Empfehlungen und Anregungen - 2011

Für viele Mißstände gibt es keine einzelnen Verantwortlichen, jedoch Mitverantwortliche. Bei systemischen Problemen tragen alle einen Teil Verantwortung. Das System und seine Regeln müssen verändert werden, um langfristig Erfolge zu erzielen.

Systemische Lösungen für eine menschenwürdigere Unterbringung

1. Die Unterbringung von Asylbewerbern und Geduldeten sollte in die Verantwortungsbereiche des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz und der zuständigen Sozialbehörden der Landkreise bzw. Kreisfreien Städten übertragen werden.

2. Eine angemessene Finanzierung der Unterbringung ist die Grundlage für ein menschenwürdiges Heimleben.

3. Konsequent den Weg der dezentralen Unterbringung von Familien, Alleinerziehenden und Anderen aus humanitären Gründen weitergehen.

4. Asylbewerber und Geduldete sollten dort untergebracht werden, wo sie ihre mitgebrachte Bildung weiterführen können.

5. In jedem Heim sollte qualifizierte Sozialarbeit sichergestellt werden, um damit pro-soziales Verhalten zu fördern und notwendige Unterstützung zu leisten. Dabei sollte eine Vollzeitstelle pro 100 Bewohner zur Verfügung gestellt werden.

6. Adäquate Sicherheit in allen Heimen gewährleisten.

7. Vorsorgeuntersuchungen auf ansteckende Krankheiten sowie Betreuung von Müttern mit Kleinkindern sicherstellen.

8. Gesundheitsgefährdender Schimmel und Ungeziefer sind ernst zu nehmen und sollten, sobald sie entdeckt sind, effektiv beseitigt werden.

9. Soziale Inklusionsrechte und -pflichten sichtbar machen und Asylbewerbern / Geduldeten darin Orientierung geben.

10. Deutscherwerb für alle.

11. In jedem Heim einen Leseraum mit deutschen Büchern und Zeitschriften einrichten und führen.

12. Alphabetisierungskurse und Wege zum zweiten Bildungsweg für gering Beschulte einrichten.

13. Individuelle Mobilität mit gespendeten Fahrrädern erhöhen.

14. Arbeitsgelegenheiten mit Vergütung nach § 5 AsylbLG für verschiedene Tätigkeiten im Heim schaffen und unterstützen.

15. Demokratie erlernen durch Einbindung in Heim und Gesellschaft.

16. Gemeinnützigen Vereinen Zugang zu allen Heimen gewähren, um die gesellschaftliche Inklusion der Heimbewohner zu fördern.

17. Jährliche Tage der offenen Tür in allen Asylbewerberheimen.

18. Ermutigung zur Einrichtung von Gemeinschaftsunterkünften in Wohnhäusern mit Belegung zw. 50 und 100 Bewohnern.

19. Das Heimleben ist zur Dauerunterbringung ungeeignet. Bringen wir Menschen aus humanitären Gründen dezentral unter, wenn erkennbar wird, dass sie an den Konsequenzen des Heimlebens menschlich zu zerbrechen drohen.

20. Für eine mitmenschlichere Asylpolitik auf Bundesebene: Deutsche Verfahren verkürzen, beschleunigende internationale Rückführungsabkommen vereinbaren und ab 12 Monaten bis zur Abreise einen neuen Warte-Titel mit Arbeitsberechtigung und Deutschkursen gewähren.