Newsletter Nr. 13 vom 28.03.2013

Mit Herz gesehen - Nur nicht manipulieren lassen!

1991 überfiel der Irak Kuwait. Und die Welt überlegte, ob sie militärisch etwas dagegen unternehmen sollte. Viele Länder zögerten. Das änderte sich schlagartig mit der Nachricht, dass Frühgeborene in kuwaitischen Krankenhäusern aus den "Brutkästen" entfernt wurden, damit diese Apparate im Irak den dortigen Frühgeborenen zugutekommen sollten.

Die Welt war empört! Ich auch! Und so wurde die Entscheidung der UNO, eine Militäraktion zu beschließen, von der breiten Weltöffentlichkeit begeistert akzeptiert. Von mir auch! Erst einige Jahre später wurde bekannt, dass diese Nachricht etwas, sagen wir mal, dramatisiert worden war. Aber sie wirkte - zumindest einmal.

Sich einmal emotionalisieren zu lassen - manche sagen auch „manipulieren" dazu - dafür kann man nichts. Sich zweimal so an den eigenen Emotionen herumführen zu lassen, daran ist man selber schuld. Wenn ich heute dramatisierende Nachrichten höre, mache ich mir meine Gefühle bewusst und schalte sie zunächst aus. Dann denke ich in Ruhe über die Implikationen nach.

Solch eine Reaktion hatte ich auch nach der Nachricht des Bundesinnenministers über die steigende Gewaltbereitschaft der Islamisten in Deutschland. Die erste emotionale Reaktion bei einigen war: Jetzt müssten „wir" in Deutschland endlich etwas Dramatisches gegen den Islam hier unternehmen. Viele Kommentare auf der Facebookseite unseres Innenministers gingen in diese Richtung.

Doch Moment mal!

Was hat die überwiegende Mehrheit der Muslime in Deutschland mit Salafisten zu tun? Gar nichts! Wenn wenige extreme Christen in Deutschland und den USA Anschläge auf Ärzte verüben, die Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, was hat das mit der Mehrheit der Christen zu tun? Gar nichts!

Lassen wir uns nicht von emotionalisierenden Nachrichten zu falschen Verallgemeinerungen hinreißen! Tun wir stattdessen das Richtige: Unterstützen wir unsere Ordnungskräfte durch adäquate Finanzierung UND zeigen wir Solidarität mit der großen Mehrheit der Muslime in Deutschland.

Zeigen wir, dass wir uns in der Mitte der Gesellschaft nicht auseinander dividieren lassen.

Martin Gillo

Sozialministerium mit Gesundheitswegweiser für Migranten

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbaucherschutz bietet ab sofort einen neuen mehrsprachigen Gesundheitswegweiser für Migrantinnen und Migranten an. Die Broschüre ist in den Sprachen deutsch, englisch, französisch, russisch und vietnamesisch erhältlich. Sie soll Zuwanderer mit dem deutschen Gesundheitssystem vertraut machen und über die Angebote zur Beratung und Unterstützung informieren. Eine Veröffentlichung der polnischen Ausgabe erfolgt in Kürze im Internet.

Der „Gesundheitswegweiser für Migranten im Freistaat Sachsen – Informationen zur Gesundheitsversorgung und Prävention“ kann kostenlos bezogen werden beim

Zentralen Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30
01127 Dresden
Telefon 0351 2103671
Telefax 0351 2103681
E-Mail Publikationen@sachsen.de

Die Broschüre kann auch online bestellt und heruntergeladen werden unter https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/18070.

Studie der Universität Leipzig: Rechtsextremismus der Mitte

Eine Langzeitstudie der Universität Leipzig belegt Ausländerfeindlichkeit als eine bundesweit verbreitete Einstellung. Während Rechtsextremismus in Ostdeutschland vor allem ein Jugendproblem sei, seien in Westdeutschland die älteren Jahrgänge negativ gegenüber Ausländern eingestellt. Zur Erklärung führen die Wissenschaftler an, dass beide Gruppen in ihrer Jugend den Zusammenbruch eines autoritären Systems - Kaiserreich, NS-Regime und DDR - erlebt hätten. Dies würde zu Unsicherheit und Aggressionen gegenüber Andersartigen führen.

Laut Umfrage stimmen im Osten „im langjährigen Mittel“ fast 32 Prozent der Befragten ausländerfeindlichen Aussagen zu, im Westen stimmen etwa 23 Prozent den Aussagen zu. In Westdeutschland ist jeder zehnte Befragte antisemitisch eingestellt (9,8 Prozent), während es im Osten jeder 16. ist (6,3 Prozent).

Menschen mit rechtsextremem Gedankengut fehlt es an dem Kontakt zu Migranten. Vor allem Menschen, die keinen persönlichen Kontakt zu Migranten im Arbeits- oder Privatleben haben, sind ausländerfeindlich eingestellt, so die Hypothese der Studie. Rund 75 Prozent der Westdeutschen, aber nur gut 36 Prozent der Ostdeutschen haben nach der Studie in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz Kontakt zu Nicht-Deutschen. Privat kommen 58 Prozent der Westdeutschen und 24 Prozent der Ostdeutschen im Familien- und Freundeskreis mit Menschen mit ausländischen Wurzeln zusammen. Genauso bedrohen ökonomische und soziale Krisen die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse, wodurch sich das Potential ethnozentrischer und somit rechtsextremer Einstellungen erhöht.

