Sächsischer Integrationspreis 2012

sechs Jugendliche vor einer Schultafel

sechs Jugendliche vor einer Schultafel

Veranstaltung vom 02.07.2012 bis 31.12.2012

Gemeinsam schrieben das Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz und der Sächsische Ausländerbeauftragte den Integrationspreis aus. Er stand unter dem Motto "Migranten für Sachsen - Sachsen für Migranten" und wurde am 30. November 2012 verliehen.

Stilbruch aus Dresden

Gute Resonanz hat die Verleihung des Sächsischen Integrationspreises 2012 am 30. November gefunden. Der Wettbewerb stand unter dem Thema „Migranten für Sachsen – Sachsen für Migranten“ und wurde gemeinsam von der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Christine Clauß, und dem Sächsische Ausländerbeauftragte, Professor Martin Gillo ausgelobt. Die vier Preisträger wurden von einer siebenköpfigen Jury unter den 24 Bewerbungen aus ganz Sachsen ausgewählt.

Luisa Noack und Duy Tran vom Mitteldeutschen Rundfunk moderierten die Veranstaltung, die musikalisch von der Band Stilbruch aus Dresden begleitet wurde. Eine Ausstellung in der Lobby des Parlamentes sowie eine Broschüre informierten über alle Initiativen, die sich um den Integrationspreis 2012 beworben hatten. Die Ausstellung ist derzeit im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz zu sehen und wird in den nächsten Monaten weitere Stationen in Sachsen absolvieren.

Preisträger  2012

Die Preisträger des Sächsischen Integrationspreises 2012 gemeinsam mit der Landtagsvizepräsidentin, der Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten

Die Preisträger 2012

Frau mit Broschüre unter dem Arm schaut Ausstellung  Integrationspreis an

„Zusammenarbeit – tolerant, kompetent, nachhaltig“

Mehrdad Kalateh Agha Mohammadi,
Förderverein Jugend-, Kultur- und Sozialzentrum Aue e.V.

Die Initiative „Zusammenarbeit – tolerant, kompetent, nachhaltig“ initiiert Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Gerade in Städten oder Landkreisen mit sehr geringem Ausländeranteil sind Ängste und die Unsicherheit vor Fremden sehr hoch – umso wichtiger sind persönliche Begegnungen, die die Gemeinsamkeiten erkennen und die Unterschiede weniger wichtig werden lassen. Im Rahmen der Initiative werden verschiedene Kleinprojekte im Sport, in der Kinder- und Jugend- sowie in der Bildungsarbeit durchgeführt, bei denen der interkulturelle Ansatz zentral ist, wie z.B. in den Patenschaften zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Darüber wird die interkulturelle Öffnung und gleichzeitig die demokratische Bürgergesellschaft in Aue und Umgebung gestärkt und gefördert. Dieser Ansatz erleichtert Zuwanderern das Ankommen in der Region und schafft Wege in die Gesellschaft hinein.

Mehrdad Kalateh Agha Mohammadi ist ein sehr aktives Mitglied im Verein. Er betreut und begleitet Menschen mit Migrationshintergrund, die in der Region leben und wendet sich auch ganz aktiv an die einheimische Bevölkerung. So unterstützt er den Geschichtsunterricht an der Auer Mittelschule und vermittelt Kindern und Erwachsenen seine Perspektiven als Ausländer in Sachsen und berichtet von seinen Erfahrungen als Flüchtling, der sein Land verlassen musste. Er setzt sich bei Fachtagungen und Podiumsdiskussionen mutig und öffentlich für seine neue Heimat, für Demokratie und ein respektvolles Miteinander ein. Damit ist er ein wichtiges Beispiel für lebendige und selbstverständliche Interkulturalität in Sachsen.

Interkulturelle Fortbildung

Sarbast Akraui,
ProDialog Leipzig e.V.

