Newsletter Nr. 15 vom 19.04.2013

Mit Herz gesehen - Schritte auf dem Weg des Friedens

Kann man von der Wirtschaft lernen, wie man Wege zur Friedenssicherung findet? Zu dieser Frage durfte ich am vergangenen Samstag im Militärhistorischen Museum in Dresden mit Mitgliedern der Synode der Evangelischen Kirche in Sachsen sprechen. Ich bin aus eigener Erfahrung heraus überzeugt, dass es einige Ideen aus der Wirtschaft gibt, die uns helfen können, den Frieden in unserer Gesellschaft und in der Welt zu finden bzw. zu halten.

Menschen und Kulturen aus aller Welt rücken zusammen. Der Migrantenanteil in allen Ländern der Welt steigt. Wie vermeiden wir da einen Kampf der Kulturen und entdecken stattdessen die Chancen der Vielfalt? Auf der Synode beschrieb ich vier Einsichten, die die friedliche Koexistenz trotz Wettbewerb fördern.

1. Trotz aller Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen: die Gemeinsamkeiten überwiegen, und die gilt es, zu betonen. Da es uns angeboren ist, selbst minimale Unterschiede als Ausrede zu benutzen, Andere auszugrenzen, müssen wir lernen, das Gemeinsame, das Bindende zu finden und zu betonen.

Unternehmen haben es da von Natur aus etwas leichter, weil das gemeinsame Ziel - der Unternehmenserfolg - die Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Schicksal bindet. Firmenvisionen, die den Sinn des Unternehmens für die Kunden, die Gesellschaft und die Mitarbeiter klarstellen, helfen da noch mehr.

Visionen für eine gemeinsame Zukunft können selbst Konkurrenten helfen, bei allem Wettbewerb die Gemeinsamkeiten zu erkennen und zu schätzen. Das ebnet den Weg für Kooperationen. Konkurrenten können Bieter- oder Forschungsgemeinschaften gründen und davon gleichermaßen profitieren – wenn…. sie lernen, ihr gegenseitiges Misstrauen zu überwinden.

2. Andere Kulturen erkennen, respektieren und wertschätzen. Gute Zusammenarbeit zwischen Menschen und Organisationen aus unterschiedlichen Kulturen erfordert, dass man die Kulturen kennt, ja, auch die eigene. Man erkennt seine eigene Kultur ja erst, wenn man im Ausland ist, oder andere Kulturen kennenlernt.

Jede Kultur hat ihre eigenen und einzigartigen Stärken. Jede Kultur, natürlich auch unsere.

Jede kulturelle Stärke hat allerdings auch eine Schattenseite. Gründlichkeit ist eine deutsche Stärke. Ihre Schattenseite ist die Paralyse durch ewige Analyse. Wir sind Weltmeister der Angst und wünschen uns Daten bis zum Geht-nicht-mehr. Eine US-Stärke ist der Pioniergeist. Seine Schattenseite ist das „aus der Hüfte schießen“.

Uns allen ist dabei eine Zerrbrille in die Wiege gelegt worden. Wir erkennen unsere eigenen Stärken und die Schwächen der anderen mit großer Präzision. Wir sind aber oft blind, wenn es um unsere eigenen Schattenseiten oder die Stärken der Anderen geht.

Erfolg, Zukunft und konstruktives Zusammenleben wird wahrscheinlicher, wenn wir die Stärken Aller erkennen und innovativ kombinieren. Und es hilft natürlich, wenn wir die Schwächen vermeiden – besonders auch unsere eigenen.

3. Offen für neue Lösungen – statt „das haben wir schon immer so gemacht“. In der Wirtschaft ist heute klar: Langfristig ist schnelles Lernen der einzige Konkurrenzvorteil eines Unternehmens. Nur wer schneller lernt als seine Wettbewerber, kann seinen Kunden die besten Lösungen anbieten.

Das bedeutet Offenheit für die Ideen von Anderen, egal aus welcher Richtung im Unternehmen. Diese Lernbereitschaft legt halbautonome Selbstorganisation in der Firmenstruktur nahe. Mit anderen Worten, Vorgesetzte sind auch Moderatoren ihrer Teams auf dem Weg zum gemeinsamen Erfolg.

