Newsletter Nr. 37 vom 23.11.2012

Mit Herz gesehen - Wieder einmal machtlos gegen Neonazis in Hoyerswerda?

Zwanzig Jahre ist es her, dass Neonazis in Hoyerswerda unter Beifall der Bevölkerung tagelang Ausländer verfolgten und Asylbewerberheime mit Molotowcocktails angriffen. Der Schock der Nation war groß. Die Weltöffentlichkeit hatte solche Vorkommnisse bis dahin nicht für möglich gehalten.

Der Freistaat wehrte sich, so gut er konnte. Er rief eine Sonderkommission der Polizei gegen Rechtsextremismus (Soko REX) ins Leben. Der Landtag erließ ein Gesetz für einen unabhängigen Ausländerbeauftragten und der damalige Landtagsvizepräsident Heiner Sandig begann seine Arbeit vor genau 20 Jahren.

Aber der Schaden für die Region und den Freistaat war gemacht und ist in der Zwischenzeit trotz aller Bemühungen bis heute noch nicht völlig überwunden. Immer noch hat das Image von Sachsen einen Hauch von Fremdenfeindlichkeit.

Zum zwanzigsten Jahrestag der traurigen Wiederkehr der Unruhen gab es viele Menschen in der Region Hoyerswerda, die sich für Weltoffenheit einsetzten und dafür auch öffentlich auftraten. Diese Aktivitäten waren ein gutes Signal für die Region, für Sachsen, ja für ganz Deutschland.

Und da platzt eine hässliche Nachricht aus Hoyerswerda herein, die angetan ist, den Ruf der Stadt, aber auch des Freistaates um zwanzig Jahre zurückzuwerfen.

Nach einer Nachricht im MDR/dpa/Sächsischen Zeitung vom 15. November 2012 gehörte zu den engagierten Menschen für ein weltoffenes Hoyerswerda auch ein junges Pärchen, das Nazi-Aufkleber von dortigen Gebäuden entfernte. Das junge Paar wurde in seinem Haus von 15 Rechtsradikalen massiv bedroht. Anstatt dies zum Anlass zu nehmen, den Neonazis auf die Pelle zu rücken und das Pärchen effektiv zu schützen, scheint die Polizei dem Pärchen vorgeschlagen zu haben, Hoyerswerda zu verlassen, weil die Polizei sie in Hoyerswerda nicht beschützen könne.

Dieser Vorschlag legt verschiedene Vermutungen nahe, die alle nicht mehr in unsere Zeit passen sollten. Sollte die Polizei des Freistaates wirklich nicht in der Lage, engagierte Anti-Nazis zu schützen?

Ich denke, nicht nur der Freistaat ist hier gefordert, den Rechtsextremen wie auch der Bevölkerung deutlich zu machen, dass rechte Einschüchterung und Bedrohung im Freistaat keinen Raum erhält. Gefordert sind jetzt alle in Hoyerswerda. Wäre es nicht spätestens jetzt an der Zeit, dass sich Bürgermeister, Landrat und verschiedene Vereine und Initiativen hinter bzw. vor die Angegriffenen stellen und sich für die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger mit ihnen einsetzen? Hier sind die Menschen in Hoyerswerda gefragt. Wollen sie sich gefallen lassen, dass einige Wenige den Ruf ihrer Stadt und damit auch ihrer selbst schädigen dürfen?

Jetzt ist die Zeit für Solidarität! Wir wollen keine Region in unserem Land, das zu einer verbotenen „No-Go Area“ für Demokraten wird und damit seine Zukunftschancen zerstört. Kein Hoyerswerda 2.0!

Martin Gillo

Preisträger Integrationspreis 2012 stehen fest

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Am 14. November 2012 tagte die Jury des Sächsischen Integrationspreises und wählte die diesjährigen Gewinner unter den 24 eingegangenen Bewerbungen aus.

Das siebenköpfige Gremium bestand aus den Vorjahrespreisträgern, dem Sächsischen Staatsministerium für Verbraucherschutz, dem Ausländerbeauftragten der Technischen Universität Dresden und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten. Die Jurymitglieder legten bei ihrer Entscheidung großen Wert darauf, sowohl das Engagement in kleineren Städten und ländlichen Räumen zu würdigen, als auch besonders innovative und nachhaltige Ansätze auszuzeichnen.

