Newsletter Nr. 5 vom 20.05.2021

Parolen Populismus Propaganda – Kartenset hilft strategisch

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Noch ehe das neue Kartenset im Newsletter vorgestellt wurde, ist die erste Auflage von 1.000 Stück bereits vergriffen und musste nachgeordert werden. Der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth hatte im April eine Argumentationshilfe gegen Stammtischparolen zum Thema Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass vorgestellt. Auf zehn Karten finden sich provozierende Sprüche und Parolen, auf der Rückseite passende Gegenfragen, Argumente und Fakten. Mit den Karten und der Gesprächsanleitung soll den Nutzern hilfreiches Rüstzeug für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien in die Hand gegeben werden. Die zehn Karten greifen Parolen von Stammtischschwestern und -brüdern auf und stellen sie in Frage.

In Gesprächen zu aufgeladenen Themen geht es vor allem um die stillen Zuhörer, die Mitdenker und die Unentschlossenen. 20 strategische Tipps helfen den Gesprächsteilnehmern dabei, die Perspektive der anderen zu sehen und Dispute erträglicher zu machen. Zu den Grundregeln gehört etwa, nicht zu belehren, Themenwechsel zu erkennen und Parolenspringen nicht mitzumachen, sowie Fakten zu benennen und mit Witz einem Gespräch die Schärfe zu nehmen.

Postkarten und Gesprächsstrategien basieren auf einer Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer. Hufer lehrt an der Universität Duisburg-Essen. Der Politologe entwickelte ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Das Set kann kostenfrei über das Internetangebot des Sächsischen Ausländerbeauftragten bestellt werden. www.offenes-sachsen.de. Service I Publikationen
https://sab.landtag.sachsen.de/de/service/publikationen/index.cshtml

Ausschreibung zum Kinderschutzpreis hat begonnen

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Zum Kindertag am 1. Juni weist Geert Mackenroth auf die aktuelle Ausschreibung des Sterntaler 2021 hin. Der gemeinsame Preis des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Sachsen e.V. und des Sächsischen Ausländerbeauftragten würdigt das besondere ehrenamtliche Engagement für Kinder und/oder Jugendliche mit Migrationshintergrund und Benachteiligung. In diesem Jahr stehen besonders Projekte im Fokus, die das Leben von Kindern während der Coronapandemie erleichtern, ihre Entwicklungschancen verbessern oder pandemiebedingte Einschränkungen abbauen.

Der Preis ist mit 3.000 € dotiert und wird zum UN-Weltkindertag am 20. September im Sächsischen Landtag in Dresden verliehen.

Die Ausschreibung und alle Informationen zum „Sterntaler – Preis für besonderes Engagement für Kinder mit Migrationshintergrund und Benachteiligung“ unter
www.sterntalerpreis.de

Sachverständigenrat stellt Jahresgutachten vor – Lob für Einbürgerungen in Sachsen

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Am 4. Mai stellte der Sachverständigen-rat für Integration und Migration (SVR) sein Jahresgutachten vor. In einer stark besuchten Videokonferenz gab die SVR-Vorsitzende Prof. Petra Bendel einen Überblick über die gewonnenen Erkenntnisse. Zur Verbesserung der politischen Teilhabe tragen beispielsweise Einbürgerungen durch das gewonnene Wahlrecht wesentlich bei. Hier liegt Sachsen mit 4 Prozent Einbürgerungen derer, die die Voraussetzungen erfüllen, zusammen mit Thüringen und Hamburg an der bundesdeutschen Spitze (Durchschnitt 2,5%). Als ein Grund dafür wurden festliche Einbürgerungszeremonien genannt, wie sie der Sächsische Ausländerbeauftragte mit dem Sächsischen Staatsminister des Innern bislang jedes Jahr im Landtag durchführte.

Auf dem Arbeitsmarkt ist der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den vergangenen Jahren gestiegen. Mittlerweile haben ein Viertel aller Beschäftigten eine eigene oder familiäre Zuwanderungsgeschichte. Im öffentlichen Dienst sind Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter jedoch weiterhin unterrepräsentiert.

