Newsletter Nr. 31 vom 13.09.2013

Mit Herz gesehen - Wünsche für eine menschenwürdige Unterbringung

Ein Jahr lang unterstützte uns eine Freiwillige im Sozialen Jahr Politik bei der Arbeit in meiner Geschäftsstelle. In ihrer letzten Woche haben wir sie zu einem turnusmäßigen Heim-TÜV-Besuch in eine Gemeinschaftsunterkunft mitgenommen. Sie schrieb mir am letzten Tag Folgendes:

Lieber Herr Prof. Dr. Gillo,

wie Menschen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Sachsen leben, konnte ich am Mittwoch im Landkreis Görlitz mit meinen eigenen Augen sehen. Heute zur Auswertungsrunde konnte ich meine Eindrücke reflektieren. Dass Menschen mit einem Schicksal nach Deutschland kommen, hier Zuflucht suchen und von einem guten Leben träumen und dafür die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft mit zum Teil erniedrigenden Bedingungen hinnehmen, hat mir zum ersten Mal bewusst gemacht, wie gebrochen sie im Inneren eigentlich sein müssen.

Ganz besonders ist mir aufgefallen, dass bei jungen Männern der große Wille da ist, etwas für die Gesellschaft in unserem Land zu tun und sich einzubringen. Arbeitsgelegenheiten und konstruktive Beschäftigung würden ihnen zeigen, dass sie gebraucht werden. Wie kann es sein, dass ein Inder seit zwölf Jahren im Asylbewerberheim lebt und keine Arbeitserlaubnis erhält? Das verstehe ich nicht. Ich bin entschieden dafür, so viele Asylbewerber wie möglich mit Arbeit zu versorgen, um ihnen eine Chance für einen Neuanfang in unserem Land zu bieten.

Des Weiteren habe ich in viele Kinderaugen blicken können, bei denen ich weiß, dass sie es immer schwer in der Grundschule haben werden. Dass Kindergartenplätze in Sachsen rar sind, ist mir bewusst. Aber Asylbewerberkindern im Vorschulalter einen Kindergartenplatz zu gewährleisten, würde bedeuten, ihnen das Deutsch lernen einfacher zu gestalten, sie auf die Schule vorzubereiten und vor allem sozial zu integrieren. Das würde ich mir wünschen.

Ich konnte mit zwei alleinstehenden Frauen sprechen, die sich beide nicht sicher im Heim fühlen. Ich kann das gut verstehen, denn weiß ich, was passiert, wenn ich in der Küche gerade mein Gemüse schnippele und zwei Männer dazukommen, die seit Jahren nicht beschäftigt sind und dem Alkoholismus verfallen sind? Sollte ich da das Messer, mit dem ich eben das Gemüse geschnitten habe, lieber wegpacken? Alleinstehende Frauen in Wohngemeinschaften unterzubringen fände ich hier eine adäquate Lösung und würde die Angstzustände vieler Frauen beseitigen.

Dieser Alkoholismus, der die Asylbewerber aggressiv macht und anderen Angst einjagt, hat aus meiner Sicht seine Ursache in der Perspektivlosigkeit. Wenn ich die Wahl habe, ob ich depressiv in meinem Zimmer sitze oder ob mir der Alkohol ein bisschen Trost für ein paar Stunden gibt, ist klar, zu was der menschliche Geist tendiert.

Ich hatte noch die Idee eines „Runden Tisches“ für alle Heimbetreiber in einem Landkreis. Die Heimbetreiber könnten davon profitieren, wenn Sie sich über positive Beispiele austauschen könnten und sie in ihrem Heim nachahmen. Genauso könnten sich die Heimbetreiber aber auch über Überforderung verständigen, wie man damit umgeht, wer mir helfen kann usw.

