Newsletter Nr. 23 vom 15.06.2012

Mit Herz gesehen - Was ist unsere Gesellschaft und wenn ja, wie viele?

Den Ewig-Vorgestrigen bin ich ein Dorn im Auge. Warum eigentlich?

Ich werbe mit ganzem Herzen für Weltoffenheit und eine Willkommensgesellschaft in Sachsen. Das ist denen nicht Recht, die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. Die Nazis träumten im letzten Jahrhundert von Rassenreinheit, von Deutschen mit blonden Haaren und blauen Augen. Zu dumm nur, dass Hitler, Goebbels und Co. ihren eigenen Rassenkriterien nicht entsprachen.

Deutschland ist schon seit Jahrtausenden eine Region, in der viele Stämme und Völker - vornehmlich aus Osteuropa kommend - ihr Glück gesucht haben. Das Ergebnis war und ist ein ständiger Wandel, eine ständige Bereicherung der hiesigen Bevölkerung und: ein erfolgreiches Land!

In einer solch vielfältigen Region kann Homogenität nur sehen, wer selektiv wahrnimmt: Wer das Vielfältige ausblendet und von Zuwandernden die sofortige Assimilation fordert. Die Nationalsozialisten haben aus dieser selektiven Wahrnehmung eine grausame menschliche Selektion gemacht. Millionen Menschen wurden einer fanatischen Reinheitsidee geopfert.

Welch unfassbares Verbrechen. Welche Schande. Und welch unglaublicher Verlust für unsere eigene Kultur – denken wir nur an die vielen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die unsere Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft bereichert haben und ohne die wir heute nicht wären, wer wir sind.

„Habe Mut, dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Das ist einer der Kernsätze der deutschen Aufklärung. Moses Mendelssohn war einer ihrer wichtigen Denker. Sein Freund Gottfried Ephraim Lessings hat ihn als „Nathan der Weise“ im gleichnamigen Stück verewigt und so auch die Vielfalt unserer eigenen kulturellen Wurzeln gewürdigt.

Wollen wir weiterhin ein Land sein, das erstklassige Bildung, Kultur, Lebensqualität und Solidarität mit Älteren und Schwächeren garantiert? Dann müssen wir uns den Talenten und Perspektiven aus aller Welt öffnen. Und mit ihnen werden nicht nur Kompetenzen, sondern auch Kreativität, Offenheit für neue Lebensstile, neues Denken kommen. All das wird unser Leben und unsere Gesellschaft vielfältiger, stärker und innovativer machen.

Und was ist mit unserer eigenen Identität? Erinnern wir uns nur, dass wir schon jetzt mehrere Identitäten gleichzeitig haben. Manche sehen sich gleichzeitig als Weltbürger, Europäer, Deutsche, Sachsen, Leipziger, Evangelische usw.

Zu einer solchen Bestimmung der eigenen Identität gehört eine Gesellschaft, die diese Vielfalt allen zugesteht – und die dabei durch die Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zusammengehalten wird.

Von der obigen Liste hätten die Nazis übrigens nur das Deutsche toleriert: Wie öde und wirklichkeitsfremd. Stattdessen gilt jetzt: Sei all das, was Du bist – und gestehe das auch Anderen zu.

Ihr Martin Gillo 

Fachtagung zum Projekt Sprach- und Integrationsvermittler „SprInt“

„Die Hälfte verstehen ist nicht genug“ ist der Titel einer Fachtagung am 2.und 3. Juli in Bonn. Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, die mit Sprachmittler/innen arbeiten und interkulturelle Öffnungsprozesse in ihren Institutionen voranbringen wollen.

Ein bundesweit agierendes Netzwerk wird -  in Kooperation mit drei universitären Einrichtungen -  in den nächsten Jahren professionelle Vermittlungszentralen für Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) aufbauen. SprInt ermöglichen einen interkulturellen Dialog im Alltag der Institutionen durch kultursensibles Dolmetschen, interkulturelles Vermitteln und fachkundige Assistenz in der Integrationsarbeit.

