Newsletter Nr. 34 vom 19.10.2012

Mit Herz gesehen - Wenn Akademiker auch Flüchtlinge sind

Flüchtlinge sind wie ungebetene Gäste. Wir haben sie nicht nach Sachsen gebeten. Sie sind in der Regel auch nicht von sich aus nach Sachsen gekommen, sondern meist in ein westdeutsches Bundesland, das sie uns weitergereicht hat. Doch sie sind nun einmal hier. So behandeln wir sie anfangs eher zurückhaltend.

Einige von ihnen kommen als akademisch ausgebildete Menschen zu uns. Wir verteilen sie nach Zufallsprinzip auf über 30 Heime in unserem Bundesland. Wenn sie in eine unserer drei großen Städte kommen, dann ist das so, als wenn sie in der Lotterie gewonnen hätten, weil sie Zugang zu den vielen Verbänden und Vereinen und einer offenen Gesellschaft bekommen.

Doch auch wir könnten von ihnen profitieren. So erfuhr ich vor kurzem, dass in der Dresdner Region ein akademisch gebildeter Flüchtling aus einem Bürgerkriegsland nach kurzer Zeit eine Stelle als Projektmanager bei einer internationalen Firma bekommen hat.

Das nenne ich sinnvolles Handeln. Auf der einen Seite klagen wir über Mangel an Fachkräften. Auf der anderen Seite leben einige von ihnen schon in unserer Mitte. Sicher, sie kamen auf ungewöhnlichen Wegen. Und wir schauen einfach nicht hin. Das Dresdner Beispiel zeigt, dass es auch anders geht. Nehmen wir es doch als guten Weckruf für unsere Gesellschaft und für unsere Unternehmen.

Wer über das typische Schicksal der bei uns lebenden akademisch gebildeten Flüchtlinge nachdenkt, könnte schnell auf die Idee kommen, sie alle in eine unserer drei großen Städte zu verlegen, statt in ländliche Gebiete.

Doch auf den zweiten Blick wird man sich schnell bewusst, dass gerade die Firmen in ländlichen Regionen an Fachkräftemangel leiden. Wer also Flüchtlings-Akademiker nur in die großen Städte verlegen will, enthält der Wirtschaft in den ländlichen Regionen wichtige potenzielle Fachkräfte vor, die anderweitig vielleicht nie dorthin zu bekommen wären.

Ich weiß von einem internationalen Unternehmen in Ostsachsen, das händeringend nach akademisch gebildeten Talenten sucht. Ich kenne auch eine Gruppe von akademisch gebildeten Flüchtlingen, die dort in der Region in Asylbewerberheimen leben.

Wie wäre es, wenn sich die örtlichen Politiker, die Verwaltung und die lokalen Unternehmensverbände zusammentun und darüber nachdenken, in wieweit akademisch gebildete Flüchtlinge in ihrer Region der Gesellschaft – und den Unternehmen – mit ihren Talenten helfen könnten. Vielleicht anfänglich auch nur auf Zeit? Denn wo ein Wille ist, da werden sich auch Wege finden.

„A mind is a terrible thing to waste.” Zu Deutsch: Menschliches Potenzial zu vergeuden ist eine schreckliche Verschwendung.

Mit anderen Worten: Es gibt in den ländlichen Regionen echten Fachkräftemangel. Es gibt in den ländlichen Regionen akademisch gebildete Flüchtlinge, die auf Jahre nur herumsitzen sollen. Glaubt wirklich jemand, dass das gut so ist?

Martin Gillo

NIMS-Treffen: „Mehr Vernetzung – Mehr Wert?!“

Grafik 2

Am 15. Oktober 2012 trafen sich etwa 50 Akteure aus dem Bereich Integration und Migration zu ihrem Netzwerktreffen im Kulturrathaus in Dresden.

Im Zentrum des Treffens stand die Netzwerkarbeit der sächsischen Akteure im Bereich Integration und Migration. Die bereits in Sachsen bestehenden Netzwerke sollten bekannt und sichtbar gemacht werden, und weitere Vernetzungen sollten angeregt werden.

Neben den großen überregionalen Netzwerke, die häufig thematisch fokussiert sind, gibt es in allen Landkreisen und Kreisfreien Städten Sachsens regional und operativ arbeitende Netzwerke, die anlassbezogen (z.B. bei der Vorbereitung der Interkulturellen Woche) oder kontinuierlich bei allen Fragen der Integration und Migration zusammenarbeiten. Außerdem ist eine wachsende Zusammenarbeit zwischen regionalen und überregionalen Netzwerke zu verzeichnen.