Das vollständige mit Kernbotschaften und Zusammenfassung
Jahresgutachtenhttps://www.svr-migration.de/wp-content/uploads/2021/05/SVR_Jahresgutachten_2021.pdf mit Kernbotschaften und Zusammenfassung

Asyl in Sachsen – neue Zahlen Stand April

Im Vergleich zum Vorjahr 2019 mit insgesamt 6.645 Zugängen verzeichneten die Aufnahmeeinrichtungen für 2020 in Sachsen 4.463 Zugänge. Damit sinken die Zahlen weiter und liegen seit 2017 signifikant unter 10.000.

2021 wurden bundesweit im Zeitraum von Januar bis Ende April vorwiegend Menschen aus Syrien (42 %) aufgenommen, gefolgt von Menschen aus Afghanistan (14%) und dem Irak (10%). In Sachsen wurden im ersten Vierteljahr dieses Jahres insgesamt 1.142 Personen aufgenommen. Darunter kamen 312 aus Syrien, 100 aus Pakistan und 91 aus Afghanistan. Die Landesdirektion Sachsen gibt die Belegungsquote der Aufnahmeeinrichtungen aktuell mit 50 Prozent an.

Mit Stand 31. März 2021 waren insgesamt 21.277 Asylbewerber im Freistaat Sachsen untergebracht. In den Kommunen waren 19.786 von ihnen untergebracht - 1.491 lebten in Aufnahmeeinrichtungen. Vollziehbar ausreisepflichtig waren 10.813 der Asylbewerber in den Kommunen, 8.973 befanden sich noch im Asylverfahren.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beschied in Asylverfahren in Sachsen im Zeitraum 1. Januar bis 28. Februar 536 Anerkennungen und 487 Ablehnungen. 389 Verfahren erledigten sich. Im März 2021 kam es zu 576 Anerkennungen, 711 Ablehnungen und 944 Verfahrenserledigungen.

Im gesamten Jahr 2020 kam es nach Angaben der Landesdirektion Sachsen zu 834 Abschiebungen und (überwachte) Ausreisen.

Bundesamt veröffentlicht zum dritten Mal die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020“

Im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz legte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Forschungsbericht 38 vor. Zentrale Inhalte sind die Anzahl muslimischer Religionsangehöriger in Deutschland, Untersuchungen zur Soziodemographie und Migrationsbiographie, zur Religiosität und religiösen Praxis und zur Integration.

Zentrale Erkenntnisse sind:

Die muslimische Bevölkerungsgruppe wuchs und umfasst 2019 zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Personen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt zwischen 6,4 und 6,7 Prozent.

Die meisten Musliminnen und Muslime sind gläubig, halten aber religiöse Regeln und Praktiken sehr unterschiedlich ein. 82 Prozent der Befragten gaben an, stark oder eher gläubig zu sein.

Vor allem muslimische Religionsangehörige mit türkischem Migrationshintergrund sehen sich durch die islamischen Verbände in Deutschland vertreten.

70 Prozent der muslimischen Frauen und Mädchen tragen kein Kopftuch.

Deutsche Sprachkenntnisse werden stark von migrationsbiographischen Indikatoren beeinflusst. 79 Prozent der muslimischen Religionsangehörigen schätzen ihre Deutschsprachkenntnisse als gut oder sehr gut ein.

Bei der schulischen und beruflichen Bildung lässt sich ein Nachholbedarf erkennen. Bei den nachfolgenden Generationen wird ein deutlicher Bildungsaufstieg sichtbar.

Die Erwerbseinbindung wird stark durch das Geschlecht beeinflusst.

Der Einfluss der Religion auf die Integration wird häufig überschätzt.

