Newsletter Nr. 25 vom 06.07.2012

Mit Herz gesehen - Was tun, wenn gesuchte Fachkräfte als Flüchtlinge zu uns kommen?

In der letzten Woche besuchte ich wieder einige Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende in Sachsen. Mit solchen Besuchen wollen wir erfassen, wie die Unterbringung aussieht. Dabei beurteilen wir die Unterkünfte nach dem „Heim-TÜV“, der anhand von zehn Faktoren mit knapp 50 Einzelaspekten zu einer Einstufung von rot, gelb oder grün kommt.

Bei diesen Besuchen sprechen wir auch mit den Asylbewerbern. Dieses Mal traf ich auf eine Reihe von Flüchtlingen aus einem asiatischen Land. Sie haben mich in ihre Wohnung eingeladen. Sie war, bei aller Dürftigkeit der Ausstattung, ordentlich und gepflegt. Die jungen Männer waren alle sauber gekleidet, sie waren höflich und aufgeschlossen.

Es stellte sich heraus, dass einer der Flüchtlinge ein abgeschlossenes Technikstudium hatte. Einer war Automechaniker. Die anderen hatten Abitur. Alle strahlten eine ermutigende Offenheit aus. Eigentlich sind das doch Menschen, um deren Zuwanderung wir hier in Sachsen werben, oder?

Aber auch diese acht Flüchtlinge sind bei uns zum Nichtstun verurteilt – die meisten von ihnen seit fast einem Jahr, und wahrscheinlich auch weiterhin. In dieser (Warte)zeit könnten wir ihnen doch sinnvolle Aufgaben übertragen, unabhängig von ihrem Status, einfach solange sie bei uns leben, oder?

Gehören Flüchtlinge nicht dorthin, wo sie ihre Talente für und mit uns einbringen können?

Das würde den Flüchtlingen durch konstruktive Beschäftigungsangebote eine Chance für mehr Sinn in ihrem Leben geben. Das würde uns Geld sparen. Das würde auch zu weniger Konflikten mit der Nachbarschaft führen. Und das würde die öffentliche Meinung über Asylsuchende ändern: Kaum einer will sich nämlich in die „soziale Hängematte“ legen.

Sie müssen gezwungenermaßen auf unsere Kosten leben und würden lieber ihre Talente einbringen. Aber kaum einer bekommt die Chance dazu.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit umzudenken?

Glücklicherweise gibt es jetzt auch außerhalb Sachsens eine Reihe von Initiativen in dieser Richtung. Ich wünschte mir, dass der Vorschlag des ehemaligen Innenministers Wolfgang Schäuble aus dem Jahr 2006 wieder aufgegriffen wird, der allen Asylsuchenden nach einjährigem Aufenthalt den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen wollte.

Der konservative niedersächsische Innenminister Schünemann hat das jetzt aufgegriffen und schlägt außerdem vor, dass den Flüchtlingen nach einem Jahr Zugang zu Sprachkursen und einer Integrationsvereinbarung gegeben werden sollte.

Vielen Dank, Herr Schünemann! Wir wünschen Ihnen damit viel Erfolg, vielleicht auch bald mit Unterstützung des Freistaates Sachsen.

Martin Gillo

Projektstudie sucht Frauen mit Migrationshintergrund, die unterqualifiziert arbeiten

Mit dem Projekt sollen Frauen so gefördert werden, dass sie ihr ganzes Potential ausschöpfen können. Dazu sucht die Chemnitzer Personalberatung Kato Frauen mit Migrationshintergrund, die in mittelständischen Unternehmen angestellt sind oder Unternehmen, die diese beschäftigen. Das Projekt wird über eine Bundesinitiative gefördert.

Ausgangsproblem ist, dass vor allem Migrantinnen häufig unter ihrem Qualifikationsniveau eingesetzt werden. Die Gründe sind vielfältig; etwa die unklare Anerkennung ausländischer Abschlüsse, unzureichende Sprachkenntnisse oder die mangelnde Integration in das Unternehmen. Gesucht werden Frauen die, beispielsweise trotz Facharbeiterabschluss oder Hochschulstudium, nur als Hilfsarbeiterin beschäftigt werden.

Für die Migrantinnen ergeben sich mit dem Projekt folgende Vorteile: Ihre Kompetenzen werden analysiert, sie können eigene Potenziale ausschöpfen, werden fortgebildet und qualifiziert und stärken letztlich ihre Persönlichkeit.

Die Unternehmen können durch das Projekt dem Fachkräftemangel entgegenwirken,

vorhandene Potenziale besser ausschöpfen und ihre interkulturelle Kompetenz stärken. Außerdem steigt das Image der Firma, das Betriebsklima verbessert sich

und die Integration wird als Ansatz eines neuen Rekrutierungskanals erprobt.

