Newsletter Nr. 10 vom 24.03.2014

Mit Herz gesehen - Eine goldene Regel für das Zusammenleben

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Alle wesentlichen Religionen der Welt, wirklich alle, vermitteln ihren Glaubensanhängern die goldene Regel: „Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“

Und doch kommt es zu den grausamsten Ausschreitungen von Anhängern der verschiedenen Religionen gegeneinander. Anhänger anderer Religionen oder gar säkular denkende Menschen werden oft entweder als in der Dunkelheit verloren oder als Instrumente des Teufels betrachtet.

In der Menschheitsgeschichte war das eigentlich nur an den jeweiligen Landesgrenzen ein Problem, weil in der Regel jedes Land eine Religion für alle Untertanen oder Bürger vorsah. Angehörige anderer Religionen wurden nur am Rande toleriert, oder, wie in islamischen Ländern, mit Strafsteuern belegt.

Jetzt, wo wir in unserem globalen Dorf immer enger beieinander leben, wo in einer Firma Mitarbeiter den verschiedensten Religionen angehören oder eine säkular-humanistische Weltanschauung, brauchen wir ein neues Verständnis und eine neue Basis des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit.

Ich wünsche mir deshalb, dass die goldene Regel auch für den Umgang der Religionen untereinander und den Umgang der Religionen mit Konfessionslosen und säkular Denkenden gilt. Ich erwarte von jeder Religion in Deutschland, dass sie alle anderen Religionen und ihre Anhänger so behandelt, wie sie selbst behandelt werden will: auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt.

Ist das denn so schwer? Auf den ersten Blick nicht. Wer kann schon gegen die goldene Regel sein? Doch beim zweiten Hinsehen wird es schwer; denn Religionen müssen aufhören, die anderen Religionen oder die „Ungläubigen“ zu bekämpfen. Wenn die Religionen daran festhalten, dass die anderen Religionen „falsch“ sind, dann verschieben sie die Entscheidung über eine bessere Welt auf die Zeit nach dem irdischen Leben und legen sie in die Hände des jeweils Göttlichen.

Wir aber brauchen heute Frieden – in unseren Häusern, in unseren Arbeitsteams, in den Kommunen, in den Ländern, auf dieser Welt. Deshalb sollten wir uns auch heute schon dafür einsetzen. Frieden. Für Alle.

Die goldene Regel wird übrigens im Kleinen schon in verschiedenen Regionen der Welt praktiziert. Vor kurzem nahm ich an einer Podiumsdiskussion der Leipziger Jusos teil. Dort zeigte mir ein Teilnehmer ein Foto, das ich mit seiner Erlaubnis wiedergebe. Es zeigt die Wand eines Imbisses in Madurai, Indien, an der die Mitarbeiter Zeichen ihrer Religion nebeneinander aufgehängt haben: Hinduismus, Christentum, Islam und Buddhismus. Auch das Christentum und der Islam werden übrigens durch die Hindu Blumenketten geschmückt.

Manchmal kommen die besten Ideen aus den bescheidensten Verhältnissen. Mich berührt das Foto im Herzen.

Ihr Martin Gillo

NIMS-Treffen im Landtag zeigt Aufgabenschwerpunkte für Sachsen

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Etwa 60 Teilnehmer des Netzwerks Integration und Migration Sachsen aus allen Bereichen der Flüchtlings-, Integrations- und Migrationsarbeit tauschten sich am 17. März im Landtag über die künftigen Herausforderungen in der Integrationsarbeit in Sachsen aus. Ausgehend von ihrer Expertise identifizierten sie strukturelle Lösungsansätze und strategische Maßnahmen in den Bereichen Sozialarbeit für Asylsuchende, Deutscherwerb von Anfang an, Öffnung der sächsischen KMU für Zuwanderer, Aufbau einer psychosozialen Versorgung für traumatisierte Flüchtlinge und Bildung. Außerdem stand die Weiterentwicklung der sachsenweiten Zusammenarbeit des NIMS im Fokus. Die Arbeitsergebnisse werden in einem gemeinsamen „Kursbuch Integration und Migration in Sachsen 2014“ Mitte des Jahres herausgeben. Eingeladen hatte zu dem Treffen im Altbau des Landtagsgebäudes der Sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo.

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Zum Netzwerk Integration und Migration Sachsen (NIMS) sind alle Vereine, Initiativen, Projektträger, Beauftragte und Beratungsstellen eingeladen, die in den Bereichen Integration und Migration in Sachsen tätig sind. Zwei- bis dreimal im Jahr tauschen sich die Mitglieder zu aktuellen Themen aus, identifizieren neue Schwerpunkte und geben ausgehend von ihren Arbeitserfahrungen Empfehlungen an die Politik und die Landesregierung. Die Koordinierung des Netzwerkes liegt in den Händen der Geschäftsstelle des Sächsischen Ausländerbeauftragten. Das nächste NIMS-Treffen ist für Freitag, den 27. Juni 2014 geplant.