Das Projekt „Interkulturelle Fortbildung für Kinder- und Jugendeinrichtungen des Leipziger Ostens“ richtete sich an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Kinder- und Jugendarbeit und zeigte Handlungsstrategien für interkulturelle Fragen auf, die in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verschiedener Herkunft entstehen können. Ziel der Fortbildungen war es, das alltägliche Zusammenarbeiten und Zusammenleben in den Kinder- und Jugendeinrichtungen zu verbessern. Die Mitarbeitenden wurden für die Belange von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sensibilisiert und erhielten gleichzeitig Anregung für die interkulturelle Öffnung der jeweiligen Ämter und Einrichtungen. Diese Impulse zur interkulturellen Öffnung und die Konzeption der Fortbildung als Multiplikatorenschulung machen die besondere Nachhaltigkeit dieser Initiative aus.

Das Projekt zielte nicht nur darauf, Diskriminierungen zu erkennen und zu vermeiden, sondern zeigte mögliche Wege auf, wie ein respektvolles Miteinander von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkünfte ermöglicht und unterstützt werden kann.

Dem interkulturellen und multiethnisch zusammengesetzten Migrantenverein „ProDialog“ ist es mit diesem Projekt vorbildlich gelungen, eigene Erfahrungen aus der Perspektive von Zuwanderern für die Mehrheitsgesellschaft nutzbar zu machen. Besonders lobenswert ist der methodische Ansatz, interkulturelle Fortbildung nicht nur als Wissenszuwachs für den Einzelnen zu konzipieren, sondern gleichzeitig die interkulturelle Öffnung der beteiligten Institutionen zu fördern.

Kunst und Kultur als Antriebsmotor der Integration

Nadja Grigorenko
Kunst- und Tanzstudio „Schöne Welt“

Das Kunst- und Tanzstudio „Schöne Welt“ bietet unterschiedliche Projekte für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund an. Bei der künstlerischen Betätigung steht das Miteinander im Vordergrund. Hier ist nicht wesentlich, woher eine oder einer kommt, sondern entscheidend ist die gemeinsame künstlerische Arbeit, die so zum Medium der Verständigung wird.

Mit diesem Ansatz gelingt es der Studioleiterin Nadja Grigorenko nicht nur, Zuwanderer beim Ankommen und Einleben in der neuen Heimat zu unterstützen. 
Sie schafft vor allem Möglichkeiten der Begegnung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und bietet Gelegenheiten, sich gemeinsam für etwas zu engagieren und zu begeistern. In den von ihr initiierten Projekten kann man ganz alltäglich erfahren, wie sich Menschen aus verschiedenen Kulturen ergänzen und bereichern können. Damit können auch Berührungsängste vor Fremden besonders nachhaltig abgebaut werden.

Nadja Grigorenko ist es auf beeindruckende Weise gelungen, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse für ein respektvolles interkulturelles Miteinander einzusetzen. Kunst und Kultur sind in dieser Initiative nicht nur Antriebsmotor der Integration, sondern auch Antriebsmotor für die interkulturelle Öffnung der sächsischen Gesellschaft. Das ist angesichts der besonderen Herausforderungen in den kleineren sächsischen Städten besonders lobenswert. Gerade in den Regionen mit sehr geringem Ausländeranteil sind Ängste und die Unsicherheit vor Fremden sehr hoch – umso wichtiger sind gemeinsame Erlebnisse, die die Gemeinsamkeiten erkennen und die Unterschiede weniger wichtig werden lassen.

Sonderpreis für besonderes soziales Engagement

Fahrradkurs für Migrantinnen
Jürgen Gunkel
Verein zur Förderung von Kinder- und Jugendsport in Dresden

Der Fahrradkurs für Migrantinnen wurde durch den Verein zur Förderung von Kinder- und Jugendsport in Dresden e.V. und in Zusammenarbeit mit dem interkulturellen Frauentreff des Ausländerrates Dresden e.V. realisiert. Die Idee dazu stammt von Frauen aus Afghanistan, Jemen, Armenien, Iran und Vietnam, die den großen Wunsch hatten, Fahrradfahren zu lernen. Das ist in den meisten dieser Länder für Mädchen und Frauen eher unüblich.