Die Preise werden am 30. November 2012 im Plenarsaal des Sächsischen Landtags verliehen. Eingeladen wurden neben allen Bewerbern auch die Akteure auf dem Feld der Integration und Migration in Sachsen, darunter Vereine, Berater, Mandatsträger, Vertreter der Ministerien und Behörden. Die Feier startet um 16 Uhr mit einem Café International in der Lobby, bei dem gegenseitige Information und Begegnung im Vordergrund stehen. Die festliche Würdigung schließt sich an. Neben der Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags, Andrea Dombois, werden die Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Christine Clauß, und der Sächsische Ausländerbeauftragte, Martin Gillo, die Ehrung vornehmen. Moderiert wird die Übergabe der mit je 1.500 € dotierten Preise durch die Moderatoren Loisa Noak und Duy Tran. Die Band Stilbruch aus Leipzig umrahmt mit frischem Pop die Würdigung, an die sich ein Empfang mit einem internationalen Suppenbuffet anschließt.

Fachtag in Leipzig „Heute habe ich Sie das erste Mal verstanden“

Die Etablierung eines professionellen Dienstes zur Sprach- und Integrationsmittlung steht im Zentrum des Fachtages am Donnerstag, dem 6. Dezember 2012, von 10.00 bis 15.30 Uhr im Sitzungssaal des Neuen Rathauses in Leipzig. Ziel ist es, die Notwendigkeit und den Nutzen von qualifizierter Sprach- und Integrationsmittlung aufzuzeigen, das Berufsprofil der in Ausbildung befindlichen Sprach- und

Integrationsmittler sowie die nutzerfreundliche Vermittlungsstruktur des SprInt-Pools weiteren Kunden vorzustellen und sich zu dem konkreten Bedarf, den bisherigen Erfahrungen und dem weiteren Vorgehen bei der Etablierung eines Vermittlungsdienstes zu verständigen.

Ein wesentliches Element der interkulturellen Öffnung und des Interkulturellen Dialoges ist eine funktionierende sprachliche und kulturelle Verständigung.

Sprach- und Integrationsmittler/-innen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.

Durch den bereits funktionierenden Vermittlungspool mit circa 20 Fremdsprachen kann in Leipzig und Umgebung eine neue Qualität in der Kommunikation zwischen Behörden, medizinischen Einrichtungen, sozialen Diensten, Schulen aber auch Firmen und Migrantinnen und Migranten gewährleistet werden.

Das Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig und der Caktus e.V. als Träger von SprInt-Leipzig laden herzlich ein.

Ausführliche Informationen zur Tagung

www.sprint-transfer.de

„Russendisco“ in Leipzig

Auf ein Tanzstück mit dem Titel „Russendisco“ macht das Deutsch-Russische Hilfswerk zur Heiligen Alexandra e.V. aufmerksam. Bürger russischsprachiger Herkunft bilden die zahlenmäßig größte Migrantengruppe der Stadt Leipzig. Sechs von ihnen sind das erste Mal im Kontext einer professionellen Theaterarbeit als Tänzer zu erleben. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20 Uhr am 16., 17. und 18. November 2012 im „Lofft“ am Lindenauer Markt 21 in Leipzig.

Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu rechtsextremen Gedankengut

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung hat am Montag eine Untersuchung mit dem Titel „Die Mitte im Umbruch“ vorgelegt. Demnach findet rechtsextremes Gedankengut in Deutschland immer mehr Verbreitung. Der Studie zufolge haben inzwischen neun Prozent der Bevölkerung ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. In Ostdeutschland sei ein massiver Anstieg zu verzeichnen. Der Anteil derjenigen mit rechtem Gedankengut sei von 10,5 Prozent im Jahr 2010 auf jetzt 15,8 Prozent gewachsen. In den westlichen Bundesländern dagegen ginge der Anteil von 7,6 auf 7,3 Prozent etwas zurück. Jeder fünfte in Westdeutschland habe eine ausländerfeindliche Einstellung. Im Osten liege der Anteil bei 39 Prozent, heißt es in der Studie.

Die Studie und eine Zusammenfassung finden Sie unter folgenden Internetadressen:

http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_12/mitte-im-umbruch_www.pdf

http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_12/ergebnisse_mitte_studie_2012.pdf

BAMF-Tagung zur Willkommens- und Anerkennungskultur

Eine Arbeitstagung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit dem Thema

„Willkommens- und Anerkennungskultur – Die Rolle der Migrantenorganisationen“

findet am 25. und 26. Januar 2013 im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Frankenstraße 210, in Nürnberg statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle Migrantenorganisationen bei der konkreten Ausgestaltung einer Willkommens- und Anerkennungskultur spielen können und wollen. Die Tagung soll auch einen Beitrag dazu leisten, Migrantenorganisationen in ihrer Arbeit zu unterstützen sowie Gelegenheit zu Erfahrungsaustausch und Vernetzung bieten. Es gelte, eine Kultur des Willkommens und der Anerkennung zu etablieren, heißt es in der Ankündigung.

