Ausländische Ärzte, Pfleger, Therapeuten und Apotheker im Landtag – 97 Prozent der Befragten haben gute Erfahrungen, aber die Qualifikationen müssen schneller anerkannt werden

Pressemitteilung 16/2016 vom 24.06.2016

An einer Umfrage unter den Gästen des Parlamentarischen Abends am 21. Juni beteiligten sich 95 Personen. Die Fachkräfte konnten Aussagen mit „ja, trifft voll zu“, „trifft eher zu“, „trifft eher nicht zu“ oder mit „nein, trifft überhaupt nicht zu“ auswählen. Außerdem konnten sie persönliche Anregungen geben.

Gute und sehr  Erfahrungen in ihrem aktuellen Arbeitsumfeld bescheinigten 97,6 Prozent der Teilnehmenden (davon 72,3 Prozent mit „ja, trifft voll zu“). Nur eine Person kreuzte „trifft eher nicht zu“ an.

Im privaten Umfeld akzeptiert fühlten sich 96 Prozent. Dabei kreuzten etwa die Hälfte der Befragten „ja, trifft voll zu“ an.

Verständigungsprobleme mit Kollegen und Patienten, gerade zu Beginn der Tätigkeit in Deutschland hatten knapp 39 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage.

Den Bedarf an Angeboten zur sprachlichen Weiterbildung sehen 28,4 Prozent (ja, trifft voll zu) und 35,8 Prozent (trifft eher zu), zusammen 64,2 Prozent. Keinen Bedarf sehen 6,3 Prozent.

Mehr Angebote für eine fachliche Qualifizierung wünschten sich 63 Prozent der Befragten. Den Bedarf „eher nicht“ (18) und „nein, trifft überhaupt nicht zu“ (12 ) sehen insgesamt 30 Prozent.

Gut die Hälfte der Befragten fand die Aussage, dass die Anerkennung von Abschlüssen, Urkunden und Weiterbildungen aus dem Ausland schwierig sei, zutreffend. 33 Prozent fanden sie voll zutreffend, 17 als eher zutreffend. Als unzutreffend schätzten 16 Prozent die Aussage ein.

Der Aussage „Ich würde wieder in Sachsen anfangen zu arbeiten“ stimmten 56 Prozent voll zu. Eher zustimmend äußerten sich immerhin noch 30 Prozent. Nur drei Prozent der Befragten würden nicht wieder in Sachsen anfangen.

Anderen ausländischen Fachkräften aus dem Medizinbereich würden 86 Prozent eine Arbeitsaufnahme in Sachsen empfehlen. Jeweils 43 Prozent stimmten mit „trifft voll zu“ und „trifft eher zu“. Nur zehn Prozent empfehlen Sachsen nicht weiter, sieben Personen eher nicht und zwei überhaupt nicht.

Bei den Anregungen stand die unbürokratische Anerkennung von Qualifikationen im Vordergrund. So wurden eine zentrale Clearingstelle und die Organisation von Beglaubigungen aus unsicheren Herkunftsländern angeregt. Eine Approbation erfordere zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis. Das sei in Krisen- und Kriegsgebieten unmöglich zu bekommen.

Verbesserungen wünschten sich die Gäste auch bei Sprach- und Gleichwertigkeitsprüfungen.

Wünschenswert seien aber auch Patenschaften zu Beginn der Tätigkeit und eine bessere soziale Integration der Familien. Für EU-Bürger sinnvoll wären angeglichene Steuer- und Rentenregelungen.

Durchschnittlich lebten die Teilnehmer bereits 11,9 Jahren in Deutschland. Ihre Tätigkeit im Gesundheitsbereich übten sie durchschnittlich 9,7 Jahre aus.

Die Herkunftsregionen der Teilnehmer waren:                 

Ost-/ Südosteuropa               46

Süd-/ Mitteleuropa                 4

Mittlerer/ Naher Osten           23

Afrika                                     7

Nord-/ Südamerika                5

Ferner Osten                         7

Keine Angabe                        3

Zu dem Parlamentarischen Abend hatten der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler MdL, der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, und der Sächsische Ausländerbeauftragte, Geert Mackenroth MdL, eingeladen. Es war die erste Veranstaltung dieser Art. Die Initiative dazu kam vom Sächsischen Ausländerbeauftragten. Ausländische Ärzte, Pfleger und Schwestern, Apotheker, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten folgten der Einladung.

Im Plenarsaal kamen eine niedergelassene Ärztin, ein Pfleger im Krankenhaus, ein Apotheker und ein im Krankenhaus tätiger Arzt zu Wort.