Neben der Identifizierung von Erfolgsfaktoren setzten sich die Teilnehmer mit der Frage auseinander, wie sie selber gezielt zur Stärkung der Zusammenarbeit beitragen können, beispielsweise in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und bei der Akquise von Fördergeldern.

Das nächste NIMS-Treffen ist für den 22. April 2013 im Sächsischen Landtag in Dresden geplant.

Leipziger Stadtverwaltung erarbeitete Gesamtkonzept zur Integration der Migrantinnen und Migranten

Der Erste Bürgermeister, Andreas Müller, stellte den Entwurf des Gesamtkonzeptes Oberbürgermeister Burkhard Jung vor. Müller schätzt ein, dass das Konzept den guten Stand der Integrationsarbeit in Leipzig belege, Handlungsbedarf aufzeige und bedarfsgerecht Empfehlungen formuliere. Nach Beratung in den Fachausschüssen und im Migrantenbeirat wird es im November der Ratsversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt. Das Konzept basiert auf den im Januar 2011 vom Stadtrat beschlossenen Leitlinien zur Integration der Migrantinnen und Migranten.

Erarbeitet wurde es von der Verwaltung unter Beteiligung von mehr als

70 Vereinen, Verbänden, Einrichtungen, Initiativen und nichtstädtischen Behörden.

Es analysiert und beschreibt acht Handlungsfelder und listet rund 120 konkrete Maßnahmen auf, die im Aufgabenbereich der Stadtverwaltung

liegen. Die Handlungsfelder sind Bildung, Erziehung und Spracherwerb, Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung, interkultureller und interreligiöser Dialog, politische Teilhabe sowie Bekämpfung von Diskriminierung und Rassismus.

Ausführliche Informationen im Angebot der Stadt Leipzig:

http://www.leipzig.de/de/buerger/newsarchiv/2012/Gesamtkonzept-Integration-Migranten-24115.shtml

Leipziger Migrantenbeirat wählt neuen Vorsitzenden

Hassan Zeinel Abidine ist seit vergangenem Freitag der neue Vorsitzende des Migrantenbeirats. Die bisherige Vorsitzende, Marcela Lidia Zuñiga Medina, hatte nach turnusmäßigen zweieinhalb Jahren nicht wieder kandidiert. Als Stellvertreter wurden gewählt Frau Yesim Sanli und Herr Chi Chinh Nguyen, der diese Funktion auch bisher innehatte.

„Ich will die erfolgreiche Arbeit meiner Vorgängerin fortsetzen, unter deren Leitung sich das Gremium sehr gut etabliert hat, und rechne mit dem engagierten Mittun aller Mitglieder“, betonte der neu gewählte Vorsitzende Zeinel Abidine nach seiner Wahl.

Dem Migrantenbeirat der Stadt gehören 16 Einwohner Leipzigs mit Migrationshintergrund und Vertreter der sechs Fraktionen im Stadtrat an. Er hat die Aufgabe, Stadtpolitik und Stadtverwaltung bei integrationspolitischen

Entscheidungen zu beraten. Er kommt alle zwei Monate zu öffentlichen Sitzungen

zusammen.

Kontakt

Geschäftsführung des Beirats

Referat für Migration und Integration,

Neues Rathaus

04092 Leipzig

E-Mail migrantenbeirat@leipzig.de

Temporäres Denkmal für einen ausgegrenzten Sportler in Dresden-Hellerau

Die Künstlergruppe NURR zeigt vom 10. Oktober bis zum 16. Dezember 2012 eine Installation, mit der Johann "Rukeli" Trollmann, Deutscher Meister im Halbschwergewicht von 1933, gewürdigt wird. „9 8 4 1“ ist der Titel des Denkmals, dass auf die KZ-Häftlingsnummer Trollmanns Bezug nimmt. NURR will mit ihrer Installation ein temporäres Denkmal für einen außergewöhnlichen sinto-deutschen Boxer schaffen, dem aufgrund seiner ethnischen Wurzeln im Nationalsozialismus Erfolg und sozialer Aufstieg versagt blieben. Entrechtet und ausgegrenzt, verlor Johann Trollmann schrittweise seine Existenzgrundlage, kam 1942 ins KZ Neuengamme und wurde 1944 im KZ Wittenberge ermordet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog http://trollmann.info/de/download/