Natürlich gehören auch Fehler zum Lernen dazu. Ich komme aus einer Industrie mit dem Erfolgsrezept: Mache notwendige Fehler schneller als deine Konkurrenten. Diese Perspektive verändert, wie man mit Fehlern umgeht: Statt Schuldige zu suchen, sucht man nach Lösungen, wie man diese Fehler nicht mehr machen muss. Als Student sah ich einmal auf einem Tisch im Computercenter den Spruch: „Gott, gib, das jeder Fehler ein neuer sei.“

4. Zum konstruktiven Zusammenleben gehören natürlich gemeinsame Spielregeln, deren Einhaltung dann auch überwacht wird. Sie enthalten gleiche Rechte und Pflichten für alle. In einem Unternehmen habe ich Arbeitsverträge eingeführt, die zusammen mit einer Arbeitsordnung so ausführlich und explizit waren, dass alle zukünftigen Mitarbeiter klar wussten, wie wir in unserer lernenden Organisation die konstruktive Zusammenarbeit gestalten würden.

Bieter-, Forschungs-, Ausbildungs- oder andere Gemeinschaften unter Konkurrenten gelingen ebenfalls mit gemeinsamen Spielregeln und einem Schiedsrichter.

Alle Menschen werden Brüder. Das ist leicht gesagt und unwahrscheinlich schwer, mit Leben zu füllen. „Es bindet uns mehr unter Kulturen, Religionen und Ländern als uns trennt“. Dies ist meine innerste Überzeugung. Diese Einsicht mit Leben zu füllen, ist eine schwere Aufgabe. Dass es geht, zeigen uns große und kleine lernende Organisationen.

Lernen wir mit ihnen auf dem Weg zum Frieden!

Martin Gillo

Sachverständigenrat: EU-Zuwanderer sind jünger und besser ausgebildet als die Mehrheitsbevölkerung

„Die EU-Freizügigkeit ist ein Erfolgsmodell.“, so der Tenor des Jahresgutachten 2013 zur EU-Binnenmigration, das der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen (SVR) am 12. April 2013 vorgelegt hat. Fast zwei Drittel der Zuwanderer, die nach Deutschland ziehen, stammen aus einem EU-Mitgliedstaat.

Diese Zuwanderer sind durchschnittlich zehn Jahre jünger als die Mehrheitsbevölkerung und sie haben häufiger einen Hochschulabschluss als die Mehrheitsbevölkerung. Der Anteil der Hochqualifizierten an den seit 2004 zugewanderten Unionsbürgern im Alter von 25 bis 44 Jahren liegt über dem der Mehrheitsbevölkerung im gleichen Alter: jeder Fünfte (20,7 Prozent) der Zuwanderer aus den EU-Beitrittsstaaten von 2004 (u. a. Polen, Tschechien, Ungarn) hat einen Hochschulabschluss. Dies gilt mit 20,9 Prozent auch für die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. Bei der gleichaltrigen Mehrheitsbevölkerung in Deutschland liegt der Akademikeranteil bei 18,1 Prozent.

Qualifizierte Zuwanderung stärkt die sozialen Sicherungssysteme

Aufgrund der steigenden Zuwanderung von Unionsbürgern hat die Nettozuwanderung nach Deutschland zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder ein Maß erreicht, das den demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme abfedern kann. Deutschland hat sich damit zu einem Zuwanderungsland entwickelt. Der Trend, dass vor allem Mittel- und Hochqualifizierte Deutschland verlassen und Geringqualifizierte zuwandern, konnte gestoppt werden.

Die SVR-Vorsitzende Christine Langenfeld schätzt ein, dass die EU-Freizügigkeit sich gerade in Zeiten der Staatsschuldenkrise bewährt. Arbeitslose aus EU-Krisenländern können in Deutschland eine Arbeit finden und leisten einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel in bestimmten Branchen. In den Herkunftsländern verringern sich die sozialen Transferleistungen. Durch noch immer vorhandene Wanderungsbarrieren verharre die Binnenmigration in der EU insgesamt jedoch auf einem relativ niedrigen Niveau.

