Ausländerbeauftragter und Kinderschutzbund zeichnen den Musaik e.V. mit dem Sterntalerpreis aus

Pressemitteilung 19/2019 vom 20.09.2019

Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e. V. und der Sächsische Ausländerbeauftragte zeichneten heute während einer Feierstunde das Projekt „Musaik – grenzenlos musizieren in Dresden“ mit dem Sterntalerpreis 2019 aus. Der Sterntaler würdigt den herausragenden Einsatz in der Arbeit mit Flüchtlingskindern. Das Preisgeld beträgt 3.000 € und ist für künftige Projekte mit Flüchtlingskindern vorgesehen.

Während der Feierstunde im Sächsischen Landtag mit Staatsministerin Barbara Klepsch, Christina Koch vom Vorstand des Sächsischen Kinderschutzbundes und dem Sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth nahmen die Ehrenamtlichen und geförderte Schüler den Preis entgegen.

„Ich freue mich, dass wir heute mit Hilfe des Deutschen Kinderschutzbundes den Sterntalerpreis an den kreativen Verein Musaik e.V. verleihen können. Mein Dank gilt den lehrenden Musikerinnen und Musikern des MUSAIK e.V. Ihr Engagement fördert junge, starke Persönlichkeiten. Sie schaffen Chancen für diese jungen Menschen und bauen in der Stadt Dresden und im Freistaat Sachsen kulturelle Barrieren ab.  Auch dem Deutschen Kinderschutzbund danke ich für die großartige Arbeit. Er macht sich für Kinderrechte stark, um weiter die Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche zu verbessern“, betont Sozialministerin Barbara Klepsch.

Christina Koch vom Kinderschutzbund hob für die Jury hervor: „Insbesondere die Stärkung der Kinder wird in diesem Projekt nachhaltig und intensiv gefördert. Kreativität und Selbstvertrauen sind Schlüssel für die Entwicklung der Kinder. Diese Arbeit stärkt die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, verbessert ihre Chancen auf Teilhabe sowie Integration und gibt ihnen eine gute Perspektive in unserem Land.“

„Musik im Ensemble trägt dazu bei, kognitive Fähigkeiten auszubauen, Kooperationsfähigkeit zu trainieren und Gemeinschaft zu schätzen. Besonders gelungen finde ich den Ansatz, allen Kindern eines Stadtteils die Chance zum Miteinander zu geben. Ein schlaues, erfrischendes und herzerwärmendes Projekt - wunderbar“, zeigte sich Geert Mackenroth beeindruckt.

Musaik - zum Projekt des Preisträgers

Das Musikprojekt bietet Kindern eine kostenfreie musikalische Ausbildung. Musaik schult mit Gruppenunterricht und Ensemblespiel Kreativität, Selbstvertrauen, Kooperationsfähigkeit zwischen den Nationalitäten sowie Geduld und Ausdauer. Es wendet sich an Kinder ab sechs Jahren aus bildungsbenachteiligten Schichten, die aus ökonomisch oder familiär schwierigen Verhältnissen kommen. Bewusst werden geflüchtete und nicht geflüchtete Kinder in gleicher Weise angesprochen. Musizieren fördert die sprachliche Entwicklung von Kindern und die Hirnentwicklung.

Der Verein arbeitet eng mit einer Schule in einem sozialen Brennpunkt zusammen. Es gibt mehrere Ensembles für Streicher oder Bläser. Das Projekt zeigt, das Musizieren auf hohem Niveau nicht ein Privileg von Kindern aus Gymnasien sein muss. Derzeit sind fast alle Schüler in bekannten Jugendorchestern Gymnasiasten.

Das Projekt ist ehrenamtlich und wird durch Spenden und Stiftungen gefördert. In einer Woche werden etwa 80 Kinder im Einzugsbereich Dresden-Prohlis erreicht und mit großer Freude zum gemeinsamen Musizieren angeleitet. 40 Prozent der Kinder kommen aus deutschen Familien. Die Eltern der Kinder werden, wenn möglich, mit eingebunden und in Aufsicht und Betreuung der jungen Musiker geschult. Studenten der Musikhochschule unterstützen die Arbeit und erlernen dabei, wie Gruppenunterricht gestaltet wird, wie Kinder motiviert werden können und wie mit Konfliktsituationen umgegangen werden kann.

Deborah Oehler und Luise Börner, zwei engagierte Musikpädagoginnen, initiierten das Projekt.

Hintergrund - Kinder mit Migrationshintergrund in Sachsen

Neun Prozent aller Kinder in Kindertageseinrichtungen in Sachsen hatten zum Stichtag am 1. März 2018 mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft (9,2 %; 28.556 von 310.537 Kinder). Etwas mehr als die Hälfte aller Kinder mit mindestens einem ausländischen Elternteil besuchen die Einrichtungen als Nichtschulkinder (57,1 %).

Zu Beginn des Schuljahres 2018/2019 besuchten 35.915 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sächsische Schulen. Dies waren circa 9 Prozent der Schülerschaft. Mittlerweile sind es 36.854 Schülerinnen und Schüler.

Die Anzahl der Vorbereitungsklassen hat seit Ende des Schuljahres 2016/2017 mit 565 Vorbereitungsklassen abgenommen. Zum Schuljahresstart 2018/19 gab es 503 Vorbereitungsklassen. Aktuell sind 493 Vorbereitungsklassen mit rund 7.061 Schülerinnen und Schülern an öffentlichen Schulen eingerichtet (Stand: April 2019). Die Schüler mit Migrationshintergrund kommen aus über 141 Ländern.

Unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA)

Seit dem 1. November 2015 bis einschließlich 10. April wurden 5.438 unbegleitete minderjährige Ausländer in Sachsen erfasst. Die meisten davon in den Jahren 2015 (1.880) und 2016 (2.347). Im vergangenen Jahr 2018 wurden in Sachsen im Rahmen der Jugendhilfe 404 minderjährige unbegleitete Ausländer untergebracht. Seit Januar 2019 wurden 97 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen (Stand: 10. April 2019). Seit Januar 2016 werden in Deutschland ankommende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nur noch vorläufig von den Jugendämtern in Obhut genommen, in deren Zuständigkeitsbereich sie sich tatsächlich aufhalten. Danach erfolgt eine Verteilung auf die Bundesländer anhand des „Königsteiner Schlüssels“. Aktuell liegt der Schlüssel für Sachsen bei 4,99 Prozent.