Der Forschungsbericht zur Ansicht und zum Download
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forschungsberichte/fb38-muslimisches-leben.pdf?__blob=publicationFile&v=12

Uni Mannheim: Zahl von Unternehmensgründungen durch Migranten steigt deutlich

Eine aktuelle Studie der Uni Mannheim zeigt, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln äußerst gründungsaktiv sind: Zwischen 2005 und 2019 ist die Zahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund (im engeren Sinn) um die Hälfte (+52%) bzw. um über eine Viertel Million (273.000) auf 791.000 gestiegen, während die Zahl der herkunftsdeutschen Selbstständigen um 360.000 (-10%) zurückgegangen ist. Der Zuwachs unter Migrantinnen und Migranten hat also den Rückgang im Gesamtbestand an Selbstständigen zum beachtlichen Teil kompensiert.

– Expertise für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Fachkommission Integrationsfähigkeit
Berufliche Selbstständigkeit und Unternehmen von Migrantinnen und Migranten in Deutschlandhttp://www.institut-fuer-mittelstandsforschung.de/kos/WNetz?art=File.download&id=5299&name=Migrantische+Oekonomie_2021.pdf – Expertise für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Fachkommission Integrationsfähigkeit

Integrationsbarometer des SVR weiter als Bund/Länder Kooperation

Die 16. Integrationsministerkonferenz 2021 hat sich in Bremen für eine weitere Beteiligung der Länder am Integrationsbarometer (IB) des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) ausgesprochen. Damit kann das IB als empirisch gestützte repräsentative Analyse des Integrationsklimas mit der bereits für die Befragung 2019/2020 durch die Bund-Länder-Finanzierung deutlich aufgestockten Stichprobe fortgesetzt werden.

Das SVR-Integrationsbarometer ist eine repräsentative Bevölkerungsumfrage unter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland. Es misst alle zwei Jahre das Integrationsklima in der Einwanderungsgesellschaft und erhebt Einschätzungen und Erwartungen der Bevölkerung zu integrations- und migrationsspezifischen Themen. Eine Stärke ist die hohe Zahl an Befragten mit Migrationshintergrund. Nachdem der Bund im Rahmen der institutionellen Förderung des SVR, die er seit Januar 2021 vollständig trägt, die bundesseitigen Voraussetzungen für die Fortsetzung der Initiative geschaffen hatte, haben nun auch die Länder der entsprechenden Beschlussvorlage zum Integrationsmonitoring, die auch die Beteiligung am Integrationsbarometer enthält, einstimmig zugestimmt.

SVR-Bericht zum Integrationsbarometer 2020 unter
www.svr-migration.de/barometer/

Corona-Pandemie wirkt sich auch auf Gerichtsentscheidungen aus

Der Anteil der Asylbescheide des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), der von den Verwaltungsgerichten nach einer Klage aufgehoben wurde, betrug im Jahr 2020 16,6 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr (14,5 Prozent) leicht gestiegen. Die aktuellen pandemiebedingten Beeinträchtigungen, die sich auch in den Herkunftsländern der Antragstellenden zeigen, haben die Einschätzungen der Verwaltungsrichterinnen und -richter beeinflusst und beispielsweise dazu geführt, dass für Schutzsuchende durch die Gerichte nachträglich Abschiebungsverbote festgestellt wurden. Vorrangig betrifft dies mit 40 Prozent der positiven verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen das Herkunftsland Afghanistan.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
https://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2021/20210329-am-gerichtsstatistik-2020.html

