Newsletter Nr. 11 vom 31.03.2014

Migration und Integration als Medienthema bei MDR-Infotag

Im MDR-Landesfunkhaus Erfurt fand am Freitag eine Weiterbildung für Redakteure und Programmmacher des Hörfunks, Fernsehens und der Onlineangebote der Dreiländeranstalt statt. Eingeladen hatte das MDR-Bildungszentrum. Neben dem Sächsischen Ausländerbeauftragten, der zu integrationspolitischen Entwicklungen und Konzepten sprach, referierte Robert Nadler vom Institut für Länderkunde in Leipzig zu Migration und Integration im ländlichen Raum. Er erläuterte beispielsweise die internationalen Wanderungsbewegungen von Menschen aus den östlichen sächsischen Grenzlagen in die westlichen Bundesländer und retour. Auch das Migrationsverhalten von tschechischen und polnischen Bürgern zum Arbeiten und Leben in Deutschland belegte er.

Eine Analyse von Migration im Spiegel des Journalismus bot Georg Ruhrmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Professor Ruhrmann analysierte Faktoren wie Negativität oder Kontroverse für die Nachrichtenrelevanz. Er berichtete, wie unterschiedlich Migrationsthemen in den Nachrichten und Unterhaltungsmagazinen der öffentlich-rechtlichen und der privaten Sender vorkommen. Außerdem zeigte er das Verhältnis von Nennungen von Nationalitäten im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Anteil in der Bevölkerung.

Gerlinde Frey-Vor von der Markt- und Medienforschung des MDR wartete mit dem Nutzungsverhalten von Migranten im Jahr 2011 auf. Analysiert wurde beispielsweise der Konsum von mutter- und deutschsprachigem Rundfunk und Fernsehen.

Internationaler Roma Tag am 8. April in Leipzig

Zum ersten Mal wird der Internationale Roma Tag offiziell in Sachsen am 8. April 2014 begangen. Im Neuen Rathaus in Leipzig eröffnet der Erste Bürgermeister der Stadt Leipzig, Andreas Müller, um 18 Uhr die Fotoausstellung „Amaro Leipzig - Unser Leipzig. Roma-Jugendliche zeigen ihre Stadt.“ Eine halbe Stunde später beginnt im Festsaal die Diskussion „Roma in Europa - gestern, heute und morgen" zu den Fragen:

Wie leben Roma heute in Europa, Deutschland und Sachsen?

Welchen Vorurteilen und Stereotypen sind sie ausgesetzt?

Wie wird ihre Integration gefördert?

Und was sollte die Mehrheitsgesellschaft wissen, um die Roma besser zu verstehen?

Es diskutieren:

Markus End, Politologe und Verfasser „Antiziganistisches Gutachten für Deutschland", Berlin

Beata Burakowska, Rom e. V., Sozial- und Musikpädagogin für Roma-Kinder und -Jugendliche, Köln

Gjulner Sejdi, 1. Vorsitzender Romano Sumnal e. V., Leipzig

Der Roma Tag erinnert an den ersten Welt-Roma-Kongress 1971 in London. Die Delegierten sprachen sich einmütig für die Selbstbezeichnung „Roma" aus und einigten sich auf ihre gemeinsame Flagge und eine Hymne. Roma leben seit Jahrhunderten in Europa. Sie bilden in ihren Heimatländern historisch gewachsene Minderheiten. Heute leben etwa 10 bis 12 Millionen Roma in Europa, ungefähr die Hälfte davon in der EU. Sie sind die größte Minderheit in Europa. Viele von ihnen sind in ihrem Alltag immer noch Vorurteilen, Diskriminierung und Intoleranz ausgesetzt.

Qualifizierungsreihe Globales Lernen für Migranten

Das Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen bietet in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Integration Migranten Leipzig eine Qualifizierungsreihe mit acht Modulen für Referenten des globalen Lernens an. Besonders Menschen mit Migrationshintergrund sind herzlich einladen.

Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass ein großer Bedarf an Schulen besteht, Referenten mit authentischen Erfahrungen für Veranstaltungen im Rahmen des Fachunterrichts (Geografie, Politische Weltkunde, Ethik, Sprachunterricht) und von Projekttagen einzuladen. Mit der achtteiligen Fortbildungsreihe soll die Bildungsarbeit der Migranten- und Nichtmigrantenorganisationen im Bereich globales Lernen auf einen guten didaktischen und methodischen Stand gebracht werden. Die Fortbildung soll helfen, Anknüpfungspunkte für die schulische Bildungsarbeit zu finden und den Organisationen helfen, ihre Angebote optimal in und außerhalb von Schulen einzusetzen. Außerdem werden grundlegende didaktische und methodische Fähigkeiten für die Arbeit mit Schulklassen und ausgewählte Fragestellungen des Globalen Lernens, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Eine-Welt-Thematik vermittelt.

