Newsletter Nr. 8 vom 22.02.2013

Mit Herz gesehen - Wenn ein Besuch beim Bundespräsidenten nicht genug ist

„Familie von NSU-Opfer verweigert Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck.“ Mit dieser Überschrift berichtete die ZEIT Online am 16. Februar 2013 über die Familie eines der NSU-Opfer, die eine Einladung unseres Bundespräsidenten Joachim Gauck ablehnte. Die Familie sagte in einem auch im Tagesspiegel veröffentlichten Antwortbrief, dass sie befürchtete, es bliebe bei diesem Treffen bei reiner Symbolik. Sie wollten zu diesem Treffen ursprünglich auch ihren Rechtsbeistand mitbringen, doch das wurde vom Bundespräsidialamt wohl untersagt.

Ehe wir uns über die Ablehnung einer Einladung unseres Bundespräsidenten empören, betrachten wir doch vielleicht die Beweggründe hinter dieser Ablehnung. Die Berichterstattung des letzten Jahres zu den NSU-Verbrechen lässt erkennen, dass wir uns als Gesellschaft voll auf die Kriminellen, also auf eine überlebende Hauptverdächtige und unser fehlerhaftes System der Verbrechensaufklärung konzentriert haben. In diesem Sinne haben wir gleichzeitig den Opferfamilien den Rücken gekehrt. Doch ein solch tragischer Anlass ist eigentlich eine Gelegenheit, über wirkliche Integration in Deutschland nachzudenken:

Die Familie befürchtet, dass ein Besuch beim Bundespräsidenten nur Symbolik bleibt und sich in unserer Gesellschaft in Sachen Integration nichts tut. Auf der einen Seite ist ihre Befürchtung berechtigt. Auf der anderen Seite ist das Amt Joachim Gaucks per Gesetz auf symbolische Akte beschränkt. Er kann gar nicht mehr als Symbolik signalisieren, selbst wenn er es wollte.

Wirkliches Handeln muss von der Bundespolitik kommen.

Der Artikel bereitet uns auch bildhaft darauf vor, dass der kommende Prozess zeigen wird, dass Integration in Deutschland immer noch eine Baustelle ist. Es wird zwar daran gearbeitet, aber es fehlt noch sehr viel. Wie wirkt es in deutschen und in ausländischen Medien, wenn während des Prozesses neben den Angehörigen der Opfer die Repräsentanten ihres Staates sitzen, und zwar nicht deutsche sondern türkische Diplomaten. Deshalb, weil die Angehörigen bei uns immer noch Ausländer und damit nur gern gesehene Fremde sind, auch wenn sie bei uns geboren sind?

Integration heißt Heimat finden. Ist es nicht langsam an der Zeit, darüber nachzudenken, wie Deutschland ihnen zur echten Heimat wird, in der sie sich in jeder Hinsicht gleichberechtigt behandelt fühlen dürfen? Warum haben die Angehörigen der Opfer nicht auch die deutsche Staatsangehörigkeit? Warum werden die Millionen türkischen Migranten, die mit uns leben, schlechter behandelt als beispielsweise marokkanische, die zwei Staatsbürgerschaft haben dürfen?

Die NSU-Vorfälle sollten wir mit zwei paar Augen sehen. Auf der einen Seite ist es etwas ungeheuerlich Zornerregendes. Wir sollten das Verbrechen mit aller Härte des Gesetzes ahnden und ein weiteres Versagen der Behörden zukünftig auszuschließen versuchen.

Auf der anderen Seite sollte dies auch ein Anlass sein, den Angehörigen unser Herz zu öffnen und sie als zu uns gehörig zu behandeln. Öffnen wir ihnen die Türen, damit Joachim Gauck auch ihnen der oberste Repräsentant ihrer neuen Heimat wird. Behandeln wir sie nicht schlechter als unsere marokkanisch-deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die deutsche Politik, deutliche Signale zu setzen. Wenn dann die Medien Deutschlands und der Welt während des kommenden NSU-Prozesses über unsere Integration berichten, dann können sie auch diese Fortschritte in Richtung Integration in die Welt tragen.

