Kompetenzen und kulturelles Wissen vermitteln und sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Dabei wird gezielt auf Netzwerk- und Gemeinschaftsinitiativen geschaut, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Beteiligung ermöglichen.

Der Preis ist mit insgesamt 50.000 Euro ausgeschrieben. Dazu dotiert die Kutscheit-Stiftung den Sonderpreis „Sprachförderung“ in Höhe von 20.000 Euro.

Die Ausschreibung hat am 1. März 2013 begonnen und läuft noch bis zum 30. April 2013.

Weitere Informationen unter:
www.hidden-movers.de

Konflikten bei Moscheebauvorhaben begegnen

Das Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung gibt in unregelmäßigen Abständen Policy Paper heraus. In diesen werden Migration, Einwanderungsintegration, Türkei und türkisch-europäische Beziehung thematisiert. Das aktuelle Papier skizziert die Problematik bei Moscheebauvorhaben und die sie stets begleitenden Diskussionen. Die Entstehung von Moscheebaukonflikten ist keineswegs zwangsläufig, sondern hängt von einer Reihe von Bedingungen ab, auf die die Stadtgesellschaft und die Kommunalpolitik einwirken können.

Für den konstruktiven Entscheidungs- und Bauprozess werden verschiedene Strategien vorgeschlagen. So sind die Konflikte hoch symbolisch konnotiert und spiegeln oft eine vermittelte Islamablehnung wieder. Um den regelmäßig auftretenden rechtspopulistischen Instrumentalisierungen zu begegnen, wird eine scharfe Abgrenzung von Politik und Gesellschaft gegenüber dieser Einflussnahme im Moderationsprozess empfohlen. Zugleich muss sich aktiv mit den Ängsten der Bevölkerung auseinandergesetzt werden. Die Kommunalpolitik muss über die konkrete Glaubensgemeinschaft, die den Bauantrag stellt, informieren. Muslimische Gemeinden bedürfen im Prozess Unterstützung beim Vereinsmanagement und der Öffentlichkeitsarbeit. Baubehörden sollen besonderen Wert auf Verfahrenstransparenz, einen geregelten Informationsfluss und eine offene Gesprächssituation liegen.

Die Autoren heben die Kenntnis von Fakten für die Diskussion hervor. So leben vier Millionen Menschen mit muslimischen Glauben in Deutschland. Von diesen leben allein in Nordrhein-Westfalen 1,3 Millionen Menschen. Zwei Drittel der muslimischen Bevölkerung gehören den sunnitischen Glauben an, das restliche Drittel teilen sich die Alewiten und Schiiten. Bundesweit gibt es 2.350 muslimische Gemeinden, die nicht nur religiöse sondern auch integrative Angebote bereithalten.

Nur zwei Prozent der muslimischen Gemeinden sind in den neuen Bundesländern beheimatet. Von der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik leben lediglich 0,2 Prozent der türkischstämmigen Bürger in den neuen Bundesländern.
(Quellen: BAMF und Mikrozensus).

www.zfti.de

Leipziger Buchpreis für europäische Kulturgeschichte der Ausgrenzung

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht in diesem Jahr an den deutschen Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal. Sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung“ ist 2011 bei Suhrkamp erschienen.

Die Jury der Leipziger Buchmesse begründet ihr Urteil wie folgt:

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2013 wird dem Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal für sein bahnbrechendes Werk "Europa erfindet die Zigeuner" zugesprochen, in dem die seit sechs Jahrhunderten andauernde Verfolgung und Ausgrenzung der Romavölker in Europa untersucht wird. Indem Bogdal die Darstellung der "Zigeuner", "Gipsies", "Bohémiens" und "Gitanos" in der Literatur und Kunst vom Spätmittelalter bis heute zum ersten Mal umfassend im europäischen Vergleich analysiert, beschreibt er zugleich die allmähliche Verfertigung eines historischen Vorurteils gegen ein imaginäres Kollektiv, das mangels Schrift den Fremddeutungen, Zuschreibungen und Projektionen anderer hilflos ausgeliefert war. Bogdal zeigt, wie Europa den Grad der eigenen Kultiviertheit an der Abwertung der Roma im Spannungsfeld zwischen Hass, Abwehr und romantisierender Zigeuner-Folklore festmacht. Gerade angesichts eines neu aufbrandenden Anti-Ziganismus in Europa gewinnt Bogdals epochale Studie eine bedrückende Aktualität und Brisanz.

Klaus-Michael Bogdal hat Germanistik, Slavistik und Philosophie studiert und seit 2002 die Professur für Germanistische Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Neue deutsche Literatur an der Universität Bielefeld inne.

Buchtipp: Über-Leben nach Flucht und Folter

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Resilienz kurdischer Frauen in Deutschland

Flucht und Folter gehören zu den extremsten »sozialen« Situationen überhaupt. Wie und was das Leben in, mit und nach der Folter ermöglicht, wird in dieser Forschungsarbeit rekonstruiert. Gesa Anne Busche fragt nach der Resilienz von Flüchtlingen, die verfolgt und gefoltert wurden und zeigt: Kurdinnen, die aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet sind, gestalten ihr Über-Leben im Spannungsfeld zwischen enormer kontextueller Heteronomie und realer Autonomie. Die biografische, prozessorientierte und kontextuell eingebundene Analyse ermöglicht einen Blick in die psychosozialen Abläufe und den Aufbau von Resilienz aus einem soziologischen Blickwinkel.

Die Autorin arbeitet in der Geschäftsstelle des Sächsischen Ausländerbeauftragten. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migrationssoziologie, Resilienzforschung und qualitative Sozialforschung.

Erschienen im Februar 2013 im transcript-Verlag in der Reihe Kultur und soziale Praxis.

268 Seiten, kartoniert
29,80 Euro
ISBN 978-3-8376-2296-6