Modul 1
Einführung in das Globale Lernen/Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung/Engagement/Projektführung; Begrifflichkeiten
16. Mai 2014, 17.00 – 20.00 Uhr
17. Mai 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 2
Methoden in Globales Lernen, ausgewählte Beispiele
30. Mai 2014, 17.00 – 20.00 Uhr
31. Mai 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 3
Workshop zur Entwicklung und Optimierung von Bildungsangeboten der teilnehmenden Organisationen
6. Juni 2014, 17.00 – 20.00 Uhr
7. Juni 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 4
Workshop zur Kommunikationstechnik und Moderation von Veranstaltungen
20. Juni 2014, 17.00 – 20.00 Uhr
21. Juni 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 5
Globales Lernen in der sächsischen Schule
5. Juli 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 6
Projektförderung, Projektmanagement und Zusammenarbeit mit Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen
6. September 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 7
Workshop zur Konzeption, Gestaltung und Durchführung einer eigenen Veranstaltung/Projektgestaltung
19. September 2014, 17.00 – 20.00 Uhr
20. September 2014, 10.00 – 16.00 Uhr

Modul 8
Hospitationen bei entwicklungspolitischen Bildungsvereinen, Projekte/Module, Entwicklungspolitischen Veranstaltungen

Kontakt
Miguel Angel Ruiz Martínez
Beratungsstelle für Migranten- und Interkulturelle Vereine im Bereich der Entwicklungspolitik ENS
E-Mail
E-Mail miguel.ruiz@einewelt-sachsen.deanne.schicht@einewelt-sachsen.de
E-Mail
Telefon 0351 4923364

STUBE Sachsen lädt ausländische Studis zum Seminar nach Chemnitz ein

Für den 11. und 12. April 2014 lädt das Studienbegleitprogramm STUBE Sachsen 20 internationale und zehn deutsche Studierende zu einem Seminar nach Chemnitz ein. Thema ist „Interkulturelles - Wie kann man sich in Deutschland beim Studium wohlfühlen?“ Beginn ist Freitag 15 Uhr, Ende am Samstag gegen 18 Uhr. Die Kosten für Übernachtung, Anreise und Verpflegung sind im Seminarbeitrag von 10 – 20 Euro enthalten. Kinder sind willkommen.

Themenblöcke sind:

Wie kann man sich in Deutschland beim Studium wohlfühlen? Bildungssysteme im Vergleich

Was tun nach dem Studium? Vorstellung der VISS-Studie „Verbleibspotential internationaler Studis in Sachsen“

Was ist gut? Was könnte besser sein beim Studium in Deutschland?

Veranstaltungsort ist die Jugendherberge Chemnitz „eins“; Getreidemarkt 1.
Die Anmeldung sollte bis Dienstag, den 1. April 2014, erfolgen.

E-Mail stube@infozentrum-dresden.de

Das ausführliche Programm steht unter:
www.stube-sachsen.de

Zwischenbericht zur „Armutszuwanderung“ liegt vor

Der so genannte Staatssekretärsausschuss hat am vergangenen Mittwoch dem Bundeskabinett seinen Zwischenbericht vorgelegt. Bislang hatte der Ausschuss sechsmal getagt. Der Bericht enthält eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Daten-, Fakten- und Rechtslage zur Zuwanderung von Unionsbürgern nach Deutschland. Er gibt auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen, wie ein Missbrauch des Freizügigkeitsrechts verhindert werden kann. Zudem enthält der Bericht Vorschläge zur Unterstützung der Städte und Gemeinden, die besonders von Zuwanderung betroffen sind. Der Ausschuss wird Ende Juni 2014 seinen Endbericht vorlegen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), erwartet nun eine sachlichere Debatte über Armutszuwanderung aus Osteuropa. Sie betonte, dass die Zahlen im Bericht eindeutig seien. „Es gibt keine massenhafte Zuwanderung in die Sozialsysteme, es gibt keinen massenhaften Sozialbetrug einzelner Zuwanderungsgruppen." Es gebe aber Menschen in Deutschland, die die Armut anderer ausnutzten und ihren eigenen Profit daraus schlügen, fügte Özoguz gegenüber der Rheinischen Post hinzu.