Für die repräsentative Studie wurden in den Jahren 2002 bis 2012 rund 17 000 Deutsche befragt, wie die Universität Leipzig am Montag mitteilte. Die Arbeitsgruppe von Prof. Elmar Brähler und PD Dr. Oliver Decker untersucht im Fachbereich Medizinische Psychologie an der Universität Leipzig seit zehn Jahren die rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Während dieser sozialpsychologischen Studien, genannt „Mitte-Studien“, werden im Zwei-Jahres-Rhythmus repräsentative Erhebungen durchgeführt. Die aktuelle Publikation präsentiert Ergebnisse aus den letzten zehn Jahren.

Buchveröffentlichung:
Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler
Rechtsextremismus der Mitte - Eine sozialpsychologische Gegenwartsdiagnose
Psychosozial-Verlag, 19,90 Euro
ISBN: 978-3-8379-2294-3

Weitere Informationen erhalten Sie unter
http://www.zv.uni-leipzig.de/service/presse/pressemeldungen.html?ifab_modus=detail&ifab_id=4842.

Ausstellungseröffnung mit Arbeiten begabter Migrantenkinder

Im Kinder- und Elternzentrum Kolibri e. V. wird am 12. April 2013 die Ausstellung „Kinderaugen sehen mehr“ eröffnet. Sie findet im Rahmen des Projektes für begabte Kinder „ArtGeneration: Russland –Deutschland“ statt. Zu sehen auf der Ritzenbergstraße 3 in 01067 Dresden.

www.kolibri-dresden.de

BAMF-Studie zu ausländischen Wissenschaftler in Deutschland

Der Fachkräftemangel in Deutschland wirkt sich auch auf den Forschungsbereich aus. Jeder zehnte Wissenschaftler stammt aus dem Ausland. Das „Working Paper“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge untersucht die Herkunft der Mitarbeiter und zeigt, in welchen Bereichen Forschung ohne internationales Personal nicht mehr denkbar ist.
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp50-auslaendische-wissenschaftler.pdf?__blob=publicationFile&utm_source=Themen-Alert+Mediendienst+Integration&utm_campaign=59aa8c0693-Themen_Alert_Mediendienst_Integration_Februar_IV&utm_medium=email

Tagung zur Schule in der Migrationsgesellschaft

Die Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung thematisiert die Frage, was die Schule in der und für die Migrationsgesellschaft leisten kann bzw. sollte. Nach drei Impulsreferaten, beispielsweise zum Stellenwert interkultureller Bildung, werden die Themen in vier Arbeitsgruppen vertieft. Der Schwerpunkt der Vorträge und Diskussionen liegt auf der Rolle und dem Beitrag von Lehrkräften, Schülern und Eltern mit Zuwanderungsgeschichte.

Insgesamt möchte die Fachkonferenz mit ihrer Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, theoretischen Erwägungen und praktischen Beispielen zum besseren Verständnis von Handlungsoptionen beitragen. Während die eine Hälfte des Teilnehmerkreises über die KMK von den 16 Ländern benannt wird, setzt sich die andere aus den bei der Bundeszentrale eingehenden Anmeldungen zusammen.

Die Tagung findet vom 29. bis 30. April 2013 in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund, Luisenstraße 18 in 10117 Berlin statt. Besonders angesprochen sind Lehrkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Vertreterinnen und Vertreter der Bildungs- und Kultusbürokratie. Die Tagung wird gemeinsam veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz.

http://www.bpb.de/veranstaltungen/format/kongress-tagung/150355/schule-in-der-migrationsgesellschaft?utm_source=Themen-Alert+Mediendienst+Integration&utm_campaign=59aa8c0693-Themen_Alert_Mediendienst_Integration_Februar_IV&utm_medium=email

Neues Berliner Partizipationsprogramm fördert Migrantenorganisationen strukturell

Die Integrationsbeauftragte des Senats von Berlin hat die Ergebnisse des Qualitätsdialogs zum Berliner Integrationsprogramm veröffentlich. Die Aufgabe dieses 2012/13 durchgeführten Qualitätsdialogs war es, das Förderprogramm für Integrationsprojekte im Dialog - insbesondere mit den derzeit geförderten Projekten - weiterzuentwickeln.

Im Ergebnis dieses Prozesses wird das Programm ab 2014 neu ausgerichtet. Künftig sollen politische Partizipation und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit eigener oder familiärer Einwanderungsgeschichte stärker im Vordergrund sehen; Migrantenorganisationen und ihre Netzwerke sollen weiter gestärkt werden. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund:

Die Projekte sollen herkunftsübergreifend ausgerichtet sein.

Es geht darum, die Kompetenz und die Fähigkeiten der Organisationen zu selbstständigem und unabhängigem Management zu unterstützen (Empowerment).

Es werden die Vernetzung von Migrantenorganisationen und der Austausch zwischen den Projekten gefördert.

Im Frühjahr 2013 wird die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen ein transparentes Verfahren eröffnen, bei dem Berliner Integrationsprojekte zunächst die Möglichkeit haben, ihr Interesse an einer Förderung im Rahmen des Partizipationsprogramms zu bekunden. Außerdem werden dann neue aus dem Qualitätsdialog entwickelten Förderleitlinien vorgestellt, mit dem diese Projektförderung neu geordnet wird. Damit sollen Migrantenorganisationen und in der Integrationsarbeit tätige Vereine eine faire Chance auf eine mittelfristige Förderung erhalten.

Der Abschlussbericht zum Qualitätsdialog mit den Integrationsprojekten der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen liegt vor unter

http://www.berlin.de/lb/intmig/themen/projekte/index.html

Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration, AL III 1
Potsdamer Straße 65
10785 Berlin
Telefon 030 90172357
Telefax 030 90172320