Landeskirche gibt Kirchgemeinden Rat und Orientierung für Flüchtlingsarbeit

Mit einer neuen Publikation unterstützt die sächsische Landeskirche ihre Kirchgemeinden bei der Arbeit mit Asylbewerbern. Das Heft mit dem Titel „Flüchtlinge in Sachsen - und was Kirchgemeinden tun können" gibt zahlreiche Informationen und eine praktische Orientierung, teilte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Dresden mit.

Die Broschüre soll Gemeindemitglieder ermutigen, Flüchtlinge aufzunehmen und Gesprächsräume zu öffnen. Gastfreundschaft gegenüber Fremden sei eine zentrale biblische Aussage und ein Gebot der Nächstenliebe. Die steigende Zahl von Asylsuchenden nehme auch die Christen in Sachsen in die Verantwortung, hieß es.

Die Handreichung soll als Broschüre an die sächsischen Kirchgemeinden verteilt werden. Herausgeber ist das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsens.

http://www.evlks.de/doc/Fluechtlinge_in_Sachsen_-_Handreichung_Kirchgemeinden.pdf

Integrationsminister setzen sich für Zuwanderung und Willkommenskultur ein und fordern Motivation und Engagement von Zugewanderten

In Halle/Saale endet gestern die zweitägige 9. Integrationsministerkonferenz (IntMK). Deutschland müsse sich klar zu Zuwanderung bekennen, heißt es im einstimmig verabschiedeten Leitantrag. Nach Ansicht der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister sowie Senatorinnen und Senatoren der Länder muss sich
Deutschland deutlich attraktiver für qualifizierte Zuwanderung aufstellen. Ziel sei, dass sich Deutschland zu einer „Willkommensgesellschaft“ weiterentwickelt. Vorurteilen gegen Zugewanderte solle eine „Willkommens- und Anerkennungskultur“ entgegengesetzt werden. Dazu gehöre auch die interkulturelle Öffnung von Verwaltungen und Einrichtungen.

Von den Zugewanderten selbst wurde Motivation und Engagement gefordert. Wörtlich heißt es in dem Beschluss: „Wir erwarten von allen Menschen in diesem Land ein klares Bekenntnis zu Grundgesetz, Demokratie, Rechtsstaat, Wahrung der Menschenwürde, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Frau und Mann.“

Die Konferenz sprach sich für eine weitere Verbesserung der Qualität und bedarfsgerechte Öffnung von Integrationskursen aus und appellierte an den Bund, die Beratungsdienste für Zugewanderte (JMD, MBE) auszubauen und entsprechende Leistungen auch für Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge anzubieten.

Die Konferenz unterstützte die Absicht der Bundesregierung und der Innenminister der Länder mehr als die avisierten 10.000 syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge aufzunehmen. Bürgerkriegsflüchtlingen sollten von Anfang an gleichermaßen Zugang zu Integrationsangeboten und Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration erhalten.

Die Integrationsminister sprachen sich klar gegen verdachtsunabhängige Ausweiskontrollen aufgrund der Hautfarbe, das sogenannte „Racial Profiling“, aus. Die Konferenz bekräftigte die Festlegung des Grundgesetzes, hier konkretisiert durch das AGG, das jegliche solche Diskriminierung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens untersagt.

Die Abschlusserklärung der IntMK
http://www.presse.sachsen-anhalt.de/index.php?cmd=get&id=864838&identifier=8508fead51c77b10e826066762edcd4b

Stellungnahme des Deutschen Caritasverband zur Europawahl und zur sozialen Lage in Europa

Anlässlich der Wahlen zum Europäischen Parlament am 25. Mai hat der Deutsche Caritasverband (DCV) ein Papier „Zur Europawahl 2014 und zur sozialen Lage in Europa“ veröffentlicht. Solidarität dürfe nicht an Staatsgrenzen enden. Dies gelte auch und gerade in Europa, heißt es in einer Erklärung, die am vergangenen Donnerstag in Brüssel verbreitet wurde. Der DCV stellt sich daher in seinem Papier zur Europawahl 2014 gegen populistische und nationalistische Bewegungen, bejaht den europäischen Integrationsprozess und setzt sich für eine starke soziale Kohäsion in der EU ein. Der DCV weist auf einige der dringlichsten europapolitischen Herausforderungen hin. Angesprochen werden die wichtige Rolle der sozialen Sicherungssysteme, die Europa 2020-Strategie und Jugendarbeitslosigkeit.