Letztendlich bleibt noch das soziale Leben im Heim. Wenn jeder an seinen „Nachbarn“ denken würde, gäbe es keine verdreckten unaufgeräumten Küchen und verstopfte, übel riechende Toiletten, die als Abfalleimer benutzt werden. Dieser Sinn für gemeinschaftliches Zusammenleben muss von uns und den Heimbetreibern initiiert werden. Als Beispiel hierfür fällt mir ein Theaterstück ein, das von möglichst vielen Bewohnern getragen wird und verschiedene Kulturthemen behandelt. Die Bewohner müssten aufeinander achten, sich auf den anderen verlassen und wären beschäftigt. Die Kreativität der Menschen wäre gefragt und Geld braucht man dazu auch nicht.

Mir ist ganz wichtig, dass meine Worte nicht als Anklage gesehen werden, sondern vielmehr als Vorschläge, die in meinem einen Jahr in der Geschäftsstelle des Sächsischen Ausländerbeauftragten in meinem Kopf gereift sind.

Ihre A.K.

Sächsischer Integrationspreis 2013: Bewertung beginnt

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Bis zum Einsendeschluss am 9. September 2013 gingen 23 Bewerbungen für den Sächsischen Integrationspreis bei der Geschäftsstelle ein. Zusätzlich wurden weitere sieben Personen für den Sonderpreis für langjähriges Engagement vorgeschlagen. Die erfassten und vereinheitlichten Bewerbungsunterlagen gehen in diesen Tagen den Jurymitgliedern zu. Die Jury setzt sich zusammen aus den Preisträgern des vergangenen Jahres, einem Unternehmensvertreter sowie einem Vertreter aus der öffentlichen Verwaltung. Den Vorsitz führen die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Christine Clauß, und der Sächsische Ausländerbeauftragte, Prof. Dr. Martin Gillo, gemeinsam.

Interkulturelle Woche beginnt in Städten und Gemeinden

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Mehr als 4.500 Veranstaltungen in über 500 Städten und Gemeinden werden zur Interkulturelle Woche 2013 erwartet. Sie steht unter dem Motto „Wer offen ist, kann mehr erleben.“ Die bundesweite Eröffnung ist am 21. September 2013 in Kiel.

Der Schwerpunkt der diesjährigen Interkulturellen Woche liegt auf der Bekämpfung von Rassismus. Weitere Themen sind Integration und die gleichen Chancen auf Teilhabe sowie die Entwicklung einer Willkommens- und Anerkennungskultur in der Einwanderungsgesellschaft.

Für die Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses (ÖVA), Gabriele Erpenbeck, ist Rassismus keineswegs ein Relikt der Vergangenheit, sondern Alltag für viele Menschen in Deutschland. „Ablehnung von neu Zuwandernden und Flüchtlingen muss begegnet werden, indem Orte der Kommunikation, des Kennenlernens und der Unterstützung geschaffen und Integrationskonzepte für Flüchtlinge entwickelt werden. Dazu gehört auch die Unterbringung in Wohnungen, die Ermöglichung einer schnellen Arbeitsaufnahme. Hilfreich wäre es für die Flüchtlinge wie für die gesamte Gesellschaft, die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge zu öffnen.“ erklärte sie am Donnerstag.

Materialien, Logos und aktuelle Termine zur Interkulturellen Woche finden sich auf der Homepage des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses unter:
www.interkulturellewoche.de

Die bundesweite Veranstaltungsdatenbank finden Sie hier:
http://www.interkulturellewoche.de/datenbank

