Newsletter Nr. 18 vom 04.05.2012

Mit Herz gesehen: Die soziale Eroberung der Welt

Als Ausländerbeauftragter beschäftige ich mich unter anderem mit der Frage, wie wir Fremdenfeindlichkeit überwinden und den Weg zur größeren Gemeinsamkeit als bisher finden können. Es scheint manchmal ein unmögliches Unterfangen. Jetzt hat uns das neue Buch eines bekannten amerikanischen Biologen ein paar Hinweise geliefert.

Edward Osborne Wilsons Buch heißt: Die soziale Eroberung der Welt. Im Original „The Social Conquest of Earth.” Liveright Publishing, a Division of W. W. Norton & Company, New York & London, 2012. Die deutsche Übersetzung wird wohl ein Jahr auf sich warten lassen.

Wilson schreibt, dass sich ein Teil unseres Verhaltens vor drei Millionen Jahren entwickelte. Dieses Verhalten ist auch heute noch im Althirn - also der Amygdala - festgeschrieben. Wir Menschen brauchen eine Gruppe, einen „Stamm“, dem wir angehören. Innerhalb dieses Stammes wollen wir so weit wie möglich nach vorn kommen. Und wir wollen, dass unser Stamm der Beste aller Stämme ist oder wird. Dazu gehört, dass wir emotional alle Stammesmitglieder besser finden, als Angehörige jedes anderen Stammes. Das Althirn wirkt so in allen Menschen.

Wir können das am Beispiel der Fußballvereine sehen. Jede Fangemeinschaft findet ihren Klub am besten. Und ist manchmal sogar bereit, gegen die Fans der anderen Klubs körperlich zu kämpfen. Ich erinnere nur an die „Ultras“ von Dynamo Dresden.

In der Politik treibt uns dieses Althirn zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Wie gesagt, das ist uns allen so mitgegeben. Als angeborener Instinkt oder als Prägung.

Glücklicherweise gibt es noch einen zweiten Bereich im wesentlich neueren Großhirn. Dieses Neuhirn ermöglicht es uns, die instinktiven Teile unseres Althirns zu beherrschen.

Wie macht es das? Unser Neuhirn schenkt uns durch die Entdeckung des verbindenden Gemeinsamen die Fähigkeit, die Abneigungen gegen Andere aus dem Althirn zu überwinden. So können wir konstruktiv mit denen zusammenzuleben, die ansonsten unsere Feinde wären. Ohne diese Fähigkeit in unserem Neuhirn hätte es unter uns Menschen nie große Gesellschaften geben können. Ohne sie wären die UNO und die Europäische Union Träume geblieben.

Europa ist wohl der Erdteil mit den meisten und blutigsten Kriegen der letzten tausend Jahre. Dieses unser Europa scheint heute als Kriegsgebiet völlig undenkbar. Doch diese neue Identität, diese neue Gemeinsamkeit, muss immer wieder gelehrt, erlernt und bewusst gemacht werden. Sonst droht das altmenschliche Erbe uns zu überwältigen und in tödliche Grabenkämpfe zu verwickeln.

Ohne Bildung gewinnt unser Althirn Kontrolle über uns. Mit Bildung gewinnen wir mit Hilfe unseres Neuhirns Freiheit von angeborenen Ressentiments.

Nutzen wir Bildung auch für unser Miteinander in Deutschland. Wir haben heute leider noch mehrere parallele Deutschlands. Doch wir brauchen keine Deutschlands der Bodenständigen, der Zugereisten, der Migranten, der Spätaussiedler oder der Forscher und Fachkräfte auf Zeit.

Wir brauchen EIN DEUTSCHLAND FÜR ALLE! Fangen wir an, alle, die bei uns leben, mit Bildung und mit Herz einzuladen, Teil dieses gemeinsamen Deutschlands zu werden. Lehren und lernen wir es in unseren Schulen und im täglichen Alltag, ermutigen wir es in unseren Medien: Wer bei uns lebt, ist eingeladen, Mitbürger zu werden, sich zu uns zu bekennen, Teil von uns zu werden, ob auf Zeit oder für immer, ob als erste oder zweite Heimat. 

So wird uns unser Neuhirn helfen, drohende Gräben in unserer Gesellschaft endlich zu überwinden. Machen auch Sie mit! Wir alle werden gebraucht!