Der Kurs beinhaltete neben der Fahrpraxis auch theoretische Inhalte zur Verkehrssicherheit und wurde in Zusammenarbeit mit der Dresdner Polizei durchgeführt. Zum erfolgreichen Abschluss bekamen alle Frauen neben einem Fahrradpass ein gutes gebrauchtes Fahrrad und einen neuen Helm. Mit der neuen Fertigkeit sind sie deutlich mobiler und unabhängiger in ihrer Heimatstadt Dresden.

Herausragend an diesem Projekt sind die kleinen Brücken, die hier geschlagen werden konnten. Besonders lobenswert sind natürlich die Eigeninitiative und der Mut der Frauen, die damit nicht nur individuelle Ängste, sondern vor allem auch kulturelle Schranken überwinden konnten. Hervorzuheben ist auch die Bereitschaft der Ehemänner, die in den Zeiten des Kurses selbstverständlich die Kinderbetreuung übernahmen. Brücken wurden auch durch die breite Kooperation mit verschiedenen Partnern gebaut. Neben dem Ausländerrat Dresden und dem Gemeindedolmetscherdienst Dresden ist besonders die Zusammenarbeit mit Verkehrswacht und Polizei erwähnenswert. Darüber konnten auch Barrieren zwischen Migrantinnen und Behörden abgebaut und gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden konnte – ein wichtiger Schritt auch in Richtung interkultureller Öffnung der beteiligten Institutionen.

Diese Initiative ist Empowerment der besonderen Art – es macht in vielfacher Hinsicht mobil, schafft wichtige Erfolgserlebnisse und kann auch in kleineren Städten oder ländlichen Regionen leicht nachgeahmt werden.

Ausschreibung 2012

Christine Clauß & Martin Gillo

Christine Clauß & Martin Gillo

Migranten für Sachsen - Sachsen für Migranten

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Sachsen leben Menschen aus 170 Nationen. Auch wenn wir unterschiedliche Wurzeln haben, so teilen wir heute eine gemeinsame Heimat. Vor allem aber gestalten wir gemeinsam unsere Zukunft! Deshalb ist unsere Gemeinsamkeit in Vielfalt ein großes Potential für unser Land.

Gleichzeitig ist ein respektvolles Miteinander der Kern unserer sächsischen Willkommensgesellschaft. Das ist für uns eine Gesellschaft, die interkulturell offen ist, von gegenseitigem Respekt getragen ist und in der alle ihre vielfältigen Talente einbringen können.

Mit unserem vierten Sächsischen Integrationspreis wollen wir Menschen in den Mittelpunkt rücken, die aus anderen Ländern kommen und die sich Sachsen zur zweiten Heimat gemacht haben.

„Migranten für Sachsen - Sachsen für Migranten“ – unter diesem Motto wollen wir wissen: Was haben Sie für Sachsen und für ein gutes Miteinander getan? Wie sind Sie auf Ihre Nachbarn und Kollegen, auf die Lehrer und Erziehern Ihrer Kinder zugegangen? Wie haben Sie sich in Gemeinden, Vereinen oder im alltäglichen Leben für ein respektvolles interkulturelles Miteinander engagiert?

Wir wollen mit dem diesjährigen Integrationspreis ganz gezielt das Engagement von Zuwanderern und Migranten würdigen, die sich für ein respektvolles Miteinander und für die sächsische Willkommensgesellschaft einsetzen.

Zeigen Sie uns, was Sie konkret für unser Miteinander tun. Zeigen Sie uns, wie Sie Brücken bauen - im Alltag und in der Nachbarschaft, im Sport, im Arbeits- und Wirtschaftsleben, in der Kinder- und Jugendarbeit, in den Medien, in Bildung und Wissenschaft oder im interreligiösen Bereich.

Wir wissen: Entscheidend ist nicht unsere unterschiedliche Herkunft – entscheidend ist, dass wir zusammen in Sachsen leben und hier gemeinsam unsere Zukunft gestalten.

