Geert Mackenroth: Campkrisensprechstunde schließt Lücken in der Betreuung von Flüchtlingen bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung

Pressemitteilung 20/2017 vom 24.11.2017

Bei einem Besuch in der psychologischen Campkrisensprechstunde in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Dresden sprach sich der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth eindringlich für die weitere Unterstützung des gefährdeten Projektes aus.

"Hier schließen ehrenamtliche Therapeuten eine Lücke in der psychosozialen Betreuung. Schwerwiegende Folgen für die Betroffenen und ihre Umgebung werden gemindert und die Arbeit der Psychosozialen Zentren flankiert,“ so Mackenroth im Anschluss an seinen Besuch. Betroffenen werde von Fachkräften direkt, unkompliziert und ohne Wartezeit geholfen, so sein Eindruck.

Mackenroth sprach sich für eine Förderung und Ausweitung des Projektes aus: „Frühzeitiges Erkennen, Stabilisieren und Vermitteln entlastet die Traumatisierten, hilft Betreuern und vermindert Eigen- und Fremdgefährdung. Wir benötigen in den EAE des gesamten Freistaats stabile Strukturen, um traumatisierte Menschen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.“

Die Psychologin Luise Pabel, ehrenamtliche Koordinatorin der Sprechstunde bekräftigt: „Für die EAE-Bewohner ist die Krisensprechstunde enorm wichtig. Ohne fachliche Begutachtung ihres psychischen Zustandes könnten sie kaum an andere Unterstützungsangebote wie die des PSZ Dresden vermittelt werden.“ Laut Pabel gaben mit dem Betreiberwechsel der EAE im August 2017 einige Ehrenamtliche ihr Engagement wegen der unklaren Projektzukunft bereits auf.

Dr. Julia Schellong vom Förderverein Traumanetz Seelische Gesundheit e.V. ergänzt: „Das Projekt füllt eine Lücke und sollte staatliche Unterstützung bekommen. Besonders unverzichtbar wird sein Beitrag, da die Sozialarbeiter als nicht ausgebildete Psychologen solche Aufgaben in der Regel nicht bewältigen können. Dazu gehören Vordiagnose oder die Feststellung von Fremd- und Eigengefährdung.“

Psychologische Campkrisensprechstunde:

In dem Projekt engagieren sich zehn Therapeuten ehrenamtlich. Die niederschwellige Beratung richtet sich an psychisch belastete Bewohner und Mitarbeiter der Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende in Dresden. Die Psychologen, Kunsttherapeuten sowie die Kinder- und Jugendpsychologen engagieren sich bis zu fünf Stunden pro Woche vor Ort. Die Krisenintervention im Sinne der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) entlastet emotional, stabilisiert und aktiviert Ressourcen. Sie vermittelt Deeskalation und Psychoedukation, verbessert den  einen besseren Umgang mit der aktuellen Lebenssituation in Krisensituationen.

Bei Bedarf werden die Patienten zur Weiterbehandlung an die psychiatrische Sprechstunde der Flüchtlingsambulanz der KV Dresden, die Traumaambulanz der Uniklinik Dresden und das PSZ Dresden vermittelt. Damit stellt das Projekt eine wichtige Clearingfunktion dar. Die gerade aufgebauten Psychosozialen Zentren in Dresden, Leipzig und Chemnitz können diese Leitfunktion strukturell nicht leisten.

Krisenursachen sind beispielsweise körperliche und verbale Gewalt. Sie führen zu Suizidalität und psychischen Krisen. Nach Studien der Bundespsychotherapeutenkammer sind Geflüchtete fünfmal mehr als die Durchschnittsbevölkerung belastet. Geflüchtete leiden unter Erlebnissen in ihrem Herkunftsland, auf der Flucht oder durch die Situation in den Camps.

Für eine Fortführung des Projektes im Jahr 2018 wurden rund 14.000 € über die Richtlinie Integrative Maßnahmen beantragt. Zusätzlich werden Eigenmittel eingebracht. Bislang erfolgt keine Zusage.

Zum Vergleich: Nach Angaben des Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz vom Juli 2017 wurden zusätzliche Mittel zur Stärkung der Vermittlungsmöglichkeiten von Flüchtlingen in psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung von 3,5 auf jährlich 4,3 Millionen Euro (2017/2018) aufgestockt.