HELLERAU – EUROPÄISCHES ZENTRUM DER KÜNSTE DRESDEN
Karl-Liebknecht-Strasse 56
01109 Dresden

http://www.hellerau.org/spielplan/9841--temporaeres-denkmal-fuer-johann-rukeli-trollmann/

http://www.nurr.net/

Fachtag „Interkulturelle Kommunikation – Mediation“ der „Aktion zusammen wachsen“

Am 14. November 2012 wird in Frankfurt am Main der zweite Fachtag der „Aktion zusammen wachsen” zum Thema „Interkulturelle Kommunikation - Mediation” stattfinden. Gemeinsam mit verschiedenen Expertinnen und Experten aus dem Bereich Kommunikation und Mediation sollen an diesem Tag Fragen der Kommunikationskompetenz im Mentoring diskutiert werden. Tagungsort ist das Lindner Congress Hotel, Bolongarostraße 100 in 65929 Frankfurt a.M.

http://www.aktion-zusammen-wachsen.de/veranstaltungen/fachtag-interkulturelle-kommunikation.html

Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
Bundesservicestelle „Aktion zusammen wachsen”
Referat 404
50964 Köln

Kostenfreie Rufnummer (0800) 440 2005
Mo – Fr 7.30 Uhr – 16.00 Uhr
Telefax (0221) 3673 3322
E-Mail info@aktion-zusammen-wachsen.de

EVZ-Stiftung aktiv mit Förderprogramm „Geschichte(n) in Vielfalt“ und Fachtagung

Für Bildungs- und Begegnungsprojekte können bei der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) Fördermittel beantragt werden. EVZ fördert mit dem Programm Projekte im Kontext der Migrationsgesellschaft zur Auseinandersetzung mit Erfahrungen von kollektiver Gewalt bzw. von systematischem historischem Unrecht, die wenig beachtet, aber umstritten sind und das interkulturelle Zusammenleben belasten.

Globale Migrationsbewegungen machen Deutschland zu einem Ein- und Auswanderungsland. Dies hat Auswirkungen auf die Erinnerungskultur in Deutschland, die sich für das 20. Jahrhundert stark auf der Geschichte des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur bezieht. Dazu kommen weitere Unrechts- und Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts: Kriege und Bürgerkriege, Vertreibungen, Verfolgung und Flucht, Völkermord, Kolonialismus, Diktaturen, Widerstand und Selbstbehauptung.

Die Projekte sollen zu einer Kultur des Respekts und der gleichberechtigten Verständigung beitragen und die Fähigkeit zu einem konfliktfähigen wie friedfertigen Zusammenleben in der Vielfalt in Deutschland stärken.

Einsendeschluss für Förderanträge: 1. Februar 2013

Den vollständigen Text der Ausschreibung und weitere Informationen finden Sie hier.

Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" 
Lindenstraße 20-25

10969 Berlin
Telefon (030) 259297-84

„Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft. Umgang mit Vielfalt in Bildungsprojekten“

Außerdem macht die Stiftung EVZ auf eine Fachtagung in Berlin aufmerksam, die vom 26. - 27. November 2012 in Berlin stattfindet

Einladung & Programm

 

Denkmal für Sinti und Roma in der Hauptstadt

Am 24. Oktober wird das Denkmal für die während des Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin eingeweiht. Zur Einweihung werden Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, erwartet. Auch der niederländische Zeitzeuge Zoni Weisz wird sprechen ebenso wie der Künstler Dani Karavan. Dieser hatte das Denkmal entworfen. Unter der NS-Gewaltherrschaft wurden Hunderttausende Menschen in ganz Europa als "Zigeuner" verfolgt, deportiert und hingerichtet.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2012/10/2012-10-09-denkmal-sinti-und-roma.html

Antragsfrist für Projekt EmPa verlängert

Die Bewerbungsfrist für das Projekt EmPa - Empowerment und Partizipationsförderung für Drittstaatenangehörige in den neuen Bundesländern wurde bis zum 26.Oktober 2012 verlängert.

Das Projekt EmPa II richtet sich von 2013 bis 2016 an gesellschaftlich aktive Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten. Gesucht werden Personen, die aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland eingewandert sind und noch die Staatsbürgerschaft ihres Herkunftslandes besitzen oder erst vor kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben. Das Projekt will bürgerschaftliches Engagement und die gesellschaftliche Teilhabe dieser Gruppe durch ein Qualifizierungsprogramm fördern und stärken.

