Ausländerbeauftragter zum Internationalen Kindertag: Unterbrochene Integrationsprozesse müssen ausgeglichen werden!

Pressemitteilung 7/2021 vom 01.06.2021

Der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth, MdL, fordert eine gezielte Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund zur Linderung von Pandemiefolgen: „Die Fachwelt warnt vor den negativen Folgen der Pandemie für Kinder besonders aus Migrantenfamilien und aus prekären Verhältnissen. Dem muss unsere Gesellschaft entgegenwirken. Besonders die Sprachförderung der Kinder muss verstärkt werden. Dazu gehören zusätzlicher Sprachunterricht und die Begegnung mit Gleichaltrigen.“, so Mackenroth.

Mackenroth hatte im Frühjahr 285 Behörden, Institutionen und Verantwortungsträgerinnen und -träger in Sachsen angeschrieben und nun die Rückmeldungen ausgewertet: „Grundsätzlich ist Integration ein Prozess, der auf Entwicklungsstufen basiert. Dieser Prozess wurde an mehreren Stellen unterbrochen. Er setzt sich nicht einfach nahtlos fort. Die Auswertung zu Pandemiefolgen im Jahr 2020 bestätigt, dass Migrantenfamilien die Pandemie deutlich schlechter bewältigen als die ebenfalls betroffenen Familien der Mehrheitsgesellschaft. Fehlende technische Ausstattung, eine erst beginnende sprachliche und soziale Einbindung sowie der unterbrochene Integrationsprozess verschlechtern die negativen Folgen von Kontakteinschränkungen und mangelndem Präsenzunterricht weiter.“

Mackenroth wirbt bei dieser Gelegenheit erneut für den Sterntalerpreis, den Preis des Kinderschutzbundes Sachsen und des Sächsischen Ausländerbeauftragten. Gemeinsam würdigen sie mit dem Preis das besondere ehrenamtliche Engagement für Kinder und/oder Jugendliche mit Migrationshintergrund und Benachteiligung. Der Preis soll 2021 an ein Projekt gehen, das das Leben von Kindern während der Coronapandemie erleichtert, ihre Entwicklungschancen verbessert oder pandemiebedingte Einschränkungen abbaut.

Der „Sterntaler - Preis für besonderes Engagement für Kinder mit Migrationshintergrund und Benachteiligung“ wird zum siebten Mal verliehen. Er ist mit 3.000 € dotiert und wird zum UN-Weltkindertag am 20. September im Sächsischen Landtag in Dresden verliehen.

Einsendeschluss unter www.sterntalerpreis.de ist der 20. August 2021.

Hintergrund: Folgen der Pandemie

Im Ergebnis der zweiten Befragung der COPSY-Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) leidet jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten. Befragt wurden von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern mittels Online-Fragebogen. Vergleichen wurden die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Sorgen und Ängste nahmen noch einmal zu, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden sind verstärkt zu beobachten. Erneut sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund betroffen. (Quelle: www.uke.de)

Der Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge macht darauf aufmerksam, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Asylbewerberleistungsbezieher keinen Anspruch auf den Corona-Kinderbonus haben. (Quelle: https://b-umf.de/)

Auch das Kinderhilfswerk terre des hommes weist auf Entwicklungsverzögerungen etwa durch das eingeschränkte Recht auf Spiel (UN–Kinderrechtskonvention) hin. (Quelle: PM 27.05.21 www.tdh.de)