Großen Raum in der Stellungnahme nehmen die Analyse, Bewertung und der Handlungsbedarf bei der Binnenmigration innerhalb der EU und das Thema Flucht und Vertreibung aus Drittstaaten ein.

Für Flüchtlinge die in einem Mitgliedstaat der EU angekommen sind, müsse ein einheitliches hohes Schutzniveau in verfahrensrechtlicher und materieller Hinsicht gewährleistet werden. Auf der Ebene des europäischen Asylrechts müssen Wege gefunden werden, um zu einer gerechten Verantwortungsteilung zwischen den Mitgliedstaaten zu kommen, fordert der Verband.

Das Papier ist online zu finden unter
EU-Stellungnahme auf der Website des DCV

Studie der Ebert-Stiftung zur politischen Beteiligung von Zugewanderten

Politische Partizipation und Inklusion ist das Thema der Studie, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Die Autoren Frank Gesemann und Roland Roth vom Institut für Demokratische Entwicklung und soziale Integration (DESI) untersuchten die Integration und politische Partizipationsmöglichkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund. Im Gutachten wird festgestellt, dass es politische Vertretungen für Menschen mit Migrationshintergrund durch Integrationsbeauftragte, Landesintegrationsräte, Zusammenschlüsse von kommunalen Integrationsbeiräten gebe, aber diese seien unverbindlich und hätten meist nur eine beratende Funktion.

Auf der Bundesebene gebe es leichte Verbesserungen. So hat sich die Anzahl der Abgeordneten mit Migrationshintergrund in den Landesparlamenten zwischen 1987 und 2011 von 25 auf 54 verdoppelt. Im Bundestag hat sich die Zahl der Abgeordneten von 21 auf 35 der insgesamt 631 Sitze erhöht. Die Gründe hierfür seien: ein wachsendes politisches Interesse von Menschen mit Migrationshintergrund und die interkulturellen Öffnung der Parteien.

Dennoch sei die Repräsentationsquote von Migranten in den Landesparlamenten noch zu niedrig, sie liege derzeit zwischen 41,9 Prozent in Berlin und 0 Prozent im Saarland. Eine hundertprozentige Repräsentationsquote besteht dann, wenn der Anteil „der Abgeordneten mit Migrationshintergrund dem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung entspricht“.

Die Studie ist im Internet verfügbar unter:
http://library.fes.de/pdf-files/dialog/10528-20140317.pdf

Ausschreibung für „Ich kann was!“ endet

Die Bewerbungsfrist der Ausschreibung 2014 für eine Förderung durch die „Ich kann was!"-Initiative endet am Montag, den 31. März 2014. Die Initiative fördert vor allem Projekte und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die in einem sozial schwierigen Umfeld arbeiten. Jährlich werden über 100 Projekte und Einrichtungen unterstützt, die gezielt auf den Erwerb und den Ausbau von Schlüsselkompetenzen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet sind. Die Fördersumme orientiert sich am individuellen Projektbedarf und kann bis zu 10.000 Euro betragen.

Der Jahresschwerpunkt heißt 2014 „Gestärkt durchs Leben gehen“. Junge Menschen sollen sich in allen Situationen gut und sicher bewegen und ihr Leben selbstbestimmt gestalten. Deshalb werden in diesem Jahr neben Projekten, die allgemein den Kompetenzerwerb von jungen Menschen fördern, vor allem solche Aktivitäten unterstützt, in denen die Kinder und Jugendlichen neue Handlungsfelder für sich entdecken.

Die ausführlichen Förderkriterien und Bewerbungsinformationen sind auf der Internetseite zu finden unter:
www.initiative-ich-kann-was.de

„Ich kann was!-Initiative für Kinder und Jugendliche e. V.“
c/o Deutsche Telekom AG
Telefon 0800 1812486
E-Mail info@initiative-ich-kann-was.de

„Heim-TÜV“-Bericht 2013 als Broschüre im Versand

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Kostenfrei kann die Broschüre „Hinschauen lohnt sich“ im Internetangebot des Sächsischen Ausländerbeauftragten bestellt werden. Martin Gillo besuchte mit seinem Team 40 Gemeinschaftsunterkünfte in allen Landkreisen und Kreisfreien Städten Sachsens. Die Broschüre enthält übersichtliche Bewertungen der besuchten Gemeinschaftsunterkünfte, Empfehlungen für jedes Heim sowie systemische Empfehlungen für die Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen in Sachsen.

Angeboten wird auch eine Handreichung, mit der das Prüfverfahren leicht nachvollzogen, angepasst und nachgenutzt werden kann. Beide Publikationen stehen auch im Internet zum Download bereit unter:
http://www.landtag.sachsen.de/de/integration_migration/service/publikationen/index.aspx