Im ersten Projektjahr 2012-2013 werden die Akteure aus Migrantenorganisationen zum Qualifizierungsprogramm „Migrantenorganisationen fördern und stärken“ eingeladen.

http://www.raa-brandenburg.de/Aktuelles/tabid/121/Default.aspx


Projektleiterin
Dina Ulrich
EmPa II – Empowerment und Partizipationsförderung
für Drittstaatenangehörige in den neuen Bundesländern
RAA Brandenburg
Benzstraße 11/12
14482 Potsdam
Telefon (0331) 7478028
Telefax (0331) 7478020
Mobil 0151 59 210 280

E-Mail 
d.ulrich@raa-brandenburg.dewww.raa-brandenburg.de

Seminarreihe zur Projektentwicklung von IQ-Consult

Projektförderung mit öffentlichen oder privaten Mitteln sind das Thema des Projektes „Promico – Projekte in den Migrantencommunitys“. Dazu bietet IQ-Consult eine neue Seminarreihe im November in Hamburg an. Sie richtet sich an Menschen, die haupt- oder ehrenamtlich in oder für Migrantenorganisationen arbeiten.

Termine sind der 10. November 2012 (Fördermodelle, Mittelgeber, Projektskizze)  und 11. November 2012 (Zielbestimmung und Evaluation) sowie der 24. November 2012 (Finanzplan: Ausgaben und Einnahmen) und 25. November 2012 (Mittel, Budgets, Belege).

Ausführliche Informationen unter Promico Angebote

http://www.migration-online.de/data/promico_angebote.pdf

Kontakt:
Jens Nieth
Projektmentoring
IQ-Consult gGmbH
Telefon (0211) 4301-191
E-Mail j.nieth@iq-consult.de

Fünf Hauptamtliche für Migrantenjugendselbstorganisationen

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ finanziert bis Ende 2014 fünf hauptamtliche Mitarbeiter im Modellprojekt „Jugend 2014 – Migrantenjugendorganisationen (MJSO) als Akteure der Zuwanderungsgesellschaft“.

Damit sollen ab dem 1. September 2012 bundesweite Strukturen unterstützt werden.

Die Vorsitzenden der beteiligten Vereine betonten, mit diesem Modellprojekt gebe es endlich die Chance, Strukturen zu professionalisieren und neben der Projektdurchführung auch die Öffentlichkeitsarbeit, den Verbandsaufbau und die Netzwerkarbeit intensiver und nachhaltiger verfolgen zu können.

Träger des Modellprojektes ist die djo-Deutsche Jugend in Europa. Beteiligt ist der Verband junger Roma und Nicht-Roma Amaro Drom e.V., der Assyrische Jugendverband Mitteleuropa (AJM) e.V., der Jugendverband der Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF-Jugend), der Kurdische Kinder- und Jugendverband - KOMCIWAN e.V. und der Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland - JunOst e.V.

Weitere Informationen und Hintergründe hält die djo-Bundesgeschäftsstelle vor unter: www.djo.de

Weitere bundesweite Tagungen

„Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge – Universelles Menschenrecht oder Privileg?“ vom 28. - 30. Oktober 2012 in Berlin. Veranstalter sind die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. und XENION – Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

http://www.kam-info-migration.de/aspe_shared/form/download.asp?nr=359939&form_typ=115&acid=&ag_id=934

„Berufliche Integration als Herausforderung. Fachkräftebedarf als politisches Handlungsfeld“ am 13. November 2012 in Berlin. Veranstalter ist die Otto-Benecke-Stiftung.

http://www.obs-ev.de/fileadmin/user_upload/akademikerprogramm_und_aqua/pdf/Tagung/2012/Tagungsflyer_Berlin_web.pdf

„Arbeitsmigration in Wirtschaft und Gesellschaft neu denken –

Die Fachkräfte-Debatte in der Migrationsgesellschaft“ vom 22. - 23. November 2012 in Berlin. Veranstalter ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

http://www.bpb.de/veranstaltungen/format/kongress-tagung/142945/arbeitsmigration-in-wirtschaft-und-gesellschaft-neu-denken-die-fachkraefte-debatte-in-der-migrationsgesellschaft