Im Bericht wird die Zuwanderung als positiver und komplexer Prozess beschrieben: „Die Freizügigkeit für Unionsbürgerinnen und Unionsbürger ermöglicht, als Arbeitnehmer, Auszubildender oder Studierender, als Selbstständiger oder Arbeitsuchender mit den Familienangehörigen nach Deutschland zu kommen, sich hier aufzuhalten und erwerbstätig zu sein. Diese Menschen sind bei uns willkommen.“ Weiter heißt es unter dem Stichwort Erwerbstätigkeit: „Der größte Anteil der Zugewanderten sind Arbeitnehmer. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt selbst und tragen damit zugleich zum Wohlstand in unserem Land bei. Sie haben einen Anspruch auf Gleichbehandlung.“

Kommunen unterstützen

Kommunen, die besonders von Zuzug aus anderen EU-Mitgliedstaaten betroffen sind, sind laut Zwischenbericht mit erheblichen Problemen etwa in den Bereichen Schule, Integrationsangebote, Wohnraum- und Gesundheitsversorgung konfrontiert. Es handelt sich dabei um Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge. Deshalb werden für besonders betroffene Kommunen Hilfen des Bundes vorgeschlagen. Das Programm „Soziale Stadt“ und die europäischen Programme des ESF und FEAD sollen auf kommunale Probleme zugeschnitten werden. Die Bundesregierung soll die Integrationskurse an den besonderen Bedarf der Zielgruppe anpassen.

Herausgeber des Berichtes ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Der gesamte Bericht ist im Internet zu finden unter:
http://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/a813-zb-ausschuss-sicherungssysteme-eu.html

Studie zeigt, wer arbeitslos wird, neigt eher zu Fremdenfeindlichkeit

Eine Analyse von Daten des Sozioökonomischen Panel (SOEP) über die Jahre 1999 bis 2009 zeigt, dass Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, große Angst vor Arbeitsplatzverlust haben oder in einer Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit leben, deutlich mehr Tendenzen zu Fremdenfeindlichkeit haben.

Im SOEP werden Menschen jedes Jahr zu ihren Hauptsorgen befragt. Demnach sind negative Einstellungen zur Zuwanderung in Deutschland weitverbreitet. Rund 35 Prozent der Befragten geben an, über die Zuwanderung nach Deutschland sehr besorgt zu sein. Wie vorherige Studien gezeigt haben, sind solche Fragen nach Sorgen um dieses Thema zuverlässige Indikatoren für negative Einstellungen zur Zuwanderung.

Sozialwissenschaftler erklären die negativen Haltungen gegenüber Zuwanderern mit zwei unterschiedlichen Ansätzen. Die Theorie der sozialen Identität erklärt ablehnende Einstellungen gegenüber Zuwanderern mit einer tief verwurzelten und psychologisch wirksamen Unterscheidung zwischen dem „Wir“ und den „Anderen“. Nicht die Ressourcenknappheit sei entscheidend für die Ablehnung, sondern eine allgemeinere und dauerhaft negative Einschätzung ethnischer Gruppen, die als „anders“ wahrgenommen werden.

Der andere Ansatz vertritt die Theorie der ethnischen Konkurrenz. Demnach hätten sozioökonomisch Benachteiligte und schlechter Gebildete den Eindruck, sie befänden sich in einem Wettbewerb um knappe Ressourcen wie Arbeitsplätze, Wohnraum, wirtschaftliche Vorteile und soziale Transferleistungen. Besser Ausgebildete dagegen vertreten tolerantere Werte, weil sie weniger stark mit Migranten konkurrieren.

Einzelne Aspekte der Theorie der ethnischen Konkurrenz wurden in einer Studie des Wissenschaftszentrum Berlin auf der Grundlage der Daten des SOEP über die Jahre 1999-2009 überprüft. Die Analyse zeigt, dass ethnische Konkurrenz in Deutschland eine Haupttriebkraft für Fremdenfeindlichkeit in allen Bevölkerungsschichten sein könnte.

Die Forscher fanden heraus, dass der Verlust des Arbeitsplatzes die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Befragten sich sehr besorgt zur Zuwanderung äußern. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sich im Jahr nach einem Arbeitsplatzverlust zuwanderungsfeindlich äußern, steigt um 25 bzw. 30 Prozent. Die Studie zeigt auch, dass negative Einstellungen gegenüber Zuwanderern zunehmen, wenn in einer Region die Arbeitslosenquote steigt.

Die Befunde implizieren, dass Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt die Einstellungen der Deutschen zur Zuwanderung beeinflussen. Negative Haltungen zur Zuwanderung und zu Migranten können zu Diskriminierung oder einem wenig attraktiven Klima für Neuankömmlinge führen.

Quelle: Lancee, Bram/Pardos-Prado, Sergi: „Group Conflict Theory in a Longitudinal Perspective: Analyzing the Dynamic Side of Ethnic Competition“; veröffentlicht im International Migration Review, 2013, Vol. 47