Roadbox für Fachkräfte in der Geflüchteten- und Behindertenberatung

Seit dem 14. April gibt es von Handicap International ein neues Angebot im Portal des Projekts Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung. Die sogenannte Roadbox – also eine Art Werkzeugkiste - hilft bei Fragen wie: Welche Leistungen kann ich für einen geflüchteten Menschen mit Behinderung beantragen? Wann besteht Anspruch auf Auszug aus einer Aufnahmeeinrichtung? Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis? Was kann ich tun, wenn der gestellte Leistungsantrag abgelehnt wurde? Das Portal bietet Informationen zu Themen wie Asylverfahren, Anspruchsgrundlagen für Leistungen, Leistungsdurchsetzung, Spracherwerb und Empowerment. Die Roadbox wendet sich an Fachkräfte aus der Geflüchteten- und Behindertenberatung. Das barrierefreie Online-Themenportal enthält mehr als 30 Texte, Videos, Checklisten und Handlungsempfehlungen, die Handicap International in Zusammenarbeit mit renommierten Fachautorinnen erarbeitet hat. Die Roadbox ist somit gewissermaßen Deutschlands erstes Wikipedia zum Thema Beratung an der Schnittstelle Flucht und Behinderung. Trotz der Anglizismen, eine praktisches Hilfsangebot.
https://www.hi-deutschland-projekte.de/crossroads/capacity-building/roadbox/roadbox-uebersicht/

Mehrsprachiges Angebot für Ausnahmesituationen

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Anregungen zur Verhinderung von Gewalt in der Familie durch die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Zeit enthält die Handreichung des Ethnomedizinischen Zentrums, auf welche das MiMi-Projekt aus Dresden hinweist. Das wichtigste in dieser Broschüre sind allerdings die Kontaktdaten zu (mehrsprachigen) Hilfsangeboten. Die Broschüre ist in vielen Sprachen erhältlich.

Sie geht auf Folgen für Familien, Paare und Kinder in Stresssituationen ein, gibt Tipps zur Vermeidung und zur Kontrolle von Aggressionen. Herausgeberin ist die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. https://www.integrationsbeauftragte.de/resource/blob/328716/1778354/cd3dd857aa75647502c9df76d16b928e/emz-flyer-gewaltschutz-dt-data.pdf?download=1

Zugang zum Arbeitsmarkt – leicht gemacht

Leitfaden zum Aufenthalt für die Anerkennung von Qualifikationen

Das IQ-Netzwerk hat zum Anerkennungsverfahren eine umfassende Arbeitshilfe erstellt, die Zuständigkeiten und Abläufe erklärt. Gedacht ist sie für Drittstaatsangehörige Personen mit einer Berufs- oder Hochschulausbildung, die ihre Qualifikation anerkennen lassen wollen. So kann ein Aufenthaltstitel für eine Beschäftigung als Fachkraft beantragt werden.

www.netzwerk-iq.de Förderprogramm IQ/Fachstellen/Fachstelle Beratung und Qualifizierung

Arbeitsmarktzugang und SGBII/III – Leistungen

Für den Zugang zum Arbeitsmarkt erstellte die Caritas Osnabrück eine tabellarische Übersicht, die nach dem Aufenthaltsstatus unterscheidet.
www.ubs-auf.info Publikationen

Mehrsprachig aufklären über die Integreat-App

Die App der Firma Integreat wurde für Städte und Landkreise zur regionalen Information mit der TU München entwickelt und gemeinnützig fortgeführt. Etwa ein Viertel der Kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland nutzen bereits das System, um RKI-Informationen sowie entsprechende Einschränkungen und Empfehlungen tagesaktuell zu kommunizieren.

Die Daten zur 7-Tage-Inzidenz des RKI sind in Integreat mehrsprachig via Schnittstelle eingebunden und helfen dabei die aktuelle Lage rund um das Infektionsgeschehen an migrantische Zielgruppen zu kommunizieren. Bundesweite Informationen zum Impfen, Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und sich daraus ergebenende Regeln werden zentral mehrsprachig für die Städte und Landkreise aufbereitet und können um lokale Informationen ergänzt werden.

Open Source Lösung Integreat
https://integreat-app.de/corona/

Anwendungsbeispiel Corona-Informationen in Augsburg auf Rumänisch: https://integreat.app/augsburg/ro/corona-virus-mehrsprachig

Weitere aktuelle Angebote zur Corona-Information unter
https://sab.landtag.sachsen.de/de/service/hilfen/hilfe-zu-corona.cshtml