Ihr Martin Gillo

Ergebnisse des KAIB-Treffens: Orientierung geben und Konflikten vorbeugen

Grafik 8

Am 25. April 2012 trafen sich die kommunalen Ausländer- und Integrationsbeauftragten (KAIB) beim Sächsischen Ausländerbeauftragten zum ersten Arbeitstreffen dieses Jahres. Wie im letzten Newsletter angekündigt, berichten wir weiter über inhaltliche Themen des Treffens und über ausgewählte Arbeitsschwerpunkte der kommunalen Beauftragten.

Auf der Tagesordnung stand neben der Vorstellung des Zuwanderungs- und Integrationskonzeptes auch das Thema „Willkommensbroschüren und Orientierungshilfen für Migranten und Asylsuchende“.

Kerstin Körner, die Leiterin der Abteilung Ordnung im Landratsamt Sächsische Schweiz – Osterzgebirge stellte den Entwurf einer Orientierungshilfe für Asylsuchende im Landkreis vor. „Wir wollen damit den Asylsuchenden helfen, sich in unserem Landkreis besser zurechtzufinden. Außerdem bin ich überzeugt, dass bessere Information hilft, Konflikte zu vermeiden.“

Frau Körner verwies darauf, dass Asylsuchende aufgrund der sprachlichen und kulturellen Barrieren viele Situationen schlecht einschätzen könnten und sich deshalb falsch verhalten. Im schlimmsten Fall machen sie sich strafbar. Zum Beispiel beim Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Thema Bewegungsfreiheit. „Dass es schon eine Verletzung der Residenzpflicht darstellt, wenn man in Dresden auf dem Hauptbahnhof umsteigen will, das erschließt sich den Wenigsten.“

Außerdem gäbe es Situationen, in denen Asylsuchende sich aus ihrer eigenen kulturellen Situation heraus anders verhalten würden, als wir das erwarten würden. Das führe zu Konflikten – die sich durch bessere Aufklärung vermeiden ließen. „Eine solche Willkommensbroschüre ist für mich deshalb ein Teil einer präventiven Ordnungspolitik, die Konflikte vermeiden will, bevor sie entstehen.“

Die kommunalen Beauftragten setzten sich intensiv mit dem Entwurf dieser Willkommensbroschüre auseinander, brachten eigene Erfahrungen ein und gaben Empfehlungen für eine Verbesserung. Auf Anregung von Frau Körner wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die weiter am Flyer arbeitet und eine Mustervorlage erstellt, die von allen Landkreisen bzw. Kreisfreien Städten genutzt werden kann.

Integrationsmesse Leipzig am 24. Mai 2012

Grafik 11

Die 5. Integrationsmesse Leipzig ist am 24. Mai 2012 von 10 bis 15 Uhr im Neuen Rathaus Leipzig. Ihr Thema lautet „Zukunft statt Herkunft – Arbeitsmarktstärkung durch Migrant/-innen“. Wichtigstes Ziel der Messe ist die Verbesserung der beruflichen Integration der Migrantinnen und Migranten. Arbeitgeber, Bildungsdienstleister und Migrantenorganisationen werden Ausbildungs-, Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten vorstellen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beratung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule zum Beruf. Besonders wird thematisiert, welche Akteure mit welchen Angeboten begleiten und unterstützen können und welche Übergangswege möglich sind. Parallel gibt es eine Podiumsdiskussion, die sich den Themen Fachkräftemangel und Nutzung des (Bildungs-)Potentials von Migranten widmet.

Erneut organisiert das Netzwerk „Integration – Migranten in Leipzig" die Integrationsmesse. Sie steht erstmals unter der Schirmherrschaft von Andreas Müller, dem 1. Bürgermeister der Stadt Leipzig. In Leipzig leben etwa 41 000 Migrantinnen und Migranten. Das sind etwa acht Prozent der Bevölkerung. Mit Wurzeln aus über 160 Staaten der Welt ist diese Personengruppe inhomogen. Sie bringt vielfältige Kenntnisse, Potentiale und Erfahrungen in verschiedensten Berufen und Bildungsbereichen mit.

