Anerkennung und Zugewinn

Menschen mit Migrationshintergrund bereichern Sachsen mit ihrer Kreativität, Erfahrung und Leistungsbereitschaft. Ihre Fähigkeiten helfen mit bei der Bewältigung der Folgen der demografischen Entwicklung. Klare Bedingungen für die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und eine Willkommensgesellschaft sind nötig.

Ausländische Forscher loben Dresden und empfehlen, Integrationshürden in Sachsen abzubauen

Krankenpfleger auf Intensivstation

Zum Beginn der Interkulturellen Woche in Sachsen ließ der Sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo ausländische Forscherinnen und Forscher in Sachsen mit einer Studie über ihr Leben in Dresden zu Worte kommen. Die Untersuchung gibt die Standpunkte von Forschern aus aller Welt wieder, die derzeit in Dresden forschen und leben. Sie wurden u.a. dazu befragt, wie es ihnen in Sachsen geht, ob sie sich wohlfühlen und was man für ein respektvolles Miteinander tun könnte.

Anerkennungsgesetz des Bundes in Kraft

Krankenpfleger

Zum 1. April 2012 trat das Anerkennungsgesetz des Bundes (Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz – BQFG) in Kraft. Damit haben Inhaber ausländischer Qualifikationen erstmals einen individuellen Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Anerkennung ihrer Qualifikationen. Künftig sollen Antragsteller innerhalb von drei Monaten nach Vorlage aller Unterlagen einen Bescheid erhalten, ob ihre im Ausland erworbene Ausbildung einem deutschen Abschluss entspricht.

Gleichzeitig werden sie darüber informiert, wenn es noch Defizite gibt, die einer Anerkennung im Wege stehen und wie diese beseitigt werden können.

Das Gesetz gilt für all jene Berufe, die bundesrechtlich geregelt sind, wie z.B. die Ausbildungsberufe des dualen Systems (Bäcker, Maschinen- und Anlagenführer, Elektroanlagenmonteur u.Ä.) und bei den Heilberufen die Ärzte, Psychotherapeuten und Krankenschwestern. Die Regelung über die dreimonatige Entscheidungsfrist wird am 1. Dezember 2012 in Kraft treten.

Begleitende Ländergesetzgebung und Orientierung in Sachsen

Beartungssituation in der IBAS

Für die landesrechtlich geregelten Berufe wie Lehrer, Erzieher oder Ingenieure wollen die Bundesländer zügig ihre Anerkennungsverfahren dem Bundesgesetz anpassen. Dazu hat die Kultusministerkonferenz einen Mustergesetzentwurf für die Ländergesetzgebung vorgelegt. Das Sächsische Staatsministerium für Kultus erarbeitet gemeinsam mit den anderen Ressorts derzeit einen Referentenentwurf für ein Sächsisches Anerkennungsgesetz (SächsBQFG), das sich an den Grundprinzipien des Bundesgesetzes orientiert.

Orientierungshilfe in Sachsen

Die Vielzahl der zuständigen Stellen für Anerkennungsfragen bleibt auch mit dem neuen Gesetz bestehen. Deshalb ist eine gute Verweis- und Verfahrensberatung für Antragsteller und Ratsuchende notwendig.
In Sachsen arbeitet dazu seit 2011 die Informations- und Beratungsstelle Anerkennung Sachsen (IBAS), die über das Förderprogramm „Netzwerk Integration durch Qualifizierung“ gefördert wird. Diese Erstanlaufstelle hilft bei Fragen der im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen vor Ort weiter. Die IBAS ist derzeit an zwei Standorten in Dresden und Zwickau zu erreichen und bietet darüber hinaus Beratungen in anderen Städten an.

IBAS Informations- und Beratungsstelle Anerkennung Sachsen
c/o EXIS Europa e.V.
Weißeritzstraße 3 (Yenidze)
01067 Dresden
Telefon 0351 4370 7040
Telefax 0351 4370 7070
E-Mail anerkennung@exis.de

IBAS Informations- und Beratungsstelle Anerkennung Sachsen
c/o EXIS Europa e.V
Am Schwanenteich 4
08056 Zwickau
E-Mail anerkennung@exis.de

Orientierungshilfen bundesweit

Die Vielzahl der zuständigen Stellen für Anerkennungsfragen hat sich nur zum Teil reduziert. Deshalb wurden parallel zum Bundesgesetz Informationsmöglichkeiten geschaffen, die Antragstellern und potentiellen Arbeitgebern die Orientierung erleichtern sollen.

So bietet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine neue Telefon-Hotline: Unter der Rufnummer +49 (0)30-1815-1111 kann man sich zum Thema Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, zu Verfahren und den zuständigen Stellen informieren. Die Servicezeiten sind Montag bis Freitag von 9:00 bis 15:00 Uhr.

Weitere Informationen finden Ratsuchende im Internetportal „Anerkennung in Deutschland“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit. Es wird vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) betrieben.
Das Informationsportal „bq-Portal“ unterstützt Entscheidungsträger und potentielle Arbeitgeber bei der Bewertung ausländischer Berufsabschlüsse mit umfassenden Informationen zu ausländischen Berufsqualifikationen.
Eine fachliche Unterstützung für Anerkennungsstellen bietet die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bei der Kultusministerkonferenz, die Gutachten für konkrete Einzelfälle und allgemeine Informationen über das betreffende Land und sein Bildungssystem anbieten. Diese Informationen sind auch über die Datenbank „anabin“ zugänglich.

Die IHK FOSA in Nürnberg ist als zentrale Stelle für die Prüfung und Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen im Bereich der Industrie- und Handelskammern zuständig. 77 der 80 deutschen IHKs haben sich der IHK FOSA angeschlossen. Die regionalen Industrie- und Handelskammern bieten eine individuelle Einstiegsberatung an, prüfen die formalen Antragsvoraussetzungen und helfen bei der Einschätzung des Referenzberufes. Die IHK FOSA führt das Anerkennungsverfahren selber durch und stellt die abschließenden Bescheide aus.