Ist es nicht langsam Zeit, dass wir uns als wirklich zusammengehörig erkennen und behandeln?

Martin Gillo

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-02/nsu-opfer-treffen-gauck

Tagung der Jugendsozialarbeit zur Interkulturellen Öffnung und zum demografischen Wandel

Unter dem Titel „Unsere Zukunft hat schon begonnen – Herausforderungen durch Zuwanderung“ veranstaltet die evangelische Jugendsozialarbeit am 13. und 14. Juni 2013 in der Evangelischen Akademie Meißen eine Tagung.

Schwerpunkte des Treffens sind die Stärkung der interkulturellen Wahrnehmungsfähigkeit auf allen Ebenen und die konsequente interkulturelle Öffnung der sozialen Dienste. Interkulturelle Kompetenz gehört heute zu den Schlüsselqualifikationen der sozialpädagogischen Fachkräfte. Die Beschäftigten müssen Formen von Kommunikation, Haltung und Handlung ihrer Zielgruppen analysieren können, um handeln zu können.

Weitere Informationen zum Programm und den Tagungskosten sind auf der Homepage www.bagejsa.de zu finden.

http://www.bagejsa.de/versteckte-seiten/termine-und-veranstaltungen/event/?tx_ttnews%5Bpointer%5D=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=382&tx_ttnews%5BbackPid%5D=36&cHash=595a716abf99124232c921cd0a88d230

Termin sichern zur Tagung Schulsozialarbeit in Freiberg

Die Ausländerbeauftragte des Landkreises Mittelsachsen, Ilse Rose, und die Friedrich-Ebert-Stiftung laden zur Tagung „Was will, was kann Schulsozialarbeit? Ist gute soziale Arbeit auch interkulturelle Arbeit?“ herzlich ein. Die Veranstaltung findet am 26. April 2013 im Städtischen Festsaal Freiberg statt. Das Programm folgt in Kürze.

Binationales Vater-Kind-Wochenende

Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V. organisiert für das Wochenende vom 19. Bis 21. April 2013 ein Vater-Kind-Wochenende auf dem ökologischen Landwirtschaftshof in Dreiskau-Muckern in der Nähe Leipzigs. Geplant ist neben gemeinsamen Erlebnissen ein Workshop mit Kinderbetreuung. Die Plätze sind begrenzt, es entstehen lediglich Kosten von 20 Euro. Bitte bis 15. März 2013 anmelden.

Kontakt
Özcan Karadeniz
Projektkoordinator „Stark für Kinder: Väter in interkulturellen Familien“
Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e. V.
Kurt-Eisner-Straße 40
04175 Leipzig
Telefon 0341 6880022
E-Mail karadeniz@verband-binationaler.de

Vorstoß für doppelte Staatsbürgerschaft

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Scharrenberger (FDP) hat sich offen für eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts gezeigt, durch die künftig mehr doppelte Staatsbürgerschaften möglich wären. Dem Nachrichtenportal Spiegel Online sagte sie, dass „Integration kann auch durch doppelte Staatsbürgerschaft gefördert werden, wie die vielen Fälle von gut integrierten Bürgern mit Doppelstaatsbürgerschaft zeigen“. Weiterhin sprach sie sich für eine Überprüfung der seit dem Jahr 2000 geltenden Optionsregelung im Staatsbürgerschaftsrecht aus. „Die Optionslösung gehört auf den Prüfstand, wenn es dazu führt, dass sich Menschen von Deutschland abwenden“, so die Ministerin. Der Beitrag erschien am Montag. Nach dem Optionsrecht müssen sich Zuwandererkinder mit zwei Pässen vor Vollendung des 23. Lebensjahres für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden müssen. Ansonsten erlischt die deutsche Staatsangehörigkeit.