Die 5. Integrationsmesse Leipzig wird besonders durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig, das Regionale Übergangsmanagement Leipzig, den Caritasverband Leipzig, die Handwerkskammer zu Leipzig und das Jobcenter Leipzig unterstützt.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter http://www.migranten-leipzig.de/

Ansprechpartnerin

Bianca Wagner

Koordinierungsstelle "Regionales Übergangsmanagement Leipzig" c/o.
Stadt Leipzig, Der Oberbürgermeister
Amt für Jugend, Familie und Bildung
Abteilung Planung und Fachaufsicht
Postanschrift: 04092 Leipzig
Telefon 0341 123 6823
Telefax 0341 123 4495
E-Mail
bianca.wagner@leipzig.dewww.uebergangsmanagement-leipzig.de

Freizügigkeitsregelung bleibt für Sachsen folgenlos

Seit einem Jahr können Arbeitnehmer aus Polen, Tschechien und sechs anderen EU-Staaten durch die Freizügigkeitsregelung in Sachsen arbeiten. Die Arbeitsagentur kann jedoch kaum Auswirkungen auf dem sächsischen Arbeitsmarkt feststellen. Viele Osteuropäer sind nur auf der Durchreise, denn Jobs sind im Westen meist besser bezahlt. Wie die Chefin der Regionaldirektion Jutta Cordt am Donnerstag mitteilte, übten im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 1200 Frauen und Männer aus den EU-8-Staaten zusätzlich eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Sachsen aus.

„Mit dem Blick auf die künftigen Fachkräftebedarfe der Wirtschaft und dem demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials ist das zu wenig. Bis 2025 wird die Zahl der Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter um rund 500.000 zurückgehen. Damit fehlt ein Teil der Arbeitskräfte, die zur Produktivität und Konkurrenzfähigkeit der sächsischen Betriebe beitragen“, so Cordt.

Nur drei Prozent der bundesweit rund 40 000 zusätzlichen Beschäftigten durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit seien in Sachsen registriert. Cordt empfahl einen Ausbau der „Willkommenskultur“, um diesen Anteil zu erhöhen. Betriebliche Weiterbildungsangebote und flexible Arbeitszeiten könnten sächsische Arbeitgeber attraktiver machen.

Die Bundesagentur für Arbeit will künftig zwei Wege gehen, um die drohende Lücke auszugleichen. „Zum einen müssen inländische Potenziale arbeitsloser Alleinerziehender, Schwerbehinderter und Älterer mehr genutzt und zum anderen muss die gezielte Zuwanderung weiter ausgebaut werden“, erklärte Cordt.

Zu den ausführlichen Informationen der Arbeitsagentur:

http://www.arbeitsagentur.de/nn_29378/Dienststellen/RD-S/RD-S/Presse/2012/Publikationen/016-Ein-Jahr-Arbeitnehmerfreizuegigkeit.html

Rede des Bundespräsidenten zu 10 Jahren START

Grafik 3

Großes Interesse hat die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck

am 26. April 2012 in der Frankfurter Paulskirche zum zehnjährigen Bestehen des START-Stipendienprogrammes erfahren.

Das Bundespräsidialamt veröffentlichte den gesamten Wortlaut der Ansprache unter folgender Adresse: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2012/04/120426-Start.html

Materialien für die Interkulturelle Woche sind online

Grafik 4

Für die Organisatoren der Interkulturellen Woche 2012 hat der Ökumenische Vorbereitungsausschuss Materialien zur Onlineverwendung und zum Vorbestellen bereitgestellt. Unter dem Menüpunkt Service gibt es Werbebanner, Druckvorlagen oder Postkarten.

http://www.ekd.de/interkulturellewoche/692.html

Materialhefte zur IKW und zum Tag des Flüchtlings können ebenso wie Plakate mit dem Motiv "Passtscho" online geordert werden. Der Versand startet im Juni 2012.

Das Bestellformular steht unter

http://www.ekd.de/interkulturellewoche/material-bestellen.php

Alle Termine, Veranstaltungen und Aktionen in den Regionen werden wieder in einer zentralen Datenbank zusammengefasst. Der Vorbereitungsausschuss bittet um die Zusendung der Programme 2012. Als Termin für die Interkulturelle Woche 2012 wird der Zeitraum vom 23. bis 29. September 2012 empfohlen. Der Tag des Flüchtlings ist am Freitag, den 28. September 2012.

Kontakt:

Ökumenischer Vorbereitungsausschuss

zur Interkulturellen Woche

Bianca Brohmer

Postfach 16 06 46

60069 Frankfurt am Main

Telefon 069 23 06 05

Telefax 069 23 06 50

E-Mail info@interkulturellewoche.de

www.interkulturellewoche.de