Erstmalig wird ein bundesweiter Fachaustausch der zertifizierten Sprach- und Integrationsmittler angeboten. Zielgruppenorientierte Workshops geben Gelegenheit, einzelne Aspekte zu vertiefen.

Das detaillierte Veranstaltungsprogramm steht unter:

http://www.ev-akademie-rheinland.de/tagungen/Integrationsmittler-1764.php

Praxisdialog Fachkräfte im Bundeswirtschaftsministerium

Am 21. Juni startet auf Einladung des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie der „Praxisdialog – Wie Fachkräfte mit ausländischen Wurzeln in Deutschland durchstarten“. Minister Philipp Rösler eröffnet mit einem Vortrag zum Thema „Wachstum und Beschäftigung“ sichern. Danach referiert Thomas Liebig von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Thema „Das Potential von Migration für die Wirtschaft nutzen – Chancen und Herausforderungen“. Im Rahmen der Veranstaltung werden sechs erfolgreiche Migrantinnen und Migranten, sowie das Auslandsportal www.make-it-in-germany.com vorgestellt. Der Eintritt ist kostenlos, es steht aber nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung.

Veranstaltungsort:
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Invalidenstraße 48
10115 Berlin

Veranstaltungsdauer ist von 9.30 – 13.00 Uhr

Rückfragen per E-Mail Praxisdialog@bmwi.bund.de

www.bmwi.de

Robert Bosch Stiftung sucht "Neulandgewinner" im Osten Deutschlands – und fördert innovative Ideen vor Ort

Gesucht werden Projekte, die mit unkonventionellen Ideen auf lokale Probleme reagieren und einen nachhaltigen sozialen Mehrwert für das Gemeinwohl schaffen. Um ihr Projekt eigenverantwortlich umsetzen zu können, erhalten die Programmteilnehmer über zwei Jahre professionelle Begleitung und finanzielle Unterstützung. Dazu gehören eine Projektförderung von bis zu 50.000 €, am Bedarf orientierte Schulungen und individuelles Coaching.

Mit dem Projekt möchte die Stiftung helfen, „Zukunft vor Ort zu erfinden“. Das sei wichtig, denn die Auswirkungen des demographischen Wandels seien insbesondere in Städten und Dörfern im Osten Deutschlands immer deutlicher zu spüren. Erhebliche Auswirkungen auf die Situation der Menschen vor Ort seien die Folge. Das neue Förderprogramm will engagierte Menschen unterstützen, die ihren Ort lebenswerter machen.

Bewerben können sich zunächst Privatpersonen, Vereine oder Initiativen aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2012.

Details entnehmen Sie bitte der Ausschreibung und den Hinweisen zur Einreichung von Projektskizzen.

Ausschreibung (PDF)

Hinweise für das Einreichen einer Projektskizze (PDF)

Projektbüro Neulandgewinner

ZAROF. GmbH
Frau Ines Falkenhan
Moschelesstraße 7
04109 Leipzig
Telefon 0341 21729-12

E-Mail info@neulandgewinner.de

www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/41318.asp

Buchtipp: Methodenhandbuch zum Thema Antiziganismus

Das Handbuch für die schulische und außerschulische Arbeit bietet Methoden für die Bildung zum Thema Antiziganismus und zur Geschichte der Sinti und Roma. Es richtet sich an Pädagogen und Sozialarbeiter in Bildungs- und Gedenkstätten, an Hochschulen und Schulen. Vorgestellt wird ein pädagogisches Konzept für die schulische und außerschulische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ausprägungen des Antiziganismus.

Der erste Teil des Methodenhandbuchs bietet Informationen zum historischen sowie zum aktuell existierenden Antiziganismus in Europa. Vertieft werden die Struktur und Funktionsweise antiziganistischer Ressentiments in Deutschland.
Der zweite Teil des Methodenhandbuchs enthält 26 thematische Übungsvorschläge für Seminargruppen sowie empfohlene Zusatzübungen. Die jeweiligen Methodenblöcke werden dabei stets mit pädagogischen Hinweisen eingeleitet.

UNRAST Verlag Münster
ISBN: 978-3-89771-521-9
Broschur, 144 Seiten mit DVD
Preis: 19,80 Euro