Gestern hat sich der Menschenrechtskommissar des Europarats in Straßburg, Nils Muižnieks, in Berlin mit der Bundesministerin der Justiz zu einem fachlichen Austausch getroffen. „Ich begrüße diese Initiative sehr“, beglückwünschte Muižnieks die Ministerin gleich zu Beginn des Gesprächs zu ihrem Vorstoß für eine doppelte Staatsbürgerschaft.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-lehnt-vorstoss-der-fdp-zur-doppelten-staatsbuergerschaft-strikt-ab-a-884321.html

http://www.bmj.de/DE/Home/home_node.html

Vorbereitungstagung zur Interkulturellen Woche 2013

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Heute beginnt in Berlin die Vorbereitungstagung zur Interkulturellen Woche 2013. Sie steht unter dem Thema „Wer offen ist – kann mehr erleben“. Rassismus, Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind die zentralen Themen, die bei der bundesweiten Vorbereitungstagung. Sie wird durch den Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, mit dem Referat: „Rassismus in Deutschland – Kein Thema?!“ eröffnet. Strategien gegen Rechts, gegen Rassismus, Diskriminierung sowie Ausgrenzung sind weitere Themen der Tagung. Auch Fragen der Mehrstaatigkeit und eines humanitären Aufenthaltsrechts sowie von Säkularität und Religiosität in der Einwanderungsgesellschaft werden erörtert. Die Fragestellungen rund um die Perspektiven der Einwanderungsgesellschaft bekommen in der diesjährigen Interkulturellen Woche eine besondere Bedeutung, da sie in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Wahl des Deutschen Bundestags am 22. September stattfinden wird. Empfohlener Zeitraum für die IKW ist vom 22.-28.September.

www.interkulturellewoche.de

Internationale Wochen gegen Rassismus vom 11. - 24. März

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Ziel ist es, die Kampagne durch Aktivitäten vor Ort mit Leben zu füllen – im vergangenen Jahr fanden in Deutschland unter dem Dach der Internationalen Wochen gegen Rassismus mehr als 1.200 Veranstaltungen an über 300 Orten statt. Die Aktionen reichten von Schulinitiativen und Sportveranstaltungen über Stadtteilfeste und Podiumsdiskussionen bis zu Theaterstücken und Lesungen.

Weitere Informationen zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus finden Sie unter:

http://www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de/

Wettbewerb: Das Europäische Sprachensiegel 2013

Das Europäische Sprachensiegel 2013, verliehen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, fördert Initiativen im Bereich des Sprachenlehrens und -lernens mit dem Ziel, erfolgreiche Konzepte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die diesjährige Ausschreibung steht unter dem Motto „Erfolgreiches Lernen in mehrsprachigen Gruppen - Innovative Projekte zur außerschulischen und schulischen Förderung von Mehrsprachigkeit als Schlüssel zum Bildungserfolg und zum Erwerb interkultureller Kompetenzen in Europa".

Wie sichern oder erhöhen Sie den Bildungserfolg, indem Sie die Mehrsprachigkeit von Personen mit Migrationshintergrund als Ressource nutzen? Inwieweit geht Ihr Projekt über die Vermittlung reiner Sprachkenntnisse hinaus und fördert die interkulturelle Kompetenz? Wie sichert Ihr Projekt ab, dass auf der einen Seite die verschiedenen Herkunftssprachen der Lernenden, aber auch eine stetige Verbesserung der Kompetenz in Schrift und Wort in der Zielsprache gefördert wird? Auf welche Art und Weise reflektieren und messen Sie den Erfolg Ihres Projektes?

Erfolgreiche Bewerbungen bis zum 10. März 2013 berücksichtigen den nationalen Themenschwerpunkt und die europäischen Kriterien gleichermaßen. Honoriert werden neue Techniken der Sprachvermittlung. Die Unterstützung innovativer Projekte auf lokaler und nationaler Ebene soll die Qualität des Sprachunterrichts europaweit verbessern.

Beteiligen können sich Institutionen aus allen Bildungsbereichen, die in Deutschland ansässig sind – von der Kleinkindbildung über die Schul- und Hochschulbildung bis zur Berufs- und Erwachsenenbildung.

