Vortragsreihe: Unsere Gesellschaft von morgen

Veranstaltung vom 01.11.2018 bis 19.03.2019

Vortragsreihe des Sächsischen Ausländerbeauftragten im Sächsischen Landtag mit Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Prof. Dr. Bassam Tibi, Prof. Dr. Petra Bendel, Ministerin Barbara Havliza, Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin und Gunter Krichbaum MdB. Die Schirmherrschaft hat Dr. Matthias Rößler, der Präsident des Sächsischen Landtags übernommen.

„Unsere Gesellschaft von morgen“ – wie wird sie aussehen, wie soll sie aussehen? Anders als heute. Weltweite Veränderungen in vielen Bereichen beeinflussen auch uns. Wie und mit welchem Ziel wir darauf reagieren und uns entwickeln, dazu tragen viele Kräfte in unserem Land bei. Unser Weg kann nur über Information, Reflexion und intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Willen zum Konsens führen. Den unantastbaren, unverrückbaren Rahmen bildet unser Wertesystem, das in unserem Grundgesetz Ausdruck gefunden hat. Für eine Vortragsreihe im Winterhalbjahr 2018 / 2019 haben wir sechs Persönlichkeiten eingeladen – bekannt für ihr Wissen und ihre Erfahrung in relevanten Bereichen. Sie werden Ihnen ihre Überlegungen vorstellen und mit Ihnen diskutieren.

Unter anderen sind diese Stichworte wichtig: Migration und Wissenschaft. Migration und Fachkräftegewinnung. Zuwanderung in ländliche und städtische Gemeinden. Migration und Schutz unserer freiheitlichen Grundordnung. Populismus und Akzeptanz der Flüchtlingspolitik. Migrationspolitik im europäischen Zusammenhang.

Wir freuen uns auf Sie.

Ihr

Geert Mackenroth

9. November 2018 19 Uhr Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz

Zuwanderung als Zukunftsfaktor für die Wissenschaft

Wissenschaft an sich ist international. Denn wissenschaftliches Denken und wissenschaftliche Zusammenarbeit werden von Erkenntnisstreben und der Entwicklung von Lösungen für relevante Probleme bestimmt, nicht von Staats- oder sonstigen Grenzen. Insofern sind Mobilität und Migration selbstverständlich in der Welt der Wissenschaft

Wir brauchen Zuwanderung schon aus demografischen Gründen. Alle Menschen in unserer Gesellschaft, auch die Zugewanderten müssen die bestmögliche Bildung erhalten, um integriert zu sein. Ob dies gelingt oder nicht ist auch für die Zukunft der Wissenschaft von existenzieller Bedeutung.

Prof. Olbertz hat den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. 1989 habilitierte er sich mit der Arbeit Akademisches Ethos und Hochschulpädagogik – eine Studie zu interdisziplinären theoretischen Grundlagen der moralischen Erziehung an der Hochschule. Anschließend lehrte er an den Universitäten Halle-Wittenberg und Bielefeld. Er übernahm verschiedene universitäre und öffentliche Ämter und ist/war Mitglied zahlreicher akademischer Institutionen. Von 1996 bis 2000 war er Gründungsdirektor des Instituts für Hochschulforschung (HoF) Wittenberg, von 2002 bis 2010 Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt und von 2010 bis 2015 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin.

6. Dezember 2018 19 Uhr Prof. Dr. Bassam Tibi

Wie kann Integration verschiedener Kulturen funktionieren?

Wie ist eine Balance zwischen humanitärer Zuwanderung und gesteuertem Fachkräftegewinn möglich? Ist „Umswitchen“ zwischen den Systemen Asyl – Arbeitsmigration, eine Alternative? Wo sind die Grenzen der Vielfalt und der Toleranz? Wieviel Buntheit verträgt das Land? Welche Auswirkungen haben Zuwanderung und Migration auf die Gesellschaft von morgen?

Prof. Tibi ist seit 2009 Professor Emeritus der Universität Göttingen, wo er 37 Jahre als Professor für Internationale Beziehungen lehrte. Er blickt auf eine 40jährige internationale akademische Laufbahn auf allen fünf Kontinenten zurück. In den USA wirkte er an der Cornell University, in Yale und in Harvard. Er gilt als Begründer der Wissenschaft der historisch-sozialwissenschaftlichen Islamologie als Analyse des postbipolaren Konflikts. Prof. Tibi ist Autor von dreißig Büchern in deutscher Sprache sowie von weiteren 11 original in Englisch verfassten Monographien. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt.

Daneben gibt es zahlreiche Aufsätze in deutschen und amerikanischen Fachzeitschriften.