Machen Sie deshalb mit beim Integrationspreis 2012! Wir sind neugierig auf Ihre Bewerbungen.

Christine Clauß
Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz

Prof. Dr. Martin Gillo
Sächsischer Ausländerbeauftragter 
 

Was wird ausgezeichnet?

  • Der vierte Sächsische Integrationspreis steht unter dem Motto „Migranten für Sachsen - Sachsen  für Migranten“. Wir wollen in diesem Jahr Zuwanderer und Migranten auszeichnen, die sich Sachsen zur zweiten Heimat gemacht haben und 
  • die sich für die sächsische Willkommensgesellschaft engagieren, 
  • die aktiv auf die Mehrheitsgesellschaft zugehen und die für ein respektvolles interkulturelles Miteinander werben und arbeiten.

 

Wer kann teilnehmen?

Bewerben können sich Zuwanderer und Migranten, die sich in Organisationen oder als Einzelne für ein gelingendes interkulturelles Miteinander im Freistaat Sachsen engagieren. Die Initiative oder das Projekt, auf das sich die Bewerbung bezieht, sollte aktuell sein und aus den Jahren 2011/2012 stammen.
Die Kandidaten können auch von anderen vorgeschlagen werden.

 

Was kann man gewinnen?

Für den Sächsischen Integrationspreis stehen insgesamt 6.000 Euro zur Verfügung. Er wird auf vier Preise zu je 1.500 Euro verteilt. Einer der Preise wird vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz als Sonderpreis für den Bereich „Arbeits- und Wirtschaftsleben“ ausgelobt.

 

Wer trifft die Entscheidung?

Die Projekte werden von einer Jury ausgewählt, deren Mitglieder sich in unterschiedlichen Bereichen interkulturell engagieren und verschiedene Perspektiven in die Beurteilung einbringen. Den Vorsitz führen die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz und der Sächsische Ausländerbeauftragte gemeinsam. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wann und wo werden die Gewinner ausgezeichnet?
Die vier Preisträger werden am 30. November 2012 im Plenarsaal des Sächsischen Landtags ausgezeichnet. Zur Preisverleihung sind alle Bewerber herzlich eingeladen.
Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler.

 

Wie können Sie sich bewerben?

Bitte schicken Sie uns Ihre Bewerbung bis zum 17. September 2012 (Einsendeschluss). Sie soll neben den ausgefüllten Formularen eine höchstens dreiseitige Beschreibung der Initiative enthalten. Die Bewerbungsformulare finden Sie unter www.soziales.sachsen.de/Integrationspreis.html und www.offenes-sachsen.de

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per Post an:

Der Sächsische Ausländerbeauftragte
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden
Kennwort: „Integrationspreis – Bitte nicht öffnen“

Ihre Fragen beantworten wir gern. Bitte wenden Sie sich an:
E-Mail  integrationspreis@slt.sachsen.de
Telefon: 0351 493 5171

Was brauchen wir außerdem?

Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, was Sie leisten. Deshalb schicken Sie uns bitte für unsere Öffentlichkeitsarbeit eine kurze Beschreibung Ihrer Initiative (maximal 2000 Zeichen), ein druckfähiges Foto (etwa 300 dpi) und Ihre Zustimmung zur Veröffentlichung. Bitte per E-Mail an integrationspreis@slt.sachsen.de

Zusammensetzung der Jury 2012

Jury während der Sitzung

Frau Christine Clauß MdL
Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz

Prof. Dr. Martin Gillo MdL
Sächsischer Ausländerbeauftragter

Frau Swetlana Kreismann
Ausländerrat Dresden e.V.

Frau Tina Decker
Verein zur Förderung von Frauen initiativen Frauenzentrum „Regenbogen“ e.V.

Frau Michaela Mickoleit
Max Planck Institute of Moleculare Cell Biology and Genetics

Frau Nargis Amiri
Bon Courage e.V.

Prof. Dr. phil. Christian Prunitsch
Ausländerbeauftragter der TU Dresden

Blick von der Tribüne auf die Veranstaltung