Ausländerbeauftragter und Kinderschutzbund zeichnen Leipziger Verein Zeok e.V. und Dresdener Kita „Kleiner Globus“ mit dem Sterntalerpreis aus

Pressemitteilung 24/2016 vom 20.09.2016

Das Projekt „Vielfalt Willkommen“ Zeok e.V und die Kindertageseinrichtung „Kleiner Globus“ wurden heute im Landtag vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V. und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten mit dem Sterntalerpreis 2016 ausgezeichnet. Der Sterntaler würdigt den bemerkenswerten Einsatz in der Arbeit mit Flüchtlingskindern. Das Preisgeld beträgt je 1.500 € und ist für künftige Projekte mit Flüchtlingskindern vorgesehen.

Den Preis nahmen die Vereinsmitglieder Ariane Meixner und Katrin Pausch für den Zeok e.V. und für die Kita „Kleiner Globus“ Swetlana Kreismann, Markus Degenkolb und Anja Rube im Sächsischen Landtag entgegen. Der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth und Gisela Grüneisen  vom Vorstand des Sächsischen Kinderschutzbundes, würdigten die bildungsorientierten Beschäftigungsprogramme für eine heterogene Gruppe von Kindern.

Beide stellten übereinstimmend fest: „Für Flüchtlingskinder ist ein guter Start in die schulische Bildung besonders wichtig. Sie brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung. Wir wollen gemeinsam auf die Situation von und auf Hilfemöglichkeiten für diese Kinder und Jugendlichen aufmerksam machen und deren Lage so nachhaltig verbessern."

Geert Mackenroth wies auf die erforderliche Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Ausländer hin: „Kinder mit Migrationshintergrund sind auf frühzeitige Unterstützung angewiesen. Mit Integration können wir nicht früh genug beginnen!“

Sozialministerin Barbara Klepsch sagte bei der Verleihung: „Andere Kulturen und Sprachen kennen zu lernen, ist eine wichtige Erfahrung für alle. Kinder lernen mit großer Offenheit und Neugierde und können so erleben, dass Vielfalt willkommen ist“.  

Zu den Projekten der Preisträger

Das Leipziger Projekt „Vielfalt Willkommen“ des Zeok e.V. will Kinder aus Regelklassen und DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) auf spielerischer Art zusammen bringen. Jedes Kind soll gleichermaßen anerkannt und wahrgenommen werden, damit allen der Zugang zu guten Lernchancen geöffnet wird. Zeok bietet dazu Workshops in den Grundschulen an. Themen sind Identität, Familie, mein Name, Fähigkeiten, Wünsche und Träume, Heimat oder religiöse Vielfalt. Eine Woche lang können sich die Kinder mit Hilfe verschiedener Medien kennenlernen. Dabei kommt es zu einem intensiven Austausch, es entstehen Patenschaften und neue Freundschaften werden geknüpft – nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei deren Familien.

Vielfalt durch Weltoffenheit, Mehrsprachigkeit und Interkulturalität ist der Leitfaden der mehrsprachigen Kindertagesstätte „Kleiner Globus“, die im März 2015 in Trägerschaft des Ausländerrates Dresden e.V. gegründet wurde. Die 156 betreuten Kinder - darunter fünf Kinder mit Integrationsanspruch und 25 Flüchtlingskinder - kommen aus unterschiedlichen Ländern, gehören unterschiedlichen Religionen an und sprechen verschiedene Sprachen. Die Kita widmet sich der Förderung von Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklung. Ein eigenes, multikulturell aufgestelltes Team baut eine feste Vertrauensbasis für Kinder und deren Familien auf, sodass jeder kulturellen Identität die gleiche Wertschätzung entgegengebracht wird. Das Team wird durch acht Bundesfreiwilligendienstleistende aus verschiedenen Ländern ergänzt. Um sich an die Bedürfnislagen der Familien anzupassen und diese zu unterstützen, steht die Kita im engen Kontakt mit den Eltern und Großeltern. Hierzu wurde eigens ein Elterncafé eingerichtet. Der „Kleine Globus“ versteht sich daher als ein Familienzentrum, das sich durch respektvolles Miteinander und Füreinander auszeichnet.

Hintergrund:

Aktuell kommen immer mehr Familien mit Kindern nach Deutschland. Auch die Zahl  der unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA) nahm in den letzten Jahren stetig zu. So gab es 2014 in Sachsen 140 Inobhutnahmen durch das Jugendamt, 2015 waren es  fast zehnmal so viele. Insgesamt haben 2015 die Jugendämter in Sachsen 1360 Jugendliche, die ohne ihre Eltern ins Land kamen, in Obhut genommen.

Zum Stichtag 29. Juli 2016 befanden sich insgesamt 2.238 UMA in der Zuständigkeit sächsischer Jugendämter. 84 volljährig gewordene, ehemalige UMA kommen hinzu, denen weiterhin Hilfe nach dem SGB VIII gewährt wurde. Zum Vergleich: Am Stichtag 4. Januar 2016 befanden sich in Sachsen 1.866 UMA einschließlich junger Volljähriger in Obhut.

Mit dem Sterntalerpreis soll auf diese besondere Gruppe unter den Schutzsuchenden aufmerksam gemacht werden. Er wurde erstmal 2015 verliehen. Insgesamt gab es dieses Jahr 23 Bewerbungen. Im Vorjahr gingen vier Bewerbungen ein. Großen Anteil hatten Freizeitprojekte für Kinder, wie Fußballturniere, Spiel – und Bastelangebote oder Ausflüge. Ein breites Spektrum an großen und kleinen Ideen zeichnete sich ab, sodass  es der Jury nicht leicht fiel einen Favoriten festzulegen. Letztendlich wurden dieses Jahr zwei Projekte gekürt, die in den vorschulischen und schulischen Bereich fallen. 

Immer mehr Nachwuchs mit ausländischem Hintergrund wird in Sachsens Kindertagesstätten betreut. Rund acht Prozent aller Kinder in der Tagespflege hatte zum Stichtag am 1. März 2016 mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft. Das sind über zwei Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Auch an Sachsens Schulen wächst der Anteil an Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Der Anteil insgesamt betrug mit 26.148 Schülern im Schuljahr 2015/16 etwas über sieben Prozent. Jeder vierte Schulabsolvent aus einer Einwandererfamilie, machte 2015 Abitur. Allerdings war der Anteil der Schulentlassenen ohne Hauptschulabschluss bei den Migrantenkindern mit 15,5 Prozent höher als bei denen ohne Migrationshintergrund (8 Prozent).

Für Menschen mit Migrationshintergrund ist Bildung ein entscheidender Punkt für die berufliche und gesellschaftliche Entwicklung. Daher sollte schon in der Vorschule der Fokus auf eine gute Integration gelegt werden. Die aktuellen Daten zeigen umso mehr, dass Projekte in diese Richtung einen wichtigen Bestand in unserer Gesellschaft bilden und daher gefördert und ausgeweitet werden müssen.