Newsletter Nr. 9 vom 01.03.2013

IKW-Tagung setzte inhaltliche Schwerpunkte

Die Bundesweite Vorbereitungstagung zur Interkulturellen Woche entwickelt sich immer mehr zu einem inhaltlichen Schwergewicht in der aktuellen Migrations- und Integrationsarbeit der Bundesrepublik. Inhaltliche Schwerpunkte der aktuellen Entwicklungen standen jedoch im Vordergrund und das ist gut. Die Tagung fand am 22. und 23. Februar 2013 in Berlin mit etwa 140 Teilnehmenden statt. Günther Burkhardt, Geschäftsführer des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses, begründete den Tagungsschwerpunkt Rassismus. Aktuelle Entwicklungen wie die Sarrazin-Debatte, zunehmende Flüchtlingszahlen, der Umgang mit Sinti und Roma und nicht zuletzt die NSU-Taten zeigten deutlich, dass Rassismus ein Thema sei. Um ihn zu bekämpfen, müsse das Thema auch sichtbar gemacht werden.

Der Migrationsforscher Klaus Bade, ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Migration und Integration, hielt den Eröffnungsvortrag für den erkrankten Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, zu Rassismus in Deutschland. Bade referierte über eine Gegenentwicklung zu den bisherigen Integrationsbemühungen, die seit Sarrazin zu verzeichnen sei und durch Veröffentlichungen von Necla Kelek, Hendryk M. Broder, Ralph Giordano und Heinz Buschkowsky zusätzlich verstärkt werde. Bade verzeichnete Wegbereiter des Hasses, benannte Hassforen und Aufrufe zu Gewalt. Verunsicherung der Bevölkerung sei im Übrigen eine Ursache für fremdelnde Reaktionen.

In den Arbeitsgruppen der Tagung waren Rassismus, Rechtsextremismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung sowie die möglichen Gegenstrategien die Themen. Für Sachsen stellte der Leiter der Geschäftsstelle des Ausländerbeauftragten, Christoph Hindinger, den „Heim-TÜV“ als Werkzeug zur qualifizierten Einschätzung von humanitären Bedingungen und Integrationschancen vor. Die sieben Arbeitsgruppen erörterten auch Fragen der Mehrstaatigkeit und eines humanitären Aufenthaltsrechts sowie von Säkularität und Religiosität in der Einwanderungsgesellschaft.

„Ich bin hier nicht fremd, wir leben seit 300 Jahren hier.“

Die abendliche Podiumsdiskussion war mit „Rassismus bekämpfen – aber wie?“ überschrieben. Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e. V. erläuterte Hintergründe und begründete Aktionen gegen Diskriminierungen. Öffentliche Markierungen, rassistisch motivierte Kontrollen und Zurücksetzungen von in Deutschland lebenden Menschen müssen aufhören, so seine Forderung. Vorsichtig formuliert und trotzdem erschütternd war der Bericht des Rechtsanwalts Yavuz Narin, der zum einen die Ehefrau und die Töchter eines NSU-Opfers vertritt und zum anderen den NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag täglich beobachtet. Der Ausschuss leiste gegen erhebliche Widerstände eine präzise Arbeit. Zu Tage trete mehr als Unvermögen, vielmehr systemische Fehlentwicklungen, so der Tenor seiner Ausführungen. Er bedauerte, dass sich die Familien der Ermordeten über Jahre nicht als Opfer hatten sehen können. Vielmehr sähen sich Teile der Ermittlungsbehörden als Opfer der Entwicklungen. Man habe „nicht sehen wollen“, dass es systematische Verbindungen zwischen den Straftaten gegeben habe.

Sergey Lagodinsky, Rechtsanwalt und Publizist, forderte die Gesellschaft zu mehr Eigenreflexion auf. Es reiche nicht aus, sich nur bei Fußballmeisterschaften gut und gemeinsam zu fühlen, so schön Fußballmeisterschaften auch seien. Rassismus müsse definiert werden, Betroffene müssten mehr gehört werden. Der einzelne müsse für sich klarlegen, ob er bei sich rassistische Bilder verwende. Auch wenn es nicht so gemeint sei, kann es trotzdem sein, dass man diskriminiere.