Migrationsbarometer 2013 zeigt robuste Europaverbundenheit

Für das Migrationsbarometer 2013 wurden in Deutschland mehr als 2.200 Personen mit und ohne Migrationszugehörigkeit befragt. Die Bevölkerung identifiziert sich mit Europa zu mehr als 54 Prozent. Über 70 Prozent aller Befragten solidarisieren sich auch mit neu zugewanderten Unionsbürgern, die in Deutschland arbeitslos werden und Sozialleistungen erhalten. Der SVR gibt in seinem Gutachten aber zu bedenken, dass Solidarität auch Grenzen hat. Eine weitere Öffnung sozialer Sicherungssysteme sei mit Bedacht und Vorsicht vorzunehmen, um nicht am Ende die Zustimmung zum Europaprojekt insgesamt zu riskieren. Es müsse oberstes Ziel sein, die Wohlstandsunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten zu verringern.

Einwanderung in die Sozialsysteme bislang nur eine Ausnahme

Unbegründet sei die Sorge, dass die EU-Erweiterung eine Einwanderung in die Sozialsysteme fördern könne. So gehen 72,1 Prozent der Bulgaren und Rumänen, die nach 2007 nach Deutschland zugezogen sind und zwischen 25 und 44 Jahre alt sind, einer Erwerbstätigkeit nach. Das Ausmaß des Sozialhilfebezugs von EU-Staatsangehörigen in Deutschland wird in der öffentlichen und politischen Diskussion regelmäßig überschätzt. „Armutswanderung ist bislang die Ausnahme, nicht die Regel“, sagte Langenfeld, auszuschließen sei sie bei einem größer werdenden Wohlstandsgefälle innerhalb der EU jedoch nicht.

Nachqualifizierung und Sprachförderung

Die Finanzierung der Nachqualifizierung ist nach wie vor unzureichend gelöst. Es gibt im Falle einer teilweisen Anerkennung des Berufsabschlusses bislang nur wenige Möglichkeiten, die für die Interessenten zudem intransparent sind und in den Bundesländern unterschiedlich geregelt sind.

Eine wichtige Rolle bei der Integration von Neuzuwanderern auch aus EU-Staaten spielt die Förderung des Spracherwerbs. Viele Neuzuwanderer aus der EU haben noch keine ausreichenden Deutschkenntnisse, so der SVR. Sie sollten beim Spracherwerb stärker unterstützt werden. Der SVR regt an, für EU-Bürger den Anspruch auf Teilnahme an Integrationskursen zu stärken. Außerdem sollte EU-Bürgern die Teilnahme an berufsbezogenen Sprachkursen erleichtert werden, die vom Europäischen Sozialfonds gefördert werden.

Universitäten als Migrationsmagneten und Integrationsmotoren

Die Zahl der Studierenden in Deutschland aus der EU steigt. Mit 30.265 Studienanfängern aus EU-Staaten im Studienjahr 2010/2011 kamen 21,0 Prozent mehr Unionsbürger für ein Studium nach Deutschland als noch im Studienjahr 2009/2010. Aus Sicht des SVR sollte verstärkt dafür geworben werden, dass internationale Absolventen nach ihrem Abschluss in Deutschland bleiben. „Studierende aus EU-Staaten sind die gut ausgebildeten Fachkräfte von morgen, die bereits mit dem Land vertraut sind“, sagte Langenfeld. Um ihrer neuen zuwanderungspolitischen Rolle gerecht zu werden, müssten die Universitäten auch mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

Zuwanderungspolitik in einem Nationalen Aktionsplan Migration bündeln

Der SVR empfiehlt, die Zuwanderung von EU-Bürgern einerseits und die Zuwanderung von Drittstaatsangehörigen andererseits sollten in einem gemeinsamen „Nationalen Aktionsplans Migration“ (NAM) konzeptionell zusammenzuführen. „Der Nationale Aktionsplan sollte Mechanismen und Instrumente benennen, mit denen der zukünftige Bedarf an hoch-, mittel- und niedrigqualifizierter Zuwanderung gedeckt und koordiniert werden soll.“, so die Vorsitzende. Dabei sollten auch die humanitären Verpflichtungen Deutschlands beim Flüchtlingsschutz berücksichtigt werden.

Zum Jahresbericht und den Veröffentlichungen des Sachverständigenrates: http://www.svr-migration.de/content/?p=4795

Training für politisch aktive Migrantinnen und Migranten

Das Seminar am 25. und 26. April 2013 richtet sich an Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die sich entweder in einer Migrantenselbstorganisation (MSO) oder anderen politischen Organisationen (Parteien, Gewerkschaften etc.) engagieren. Ziel des Trainings ist es zum einen, die Arbeit der Organisationen zu optimieren und zu professionalisieren.