Leipzig praktiziert interreligiösen Dialog und Weltoffenheit

Am 22. September 2013 werden die Interkulturellen Wochen in Leipzig zum ersten Mal mit einer interreligiösen Feier eröffnet. Unter dem Motto „Aus dem Vollen schöpfen“ stellen sich verschiedene Religionsgemeinschaften vor. Bis zum
6. Oktober 2013 laden dann über 120 Angebote und 13 Ausstellungen ein, mehr über die Leipzigerinnen und Leipziger mit Migrationshintergrund zu erfahren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Schirmherr der Interkulturellen Wochen ist Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Auf dem Augustusplatz wird ein Interkulturelles Aktionszelt stehen, in dem die Besucher wechselnde Aktionen, Informationen und Kunst erwarten. So werden Seminare zur Toleranzerziehung, zum Umgang mit Rassismus in Jugendkulturen, sowie Länderinformationen zu Äthiopien, Bosnien, Bulgarien, Tunesien oder Südafrika angeboten. Es gibt Theaterstücke, ein Chorfestival „Gesang ist bunt“, einen Ökumenischen Gottesdienst und Ausstellungen. Erstmals beteiligt sich auch die Anne-Frank-Shoah-Bibliothek mit einer Führung durch ihre Sammlung. Zum bundesweiten Tag der offenen Moschee am 3. Oktober 2013 laden vier Leipziger Moscheen ein, mit den Gemeindemitgliedern ins Gespräch zu kommen. Am gleichen Tag findet das Interkulturelle Fest „Einheit in Vielfalt“ statt.

Das Gesamtprogramm liegt im Rathaus, in Bürgerämtern und an vielen weiteren Stellen als Broschüre aus und ist im Internet unter:
www.leipzig.de/ikw

Traumafolgestörungen und Migration. Wie weiter?

Um das Problemfeld Migration und Traumatisierung geht es in einer gemeinsamen Veranstaltung des Ausländerrat Dresden e.V. und der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Dresden. Sie findet am 24. September von 14:00 bis 17:00 Uhr in Dresden statt.

Dr. Julia Schellong, Oberärztin am Universitätsklinikum Dresden, wird eine Einführung zum Thema Traumafolgestörung geben und über Erkennungsmerkmale und den Umgang mit traumatisierten Menschen sprechen. Dr. Jassim Al Mansour, Psychotherapeut aus Leipzig wird in die Interkulturelle Aspekte der Traumatisierung sprechen und therapeutische Ansätze vorstellen.

Teilnahmegebühren 2 Euro. Veranstaltungsort:

Ausländerrat Dresden e.V.
Heinrich-Zille-Str. 6
01219 Dresden

AWO Sonnenstein bietet Demokratie-Trainingsprogramm für Multiplikatoren

„Wir gestalten Gesellschaft. Grundrechte künstlerisch kreativ vermitteln“ – unter diesem Titel hat die AWO Sonnenstein Dresden ein Trainigsprogramm für Multiplikatoren entwickelt.

Lehrkräfte, Betreuer, Dozenten, Angestellte, Sozialpädagogen von staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen sollen dabei lernen, wie demokratische Grundprinzipien alltagsnah und mit künstlerischen Mitteln vermittelt werden können. Die Multiplikatoren werden außerdem für die Interaktion mit heterogenen Gruppen und für potentielle Konfliktsituationen geschult. Selbstreflexion, Mediation und Perspektivenwechsel werden geübt.

Angeboten werden folgende Workshops: Film/Stop Motion; Buch/Schreiben; Hörspiel/Radio; Collage; Fotografie – Begegnung/Umfrage/Dokumentation

Kontakt
AWO SONNENSTEIN
gemeinnützige GmbH
Projektkoordinatorin Hang Thanh Phung
Reisewitzerstr. 13
01159 Dresden
Telefon 0351 42438236
E-Mail hang.thanh.phung@awo-sonnenstein.de

Freistaat stützt Bürgerengagement auch 2014

Der Freistaat Sachsen unterstützt auch im Jahr 2014 das bürgerschaftliche Engagement seiner Einwohner mit dem Programm „Wir für Sachsen“. Bis zum
31. Oktober 2013 können Vereine, Verbände, Stiftungen, Kirchen sowie Städte und Gemeinden als Projektträger Anträge nach der Richtlinie „Wir für Sachsen“ einreichen.