Am 22. September 2013 ist Bundestagswahl – zeitgleich mit der Interkulturellen Woche

Da die diesjährigen Interkulturellen Wochen in der Wahl zum Deutschen Bundestag stattfinden wird, wurden auf der Tagung auch Fragen rund um die Perspektiven der Einwanderungsgesellschaft mit Mitgliedern des Bundestages diskutiert. Nach ihren Statements zu den Vorhaben nach der Bundestagswahl stellten sich folgende MdB den Tagungsteilnehmern in kleineren Workshoprunden: Angelika Graf von der SPD, Josef Winkler von
Bündnis 90/Die Grünen und Stephan Mayer von der CDU/CSU-Fraktion. Die FDP-Fraktion war durch ihren Mitarbeiter Martin Valchanov vertreten.

Das Tagungsbüro wird in den nächsten Tagen schrittweise die Vorträge und Materialien aus den Workshops und Vorträgen auf seiner Internetseite einstellen.

Werbematerial für die IKW 2013

Für die Öffentlichkeitsarbeit stehen auch in diesem Jahr wieder Materialien bereit: Den Materialumschlag 2013, Plakate, Postkarten, E-Cards, Webbanner, Logo und das Motto. Die gedruckten Materialien können ab Ende Mai bestellt werden unter: www.interkulturellewoche.de

Sächsischer Ausländerbeauftragter stellt Jahresbericht 2012 am 11. März 2013 vor

In einer Pressekonferenz wird Prof. Dr. Martin Gillo am Montag, dem 11. März, seinen Jahresbericht 2012 der Öffentlichkeit vorstellen. Der Bericht an das Sächsische Parlament wird die Drucksachennummer 5/11327 tragen.

Montag, 1. März 2013
10 Uhr LPK-Zentrum
Sächsischer Landtag, Bürgerfoyer Saal 1

Berufsorientierung für junge Migranten in Dresden

Junge Migranten, die sich beruflich orientieren wollen, können am 9. März 2013 in der Beratungsstelle KOpilot Kompetenzagentur Verbund Dresden Ost an einem Workshop teilnehmen. Die Veranstaltung wird vom Kinder- und Elternzentrum Kolibri e. V. in Kooperation mit der Kompetenzagentur Verbund Dresden Ost und dem Jugendmigrationsdienst der Caritas organisiert. Ort des Workshops unter dem Thema „Deine Zukunft in deinen Händen“ ist die Herzberger Straße 22 in 01239 Dresden. Angeboten wird eine Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche, individuelle Beratung zur Berufsorientierung, intensive Unterstützung beim Arbeitsstellensuchen und Bewerben, sowie die Erstellung einer Bewerbungsmappe. Ebenso besteht die Möglichkeit, ein Bewerbungsfoto von sich machen zu lassen.

Die Teilnahme, sowie Imbiss und Getränke sind für die Teilnehmer kostenlos. Anmeldeschluss ist der 7. März 2013!

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.kolibri-dresden.de

Lehrgang: Geprüfter Fremdsprachenkorrespondent (IHK)

Am 25. Februar 2013 startete der Vollzeit- Lehrgang „Geprüfter Fremdsprachenkorrespondent (IHK)“. Da dieser noch Plätze zu Verfügung hat, können sich diejenigen, die Interesse an kaufmännischen bzw. verwaltungstechnischen Tätigkeiten haben, an den unten angegebenen Kontakt wenden. Der Kurs ist insbesondere auf arbeitslose Spätaussiedler und daueraufenthaltsberechtigte Ausländer mit perfekten Russischkenntnissen ausgelegt. Gefördert wird dieser durch den Europäischen Sozialfonds und den Freistaat Sachsen. Für die Teilnehmer entstehen keine Kosten. Im Gegenteil, diese erhalten pro Tag 5 Euro Aufwandsentschädigung zuzüglich Fahrkostenerstattung.

Inpro
Bildungs- und Beratungsgesellschaft mbh Weißeritzstraße 3 (YENDIZE)
01067 Dresden
Tel.: 0351 4848760 ( zur telefonischen Terminvereinbarung)

Qualifizierung von Ehrenamtlichen in der Integrationsarbeit

Um die Integrationsarbeit vor Ort zu unterstützen, fördert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein- oder mehrtägige Multiplikatorenschulungen für ehrenamtlich Engagierte. Die Förderung richtet sich grundsätzlich an alle Vereine und Organisationen der Integrationsarbeit, in denen Ehrenamtliche tätig sind. Einen besonderen Schwerpunkt setzt das Bundesamt dabei auf die Unterstützung von Migrantenorganisationen, die selbst Integrationsmaßnahmen durchführen möchten und hierzu noch Professionalisierungs- und Qualifizierungsbedarf haben. Damit möchte das Bundesamt einen Beitrag dazu leisten, Migrantenorganisationen verstärkt und in angemessenem Umfang an der Integrationsförderung zu beteiligen. Themen sind: Vereinsmanagement, Aktivierung engagierter Mitglieder, Projektmanagement, Buchhaltung, Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, sowie Fundraising.