20. Dezember 2019 19 Uhr Prof. Dr. Petra Bendel

Migration: Integrationspolitik in städtischen und ländlichen Räumen

Demographie, Strukturwandel, Abwanderung und Zuwanderung: Wie gehen städtische und ländliche Kommunen mit Chancen und Herausforderungen von humanitärer Zuwanderung um? Wie wird unter den Herausforderungen des komplexen Institutionengeflechts kommunale/lokale Flüchtlingspolitik/Integrationspolitik ausgestaltet? Wie sehen gute Beispiele dafür aus? Verorten sich Kommunen im Mehrebenensystem, (also EU -Nationalstaaten – Länder/Provinzen – Regionen – städtische und ländliche Gemeinden) dabei neu und handeln in ihrem eigenen Interesse miteinander oder auch gegeneinander (Stichwort: local turn)?

Prof. Bendel ist Professorin für Politische Wissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und seit 1997 Geschäftsführerin des dortigen interdisziplinären Zentralinstituts für Regionenforschung/Center for Area Studies.

In ihrer Lehre, zahlreichen Projekten und Studien widmet sie sich der Flüchtlings-, Migrations- und Integrationspolitik. Das gilt auch für die Organisationen und Kommissionen, in denen sie Mitglied ist. Prof. Bendel ist Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

6. Februar 2019 19 Uhr Ministerin der Justiz Barbara Havliza

Migration, innere Sicherheit und Justiz: Bankrotterklärung des Rechtsstaats?

Der wehrhafte Rechtsstaat steht vor großen Herausforderungen: Orientierungslose Jugendliche, die sich leicht radikalisieren lassen. IS-Rückkehrer, die den Krieg im Kopf mit nach Deutschland bringen. Religiöse Fanatiker, die unsere freiheitliche Grundordnung für sich ausnutzen, um sie zu bekämpfen. Nicht nur die Sicherheitsbehörden müssen auf diese Entwicklungen reagieren, auch die Justiz steht vor dieser Aufgabe. Wie kann das gelingen und was ist dafür erforderlich?

Barbara Havliza ist seit dem 22. November 2017 Justizministerin des Landes Niedersachsen.

Sie war nach dem Studium in Münster zunächst als Rechtsanwältin in Osnabrück tätig. 1987 trat sie in den Justizdienst des Landes Niedersachsen ein. Nach einer Verwendung als Richterin und Staatsanwältin wurde sie im Jahr 2001 Vorsitzende Richterin am Landgericht Osnabrück, unter anderem in einer Jugendschutz- und Schwurgerichtskammer. Im Jahr 2007 wurde sie Direktorin des Amtsgerichts Bersenbrück. Anschließend war sie zwischen 2007 und 2017 Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf in einem Senat für Staatsschutzsachen, ab 2010 als Vorsitzende. In ihrer Zeit als Vorsitzende leitete Barbara Havliza mehrere bedeutende Prozesse, insbesondere gegen radikal-islamische Terroristen.

15. Februar 2019 19 Uhr Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin

Eine Ethik der Migration

In der bewegten Zeit entwickelt die gesellschaftliche Debatte nach der so genannten Flüchtlingskrise eine eigene Sprache und Dynamik. Hemmschwellen sinken - Sprache wird zu einer Waffe. Wo bleibt die Ethik unserer Gesellschaft und ist ein Wandel durch Annäherung möglich? Populismus und Akzeptanz der Politik, Angsträume der Bürger: Wie kann Demokratie und Diskussionskultur wieder belebt werden? Wie wird sachliche Politik in einer „postfaktischen“ Gesellschaft möglich?

Prof. Nida-Rümelin lehrt Philosophie und Politische Theorie an der LMU München. Er ist Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin, ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und der Akademie für Ethik in der Medizin. Prof. Nida-Rümelin ist Kuratoriumsvorsitzender des Ethikzentrums der LMU München und leitet für die Berlin- Brandenburgische Akademie die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Internationale Gerechtigkeit“. Prof. Nida-Rümelin war von Juli 1998 bis Januar 2001 Kulturreferent der Stadt München und von 2001 bis 2002 Kulturstaatsminister in der Bundesregierung.

19. März 2019 19 Uhr Gunther Krichbaum MdB

Einheit in der Vielfalt: Modelle der Europäischen Länder in der Zuwanderungspolitik

Welche Politik betreiben Skandinavien, die Briten, die Visegrád-Staaten und Deutschland? Was bewegt die Entscheidungen? Wohin steuert die Europäische Migrationspolitik? Überblick über die unterschiedlichen Abschottungs- und Integrationspolitik dieser Länder. Was bewegt diese Länder? Ist die Europäische Solidarität noch existent? Welche Perspektiven hätte eine gesamteuropäische Lösung? Wie könnte sie aussehen?

Gunther Krichbaum war nach dem Studium der Rechtswissenshaften zunächst als selbständiger Wirtschaftsberater tätig. Seit 2002 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages, seit 2007 Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss. Er ist Mitglied verschiedener internationaler, vor allem europäischer Organisationen und Institutionen.