Ausländerbeauftragter und Kinderschutzbund zeichnen Projekt „Grenzenlos“ aus Groitzsch mit dem Sterntalerpreis aus

Pressemitteilung 16/2017 vom 20.09.2017

Der Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e. V. und der Sächsische Ausländerbeauftragte zeichneten heute während einer Feierstunde das Projekt „Grenzenlos“ Schulsozialarbeit am Wiprechtgymnasium Groitzsch mit dem Sterntalerpreis 2017 aus. Der Sterntaler würdigt den bemerkenswerten Einsatz in der Arbeit mit Flüchtlingskindern. Das Preisgeld beträgt 3.000 € und ist für künftige Projekte mit Flüchtlingskindern vorgesehen.

Während der Feierstunde im Sächsischen Landtag mit Staatsministerin Barbara Klepsch, dem Vorstand des Sächsischen Kinderschutzbundes und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth nahmen Schüler, Schulleitung sowie der Projektleiter Roland Badstübner den Preis entgegen.

Vorstandmitglied Christina Koch hob in ihrer Laudatio die Vorbildwirkung von „Grenzenlos“ hervor und lud zum Nachmachen ein: „Herausragend an diesem Projekt war für uns das Engagement der Schülerinnen und Schüler als Multiplikatoren und die damit verbundene Nachhaltigkeit – vor allem in Kombination mit dem ländlichen Raum – welches den Migrantenkindern ein gutes Ankommen in unserer Gesellschaft ermöglicht.“

Geert Mackenroth betonte: „Die Schulsozialarbeit am Groitzscher Gymnasium ist durchdacht. Sie stärkt zum einen die Flüchtlingskinder in ihrer normalen Umgebung und integriert sie in die Gemeinschaft der Schule. Zum anderen werden die Kompetenzen der älteren Schüler genutzt und geschult.“

„Das Projekt ‚Grenzenlos‘ macht deutlich, wie Integration und ehrenamtliches Engagement junger Menschen lebensweltnah und nachhaltig gelebt werden kann. Vom gemeinsamen Austausch in den Sprachtandems profitieren beide Seiten. Die Flüchtlingskinder erlernen spielerisch die deutsche Sprache und die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums tragen durch ihr ehrenamtliches Engagement einen Teil zur erfolgreichen Integration bei“, lobte die Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch.

Insgesamt hatten sich 24 sehr unterschiedliche Projekte beworben. Neben Sport- und Sprachprojekten gab es auch kreative Zirkus- und Puppenspielprojekte oder geschützte Kinderbereiche. Vorgeschlagen wurden engagierte Gruppen, aber auch besonders aktive Einzelpersonen. Der Jury fiel es nicht leicht, einen Favoriten zu küren. 

Zu dem Projekt des Preisträgers

„Grenzenlos“ engagiert sich für eine Integrationskultur, ermöglicht Begegnung mit anderen Kulturen und gegenseitiges Lernen. Entwickelt wurden Sprachtandems, Hausaufgaben- und Nachhilfeprojekte von Gymnasiasten für Grundschüler mit Migrationshintergrund oder Themenwochen. Die ehrenamtlichen Helfer werden in Seminaren auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Zu den Seminarinhalten gehören Fakten, Begriffe und Differenzierungen der Asyl- und Flüchtlingspolitik und interkulturelles Wissen. Das Projekt besteht seit 2015.

Die Flüchtlingskinder erlernen durch die Sprachtandems erstaunlich schnell die deutsche Sprache. Sie werden sozial gestärkt und gefördert. Leerlaufzeiten außerhalb der Kita oder Schule werden genutzt. Das Projekt ist modellhaft für andere Schulen, da es an der Schule keine DAZ-Klassen gibt und dennoch Kontakt zu den Flüchtlingskindern vor Ort aufgebaut wird.

Kinder mit Migrationshintergrund in Sachsen

Gut acht Prozent aller Kinder in Kindertageseinrichtungen in Sachsen hatten zum Stichtag am 1. März 2017 mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft (8,5 %; 25.984 von 304.178 Kinder). Etwas mehr als die Hälfte aller Kinder mit mindestens einem ausländischen Elternteil besuchen die Einrichtungen als Nichtschulkinder (57,7 %).

Zu Beginn des Schuljahres 2015/2016 besuchten 25.671 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sächsische Schulen. Dies waren etwa sechs Prozent der Schülerschaft. Ende 2016 waren es 31.101 Schüler.

Die Anzahl der Vorbereitungsklassen hat seit Ende des Schuljahres 2015/2016 mit 515 Vorbereitungsklassen weiter zugenommen. Zum Schuljahresstart 2016/2017 gab es 530 Vorbereitungsklassen. Aktuell sind 565 Vorbereitungsklassen mit rund 9.400 Schülern an öffentlichen Schulen eingerichtet (Stand: Juni 2017). Die Schüler mit Migrationshintergrund kommen aus über 141 Ländern.