Weitere Informationen zum Wettbewerb und die Bewerbungsunterlagen finden Sie auf der Website des DAAD unter:

www.eu.daad.de/sprachensiegel

Tagung der Uni Bremen – „Pädagogische Professionalität in der Migrationsgesellschaft"

An der Universität Bremen findet vom 19. bis 21. April 2013 die Tagung "Pädagogische Professionalität in der Migrationsgesellschaft" statt.

Die Tagung der Arbeitsbereiche Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen und Migration und Bildung an der Universität Oldenburg konzentrieren sich auf das Verständnis von pädagogischer Professionalität in der Migrationsgesellschaft und die zentralen Themen, Aspekte, Aufgaben und Strukturen in diesem Bereich.

Weiterhin thematisiert werden die Vermittlung an den Hochschulen, die curricularen Voraussetzungen und Konzeptionen, der Zugang zur Bildung und die nötigen didaktischen und inhaltlich-theoretischen Zugänge.

Anmeldeschluss ist der 1. April 2013.

Tagungsteam
E-Mail ppm.tagung.2013@uni-bremen.de

http://www.fb12.uni-bremen.de/de/interkulturelle-bildung/aktuelles/tagung-ppm-2013.html

Termin sichern – Fachtag Kommunale Partnerschaften mit Afrika

Am 26. April 2013 führt die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) der ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH in Zusammenarbeit mit der Stadt Ludwigsburg und dem Bundesland Baden-Württemberg den bundesweiten Fachtag "Kommunale Partnerschaften mit Afrika: Zusammenarbeit mit Migranten und europäischen Partnern" durch. Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter von Kommunen aus den Fachbereichen Internationales, Städtepartnerschaften, Lokale Agenda 21 und Integration sowie an Partnerschaftsvereine, entwicklungspolitisch aktive Migrantenorganisationen und Eine-Welt-Vereine.

Die SKEW setzt sich dafür ein, die Synergien zwischen Entwicklung und Migration auf lokaler Ebene gezielt zu nutzen. Auf dem Fachtag werden wichtige Handlungsfelder der SKEW, Kommunale Partnerschaften und Migration und Entwicklung auf lokaler Ebene diskutiert. Neben Fachvorträgen aus Deutschland und Europa wird der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, sprechen.

Kontakt
Jennifer Ichikawa
E-Mail
Telefon 0228 20717335
jennifer.ichikawa@engagement-global.dehttp://www.engagement-global.de/
Telefon 0228 20717335

Gutes Beispiel in den Altbundesländern: Wurzeln erinnern – Zukunft gestalten

Der „Trialog der Kulturen“-Schulenwettbewerb der Herbert-Quandt-Stiftung bietet in den Bundesländern Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland allen Schulen ab der 5. Klasse die Möglichkeit, sich ein Jahr lang intensiv mit dem Judentum, Christentum und Islam zu beschäftigen. Ziel ist Verbindendes und Trennendes zu entdecken und gesellschaftspolitischen Fragen auf den Grund zu gehen.

Erinnerung kann ein Zugang sein, sich selbst und den anderen besser zu verstehen und Ideen für eine Gesellschaft von morgen zu entwickeln. Die Wettbewerbsrunde 2013/14 steht deshalb unter dem Motto „Wurzeln erinnern – Zukunft gestalten“. Welche sprachlichen, kulturellen und religiösen Wurzeln prägen unser Denken und Handeln? Wer entscheidet, was erinnert und bewahrt wird? Wie werden Geschichten und Geschichte erzählt? Und wie drücken sie sich in heiligen Schriften, Literatur, Musik und Architektur aus? Wie fügen sich die vielfältigen Erzählstränge unserer Gesellschaft zu einer gemeinsamen Geschichte? Und vor allem: wie schreiben wir sie weiter?

Bis zu 25 Schulen aus den fünf Bundesländern werden in den Wettbewerb aufgenommen und erhalten jeweils ein Startgeld von 3.500 Euro. Den Gewinnern winken Preisgelder in Höhe von insgesamt 60.000 Euro.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Projekt mit einer finanziellen Förderung, die eine Durchführung des Wettbewerbs über Hessen hinaus in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland, Hamburg und Bremen ermöglicht.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
http://www.herbert-quandt-stiftung.de/jahresthema-2013/2014/