Dabei gehe es nicht nur darum, Integrationsangebote für Zuwanderer bereitzustellen, sondern auch, eine grundsätzliche Offenheit und Toleranz gegenüber Menschen aus anderen kulturellen Zusammenhängen zu entwickeln.

Anmeldeinformationen sind in Kürze auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge unter www.bamf.de

Für Fragen zur Veranstaltung kann die

E-Mail-Adresse MO-Tagung2013@bamf.bund.de

genutzt werden.

International Migrants Day in Hannover

Am 18. Dezember 2012 veranstaltet das Ethno-Medizinische Zentrum e.V. gemeinsam mit weiteren Einrichtungen zum fünften Mal einen bundesweiten Migranten-Kongress im Hannover Congress Centrum. Unter dem Motto: " YES WE CAN" widmet sich der diesjährige International Migrants Day den Themenschwerpunkten Diversity, berufliche Bildung, demografischer Wandel, bürgerschaftliches Engagement und der Gesundheit. Erwartet werden viele hundert Fachkräfte und interessierte Laien aus Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten.

Gemeinsam mit internationalen Gästen und renommierten Referenten sollen Herausforderungen, Ressourcen und Erfolge von Integrations- und Aktionsplänen, Ideen und Konzepten sowie Beispiele aus der Praxis reflektiert werden. Ebenfalls werden auch Chancen und Erfolge der Integrationsarbeit aufgezeigt und diesbezüglich erfolgreiche MigrantInnen ausgezeichnet.

Informationen und Kontakt

Ayten Büsel

Institut für transkulturelle Betreuung (Betreuungsverein) e.V.

Freundallee 25

30173 Hannover

Telefon (0511) 590920-45

E-Mail sarah.hilbig@itb-ev.de

www.itb-ev.de

NAVEND-Fachtagung „Chancen durch Vielfalt in Bildung und Erziehung“

„Integration durch Bildung und Partizipation und kurdische MigrantInnen“ ist der Untertitel der Tagung zu der das Zentrum für Kurdische Studien e.V. einlädt.

Prof. Dr. Ilhan Kizilhan von der Universität Freiburg hält eine Fachvortrag zum Thema „Kurdische MigrantInnen in der Bundesrepublik Deutschland: Mehrsprachigkeit, Mehrfachzugehörigkeit und Mehrkulturalität.“ Prof. Dr. em. Frank-Olaf Radtke von der Universität spricht zu Bildung in der Einwanderungsgesellschaft: Chancengleichheit oder Leistungsgerechtigkeit“. Am Nachmittag schließen sich drei Foren zu den Themen „Vielfalt einbeziehen“, Vielfalt erkennen“ und „Vielfalt gestalten“ an.

Die Tagung ist am Dienstag, den 20. November 2012, im VKU-Forum, Invalidenstraße 91 in 10115 Berlin.

NAVEND -
Zentrum für Kurdische Studien e.V.
Navend ji bo Lêkolînên Kurdî
Center for Kurdish Studies
Centre des Etudes Kurdes

Bornheimer Str. 20-22

53111 Bonn

Telefon (0228) 652900

Telefax (0228) 652909
E-Mail
projekt@navend.dewww.navend.de

Proteste in Russland – Migranten als Arbeitsgeräte dargestellt

Ein Handbuch sorgt in Russland für Empörung. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu Wochenbeginn berichtet, empören sich Menschenrechtsorganisationen in Petersburg. Ursache sei ein gutgemeintes Handbuch für Arbeitsmigranten – allerdings illustriert mit Einwanderern als zweibeinige Besen, Spachtel und Farbroller. Einheimische seien dagegen als echte Menschen dargestellt worden. Das Handbuch liegt in russischer, kirgisischer, usbekischer und tadschikischer Sprache vor. Die städtischen Herausgeber argumentieren, dass bisher neutral aufgemachte Hefte von den Adressaten ungelesen weggeworfen worden. Mit den Comicfiguren wollte man die fünfzig Seiten starke Infoschrift „Nützliche Ratschläge“ lustiger und ansprechender gestalten.