Für die Förderung der ausgewählten Multiplikatorenschulungen kann je nach Inhalt und Umfang der Maßnahme eine Zuwendung von bis zu 15.000 Euro gewährt werden.

Die Ausschreibungsfrist endet am 30. September 2013.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.bamf.de/DE/Infothek/Projekttraeger/Multiplikatorenschulungen/multiplikatorenschulungen-node.html

Buchtipp: Klaus Bade – Kritik und Gewalt

Migrationsforscher Klaus Bade hat ein Buch fertiggestellt, in welchem er sich mit Islamkritikern, der Sarrazin-Debatte sowie mit der anonymen Hetze gegen Ausländer im Internet auseinandersetzt. Insbesondere seit der Sarrazin-Debatte sei eine Rückentwicklung der Integrationsbemühungen zu verzeichnen. Durch die Debatte sei der Weg der Integration durch die Streuung von Zweifeln gestoppt wurden. Jede Seite, die Deutsche sowie die Nicht-Deutsche, besinne sich wieder vermehrt auf ihre Werte und Traditionen und distanziere sich von den jeweils „Anderen“. Dies geschehe mit einer gewissen Abneigung. Dadurch entstehe eine gegenseitige Entfremdung. Sarrazin habe nicht unrecht mit dem, was er beschreibe, nur überspitzte er die Angelegenheit und die dafür notwendige nachfolgende Diskussion sei ausgeblieben. Es sei an der Zeit, sich wieder aktiv mit Integration zu befassen und die von Sarrazin vorgebrachte Debatte aufzuarbeiten, um Migration sowie Integration wieder positiv gegenüber zustehen.

Bade identifiziert Zusammenhänge von Wortgewalt und Tatgewalt am Beispiel antimultikulturell und antiislamisch motivierter Bluttaten aus jüngster Zeit: dem „Breivik-Massaker“ in Norwegen und den Serienmorden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in Deutschland. Mit der Zunahme von Integrationserfolgen und der pragmatischen Akzeptanz kultureller Vielfalt seien in Deutschland auch aus kultureller Angst geborene fremdenfeindliche Abwehrhaltungen gewachsen, vor allem gegenüber dem „Schreckgespenst“ Islam. Im Umgang mit den Themen Einwanderung, Integration und Islam sei ein kritischer Punkt erreicht.

Die Politik, so Bade, verkenne die Brisanz dieser negativen Integration, solange sie „Integrationspolitik“ nicht als Gesellschaftspolitik für alle verstehe.

Klaus J. Bade
Kritik und Gewalt
Sarrazin-Debatte, „Islamkritik“ und Terror in der Einwanderungsgesellschaft
ISBN 978-3-89974893-2
Wochenschau-Verlag
ca. 400 S., 26,80 Euro
Subskriptionspreis bis zum 30. April 2013: 22,00 Euro

Gutes Beispiel - Gottesdienst mit Flüchtlingen aus Zentralunterkunft

In Neumünster feiert die evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde am Sonntag, dem 3. März, gemeinsam mit Flüchtlingen aus der zentralen Landesunterkunft einen Gottesdienst in drei Sprachen. Gemeinsam mit den Flüchtlingen aus der Landesunterkunft in der Nachbarschaft soll in Deutsch, Englisch und Persisch der Frage nachgegangen werden, was die Besucher unabhängig von ihrer Lebenssituation verbindet und sie einander mitgeben möchten. "An die Gemeinde Gottes in Neumünster..." lautet, angelehnt an den Brief des Apostel Paulus, das Motto des Gottesdienstes. Während des Gottesdienstes gibt es eine Kinderbetreuung und im Anschluss lädt die Gemeinde zum „Kirchenkaffee“ ein. Vorbereitet wurde der Gottesdienst von der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, der Flüchtlingsberatung der Diakonie Altholstein und der Flüchtlingsbeauftragten der Nordkirche. Das teilte die Gemeinde am Mittwoch mit. Die zentrale Landesunterkunft hat Plätze für 400 Menschen. Sie fungiert als Erstaufnahme für Asylsuchende, Spätaussiedler und jüdische Zuwanderer.