Zum anderen geht es darum, Kommunikationsmuster zu erkennen und typische „Fallen“ bei der Verständigung zwischen Männern und Frauen zu umgehen. Schlüsselkompetenzen werden gefördert und helfen dabei, sich erfolgreich in und für Organisationen zu engagieren. Veranstalter sind die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Europäischen Akademie Berlin und das Institut für Migrations- und Sicherheitsstudien e. V.

Erfolgreich Interessen vertreten
Empowerment für politisch aktive Migrantinnen und Migranten
Europäische Akademie Berlin
Programm:
http://www.fes.de/forumpug/inhalt/documents/Programm12-14.April.pdf

Anmeldung:
E-Mail forumpug@fes.de
Telefax 030 26935-9241

Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2013 begonnen, lokale Bündnisse für Bildung zu unterstützen, um für alle Kinder und Jugendliche, unabhängig von ihrer Herkunft, Zugang zu kultureller Bildung zu gewährleisten. Mit dem Projekt sollen Bürger motiviert werden, sich als Mentoren, Hausaufgabenbetreuung oder Vorlesepaten in Vereinen, Museen oder Theatern zu engagieren, die gezielt Angebote für benachteiligte Kinder entwickeln.

Mit der Förderung außerschulischer Bildungsmaßnahmen durch den Bund sollen sich die lokalen Akteure untereinander weiter vernetzen und Qualitätsstandards in der Fläche angewandt werden.

Außerschulische Bildungsmaßnahmen, die von engagierten Bürgern erbracht werden, können jungen Menschen eine Perspektive geben, ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen Anerkennung vermitteln. Weitere Informationen zu Förderrichtlinien und Voraussetzungen finden Sie unter: www.buendnisse-fuer-bildung.de

Luther-Preis für „Keine Bedienung für Nazis“

Die bayerische Gastwirte-Initiative "Keine Bedienung für Nazis" ist am Samstag in Eisleben mit dem Luther-Preis "Das unerschrockene Wort" ausgezeichnet worden. Die Initiative war 2010 nach einem Überfall von Neonazis auf ein Café in Regensburg gestartet worden. Zuvor hatte der Barkeeper des Cafés eine schwarze Frau und ihr Kind vor rassistischen Angreifern verteidigt. Inzwischen beteiligen sich an der Kampagne rund 170 gastronomische Betriebe. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte, die Preisträger hätten durch ihre Initiative ein couragiertes Zeichen gegen rechtsextremistisches Denken und Fremdenfeindlichkeit im Alltag gesetzt. Sie könnten jedem Bürger Vorbild sein, sich ebenso mutig Rechtsextremismus entgegenzustellen, so Stahlknecht.

Mit dem Preis ehrt der Bund der 16 deutschen Lutherstädte alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Initiativen, die im Sinne Luthers Zivilcourage gezeigt haben. Die nächste Preisverleihung findet 2015 in Wittenberg statt.

www.keinebedienungfuernazis.de

www.eisleben.eu

Treffen für Unternehmer mit Migrationserfahrung in München

Für das 3. Netzwerktreffen Migration und Entwicklung am 7. Mai 2013 in München sind noch einige Plätze frei. Das Treffen findet zum Thema „Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationserfahrung“ statt und wird in Kooperation mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München durchgeführt.

Die Veranstaltung richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen aus den Fachbereichen Integration, Internationales, Städtepartnerschaften, Lokale Agenda 21 und Wirtschaftsförderung, an Vertreterinnen und Vertreter lokaler Migrantenorganisationen sowie entwicklungs- und integrationspolitischer Netze und Foren – sowie dieses Mal – an Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Der Austausch von Praxiserfahrungen und Wissen aus der Entwicklungszusammenarbeit auf kommunaler Ebene stehen im Vordergrund.

Programm und Anmeldungen unter:
http://www.service-eine-welt.de/veranstaltung/veranstaltung-1267.html

Kontakt:
Dorea Pfafferott
Projekt Migration und Entwicklung
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
Engagement Global gGmbH
Tulpenfeld 7
53113 Bonn
Telefon 0228 20717-345
E-Mail dorea.pfafferott@engagement-global.de

www.engagement-global.de