Kontakt:

Anne Gränitz

E-Mail info@kato-personal.de

Kato Personalberatung

Am Rathaus 4

09111 Chemnitz

www.kato-personal.de

Bundesausländerbeauftragte stellt 9. Lagebericht vor und verzeichnet Erfolge

Am 27. Juni 2012 stellte Staatsministerin Maria Böhmer den 9. Lagebericht vor und übergab ihn dem Bundeskabinett. Bei der Veröffentlichung hob sie Erfolge bei der Sprachförderung und leichte Fortschritte bei der Ausbildung hervor. So erreichen mehr Migranten die Hochschulreife. Böhmer betonte, dass sich die Chancen der Migranten auf gleiche Teilhabe durch wichtige gesetzliche Änderungen wesentlich verbesserten. Hierfür ständen beispielsweise das Gesetz zur verbesserten Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder das eigenständige Bleiberecht für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende.Auch in den Bereichen Sprache, Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt seien große Schritte voran gemacht worden.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von Frühjahr 2010 bis Frühjahr 2012. Während die Zahl der Gesamtbevölkerung zurückgeht, steigt der Anteil der Migranten: 2010 lebten 15,7 Millionen in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Migranten besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Böhmer verwies ausdrücklich auf gute Sprachkenntnisse als entscheidende Voraussetzung für eine gelingende Integration. Wichtig sei die Sprachförderung von Anfang an. Es sei ein großer Fortschritt, dass gezielte Sprachförderung im Kindergarten nahezu flächendeckend in allen Bundesländern stattfindet. „Das Programm `Offensive Frühe Chancen` des Bundesfamilienministeriums stellt von 2011 bis 2014 insgesamt 400 Millionen Euro für 4.000 Schwerpunkt-Kitas zur Verfügung“, erklärte Böhmer.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Themen/Gesellschaft/Allgemein/2012-06-27-pm-neunter-lagebericht.html;jsessionid=448D7984C7F7402CEDDD6FA69E58698E.s4t2

taz-Interview mit Integrationsforscher Bade – Integration ist besser als ihr Ruf

Für den langjährigen Vorsitzenden des Sachverständigenrates für Integration und Migration, Klaus J. Bade, ist Integration in Deutschland eine Erfolgsgeschichte. In einem Interview mit der "tageszeitung" in der letzten Woche sagte er: "Sie ist viel besser als ihr Ruf und kann sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen". In Frankreich, England oder den Niederlanden sei die Lage schwieriger.

In den vergangenen zehn Jahren sei mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechtes, dem Zuwanderungsgesetz, der Islam-Konferenz und dem Nationalen Integrationsplan in der Bundesrepublik mehr passiert als in den vier Jahrzehnten zuvor, so Bade und schränkte ein: "Bei uns kommt in Sachen Migrations- und Integrationspolitik fast alles 25 Jahre zu spät."

Als Tiefpunkte in der Integrationsdebatte in den vergangenen Jahrzehnten nannte er den Anwerbestopp von 1973 und die ausländerfeindlichen Exzesse in Rostock, Mölln, Solingen und andernorts Anfang der 90er Jahre. Die 80er Jahre seien ein "verlorenes Jahrzehnt" gewesen. Heute gelte dagegen: "Die Politik ist nicht mehr so beratungsresistent wie früher."

Der 67-jährige Bade stand seit 2008 an der Spitze des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Er gilt als wichtigster Migrationsforscher in Deutschland. Zum 1. Juli 2012 übernimmt turnusgemäß die 49-jährige Göttinger Europarechts-Expertin Christine Langenfeld den Vorsitz.

http://www.taz.de/Forscher-ueber-Integrationserfolge/!96239/

Antragsfristen beim BAMF nicht verpassen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sucht Projektträger für die Durchführung von Modellprojekten, um den Zugang zu den Integrationskursen zu verbessern. Die Antragsfrist endet am 16. Juli 2012.

http://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2012/20120606-bekanntmachung-foerderung-modellprojekte.html

Für die Förderperiode 2013 können bis 31. Oktober 2012 Förderanträge für gemeinwesenorientierte Projekte eingereicht werden.

http://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2012/20120530-ausschreibung-gemeinwesenorientierte-projekte.html

Initiative „Integration durch Musik“ schreibt 15 mal 5.000 Euro aus

Mit der "Ideeninitiative 'Integration durch Musik'" will die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung das Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund fördern. Bis zum 15. August 2012 sind deutschlandweit Institutionen, Vereine, Verbände, Stiftungen sowie individuelle Initiativen und Akteure mit gemeinnütziger Zielsetzung eingeladen, musisch orientierte Projekte für eine erfolgreiche Integration von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Die Umsetzung von maximal 15 der eingereichten Projektanträge unterstützt die "Ideeninitiative 'Integration durch Musik'" mit jeweils bis zu 5.000 Euro.

Angaben zum Bewerbungsverfahren und das Formular für Projektanträge finden Sie unter http://www.kultur-und-musikstiftung.de/64_65.htm.

 

Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung

Carl-Bertelsmann-Straße 256

33311 Gütersloh

Telefon 05241 81 81109

Telefax 05241 81 681533

E-Mail azubi@kultur-und-musikstiftung.de

www.kultur-und-musikstiftung.de

Gutes Beispiel – Migranten als lebendige Bücher

Die Gleichstellungsbeauftragte für Frau und Mann der Landeshauptstadt Dresden bietet am Sonntag, dem 7. Oktober 2012 einen Fachtag „Vielfalt Mensch“ an. Unter dem Thema „Die andere verstehen lernen - ein biografischer Austausch“ stehen zwölf Frauen mit und ohne Migrationshintergrund als „lebendige“ Bücher zur Verfügung.

FrauenBildungsHaus Dresden e.V.

Oskarstraße 1

7. Oktober 2012, 10 bis 16 Uhr

www.dresden.de/frau-mann