Für einen Einsatz von durchschnittlich mindestens 20 Stunden monatlich können Bürger über den jeweiligen Projektträger eine pauschale Aufwandsentschädigung von monatlich bis zu 40 Euro erhalten. Nach einer Entscheidung des zuständigen Landesbeirates ist es ab 2014 erstmals möglich, dass junge Menschen bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres auch für Gremientätigkeiten in Vereinen, Verbänden u. Ä. eine Förderung bekommen können. Damit soll die Bereitschaft junger Menschen zur verantwortungsvollen Mitarbeit und Interessenvertretung in gemeinnützigen Organisationen gestärkt werden.

Die mit der Umsetzung der Förderrichtlinie beauftragte Bürgerstiftung Dresden nimmt bis Ende Oktober Anträge für das Jahr 2014 entgegen. Telefonische Rückfragen sind möglich unter
Telefon 0351 3158150 und 0351 3158163.

Hinweise zur Antragstellung sowie Formulare sind abrufbar unter:
www.ehrenamt.sachsen.de

Appell für Schutz von Flüchtlingen wird in Sachsen unterstützt

180 Prominente aus Kirchen, Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft unterstützen bereits den dringenden Appell „Rassistischen Kampagnen gegen Flüchtlinge und Asylsuchende entgegen zu treten!“ Unter ihnen sind dreizehn leitende Geistliche Evangelischer Kirchen in Deutschland – darunter auch die Bischöfe von Sachsen, Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz. Die Liste der Unterzeichner reicht von Bundestagsvizepräsidentinnen über DGB-Vorstände bis zu Schauspielern.

Den Aufruf verfassten die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, die Amadeu-Antonio-Stiftung, der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., die ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche e.V. und Pro Asyl. Er wurde heute verbreitet.

Gefordert werden „eine Politik, die Flüchtlinge schützt und nicht zur Zielscheibe rassistischer Hetze werden lässt“ und ein Recht von Asylsuchenden auf dezentrale Unterbringung, Bewegungsfreiheit und gleichrangigen Zugang zu Beschäftigung.

Anlass für den Aufruf, so die Initiatoren, sind die zunehmenden aggressiven Proteste bis hin zu Gewalttaten gegen Flüchtlinge, Asylsuchende und neue Heimstandorte in Ost- und Westdeutschland sowie politische Diskurse, in denen Flüchtlinge als „nicht anpassungsfähig abgewertet“ und Flüchtlingszahlen als „alarmierend“ bezeichnet werden, die weit unter der Anzahl von Asylsuchenden beispielsweise in den Nachbarländern Syriens liegen.

Die Erstunterzeichner fordern ein gesellschaftliches Willkommen, den Einsatz für faire und zügige Asylverfahren, den Zugang von Asylsuchenden zu Deutsch- und Integrationskuren und zum Arbeitsmarkt.

Den vollständigen Text des Appells sowie die Erstunterzeichnerinnen und –Unterzeichner finden Sie auf
und
www.asf-ev.dewww.bagkr.de und

Handreichung zur Diversität in kommunalen Verwaltungen

Viele Städte und Gemeinden in Deutschland sind bereits Orte der Vielfalt, andere haben sich auf den Weg gemacht. Globale Trends, Einwanderungs- und Integrationsprozesse und der demografische Wandel führen zu immer vielfältigeren kommunalen Gemeinschaften. Wie kommunale Verwaltungen auf diesen Wandel reagieren und wie sie einen Übergang von Integrations- zu Diversitätspolitiken gestalten, beleuchtet die Handreichung "Von Integration zu Vielfalt. Kommunale Diversitätspolitiken in der Praxis".

Die Handreichung zeigt auf, welche Erfahrungen die Kommunen bisher gemacht haben und welche Hindernisse und Erfolgsfaktoren in der Umsetzung zu beachten sind. Sie veranschaulicht anhand ausgewählter Beispiele die Diversity-Praxis in internationalen, europäischen und deutschen Kommunen. Herausgeber der Dokumentation ist das Fritz-Erler-Forum Baden Württemberg und die Friedrich-Ebert-Stiftung.

Die Handreichung kann unter folgendem Link kostenfrei herunterladen werden:
http://library.fes.de/pdf-files/bueros/stuttgart/10142.pdf