Neue sächsische Initiative für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen:

Pressemitteilung 11/2010 vom 17.09.2010

Dem Fachkräftemangel mit hier ansässigen Talenten entgegentreten.
Für die in Sachsen lebenden und gut ausgebildeten Migrantinnen und Migranten ist die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Qualifikationen und eine entsprechende Nachqualifizierung ein wichtiger Schritt zur gesellschaftlichen Integration.

Diese Anerkennung ist allerdings ein langwieriger und durch Bürokratie erschwerter Prozess, der klarer und einfacher gestaltet werden muss, ohne dabei die berechtigten Anforderungen an ein den deutschen Qualifikationen entsprechendes Niveau aufzugeben.

Zu diesem Zweck nimmt in Sachsen jetzt auf Initiative der Sächsischen Staatsregierung hin ein  „Runder Tisch Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse“ seine Arbeit auf. Er ist ein gemeinsames Vorhaben der sächsischen Staatsministerien des Inneren, Kultus, Soziales und Verbraucherschutz, Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Wissenschaft und Kunst, der sächsischen Industrie- und Handelskammern, der sächsischen Handwerkskammern, des DGB Sachsen, des Verbandes der sächsischen Wirtschaft VSW und der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Der Sächsische Ausländerbeauftragte Professor Dr. Martin Gillo wurde von den Ministerien beauftragt, den Runden Tisch zu leiten und zu moderieren.

Markus Ulbig, der Sächsische Innenminister, betonte dazu: "Wir können es uns nicht leisten, dass eine russlanddeutsche Ärztin in Deutschland als Putzfrau arbeiten muss, weil ihr Abschluss hier nicht anerkannt wird. Als nach der Wiedervereinigung die Ausbildungen und Abschlüsse der DDR anerkannt werden mussten, wurde schnell reagiert und wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Das sollte uns auch ein Beispiel für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sein."

Der „Runde Tisch Anerkennung“ wird zunächst bis Ende 2011 einberufen und erarbeitet bis dahin ein Gesamtkonzept, anhand dessen die Staatsregierung mit Unterstützung der Wirtschaft, der Sozialpartner und der Regionaldirektion Sachsen neue Initiativen für zügigere Anerkennungsverfahren ergreifen kann. Auf seiner ersten Sitzung am 13. September 2010 entschied sich der Runde Tisch für monatliche Treffen.

Arbeitsgrundlage des RTA sind konkrete Beispielfälle von bereits laufenden Anerkennungsverfahren, die auf konkrete Hindernisse untersucht werden. Dabei verfolgt der Runde Tisch zwei Ziele.

Zum einen wird er anhand der Analyse der Beispielfälle Chancen  für eine Beschleunigung und Vereinfachung des Anerkennungsverfahrens auf sächsischer Ebene herausarbeiten. Er bringt die zuständigen Akteure an einen Tisch und erarbeitet konkrete Vorschläge für Verbesserungen landesspezifischer Vorschriften, Gesetze und Organisationsansätze.

Zum anderen sucht er bei den bearbeiteten Fällen nach neuen und zielführenden Lösungsansätzen.

„Die breite Koalition aus Ministerien, den Kammern, der Regionaldirektion Sachsen und den Sozialpartnern zeigt, dass wir uns in Sachsen für dieses wichtige Thema einsetzen wollen“, sagte Martin Gillo über den Beginn dieser neuen Initiative. „Damit helfen wir nicht nur unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich seit Jahren durch einen wahren Anerkennungsdschungel kämpfen, sondern wir helfen auch unserer Gesellschaft.“

Sachsens Wirtschaft steht vor einer demografischen Herausforderung. Ab 2014 gehen im Freistaat Sachsen mehr Menschen in den Ruhestand als neue ins Berufsleben eintreten werden.

„Diese Herausforderung legt neue Lösungswege nahe. Wir wollen unseren Mitmenschen nicht nur die besten, sondern auch zweite und dritte Chancen für ein erfolgreiches Berufsleben geben. Auch die vielen schon bei uns lebenden Talente mit ausländischen Abschlüssen müssen faire Zugangsmöglichkeiten zu Wirtschaft und Gesellschaft erhalten. Wir kennen dank der Arbeit anderer, welche Eingänge es in den Anerkennungsdschungel gibt. Mit dem Runden Tisch werden wir dafür sorgen, dass die Wege durch den Dschungel kürzer und besser werden. Dabei bauen wir auf eine breite Unterstützung und werden über unsere Arbeit regelmäßig berichten“, so Gillo.

Die Anträge für eine Befassung des Runden Tisches mit sich bereits im Anerkennungsverfahren befindlichen Beispielfällen können ab dem 20. September 2010 beim Sächsischen Ausländerbeauftragten per E-Mail angefordert und später per E-Mail eingereicht werden unter Anerkennung@slt.sachsen.de.